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  <title><![CDATA[nomaster’s kitchen]]></title>
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  <updated>2013-03-13T18:12:18+01:00</updated>
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    <email><![CDATA[nomaster@chaosdorf.de]]></email>
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    <title type="html"><![CDATA[idp13]]></title>
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    <updated>2013-02-23T16:35:00+01:00</updated>
    <id>https://chaosdorf.de/~nomaster/blog/2013/02/23/idp13</id>
    <content type="html"><![CDATA[<p>Heute ist der <a href="http://protestwiki.de/wiki/Hauptseite">International Day for Privacy 2013</a> und ich bin gerade von der
<a href="http://chaosdorf.de/2013/02/international-day-of-privacy/">Demonstration in Düsseldorf</a> wiedergekommen. Mit ca. 60 Menschen ein für
Düsseldorf recht kleiner Aufzug, der aber gut gelaunt losgezogen ist.</p>

<p>Worum es mir und den anderen so geht, habe ich mit zwei Redebeiträgen
beschrieben, die ich euch hier zum Nachlesen zur Verfügung stelle.</p>

<p>Teil 1 habe ich vor dem Losgehen vorgetragen, Teil 2 am Ende vor dem Landtag.</p>

<p>Gerne könnt ihr eure Gedanken dazu ins Kommentarfeld werfen.</p>

<h2>Teil 1</h2>

<p>Liebe Netzgemeinde,</p>

<p>wir haben uns heute hier versammelt, um die neuesten Entwicklungen aus der
politischen Sphäre anzuprangern, die sich an eine Reihe von – mehr oder weniger
durchgesetzten –  Fragwürdigkeiten anknüpft. Wir kämen gar nicht mehr von der
Straße runter, wenn wir bei jeder &#8220;In-no-va-tion&#8221; demonstrieren würden.</p>

<p>Am heutigen internationalen Aktionstag für die Privatsphäre tun wir dies
dennoch, denn es geht uns heute nicht nur über fehlgeleitete Ansätze wie die
Vorratsdatenspeicherung, Zensur und Überwachung privater Räume.</p>

<p>Es geht uns um die computergestützte Überwachung des urbanen Raums und der
automatischen Erkennung und Verfolgung der Menschen mithilfe von Daten aus den
Sozialen Netzwerken.</p>

<p>Das gibt es derzeit ein Vorhaben, das alleine 15 Millionen Euro kostet und
bereits seit 2009 zur Finanzierung von Think Tanks und entsprechenden Projekten
an Universitäten herangezogen wird: INDECT. Weitere Vorhaben folgen auf dem Fuß,
etliche Millionen Euro werden für Überwachungstechnologie ausgegeben.</p>

<p>Überwachung öffentlicher Räume und Profilerstellung aus Sozialen Netzwerken
sollen hier zu einem Apparat verbunden werden, der von Staaten und Konzernen in
Europa und weltweit zur &#8220;Be-kämpf-ung&#8221; von Kriminalität und Terrorismus
aufgebaut wird.  Das geht soweit, dass die Menschen auf der Straße per Video
komplett überwacht werden und ihr Verhalten stetig von Computern analysiert
wird. Jedes ungewöhnliche Verhalten soll erkannt und die betreffende Person
automatisch per Abgleich verfügbarer Fotos aus Sozialen Netzen identifiziert
werden und weiter verfolgt.</p>

<p>Ungewöhnliches Verhalten bedeutet für dieses System unter anderem:</p>

<ul>
<li>schnelles Laufen</li>
<li>sich in Gruppen zusammenfinden</li>
<li>Gestik und Mimik, die auf Bedrohung schließen lässt</li>
<li>lange Aufenthalte und Sitzen auf dem Boden</li>
</ul>


<p>Es geht wieder um sogenannte Störer oder Gefährder, die durch ihr Verhalten
auf der Straße identifiziert werden. Am Ergebnis massiver Videoüberwachung
zum Beispiel in England zeigt sich, dass diese Systeme keine Kriminalität
verhindern, nur verlagern und Terrorismus, so selten wie Anschläge ohnehin
bereits sind, sich davon nicht beeindrucken lässt.</p>

<p>Nun scheinen die Politiker zu glauben, dass durch den Einsatz von
Rechenzentren – anstatt dem Beamten mit dem Kaffeepott vor dem Videoschirm –
der erhoffte Effekt endlich eintritt.</p>

<p>Das glauben wir nicht.</p>

<p>Wir glauben, dass durch respektvolles Kommunizieren und solidarisches
Handeln die Straßen sicherer werden. Wir glauben, dass die Menschen
aufeinander zu gehen sollten, auch über das Internet und dass das
Bildungssystem diese Fähigkeit fördern muss.</p>

<p>So gehen wir heute gemeinsam auf die Straße, kommunizieren offen
untereinander und zur gesamten Gesellschaft. Wir brauchen kein autoritäres
Auge, dass uns ständig überwacht und ein Gewaltsystem, dass diejenigen
Menschen verfolgt, die diese oberflächlichen Harmonie durch ihre
unangepasstheit gefährden.</p>

<p>Big Brother folgt uns, nicht nur auf Twitter.</p>

<h2>Teil 2</h2>

<p>Die Unschuldsvermutung wird unter der Angst vor Terror fallengelassen; es sei
nicht mehr davon auszugehen, dass freiwillig preisgegebene Informationen
ausreichend sind. Es werden alle Informationen, die (ohne Hausdurchsuchung)
zugänglich sind, zusammengetragen und ein zweifelhaft objektives Bild des
Individuums geschaffen. Dies bedeutet einen massiven Angriff auf die
Privatsphäre.</p>

<p>Die Privatsphäre ist für uns nicht einfach das Treiben der Menschen in ihren
eigenen vier Wänden, hinter zugezogenen Vorhängen. Die Privatsphäre ist die
Fähigkeit der Menschen, sich abzugrenzen, indem sie nur bestimmte Informationen
über sich preisgeben.</p>

<p>Es muss nicht in jedem Zusammenhang alles über mich bekannt sein. Ich möchte
teilhaben können, ohne vollständig angepasst zu sein. Meine Verschiedenheit
sollte respektiert werden, aber ich möchte das Kollektiv auch nicht überfordern.
Durch Verschiedenheit entstehen Konflikte. Und das ist nicht grundsätzlich
problematisch.</p>

<p>Konflikte sollen sichtbar gemacht und gelöst werden. Dies halten wir für die
Grundlage des friedlichen Zusammenlebens. Durch die Bedrohung dieser Fähigkeit
durch Überwachung und der Angst vor Verfolgung bei jeder marginal unangepassten
Verhaltensweise wird diese Fähigkeit unterdrückt und die Kultur der
Konfliktlösung verschwindet.</p>

<p>Sich ausprobieren, sich preisgeben, sich entwickeln: Dies sind zentrale Aspekte
der menschlichen Existenz, die eine freiheitliche Gesellschaft anerkennen muss.
Wir haben nichts dagegen, dass Menschen etwas über sich auf Facebook
reinstellen. Aber wir fordern, dass sie selbst darüber entscheiden, um was es
sich da gerade handelt.</p>

<p>Wir denken, dass sehr wohl Regelungen und Verordnungen zur Verarbeitung der
Daten durch Behörden und Firmen existieren sollten. Für den Schutz des
Individuums halten wir jedoch nur Verschlüsselung und andere Methoden der
Krypthographie für wirksam. Den Menschen muss ein Recht zur Nutzung und
Verbreitung dieser Technologie anerkannt werden. Sonst ist die Grundordnung
dieser Gesellschaft weder demokratisch, noch freiheitlich.</p>

<p>Man bekommt das Gefühl, dass der Bildungsauftrag, den gerade CCC als e.V. auch
ausübt, überbeansprucht wird. Während Vertreter von Polizeigewerkschaften
Vorratsdatenspeicherung auch als Vorderraddatenspeicherung fordern, setzt der
CCC auf Bildung, unverschlüsselte WLAN und eigene
Punkt-zu-Punkt-Verschlüsselung. Informationelle Selbstbestimmung ist das Teilen
aber auch die Verantwortung, selber für Verschlüsselung Sorge zu tragen.</p>

<p>Den Menschen wird es quasi verboten, unverschlüsselte WLANs zu betreiben. Und
wenn sie darüber verschlüsselte E-Mails verschicken, geraten sie unter
Generalverdacht. An so einem Beispiel wird ersichtlich, dass Kryptographie mit
ungleichem Maß bewertet wird.</p>

<p>Worum es anscheinend geht, ist ausschließlich die Verfolgbarkeit der Menschen in
ihrer Kommunikation und in ihrem gesellschaftlichen Wirken. Das führt zu einem
System, dass die Menschen an sich anpasst.</p>

<p>Das lassen wir uns nicht bieten. Wir fordern ein System, dass sich an die
Menschen anpasst. Dazu möchten wir Technik nutzen: für offenes Kommunizieren,
für die Vebreitung von Wissen und demokratisches Entscheiden. Und das müssen wir
am Ende uns auch noch erkämpfen.</p>

<p>Erkämpfen, was heißt das für uns?</p>

<p>Liebe Netzgemeinde,</p>

<p>öffnet tausend Blogs, startet tausend Projekte, beteiligt euch an freier Kultur,
kritischer Wissenschaft und helft euch gegenseitig mit eurem Wissen und eurer
Erfahrung. Auf das uns dies niemals weggenommen werden kann.</p>

<p>Dankeschön!</p>
]]></content>
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    <title type="html"><![CDATA[Creeping 29C3]]></title>
    <link href="https://chaosdorf.de/~nomaster/blog/2012/12/29/creeping-29c3/"/>
    <updated>2012-12-29T14:25:00+01:00</updated>
    <id>https://chaosdorf.de/~nomaster/blog/2012/12/29/creeping-29c3</id>
    <content type="html"><![CDATA[<p>Beim 29C3 werden rote, gelbe und grüne Karten
<a href="https://events.ccc.de/congress/2012/wiki/Creepercards">verteilt</a>, um Personen
ein kurzes Feedback zu ihrem Verhalten zu geben, ohne längliche Diskussionen
führen zu müssen. Das ist emotional in vielen Fällen nämlich nicht zu leisten.</p>

<p>Das Konzept wurde von vielen leider nicht als Verbesserungsvorschlag
respektiert, sondern als vermeintlich bloße Trollerei ausgemacht. Das gibt
diskriminierenden Verhaltensweisen vermeintlich eine Rechtfertigung.</p>

<p>Creeper Cards trollen vielleicht. Sexistische und andere übergriffige
Verhaltensweisen werden markiert und diskutiert. Aber hier läuft was falsch: wer
glaubt, sich dagegen wehren zu müssen oder gar selber sexistisch sich zu
äußeren, trollt jedoch nicht. Sowas nennt man Mobbing.</p>

<p>Vielleicht fühlen die Leute sich als Sexisten beschimpft, wenn sie so eine Karte
bekommen. Das ist verständlich, aber nicht so gemeint. Es kommt oft leider so
rüber: „du bist ein Sexist“, anstatt „dein Verhalten empfinde ich als
sexistisch“ (siehe auch dieses <a href="http://youtu.be/b0Ti-gkJiXc">Video zu Rassismus</a>).</p>

<p>Ray hätte es besser sein gelassen, sich über die Creeper Cards lustig zu machen.
Ich weiß nicht, wie die Frauen auf der Bühne sich gefühlt haben, aber ich fühle
mich bereits als weniger deutlich männlicher Typ von seinem Verhalten bedrängt.</p>

<p>Klar unterscheiden wir nicht wertemäßig zwischen Männern und Frauen. Aber sich
provokant auf eine laufende Debatte zu beziehen, die nicht Thema der
<a href="http://events.ccc.de/congress/2012/Fahrplan/events/5309.de.html">Jeopardy</a> ist
und sein sollte, ist unangemessen.</p>

<p>Fail war auch, die er/sie-Verwechslung in einer der Antworten. Aber das haben
Ray und Sec ja selbst bemerkt. Ich hoffe, dass wenn die beiden nächstes Jahr
wieder Hacker Jeopardy machen, dass sie irgendwie mit dem Vorfall gestern
umgehen.</p>

<p>Der Programmpunkt ist sehr beliebt in der Community und hat genauso prägenden
Charakter wie die
<a href="http://events.ccc.de/congress/2012/Fahrplan/events/5385.de.html">Keynote</a>. Aber
wenn das zu sehr in Richtung „the same procedure as last year“ geht, verhärten
sich In-Group-Tendenzen in der Community. Und das wollen wir mit dem Congress
gerade nicht.</p>

<p>Gender ist spannender als die zugespitzte Debatte. Die kommt nur daher, dass das
Thema irgendwie herausgehalten wird. Bewusst oder unbewusst.</p>

<p>Ein Vortrag über <a href="http://events.ccc.de/congress/2012/Fahrplan/events/5396.de.html">Gender und Informatik</a>
wurde gehalten. Ich denke, der war zu akademisch, wie eine Pilosophievorlesung.
Das wirkt erstmal herablassend. Ich hoffe aber, dass Autodidakten wie die
unserer Szene sich da reindenken können.</p>

<p>Gerade hatte ich ein eskaliertes Gespräch am Essenstisch, den ich protestierend
verlassen habe, weil ich mich überfordert fühle. Die ständige Rechtfertigung
dafür, das Thema anzuschneiden, ist zehrend. Immer wieder fange ich von vorne an
und höre Dinge wie „lass doch mal alle Fünfe gerade sein“. Das werde ich nicht.</p>

<p>Wenn ihr den Kram kompliziert oder irgendwie unnötig findet, dann lasst die
Leute doch bitte damit in Ruhe. Ihr könnt das respektvoll beiseite lassen und
wenn euch das Thema doch mal interessiert, offen damit umgehen. Aber bitte lasst
die Unterstellung bleiben, dass das alles unrelevant sei.</p>

<p>Unrelevant, für wen eigentlich? Für Hacker? Für die Chaosfamilie? Für
Technikaffine? Unrelevant ist ein Beitrag, der an der Debatte vorbeizielt. Die
ganze Debatte kann nicht unrelevant werden, solange sich Leute dafür
interessieren.</p>

<p>Creeper Cards sind ein ein gescheiterter Ansatz, wenn die Leute, die sie
eingeführt haben, das so ansehen. Und wenn die das nochmal (anders) machen
wollen, dann sollen sie ruhig.</p>
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