Willkommen auf Planet Chaosdorf! Wir sammeln hier alle Blogs, die für uns irgendwie interessant sind – meist von Personen oder Organisationen aus unserem Umfeld

27.07.2014

Frosch - Im Netz aufgefischt #172

Arbeit

Asyl

Computersicherheit

Drogenpolitik

Edward Snowden

Ermittlungsbehörden

Freihandelsabkommen

Geheimdienste

Gesundheit

Hartz IV & Co.

Rüstung

Steuern

Störerhaftung

Telefonspam

Terrorismus

Ganz zum Schluß

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26.07.2014

dictvm - Besuch der Critical Mass in Köln

Eine Delegation des Chaosdorfs war gestern bei der Critical Mass in Köln. Eher spontan sind wir mit der @FW409 kurzerhand in die Nachbarstadt gefahren um dort dann den @docanonymous_ und @zakx zu treffen. Ausserdem konnte ich so gleich die letzten 3 versäumten düsseldorfer Critical Mass wett machen.

8 Räder sind der neue Benchmark dafür, was sich in so einer alten Feuerwehr wider Erwarten alles unterbinden unterbringen lässt. Leider habe ich gestern verpeilt, davon ein Foto zu machen. In letzter Minute habe ich mir vor der Abfahrt dann noch eine neue Sattelstütze für das Koga gekauft. Zum einen kann ich mir nur schwer vorstellen, dass das eher niedrige Tempo einer Critical Mass mit dem Rennrad besonders angenehm zu fahren ist, zum anderen wollte ich das gute alte Koga auch mal wieder bewegen. Inzwischen stand das gute Gefährt schon rund 1 ½ Monate alleine im Wohnungsflur und schaute mir und dem Rennrad immer etwas neidisch hinterher. Für den Transport zwischen all den Stahltrümmern waren mir die Carbon-Komponenten am Rennrad auch etwas zu schade.

Die Hinfahrt gestaltete sich als recht angenehm, dafür, dass wir größtenteils auf ungepolsterten Holzplanken hinter der Fahrgastzelle des alten Feuerwehrwagens saßen. Wenig überraschend hat mich die Fahrt umgeben von Rauchern auch keinen Deut gestört.

Vor Ort ging es dann gegen 18 Uhr los. Gezählt wurden insgesamt etwa 370 Teilnehmer. Eine stolze Zahl, verglichen mit den 60-80 Mitfahrern in Düsseldorf. Insgesamt ging es ganz entspannt zu. Einen Taxifahrer der eher unangenehmem Art mussten wir nach wiederholten Versuchen, durch unsere Kolonne zu fahren, festsetzen. An der Ampel wurde zu einem späteren Zeitpunkt von ihm bedroht. Süß. Ein weiterer motorisierter Verkehrsteilnehmer musste seiner kleinen Tochter an einer späteren Kreuzung dann noch demonstrieren, wie man möglichst undiplomatisch mit Problemsituationen umgeht, indem er sich mit seinen 1,60m vor mir aufbäumte, als ich ihn mit meinem Rad beim Korken daran gehindert habe, in die Menge zu fahren. Dennoch war es alles in allem sehr entspannt. Die meisten Autofahrer gingen sehr vorbildlich damit um, dass sie nun alle ein paar Minuten an der Straße stehen mussten.

Bevor es dann zurück nach Düsseldorf ging, gab es noch einen kurzen Abstecher zur ins AZ Köln. Da muss ich aber nicht nochmal hin. Den Rest der Nacht haben wir dann beim Freitagsfoo zugebracht.

Fotos gibt es beim netten Kraken von nebenan.

Critical Mass Köln

20.07.2014

Frosch - Träumerei mit Kamera (2)

Vor einem knappen Monat fing ich hier mit einer Träumerei mit Kamera an. Nun habe ich einen Ansatzpunkt gefunden, der zwar ein wenig anders funktioniert, aber hey, man kann ja mehrere Dinge parallel machen. :-)

Die niederländische Fotografin Marjolein Katsma ist gaaanz zufällig auf StatusNet/GNUSocial, und sie gab mir eher versehentlich ;-) den Hinweis auf eine Website, auf der man seine Fotos nicht nur zeigen, sondern auch direkt in verschiedenen Formaten zum Kauf anbieten kann: ArtFlakes. Eigentlich wollte ich nur wissen, was sie so treibt. Nunja, was soll ich sagen: Seit heute (äh, gestern) habe ich ebenfalls einen Shop auf ArtFlakes.

Das ganze funktioniert so, daß ich die Bilder in voller Auflösung, aber mindestens in 1200 * 1200 px, hochlade, Beschreibungen dazu eingebe und meinen Anteil am Kaufpreis festlege. Zur Transparenz: Derzeit steht für die meisten Bilder mein Anteil auf 25 %; für einige wenige, die ich technisch nicht ganz so gelungen finde, zwischen 10 und 20 %. Mehr möchte ich derzeit nicht ansetzen; erstmal sehen, ob überhaupt was rumkommt oder ob meine Fotos nur interessant sind, solange man sie kostenlos im Internet angucken kann.

Erwerben kann man die Fotos als Kunstdruck, Poster, Leinwanddruck, „GalleryPrint“ (auf Aluminiumträgerplatte) oder als Grußkarte.

Nun habe ich die Qual der Wahl! 23 Fotos habe ich bereits ausgewählt, und die Entscheidung ist gar nicht so einfach. Ich werde natürlich versuchen, in nächster Zeit möglichst viele weitere Fotos fertigzumachen und hochzuladen. Wenn jemand ein bestimmtes Foto von mir auf ArtFlakes sehen (und vielleicht sogar kaufen :-)) möchte: Schreibt es mir per E-Mail, Twitter, StatusNet/GNUsocial oder auf Google+.

Die große Auswahl steht auf Picasa – derzeit 253 Alben mit ich weiß ehrlich gesagt gar nicht wie vielen Fotos. Ein paar Tausend dürften es schon sein. Zur Identifikation benötige ich dann den jeweiligen Dateinamen des Bildes (steht rechts unter den Foto-Informationen, einfach ausklappen).

Ein echtes Handicap ist für mich nun noch die Tatsache, daß der Sensor meiner Kamera schon seit längerem einer Reinigung bedarf. Die Flecken auf dem Sensor sieht man dann besonders deutlich, wenn ich einen hohen Blendenwert benutze – wegen der damit verbundenen Tiefenschärfe und/oder eines gewissen plastischen Effekts mache ich das allerdings sehr gerne. Da ich mangels Erfahrung diese Flecken mit GIMP nur notdürftig und selbst das nicht in allen Bildbereichen entfernen kann, kommen relativ viele Fotos für die Veröffentlichung auf ArtFlakes damit erstmal nicht in Frage. Für die größenreduzierten Fotos, die ich auf Picasa schiebe, hat mir das notdürftige Drüberwischen bislang genügt; für ArtFlakes ist mein Anspruch natürlich höher.

Aber ich hoffe, daß ich dieses Problem bald lösen, sprich, den Sensor wieder reinigen lassen kann.

BTW, ich suche immer noch (mindestens einen) Menschen mit Erfahrung, der mit einem dieser Reinigungs-Kits umgehen kann. Die kosten nämlich schon pro Stück deutlich weniger als eine Reinigung im Fotogeschäft und können dann auch noch mehrfach genutzt werden. Die Anwendung soll allerdings bei allen mehr oder weniger tricky sein. Ich hätte da gern mal Erfahrungen gesammelt; optimalerweise wünsche ich mir jemanden, der sich mal mit mir zusammensetzt und mir das direkt vorführt bzw. mich anleitet. Schließlich will ich mir nicht gleich beim ersten Versuch den Sensor töten.

Oh, übrigens – ich bin ziemlich heftig im Hyperfokus. :-)

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Frosch - Im Netz aufgefischt #171

Autismus

Barrierefreiheit

Freiheit statt Angst

Geheimdienste

Gesundheit

Hartz IV & Co.

Internetsperren

Iran

Mindestlohn

Psychotherapie

„Recht auf Vergessen“

Retro Computing

Spam

Überwachung

Urheberrecht

Vorratsdatenspeicherung

Zwangsrouter

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17.07.2014

dictvm - Quake III Arena: Eine Ode an CPMA & Clan Arena

Ich liebe Quake III Arena. Seit ich das Spiel am Tag des Erscheinens irgendwann im Jahr 1999 in Form eines frisch gebrannten CD-R-Rohlings in der Hand hielt hat es mich gepackt. Irgendwann ging ich allerdings mit Unreal Tournament fremd, weil mir die Spielphysik und das Movement eher zusagten. Erst als ich dann auf einer LAN-Party auf die Promode-Mod CPMA (Challenge ProMode Arena) gestoßen wurde, hat mich Quake III wieder gepackt.

Quake III Arena Screenshot

Seit dem passiert es mindestens einmal im Jahr, dass mich die Lust packt, mal wieder einen gewissen Level in UT, UT2004 und Quake III zu erreichen. Insbesondere Quake III schafft mich aber jedes Mal wieder, weil man dem Spiel und dessen Konfiguration so langsam das Alter anmerkt. Ich spiele zur Zeit auf einem Retina Macbook Pro 13” und ich brauchte durchaus einige Zeit, bis ich mir die nötigen Konfigurationszeilen herausgesucht habe. Also halte ich die nun hier einfach mal fest, damit ich nicht jedes Mal von neuem suchen muss:

Quake III stammt noch aus einer Zeit, in der Displays primär eine Aspect Ratio von 4:3 hatten. Heutzutage dürfte 16:10 die größte Verbreitung haben, gefolgt von 16:9. Für ein Retina Macbook Pro überschreiben wir die AR wie folgt und setzen gleich die passende Auflösung, indem wir folgende Zeilen in der q3config.cfg editieren:

r_mode -1
r_customwidth 1440
r_customheight 900

Soweit ich erkennen kann, scheint Quake III in dieser Auflösung tatsächlich die maximale Auflösung des Displays zu verwenden, obwohl nicht die native Auflösung angegeben wird. In der nativen Auflösung habe das Spiel leider nicht starten können. Es sieht jedenfalls dem Alter entsprechend ganz passabel aus. Die Auflösung müsstet ihr dann ggfs. eurem Display entsprechend anpassen.

Quake III Arena on 13inch MBP Retina

CPMA: Wer CPMA Clan Arena spielen möchte, steht erstmal vor dem Problem, dass keine Maps gefunden werden. Um Clan Arena zu spielen, muss nämlich erst einmal der Game-Mode umstellt werden - nachdem man bereits ein Spiel in z.B. dem Tournament-Modus gestartet hat. Dort löst man dann einen Callvote für Clan Arena aus:

/cv game ca

Ärgerlich ist, dass standardmäßig der Selfdamage für die Panzerung aktiv ist. Den Selfdamage deaktivieren wir dann also auch mittels Callvote:

/cv selfdamage off

Das sollte erstmal reichen um sich wieder warm zu spielen.

14.07.2014

Chaosdorf e.V. - C++-User-Group Treffen im Chaosdorf am Mi, 16.07.14

Am Mi. den 16. Juli trifft sich (wie jeden 3. Mittwoch im Monat) die C++ User-Group NRW und Interessierte zu einem Themenabend zu C++.

Thema diesmal: Das C++ Committee Meeting im Juni in der Schweiz.
WIr werden wieder mit Michael Wong über die aktuellen Themen in der C++ Standardisierung reden, C++ 14, C++17 und C++11 werden sicher Thema sein.

Ab 19:30 Uhr beginnt das Treffen im Chaosdorf.

13.07.2014

Frosch - Im Netz aufgefischt #170

Autismus

Geheimdienste

Gustl Mollath

Hartz IV & Co.

MMS

Psychiatrie

Störerhaftung

Verkehrspolitik

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12.07.2014

Frosch - Eintausend

Hoppla. Da will man nur ein bißchen bloggen, das ganze zieht sich über ein paar Jahre, und auf einmal bin ich beim eintausendsten Artikel. :-)

Am 14. April 2007 habe ich – damals gerade zu Besuch in Forchheim beim Roten Ochsen – mal testweise Blosxom installiert. Das war noch auf meinem ersten Server, seeadler, einem süßen kleinen Pentium III, und Blosxom war nicht mehr als ein einzelnes Perl-Script.

Der Grund, damit überhaupt anzufangen, war gewesen, daß mir meine statische Site für einige Themen ungeeignet erschien. Zeitabläufe ließen sich damit nicht gut darstellen, und einige Themen waren eben nur eine Zeitlang relevant, oder sogar nur ein einziges Mal. Da schien mir ein Blog besser geeignet.

In Blosxom ließ sich mein Layout auch sehr gut übernehmen, und es kam ohne Datenbank aus. Allerdings zeigten sich mit der Zeit auch die Nachteile der Schlichtheit:

  • Es war nicht möglich, einen Artikel mehreren Kategorien zuzuordnen, weil jeder Artikel seine Zuordnung dadurch bekam, daß er in einem entsprechenden Ordner im Dateisystem lag.
  • Jede spätere Änderung an einem Artikel änderte auch den Zeitstempel der Datei – den Blosxom hernahm, um das Artikeldatum zu generieren. Ein editierter Artikel bekam damit also einen neuen Zeitstempel und rutschte wieder nach oben, auch wenn ich einfach nur einen Tippfehler rausmachen wollte. Ich mußte also für jede geänderte Datei vorher den Zeitstempel aufschreiben, dann editieren, dann mit touch den Zeitstempel zurücksetzen. Das war auf Dauer etwas störend.
  • Eine Vernetzung mit anderen Blogs war nicht möglich, weil Kommentare und Trackbacks/Pingbacks nicht vorgesehen waren.
  • Die Erfassung durch Suchmaschinen, insbesondere Google, war mangelhaft und generell schlechter als die Erfassung der statischen Website.

Da ich mich an das Bloggen nun doch recht schnell gewöhnt hatte und ein wenig „mehr“ wollte, schaute ich mir WordPress an und war erstmal gar nicht so begeistert. Die damals aktuelle Version von der Website hatte dann allerdings schon einige Probleme weniger. Ich hätte ja zu diesem Zeitpunkt gern etwas gehabt, was vom Funktionsumfang her zwischen Blosxom und WordPress steht, aber das gab’s nicht; zumindest habe ich nichts gefunden. Serendipity hatte ich mir angesehen und war an der Erstellung des eigenen Themes grandios gescheitert; mir lag nämlich schon daran, daß statische Website und Blog das gleiche Layout haben. Wiedererkennungswert und so.

Wie man sieht, ist es dann bei WordPress geblieben ;-)

Ein bißchen Statistik:

Juni 2014
Besucher 9482
Pageviews 71480
Spiders 15321
Feeds 25887

Zugriffe via Spider und Feeds dürften allerdings zu einem nicht ganz so geringen Anteil von Spammern/Harvestern generiert worden sein.

Valide Kommentare seit Umstellung auf WordPress: 2.287

Ungezählt: Spamkommentare und Einbruchsversuche. ;-)

Installierte und aktive Plugins:

  • Admin renamer extended
  • Clean Archives Reloaded
  • D64 LSR-Stopper
  • Flattr
  • FlattrComments
  • NoFollow Free
  • StatPress Reloaded
  • Subscribe To Comments
  • Thin Out Revisions
  • Wordfence Security

Dankeschön

… an alle, die das Blog durch Kommentare und eingehende Links bereichert haben.

… an alle, die mir durch Tips und Hinweise geholfen haben, das Blog zu verbessern und besser abzusichern.

So, jetzt auf zu den nächsten tausend Artikeln ;-)

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06.07.2014

Michael Stehmann - Besuch in Aachen

Am 02.07.2014 wollte die Grüne Jugend StädteRegion Aachen eine Linux-Install-Party im dortigen Grünen Zentrum veranstalten, um Menschen zu helfen, Linux Mint auf ihren Computern zu installieren.

Aufgrund unserer guten Erfahrungen mit der Aachener Freien-Software-Szene fuhren Mechtilde und ich dorthin.

Als wir kurz nach der Uhrzeit, die als Beginn angeben worden war, im Grünen Zentrum ankamen, war der Raum schon voll (meist männlicher) Menschen. Neben der Grünen Jugend trafen wir vor allem uns bekannte ALUG-Mitglieder an, die auch das Kernteam des “Open-Source-Arbeitskreises der Fachschaft Mathe/Physik/Informatik der RWTH Aachen” bilden und stolz ihre entsprechenden Polo-Shirts trugen.

Leider war niemand anwesend, der Linux Mint oder ein anderes GNU/Linux installiert haben wollte. Auch traf im Laufe des Abends niemand mit diesem Begehren ein. Ein gutes Zeichen?

Nun wurde der Abend etwas umfunktioniert.

Zunächst gab man mir Gelegenheit, spontan etwas zu Freier Software und der FSFE zu sagen. Sodann gab es ein kleine CryptoParty. Jemand aus dem “Open-Source-Arbeitskreis” hatte Folien (LaTeX) zur Hand, anhand derer er in die Kryptographie, vor allem GnuPG, einführen konnte. Sodann wurde Enigmail installiert, es wurden Schlüssel erzeugt und der Austausch verschlüsselter Mail ausprobiert. Leider konnten nur eine kleine Minderheit der Anwesenden an dieser Party aktiv teilnehmen, den für die meisten war der Austausch verschlüsselter Emails kein “Neuland” mehr.

Dennoch haben sich die Stunden in Aachen gelohnt. “Alte” Bekannte im “richtigen Leben” zu treffen und mit ihnen ein wenig Konversation zu pflegen, ist wichtig. Hinzu kam noch, dass wir dem politischen Nachwuchs einer an der Landesregierung beteiligten Partei unser Anliegen noch ein wenig näher bringen konnten.

Michael Stehmann - FreeYourAndroid 2.0?

Vortragsthema des Fellowshiptreffens am 25.06.2014 war: Freie Software bei Smartphones.

Der Referent marudor ist Mitglied des Chaosdorfes und war bei unserem FreeYourAndroid-Workshop ein wichtiger Unterstützer.

Er gab eine kritische Bestandsaufnahme.

Apple und iOS wurden von ihm sehr gut begründet als Katastrophe im Hinblick auf Freie Software dargestellt. Auch “Cythia” schafft hier nur eine unwesentliche Verbesserung.

Bei Android galt seine Kritik zunächst der Unübersichtlichkeit des F-Droid-App-Stores. Hier konnte aber klargestellt werden, dass dieses aus dem erfreulichen Wachsen des freien App-Stores resultierende Problem erkannt worden ist und angegangen werden soll.

Begründete Kritik erfuhr auch Cyanogenmod, welches nach Gründung eines entsprechenden Unternehmens leider einen Weg eingeschlagen hat, dem man nicht mehr folgen möchte. Vor allem unter dem Aspekt der Privacy ist eine gravierende Verschlechterung eingetreten.

Replicant unterstützt leider nur wenige Geräte. Auch hier wird die weitere Entwicklung unter dem Aspekt der Privacy kritisch zu beobachten sein.

Die Chance auf einen Durchbruch für andere Betriebssysteme (Firefox OS, Tizen, Ubuntu Touch, Sailfish) schätzte der Referent aufgrund des Teufelkreise “Ohne Nutzer keine Community – Ohne Community keine neuen (freien) Apps – Ohne große App-Auswahl keine neuen Nutzer” nur als gering ein.

Als Fazit konnte eine eingeschränkte Empfehlug für eine APK-Installation, also ein Android ohne die Veränderungen durch die Hersteller-Versionen, gegeben werden. Insoweit wird auf der Grundlage von marudors Argumenten die FreeYourAndroid-Kampagne der FSFE aufgrund der aktuellen Entwicklung, vor allem bei Cyanogenmod, einer kritischen Überprüfung zu unterziehen sein.

Erfreulicherweise hat marudor auch seine Vortragsfolien (als PDF) zur Verfügung gestellt.

Das nächste Fellowshiptreffen in Düsseldorf findet am 30.07.2014 ab 19:30 Uhr im Chaosdorf, Hüttenstr. 25, 40215 Düsseldorf, statt.

Neal wird einen Vortrag zum Thema “ZFS: Love Your Data” halten.

Um 20:00 Uhr beginnen wir mit dem “offiziellen” Teil. Wer später kommt, verpasst also was.

Gäste sind wie immer herzlich willkommen.

Michael Stehmann - Open.NRW

Das Projekt Open.NRW geht weiter – langsam aber stetig.

Bereits im vorigen Jahr fand im Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen das Zukunftsforum „Digitale Bürgerbeteiligung“ statt. Ziel dieses Zukunftsforums war es erklärtermaßen, erste Eckpunkte der Open.NRW-Strategie vorzustellen und in den Diskussionen vor Ort Impulse für die Weiterentwicklung der Strategie zu gewinnen.

Am 27.05.2014 hat die nordrhein-westfälische Landesregierung die Open.NRW-Strategie verabschiedet.

Am 24.06.2014 fand nun in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen ein Informationsabend zur Open.NRW-Strategie statt. An diesem nahmen auch Mechtilde und ich teil. Zuvor war der Termin unwetterbedingt vorschoben und aus dem Innenmisterium in die Staatskanzlei im “Stadttor” verlegt worden.

Eingeladen hatte der CIO des Landes, der im Innenministerium “beheimatet” ist und der auch die Veranstaltung leitete.

Wir trafen dort alte Bekannte und neue Freunde.

Die vom Kabinett beschlossene Strategie soll nun langsam aber nachhaltig umgesetzt werden.

Für die kommunalen Gebietskörperschaften ist diese Strategie aus rechtlichen und politischen Gründen nicht verbindlich. Es soll jedoch ein Erfahrungsaustausch mit den Kommunen stattfinden, die insweit schon engagiert sind.

Bei der Umsetzung der Strategie soll mit dem Teil begonnen werden, der sich mit offenen Daten befasst.

Hier waren für den Chronisten vor allem zwei Punkte von Interesse: Lizenzen und Standards.

Hinsichtlich beider Punkte herscht wohl noch Klärungsbedarf, was es erlaubte, das Angebot zu unterbreiten, den Sachverstand der FSFE zu beiden Fragen einzubringen.

Die Frage der Lizenzierung wurde als dringlich und vorrangig zu klären erkannt, da hier Fehler nur schwer reparabel sind.

Interessant war zunächst die Information, dass nur die liberalere Version der Deutschlandlizenz zur Version 2.0 fortentwickelt werden soll.

Überraschend war, zu erfahren, was die öffentliche Hand an den vorhandenen, bekannten und gebräuchlichen Freien Lizenz stört: Der dort regelmäßig vorhandene Haftungsausschluss. Die öffentliche Hand will für die Richtigkeit der veröffentlichten Daten haften. Aus dem Publikum wurde geltend gemacht, dass die Deutschlandlizenz Akzeptanzprobleme bei den Nutzern aufwirft, und es wurde darum gebeten, ein “Lizenzwirrwarr” tunlichst zu vermeiden. Seitens des Chronisten wurden die Möglichkeit einer ergänzenden Erklärung zur Haftung ebenso ins Spiel gebracht, wie eine Duallizenzierung.

Es wurde hier eine für Externe offene Expertenrunde ins Auge gefasst. Der Chronist hat seine Bereitschaft für eine Teilnahme an dieser bekundet.

Hinsichtlich von Standards gibt es noch weniger Klarheit. Allerdings wurde in diesem Bereich die Tunlichkeit einer Zusammenarbeit und Abstimmung mit anderen öffentlichen Institutionen, die Daten veröffentlichen, beispielsweise den Kommunen, und den Nutzern erkannt.

Geodaten waren einen weiteres, intensiver diskutiertes Thema. Hier ging es vor allem um die Gebührenpflichtigkeit derselben. Der Chronist wies darauf hin, dass in diesem Bereich Gebührenmodelle notwendigerweise mit Nutzungseinschränkungen verbunden sind. Auch wenn es nicht in der Macht derer liegt, die mit der Umsetzung der Strategie befasst sind, war bei diesen eine gewisse Sympathie dafür zu erkennen, solche Nutzungseinschränkungen zu vermeiden.

Auch die Gebührenpflichtigkeit von Registerdaten wurde aus dem Publikum kritisiert.

Der CIO wurde vom Publikum darin unterstützt, zu derartigen Veranstaltungen künftig ein- bis zweimal jährlich einzuladen.

Frosch - Im Netz aufgefischt #169

Computersicherheit

Datenschutz & Überwachung

DE-Mail

Drohnen

Ermittlungsbehörden

Frauen

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Leistungsschutzrecht

Netzpolitik

PayPal

„Recht auf Vergessen“

Urheberrecht

Verschlüsselung

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30.06.2014

forschungstorte - Die Neutrale Zone

Auf dem Parteitag in Halle hat sich eine Gruppe Menschen in der Vorhalle des Versammlungsortes zusammengetan um sich "progressiv" gegenüber dem "konservativen" Wahlverhalten der Versammlungsmehrheit als Parteiflügel zu manifestieren.

Diese Gruppe, die sich in der Vorhalle zusammentat, machte mich wütend. Nicht, weil sie ein Gegengewicht zu dem, was sie selbst nicht mittragen wollten, etablieren wollten. Die Anberaumung dieser Veranstaltung sollte etwas abseits passieren, sodass sie nicht von Leuten aus der Versammlung hätten nieder gemacht werden können. Das ist legitim. Das ist nicht mein Problem. Diese Vermutung habe ich einigen "Konservativen" in der Versammlung mitgeteilt die mir dann auf Twitter später nachts bestätigt wurde.

Doch das Gefühl, dass sich hier ein "wir" gegen ein "ihr" noch stärker manifestiert, ärgert mich. Ein Parteiflügel, der eine Partei vielfältiger und demokratischer macht, könnte viel mehr sein als ein gemeinsamer Identifikationspunkt von dem man Andere betrachtet und gegen diese agiert.

Manifeste, greifbare Parteiströmungen, sind in meiner Sicht demokratischer und transparenter als diffuse Meinungsgruppen, die auf Twitter haten und sich in Ragelines gegenseitig in ihrer Wut auf "die Anderen" bestätigen.

An dieser Stelle erlabe ich mir, aus dem Nähkästchen zu plaudern:
Ich habe mich seit ich mir politisch eine Auffassung zusammentragen konnte als progressiv eingestuft. Ich wurde von Freunden, Familie, Mitmenschen meistens als jemand bezeichnet, der viel zu früh geboren wurde. Viel zu vorwärts für diese Welt. Müsste mich am besten einfrieren und in 1000 Jahren wieder aufwachen. Futurama. Ihr kennt das.

Dieses Selbstverständnis, welches für mich den Ankerpunkt meiner politischen Tätigkeiten bildet, wurde verletzt. Mimimi. Ich wurde nicht eingleaden und fühlte mich übergangen von einer mir elitär erscheinenden Clique. Ich bin denen wohl nicht gewogen genug. Meine Nase passt wohl nicht. So fühlte ich mich. (Und ich kann meinen Arsch darauf verwetten, dass ich nicht alleine bin.)

Solche Gefühle hat jeder Mensch hin und wieder. Ausnahmslos. Sowas gegebenenfalls als Schwäche zu kategorisieren bestärkt noch viel mehr Struktren die undurchlässig werden können und Menschen ausschließen. In einer Partei, die für Plattformneutralität und Möglichkeitenermöglichung stehen sollte.

Noch trauriger fand ich, dass meine Wut wohl als Bosheit ausgelegt wurde, dass ich als jemand gesehen wurde, der ihre Gruppe angreifen und vielleicht sogar ihre Legitimation anzweifeln wollte.

Schade. Denn dem ist nicht so.

Mir schadenfroh erscheinende "du magst doch nur uns pösen Berliner Gendersternchen nicht"-Kommentare von Leuten, die es hätten besser wissen können, waren noch weitere Stiche in die Magengrube.  Und für mich ein Zeichen, dass diese Leute noch immer nicht sehen (wollen?), dass Leute wie ich "Gendersternchen" nicht aus bösartigem Maskufantum ablehnen, sondern weil sie uns als sprachliches Mittel nicht inklusiv genug sind.

Mitgemeint. Das ist doch der Grund, warum es Gendersternchen gibt. Damit im generischen Maskulinum das Femininum nicht nur  mitgemeint wird.

Doch dass ich
a) Dudda und Sekor gewählt habe und
b) erst positiv überrascht war, dass Lauer als weitere Alternative zu den bisherigen Kandidaten sich zur Wahl stellen wollte, war leider nicht sichtbar.

Doch Lauers Gepolter und sein Verhalten auf der Bühne machten mich stinkesauer. Gerade weil ich so enttäuscht wurde. Die Rede war eine wundervolle politische Rede. Exzellentes politisches Gespür hätte er jedoch erst dann bewiesen, wenn er die gesamte Versammlung hätte mit nehmen können anstatt zu sticheln und verbal zu verletzen.

Genauso genervt und verzweifelt war ich, als ich viel Zeit auf und um den Parteitag damit verbrachte, Leuten in meinen Reihen zu erläutern, dass Ankes Rede sehr wohl angebracht und verdammt wichtig ist und ihre "Angst vor der Versammlung" nicht aufgrund ihrer Ausdrucksweise und Lagerzugehörigkeit einfach abzutun ist. In solchen Fällen ist es ratsam, Gefühlsäußerungen in der Rede im Raum stehen zu lassen, Anke gelten zu lassen und den Kern ihrer Aussagen - Wir sind hier doch alle da, um den Überwachungsstaat und Totalitarismus zu bekämpfen - wahr zu nehmen.

Und ja, ich kenn das mit dem Bammel vor einer Gruppe, von der ich den berechtigten Eindruck habe, dass sie mich nicht mögen.
 
Ich habe diesen Bammel vor einigen Leuten, die sich als feministisch bezeichnen, aber mir gegenüber sich großkotzig wie die schlimmsten Macker behnehmen. Weil ich "es nicht verstehe".  Leute, die mich als Antifeministin bezeichnen, ohne mich zu fragen, was ich wirklich will.

Ich war auch in eher alltäglichen Situationen um den Parteitag verzweifelt, als ich brötchenschmierend in der Ferienwohnungküche stand - als Frau doch sicher für alle ganz klassich die Arbeit mache.

1. Ich bin keine "Frau", nur weil ich diesen Körper bewohne, also lass mich mein Frühstück machen und in Ruhe aufwachen. Moron. (Gedanken eines unausgeschlafenen Menschen sind einfach noch nicht gesittet, sorry for my French.)

2. Hör mit dieser sexistischen Grütze auf, die Frauen zurecht wütend macht. Weil sie wütend sind und jeden Tag diese Grütze über sich ergehen lassen müssen, werden sie für Leute, die unbedacht sexistsche Grüze verteilen, ungemütlich. Das nennt sich Teufelskreis, Amigo.

Ich hoffe, dieser kleine Ausschnitt aus meinen persönlichen Erleben kann einen kleinen Einblick geben, wie es zwischen diesen Lagern in einem scheinbaren Vakuum aussieht. Wie die Lebensrealität ist, wenn man einerseits progressive Positionen, andereseits auch die Seite der scheinbar Konservativen nachvollziehen kann.

Wir sind alle mal in eine Partei eingetreten, die mit "Klarmachen zum Ändern" auftrat.

Daher rege ich hiermit die Etablierung der Neutralen Zone in der Piratenpartei an. Denn die Perspektive zwischen den den vermeintlichen Tellerrändern könnte nützlich sein:

Sammelpad Neutrale Zone
Neutrale Zone Wikiseite 






29.06.2014

Frosch - Im Netz aufgefischt #168

Bundestag

Computersicherheit

Datenpannen

Edward Snowden

Elektronische Gesundheitskarte

Ermittlungsbehörden

Fluggastdaten

Fotografie

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Leistungsschutzrecht

LGBTI

NSU-Prozeß

Psychiatrie

Rente

Urheberrecht

Und sonst so?

Ganz zum Schluß

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26.06.2014

Frosch - Versagung der Leistungen (3) / kognitive Dissonanzen

Dem ARGE war am 13. Juni (laut Briefkopf; auf dem Umschlag war kein Poststempel) „schon“ eingefallen, mich mal zu einem Termin einzuladen bzw. einen „vorzuschlagen“ (denn sanktionieren können sie mich ja nicht mehr), um mit mir zu reden. Es sollte darum gehen, meine „leistungsrechtliche Situation“ zu „klären“. Am Mittwoch früh um 9:00 Uhr.

Der Name der Sachbearbeiterin war mal wieder ein neuer, es ist nicht mehr Frau S. von der Leistungsabteilung. Ansonsten hielt man sich völlig bedeckt: Nur eine Zimmernummer, keine Abteilung, auch die Funktion der einladenden Sachbearbeiterin wurde nicht genannt. Und natürlich keine Durchwahl oder Mailadresse, sonst könnte ich ja auf die abgedrehte Idee kommen, den Termin verschieben zu wollen, zum Beispiel auf eine für mich günstigere Uhrzeit.

Das kam schon etwas überraschend nach immerhin zwei Monaten ohne Geld. Ich dachte mir, entweder denen geht wegen irgend etwas der Arsch auf Grundeis (hat man etwa meine Unterlagen wiederentdeckt?), oder will man mir etwa an der Anwältin vorbei etwas aufschwatzen? Daß da jemand sein Gewissen entdeckt hatte, glaubte ich jedenfalls nicht.

Nachdem meine Anwältin meinte, ich sollte den Termin wahrnehmen, suchte ich mir eine Begleitung (und hatte dann sogar zwei) und kippte binnen anderhalb Tagen meinen Schlafrhythmus um, um am Mittwoch morgen sowas wie wach sein zu können.

Das Auftreten der Frau B. – an deren Tür ich dann „schon“ erfuhr, daß sie Teamleiterin in der Leistungsabteilung ist – verstärkte bei mir einen generellen Eindruck von diesen Sachbearbeitern, den ich schon früher hatte.

In diesem Gespräch ergab sich für mich nämlich folgendes Bild: Sie ignorierte aktiv jeglichen Kontext, den ihre Behörde verursacht hatte (und den mein Verhalten durchaus widerspiegelte) und verlangte auch von mir, diesen Kontext aktiv zu ignorieren. Sie stellte sich als quasi isolierte Einzelperson dar, die alles andere, was diese Behörde so produziert, nicht wußte und nicht interessiert. Gleichzeitig vertrat sie aber exakt die Linie und das System des ARGE und stützt es damit weiterhin.

Ein solches Verhalten habe ich bereits vorher bei anderen Sachbearbeitern im ARGE und im faschistischen Repressionsamt erlebt, aber noch nicht in diesem deutlichen Ausmaß. Vielleicht kann man da nur die Treppe zur Teamleiterin rauffallen, wenn man dieses Verhalten schon besonders stark verinnerlicht hat. „Ich hab mit dem anderen nichts zu tun, ich zieh hier mein Ding durch, und was danach passiert, ist mir auch egal.“

Ich habe diesen Eindruck Alex Schestag erzählt, um seine fachliche Meinung als Psychologe zu erfahren:

Die Psychologie muß man erstmal verstehen. Die einzelnen Mitarbeiter möchten als Individuen, nicht aber als Vertreter des ARGE als solches angesehen werden, und berufen sich dann auf „war ich nicht, davon wußte ich nichts, das war ja früher“ etc. Gleichzeitig sind sie aber in ihrer Handlungsweise voll im System. Grundprinzip: Niemand ist zuständig, keiner ist schuld.

Daraufhin meinte er:

Das ist m. E. eine Form von kognitiver Dissonanz.

Also las ich erstmal Wikipedia; Artikel Kognitive Dissonanz (Stand: 2. Juni 2014 um 16:19 Uhr) und fand da absolut zutreffende Aussagen:

Dissonanzauflösung

[…]

Auch Scheinlösungen, Illusionen und Ausreden können Spannungen reduzieren:

  1. Die Erregung wird auf andere Ursachen zurückgeführt („Die Scheinheiligkeit der Leute nervt mich“).[5]
  2. Der Widerspruch zwischen Verhalten und Einstellung wird heruntergespielt („So schlimm ist mein Verhalten nun auch wieder nicht.“)
  3. Das Verhalten wird als erzwungen dargestellt („Ich musste so handeln.“)
  4. Nichtwahrnehmen, Leugnen oder Abwerten von Informationen
  5. Selektive Beschaffung und Interpretation von dissonanzreduzierenden Informationen

Bingo.

Sehr lesenswert ist auch der Abschnitt Forced-Compliance-Paradigma:

Die erste Gruppe (1 Dollar) bewertete die Aufgabe viel attraktiver als die zweite Gruppe und die Kontrollgruppe. Der Theorie der kognitiven Dissonanz zufolge lässt sich das Verhalten folgendermaßen erklären: Die Versuchspersonen der ersten Gruppe mussten lügen, um die Tätigkeit als spannend darstellen zu können, dabei entstand eine kognitive Dissonanz. Um diese auszugleichen, bewerteten sie die Aufgabe im Nachhinein als attraktiver. Die Versuchspersonen aus der 20-Dollar-Gruppe hatten eine externe Rechtfertigung für ihre Lüge (die 20 Dollar als Belohnung), sodass sie ihr Verhalten nicht im Widerspruch zu ihrer negativen Einstellung zum Experiment erlebten, also keine Dissonanz verspürten.

Also entweder ist die Bezahlung so gut oder sie sehen ihre Karrieremöglichkeiten (und damit wiederum die Chance auf eine bessere Bezahlung) darin, daß sie alles ausblenden, was ihnen sonst direkt ins Gesicht springen müßte. Denn wenn sie das nicht tun würden, müßten sie eigentlich schreiend und entsetzt über sich selbst aus ihren Büros rennen.

Die Konsequenzen:

Je nachdem, ob Mitmenschen freundlich oder unfreundlich behandelt werden, ändert sich die Einstellung zu ihnen. Wenn wir jemandem nicht helfen oder sogar schaden, wird das Opfer von uns abgewertet (vgl. Opfer-Abwertung und Entmenschlichung). Eine freundliche Handlung macht unsere Einstellung freundlicher, was weitere freundliche Handlungen wahrscheinlicher macht; für unfreundliche Handlungen gilt dasselbe: ein Rückkopplungsprozess wird in Gang gesetzt.[19]

Ergo dürfen sie natürlich gar nicht hilfsbereit auftreten oder müssen sogar Schaden anrichten, damit nicht etwa der Eindruck entsteht, sie würden gegen die Interessen ihrer Behörde (also: Geld sparen, Bedürftige loswerden) handeln – und das dann vielleicht sogar noch aus voller Überzeugung.

Ich schließe daraus, daß in solchen Behörden gezielt eine Art psychischer Störung gezüchtet wird: Menschen, die im Sinne ihrer Behörde lügen, Unterlagen verschwinden lassen, Verfahren verschleppen und Bedürftige nötigen, und die Konsequenzen daraus komplett ausblenden – und das alles letztendlich zu ihrem persönlichen Vorteil vor sich rechtfertigen.

Der ständige Wechsel der Sachbearbeitung macht das ganze noch einfacher: Alles, was vorher geschehen ist, kann man problemlos abwerten oder gleich ganz ignorieren, denn wenn es überhaupt geschehen ist, war’s ja irgendjemand anderes. So ist es noch einfacher, keinerlei Kontext oder System erkennen zu lassen. Und doch funktionieren alle genau innerhalb dieses Systems und erzeugen gemeinsam den Kontext.

Je weiter oben jemand auf der Leiter ist, desto stärker ist diese Störung fortgeschritten. Das Endstadium sieht man dann an Gestalten wie dem völlig die Realität verweigernden Heinrich Alt. Wie ich vor einem halben Jahr schon sagte:

Denn Heinrich Alt ist zu feige, sich der Realität zu stellen, die er selbst mitverursacht hat und immer noch mitverursacht. Statt hinzusehen, wenn seine Schergen menschliche Existenzen zerstören, versteckt er sich lieber hinter fröhlich gefälschten Arbeitslosen-Statistiken.

Um zum Tagesgeschäft zurückzukommen: Die Sachbearbeiterin B. verweigerte mir zunächst die zweite Begleitperson mit der scheinheiligen und offensichtlich falschen Begründung, es sei zu wenig Platz im Raum, und sie würde sich dann so eingeengt fühlen. Tatsächlich war genügend Platz vorhanden, und es standen sogar außer den beiden Stühlen direkt vor ihrem Schreibtisch noch zwei weitere an einem kleinen Ecktisch.

Sie entschied, entweder es könne nur eine Person bleiben, oder die andere könne sich draußen hinsetzen und durch die geöffnete Tür mithören. Natürlich hatte ich sehr was dagegen, daß die Tür offenblieb, aber Datenschutz ist dort ja nicht so üblich. Um die Sache nicht weiter hinauszuzögern, entschied ich, welche meiner beiden Begleiterinnen im Zimmer bleiben sollten, und schickte die andere vor die Tür.

Als erstes betonte Frau B. dann, daß ich doch die in den Schreiben geäußerten „Unsachlichkeiten“ (so heißen dort Tatsachen) bitte bleiben lassen solle, sie wolle freundlich mit mir reden. Hmja.

Da man natürlich auch sehr freundlich lügen kann, erzählte sie als nächstes sehr freundlich die Lüge, ich hätte die Gewerbeanmeldung für Nerd4U nicht vorgelegt, und meine Fragen seien auch nicht angekommen. Sie hatte allerdings nur eine Hilfsakte da liegen, weil die Hauptakte ihrer Aussage nach in der Rechtsabteilung sei. Das machte es mir natürlich unmöglich, die Behauptung, meine Briefe und die Gewerbeanmeldung seien nicht in der Akte, zu überprüfen. Ansonsten betonte sie, daß sie mit dem Posteingang nichts zu tun hätte.

Ich konnte mir die Bemerkung nicht verkneifen, daß ja auch 2012 schon gezielt die Briefe von mir verloren gegangen bzw. ignoriert worden waren, die unerwünschte zusätzliche Arbeit machten. Das wollte sie alles nicht wissen, „das war ja früher“ (das mit der Dissonanz; es durfte für sie natürlich kein Kontext entstehen und somit kein System erkennbar werden). Die Möglichkeit, daß überhaupt Post im Hause verloren gehen könnte, lehnte sie konsequent ab.

Als nächstes warf sie mir quasi vor, daß ich die Gewerbeanmeldung nicht mitgebracht hatte. Sie meinte, das hätte ich mir doch denken können, wenn es um meine leistungsrechtliche Situation gehe. Öhm, nein? In der Einladung stand jedenfalls nichts davon. Genau genommen war diese dermaßen nichtssagend, daß ich überhaupt keine Möglichkeit hatte, mich irgendwie vorzubereiten.

Obwohl ich nun eigentlich überhaupt keine Lust dazu habe, diesem Laden ihre verschlampten Unterlagen hinterherzutragen, habe ich schließlich zugestimmt, an einem weiteren Termin nächste Woche die Gewerbeanmeldung nochmals vorzulegen. Auf dieses nochmals werde ich höchsten Wert legen, denn ich werde auch weiterhin die Lüge, ich hätte das Papier nicht eingereicht, nicht akzeptieren.

Außerdem beantwortete sie mir die Fragen zur Anlage EKS, nachdem ich diese nochmal dargelegt hatte. Sie erklärte mir erst, sie könne ja nicht wissen, daß eine UG oder generell eine Kapitalgesellschaft erst ins Handelsregister eintragen sein muß, bevor man dafür einen Gewerbeschein bekommt. Ein paar Sätze später erklärte sie mir dann aber, daß man hier „hunderte“ von aufstockenden Selbständigen betreuen würde. Und dann wissen die das nicht? Sind das etwa alle Einzelunternehmer? Ja ne is klar.

Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, daß sich dieses „Mißverständnis“ auf meine autistischen Kommunikationsprobleme abschieben läßt. Meine definitiv neurotypische Begleiterin, die mit im Zimmer war, meinte hinterher jedenfalls, sie würde auch erwarten, daß vorzulegende Dokumente in der Einladung klar benannt und aufgelistet werden.

Schließlich erzählte mir Frau B., weiterhin sehr freundlich natürlich, daß man nächsten Dienstag dann „weitersehen werde“. Also nicht etwa, daß ich den neuen Bescheid umgehend bekomme, wenn die Unterlagen dann vorhanden sind; das wäre dann wohl zu freundlich gewesen. Nur weitersehen werde man dann.

Die Absicht dahinter, nämlich meine finanzielle Unsicherheit sowie meine (amtsbekannten) depressiven Schübe weiter zu nähren, hat sie in ihrer kognitiven Dissonanz sicher auch nicht erkannt.

Danke an Katharina und Katrina, daß Ihr Euch die Zeit genommen habt, mitzukommen!

… to be contintued …

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24.06.2014

Frosch - Träumerei mit Kamera

Thomas Sänger @HorayNarea
Discuss: Aus Leistungsbezug abmelden und um Spenden bitten

19:06 – 15. Juni 2014

Ja nee, dachte ich mir erst, einfach so dürfte das in die Hose gehen. Wer spendet schon für die pure Existenz eines anderen, und das auch noch regelmäßig?

Aber was, wenn ich dafür etwas anbiete?

Nachdem ich die Bilder und Videos von den Gewitterstürmen aus diesem Monat veröffentlicht hatte, meinte Alex:

Hast du dir mal überlegt, was mit Foto-Journalismus zu machen? Du kannst gut fotografieren, und du kannst gut schreiben. Ein Anfang wäre, im Blog mehr mit Fotos zu arbeiten, vielleicht Foto-Stories zu machen. Und vielleicht bringt das mal den ein oder anderen Auftrag.

Foto-Journalismus. Mit Fotos Geschichten erzählen, über Ereignisse berichten, oder Städte und Landschaften zeigen. Viel reisen, vielleicht Vorträge, Ausstellungen, Bildbände …

Ob ich mir das schonmal überlegt hätte? Mit knapp 14 bekam ich meine erste eigene Kamera, eine Kodak Ektra 110 (Pocketformat). Seitdem wollte ich das. Genau das.

Ein gutes Jahr später sagte man mir beim Arbeitsamt in der Berufsberatung: „Fotografin? Das können Sie vergessen, die Fotografen nehmen keine Mädchen in die Lehre.“ Der Traum starb zum ersten Mal.

Heute würde ich so eine Ansage mit einem herzhaften „Sexistische Kackscheiße!“ beantworten, aber in den frühen 80ern „war das einfach so“. Abgesehen davon, daß mich die „Beraterin“ belogen hatte, denn natürlich hätte ich mich erfolgreich bewerben können. Allerdings war sie wohl drauf getrimmt, Mädchen nur in die Bereiche Büro oder Pflege zu drücken. Und ich wußte es nicht besser.

Zwei weitere Versuche, in den Fotografenberuf zu kommen, scheiterten: Ein ausbildender Fotograf fand mich mit 28 zu alt, ein anderer – da war ich schon Anfang 30 – meinte, das sei sinnlos, weil man danach heutzutage keinen Job bekäme. Der Traum starb zwei weitere Male.

Seitdem hat sich vieles geändert.

  • Ich habe 32 Jahre Fotografier-Erfahrung. Ja, immer noch ohne Ausbildung.
  • Es gibt da jetzt doch dieses Internet.
  • Ich betreibe einen Server, hoste meine Website und mein Blog selbst. (OK, die Fotos liegen derzeit bei Picasa, weil ich mich noch nicht zu einer bestimmten Software durchringen konnte, um Fotos mitsamt Daten selbst zu hosten.)
  • Nach 27 Jahren analoger Fotografie mit der Pocket und zwei Spiegelreflexkameras – Revue AC4SP und später Canon EOS 650 – bekam ich 2009 „meine“ erste Digitalkamera, die Canon EOS 350D („meine“ in Anführungszeichen, weil sie immer noch eine Dauerleihgabe ist).
  • Dann gibt es in diesem Internet diese relativ neue Finanzierungsmethode namens Crowdfunding.

Und ich fange wieder an zu träumen.

Foto-Touren in andere Städte, einfach so oder zu Ereignissen, über Crowdfunding vorfinanziert. Die Bilder gibt’s hinterher unter CC-BY mit EXIF-Daten und ggf. Begleittext, in voller Auflösung. Dazu passende Blogartikel. Die Crowdfunding-Beträge kalkuliere ich so, daß Fahrtkosten, Übernachtung(en), Eintrittsgelder und sonstige Spesen wie Essen gedeckt sind, plus Reserven für so notwendige Kleinigkeiten wie Sensorreinigung der Kamera.

Die nächste Stufe wäre, mir eine neuere Kamera zu kaufen, eine, die dann auch Video kann (die Canon EOS 350D kann das gerade noch nicht). Und ein ordentliches Stativ. Weitere Objektive vielleicht. Und dann eine BahnCard 100.

Noch eine Stufe drauf: Auslandsreisen. Aber ich glaube, gerade übertreibe ich wirklich ;-)

Wäre sowas möglich? Yay oder nay?

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Frosch - Eine Mail an den BND (2)

Auf meine Mail an den BND sowie die Bundesdatenschutzbeauftragte und den Herrn Binninger hat letzterer heute geantwortet – lobenswerterweise unter Einsatz meines Public Key, was ja nun nicht so selbstverständlich ist. Die Antwort ging wohl auch an weitere Menschen, die eine gleichartige E-Mail gesandt hatten; zumindest von Alex Schestag weiß ich, daß er eine wortgleiche Antwort bekommen hat.

Diese Antwort enthielt allerdings eine Behauptung, die ich so nicht stehenlassen konnte:

———
Sehr geehrter Herr Binninger,

vorab: Ich nehme positiv zur Kenntnis, daß Ihnen die Anwendung von PGP/GnuPG geläufig ist. Leider nützt das wenig, wenn Sie umgekehrt keinen Public Key zur Verfügung stellen. Weder auf den gängigen Keyservern noch auf Ihrer Website habe ich irgendetwas dazu gefunden.

On 06/24/2014 01:10 PM, Clemens Binninger MdB wrote:

engen Voraussetzungen zulässig. Kommunikation, die über ausländische Domains und E-Mail-Adressen von oder nach Deutschland geführt wird, ist dem Grunde nach international. Der Bundesnachrichtendienst darf

Nein, ist sie nicht.

Meine Domains spamwiki.org, bahnblog.org und nerd4u.eu liegen genauso wie meine Domain atari-frosch.de auf der IP 88.198.13.228 (Web, Mail und teils weitere Dienste). Der Server, dem diese IP zugeordnet ist, steht in einem Rechenzentrum der Firma Hetzner. In einem deutschen Rechenzentrum.

Das heißt, jeder, der sich eine Domain irgendwo nimmt, egal unter welcher Top-Level-Domain, kann diese (oder eine Subdomain davon) via DNS auf jeden beliebigen Host umbiegen. Die Domain selbst sagt also überhaupt nichts über den Standort des Servers aus – und der Standort des Servers nichts über die Staatsbürgerschaft des Domaininhabers, der wiederum nicht identisch sein muß mit dem Betreiber des Hosts und der darauf angebotenen Dienste.

Auch der Standort des Domainhosters oder des Eigentümers einer Domain sagt irgend etwas aus – natürlich könnte sich auch ein Ausländer eine .de-Domain nehmen und die Inhalte und Dienste dann beliebig auf einem Host seiner Wahl deponieren – in Deutschland oder anderswo –, wenn er vom BND nicht entdeckt werden will.

Umgekehrt steht es mir natürlich frei, einen Server in einem anderen Land zu mieten, mir eine beliebige Domain zu nehmen, dazu einen Mailserver auf diesem ausländischen Host aufzusetzen – und bin immer noch deutsche Staatsbürgerin, deren Kommunikation zu schützen ist. Trotzdem würden diese Mails auf jeden Fall als „international“ gewertet, auch wenn ich als deutsche Staatsbürgerin dann mit Menschen E-Mails austausche, die eindeutig in Deutschland lokalisiert sind (auch wenn sie dann nicht unbedingt deutsche Staatsbürger sein müssen).

Wie man dann feststellen will, wem die Domain gehört, wenn sie über einen anonymisierenden Domainhoster wie GoDaddy reserviert wurde, möchte ich dann auch mal wissen – aber OK, natürlich greifen Geheimdienste sicher auch mal gerne dort in die Datenbank.

Noch weniger sagt der Domainname jedoch über die Nutzer aus. Wenn ich beispielsweise anderen Leuten Mailadressen auf meinem in Deutschland stehenden Mailserver unter meiner .de-Domain einrichte, weiß der BND erstmal nicht, wo sich die Nutzer dieser Mailadressen tatsächlich aufhalten oder gar, welche Staatsbürgerschaft sie haben. Sie müßten schon direkt am Netzwerkinterface meines Servers mitsniffen, um zumindest mal zu sehen, welche IPs sich so dahin verbinden … und das sagt dann immer noch nichts über die Staatsbürgerschaft der Benutzer aus, denn das könnte ja auch ein deutscher Staatsbürger sein, der gerade in, sagen wir, China weilt.

Beispiel: Wegen einer technischen Frage eines Blog-Kommentators schrieb ich kürzlich unter der .eu-Domain eine Mail nach China. An einen deutschen Staatsbürger, übrigens. Überwacht oder nicht? Vermutlich schon.

Weiteres Beispiel: Würde ich diese Mail jetzt aus einer meiner Nicht-de-Domains heraus abschicken – BND-überwacht oder nicht?

Und was der BND nicht selbst abgreift oder ausfiltert, das bekommt er dann sicher gerne von GCHQ und NSA – oder von den Franzosen? Oder den Dänen? Man kennt sich ja schließlich.

Diese strategische Fernmeldeaufklärung ist zum Beispiel zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus erforderlich.

Genau. Damit wurden zum Beispiel hervorragend die Anschläge des Anders Breivik oder der auf den Marathon in Boston verhindert – ähm, oder doch nicht?

Langsam ist diese Phrase, die als Begründung für alle möglichen Grundrechtseinschränkungen dient, ziemlich ausgelutscht; Sie sollten sich echt mal was Neues ausdenken. Oder sich dran erinnern, daß das mit den Grundrechten durchaus seinen Sinn hat.

Bundesnachrichtendienst, sondern um die Übermittlung von Metadaten an ausländische Stellen. Hierzu hat der Bundesnachrichtendienst

Oh ja, Metadaten. Das ist doch dieser wunderschön euphemistische Begriff für die Daten, aus denen man so schön viel schließen kann, ganz ohne Inhalte. Wer mit dem wann telefoniert hat oder Mails austauscht, wer welche Webseiten abruft – sind ja nur Metadaten, nicht wahr? Sagt ja so überhaupt nichts über die Menschen und ihre Interessen und Pläne aus.

Ähm, hallo? Wenn diese Daten nicht aussagekräftig wären, würde sie keiner sammeln wollen. Sie unterliegen genauso dem Datenschutz wie alle anderen persönlichen Daten auch.

öffentlich erklärt, dass solche Daten vor der Weiterleitung in einem gestuften Verfahren um eventuell darin enthaltende personenbezogene Daten deutscher Staatsangehöriger bereinigt werden. Aus nachvollziehbaren Gründen können über dieses Verfahren keine Details veröffentlicht werden.

Klar, das kann man nicht veröffentlichen, sonst müßte man zugeben: Es geht nicht. Wie oben beschrieben, sagt eine Domain nichts über Inhalte und Betreiber oder gar Benutzer aus, genausowenig eine IP-Adresse. Oder seit wann haben IP-Pakete eine Kopie des Personalausweises des Nutzers dabei?

ausländische Stellen berichten. Mit der Erfassung von E-Mails durch den Bundesnachrichtendienst hat sich das Parlamentarische Kontrollgremium bereits 2012 ausführlich beschäftigt und dazu eine

Ich bezweifle, daß dieses Kontrollgremium genügend Fachkenntnisse dafür hat, um so etwas zu bewerten. Sonst hätte ihm auffallen müssen, daß es keine klaren Kriterien geben kann, um „innerdeutsche“ E-Mails als solche eindeutig zu identifizieren.

So nebenbei geht es auch keinen Geheimdienst etwas an, wenn ich mit Menschen im Ausland per E-Mail kommuniziere oder Menschen aus dem Ausland meine Webseiten abrufen oder andere Dienste auf meinem Server nutzen – zum Beispiel die Tor-Bridge oder das OpenVPN.

öffentliche Erklärung abgegeben: Das dem Gremium durch den Bundesnachrichtendienst gründlich und plausibel erläuterte Verfahren gab keinen Anlass zur Beanstandung. Es wurde deutlich, dass auf Grund von Verfahrenssicherungen der inländische E-Mail-Verkehr nicht betroffen ist.

Klar, ist ja auch nicht nötig, denn wenn man dann aus irgendwelchen Gründen glaubt, erkannt zu haben, daß es sich um „rein innerdeutsche“ E-Mails handelt, dann bekommt man sie halt von den lieben Freunden, wie wir gerade aus den SPIEGEL-Dokumenten gelernt haben.

Das mit der Glaubwürdigkeit sollten Sie vielleicht nochmal üben.

Und ich bestehe immer noch darauf, daß meine E-Mails, egal aus welcher Domain und mit welcher IP-Adresse ich sie abschicke oder empfange und egal, wo mein Gegenüber sitzt, nicht abgefischt werden. Nicht vom BND und nicht von anderen Geheimdiensten. Auch nicht nur die Information, wann ich mit wem kommuniziere. Das geht nämlich einfach mal keinen was an.

Mit freundlichen Grüßen
———

Die Bundesdatenschutzbeauftragte und der Bundesnachrichtendienst hatten es bislang nicht nötig, auf irgend eine Weise zu antworten oder auch nur den Empfang der E-Mail zu bestätigen.

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23.06.2014

Michael Stehmann - Die FSFE beim Jubiläum der GLS-Bank

Die GLS Gemeinschaftsbank eG ist eine genossenschaftlich organisiserte Bank mit ethischem Anspruch.

Am 13. und 14. Juni fand die vierzigste Jahresversammlung der GLS-Bank in Bochum im dortigen “RuhrCongress”-Center statt. Zu diesem runden Anlass gab es ein besonderes Rahmenprogramm. Es sollte neben einem Bühnenprogramm u.a. auch eine “Erlebniswelt” und darin verschiedene Thementische geben. Auch namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur kamen.

In der “Erlebniswelt” sollte es auch einen Tisch zum Thema “Gemeinwohlorientierte Software” geben, zu dem die FSFE eingeladen wurde. Nun, die “Erlebniswelt” hieß dann “Worldcafé” und unser Tisch hatte dann den Titel “Gesellschaft 2.0 – digital und grün vernetzt”.

Mechilde und ich konnte leider nur am ersten Tag diesen Tisch für die FSFE “besetzen”, denn an diesem Abend begann auch das jährliche Treffen des deutschsprachigen Team der FSFE im Linuxhotel, an dem wir teilnehmen sollten. Am zweiten Tag wurden wir daher von Ingo vom Linuxhotel abgelöst, der aber auch schon am ersten Tag in Bochum erschien.

Um 13:30 Uhr sollte der Einlass sein. Wir saßen noch vor der Tür, als wir die ersten Leute trafen, die uns kannten und erkannten. Nun, wir waren ja auch entsprechend gekleidet. So konnten wir schon vor dem Einlass unsere Botschaft “unters Volk bringen”.

Nachdem wir dann im “Worldcafé” angelangt waren, hingen wir erstmal unser Plakat auf und drappierten unsere Flyer auf dem Tisch. Ich traf dann auch unseren Einlader, der mich unschwer am T-Shirt erkannte. An “unserem” Tisch saßen und standen dann noch neben unserem Einlader Mitarbeiter des Webdienstleisters der Bank und ein Rechtsanwalt.

Unser Tisch war am Eingang, was es unschwer ermöglichte, Leute, die nur einmal eben hereinschauen wollten, um zu erfahren, was in diesem Raum los ist, anzusprechen. Zunächst einmal hielt sich der Andrang der Genossinnen und Genossen aber in Grenzen.

Ich ging daher erst einmal in einen Vortrag von Mitgliedern des Netzwerkes plurale Ökonomik um mich über den beklagenswerten Zustand der deutschen volkswirtschaftlichen Forschung und Lehre und den Versuchen, diesen zu bessern, aufklären zu lassen. Mitglieder des Netzwerkes kamen später noch an unseren Tisch. Sie waren über Freie Software erstaunlich kundig. Gemeinsam stellten wir fest, dass Freie Software sowohl in volkswirtschaftlicher, als auch in soziologischer Hinsicht noch ein lohnendes Forschungsobjekt ist.

Nachdem ich vom Vortrag zurückkam, wurde der Andrang des Publikums lebhafter. Wir konnten viele Fragen zu Freier Software allgemein und im Speziellen beantworten. Auch unsere Flyer, vor allem der “Werkzeug”-Flyer, fanden ihre Leserinnen und Leser.

Als dann das Abendprogramm das Publikum in den Bann zog, machten wir uns auf den Weg nach Essen.

Verpflegt wurden wir übrigens an diesem Tage in hervorragender Weise.

Ingo berichtete dann vom zweiten Tage, dass er wiederum interessante Gespräche bei nicht ganz so großem Publikumsandrang geführt habe.

Insgesamt trafen wir auf ein sehr aufgeschlossenes Publikum, dass sich am Thema Freie Software sehr interessiert zeigte. Aus meiner Sicht hat sich dieser Kontakt mit einem aufgeschlossenen “Mainstream”-Publikum gelohnt, auch wenn die Leute immer wieder und aus ihrer Sicht sicherlich zurecht leugneten, “normal” zu sein.

Nachtrag: Unser Einlader ist übrigens in der Dortmunder Initiative für Freie und Quelloffene Software (Do-FOSS) engagiert.

Auch in deren Blog wurde über die Veranstaltung und den Thementisch berichtet.

22.06.2014

Frosch - Im Netz aufgefischt #167

Abmahnungen

Armut

Autismus

Behinderung / Inklusion

Bundestag

Computersicherheit

Depression

Drohnen

Edward Snowden

Elektronische Gesundheitskarte

Ermittlungsbehörden

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Informationsfreiheit

Leistungsschutzrecht

Netzneutralität

Pressefreiheit

Überwachung

Verkehrspolitik

Ganz zum Schluß

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20.06.2014

mxey - How to GTD

I struggle with many things in my daily life. If at all possible, I like to systemize them to make them easier, and especially to reduce the load of decision making. I am also a fan of building on resources made by other people. That means, ideally someone has already come up with a system to solve my problems.

Getting Things Done (GTD) is one of those systems. It gives structure to what you need or want to do in your life, to what used to be a cluttered todo list or an overflowing head filled with stuff you must not forget.

In this article, I want to describe where to start if you are interested and how I put GTD into action.

Read the book

The book is called “Getting Things Done: The Art of Stress-Free Productivity” by David Allen.

This is the most important part. GTD is not just another todo application you get from the App Store that promises to magically solve all your problems. It is a system that you need to understand, learn and make into habit if you want to use it.

I don't think they replace the book, but I can also recommend this quick summary of how GTD works and the episodes of the Back to Work podcast about it.

Get software

I had read David Allen's book years ago, but I never managed to put it into practice. Being the computer person that I am, doing it all on paper never was an option for me. For a long time while I still used Linux, I procrastinated on writing my own application for it.

Some years ago I switched to a Mac (and iPhone), which comes with at least two good options for GTD. I started out with Things. Some of its limitations bugged me, and I later switched to the godfather of GTD applications: OmniFocus. OmniFocus is sold separately for Mac, iPhone and iPad, making the combined suite pricy. I have found it well worth the price though and it's an invaluable tool in my life.

(If you use Linux on the desktop, you could check out Getting Things GNOME. Beware that I have never used it.)

Stick with it

This is the hardest part and I still have trouble with it. Getting Things Done is a system that requires constant adherance to it. You need to collect stuff. You need to process your inbox regularly. I try to process my inbox on a daily basis, but I regularly fail at that.

But when I keep my GTD system ordely and up to date, I enjoy the peace of mind and the feeling of being in control.

19.06.2014

Frosch - Eine Mail an den BND

Genauso wie Holger Koepke habe ich soeben eine E-Mail an den BND geschrieben:

To: zentrale@bundesnachrichtendienst.de
CC: poststelle@bfdi.bund.de, clemens.binninger@bundestag.de
Subject: Überwachung meines Internetverkehrs

Sehr geehrte Damen und Herren,

den Medien ist seit gestern zu entnehmen, daß Sie als Merkmal für „nicht zu überwachenden Internetverkehr deutscher Staatsbürger” allein die Verwendung der Top-Level-Domain „.de“ definieren. Dies nutzt mir, als in Deutschland lebende bundesdeutsche Staatsbürgerin und Nutzerin zweier „.org”-Top-Level-Domains sowie einer „.eu“-Top-Level-Domain, leider gar nichts. Aufgrund Ihres definierten Aufgabenbereichs (Auslandsaufklärung) gehört die Überwachung deutscher Staatsbürger (also auch mir) NICHT zu ihrem Aufgabenbereich.

Als Eigentümerin der Domains

  • bahnblog.org (privat)
  • spamwiki.org (privat)
  • nerd4u.eu (kommerziell)

fordere ich Sie daher auf, den von und zu meinen Domains laufenden Internetverkehr aus ihren Überwachungsmaßnahmen auszuklammern. Das gilt natürlich auch für sämtliche unter diesen Domains genutzten E-Mail-Adressen.

Ich bitte Sie

1. den Eingang dieser Aufforderung sowie
2. die Umsetzung der Maßnahmen

schriftlich zu bestätigen.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Becker
Helmholtzstraße 53
40215 Düsseldorf

CC: – Die Bundesdatenschutzbeauftragte
CC: – Clemens Binninger, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums

[Update 2014-06-19 22:18] StopWatchingUs Heidelberg hat sich angeschlossen: Schreibt dem BND. Jeder, der eine Domain abseits von .de hat und/oder eine Mailadresse bei einem Drittanbieter, die nicht auf .de endet, ist aufgerufen, sich anzuschließen! [/Update]

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17.06.2014

Frosch - Versagung der Leistungen (2)

Anderthalb Monate ist es nun her, daß das Amt für Repression, Grundrechtsentzug und Existenzvernichtung (ARGE) meine Existenzvernichtung beschloß; Zeit für eine erste Bilanz.

Ohne ein privates Darlehen stünde ich jetzt vermutlich schon mit dem Rücken an der Wand. Zum Glück erfuhr ich, daß so etwas ohne spätere Anrechnung möglich ist, wenn ein schriftlicher Darlehensvertrag abgeschlossen wird. So sieht’s derzeit aus:

Das Sozialgericht Düsseldorf hatte meinen Antrag auf Einstweilige Anordnung nach drei Wochen abgelehnt. Die Stellungnahme des ARGE dazu bestand zwar nur aus einer Ladung erkennbar halb blind zusammengeklickter Textbausteine (in einem wurde ich als „Herr“ bezeichnet) und ging mit keinem Wort auf meinen Widerspruch ein. Das Gericht zitierte zwar noch aus meinem Widerspruch, zog daraus aber keinerlei Schlußfolgerungen, sondern fand wohl die Textbausteine des ARGE schöner oder so – und folgte der dort nicht vorhandenen Argumentation. Daraufhin habe ich eine Fachanwältin für Sozialrecht beauftragt, mich zu vertreten, und sie hat Klage beim Sozialgericht eingereicht.

Kurze Zeit später kam dann auch der weitere ablehnende Bescheid des ARGE auf meinen Widerspruch hin, unter anderem mit dem bissigen Hinweis, der Briefkasten könne gar kein „Loch“ haben, ich hätte ja gar nicht versucht, etwas abzugeben. Klar, völlig logisch, ich werf das Zeug ein, es kommt nicht an, also hab ich gar nicht versucht, es einzuwerfen. m(

Es ist aber auch ein seltsamer Zufall, daß da immer genau die Briefe nicht ankommen, die zusätzliche Arbeit machen, kann ich gar nicht verstehen sowas …

Durch das Darlehen konnte bzw. kann ich jetzt erstmal einige akute Rückstände decken:

Gas (das heißt: Warmwasser, Heizung und Herd/Backofen): Die Stadtwerke Düsseldorf meinten, sie könnten mir die Rückstände „im Zuge der Gleichbehandlung aller Kunden“ nur für drei Wochen stunden. Mit dem Darlehen habe ich die Rückstände und den Abschlag für diesen Monat bezahlt; für Juli und vielleicht August reicht es auch noch.

Strom (das heißt: Licht, Kühlschrank, Mikrowellenherd, Wasserkocher, Brotbackautomat, PC, Ladestrom für Mobilgeräte; aber auch Telefonanlage – zwischen ISDN-Anschluß und Analogtelefon – und Zündfunken für die Gastherme – für Warmwasser und zeitweise Heizung –): Die Naturstrom AG setzte eine Mahnsperre bis 15. Juni. Die Rückstände werde ich diese Woche aus dem Darlehen bezahlen. Auch hier wird es noch für Juli und vielleicht August reichen.

Telekom (also Telefon, Internet): Bisher nur Mahnungen, keine explizite Sperr-Androhung. Auch das wird diese Woche beglichen, auch hier wird es bis maximal August reichen.

Miete: Auf eine E-Mail an die (seit März neue) Hausverwaltung kam keine Reaktion. Sie hatten zwar im Mai gemahnt, aber seitdem habe ich nichts mehr gehört. Gerade, weil die Hausverwaltung noch nicht lange zuständig ist, kann ich sie nicht einschätzen. Die Mieten für Mai, Juni und Juli kann ich aus dem Darlehen begleichen, für August wird es nicht mehr reichen.

Lebensmittelversorgung: Seit Anfang Mai lebe ich überwiegend von billigen Dosen-Ravioli, billigen TK-Pizzen und gemischten Resten aus meinem Vorrat; dazu billigstes Müsli fürs Frühstück. Statt Brot aus dem Regal nehme ich wieder Brotbackmischungen, von denen die günstigsten etwa die Hälfte dessen kosten, was Regal-Brot kostet. Dafür verbraucht der Brotbackautomat halt wieder mehr Strom. Durch kleine Hilfen aus meinem Umfeld kann ich diese Art von Basis-Versorgung noch eine Weile aufrecht erhalten.

Server: Mein letztes kleines Stückchen Autonomie, nämlich dieser Server hier, wird durch Freunde gesichert, bei denen ich noch ein kleines Guthaben stehen habe. Einen Umzug all der hier laufenden oder auch nur der wichtigsten Dienste woandershin schaffe ich nervlich derzeit nicht, und ich bin nicht bereit, all das aufzugeben, was ich da in den letzten Jahren aufgebaut habe, weil eine Behörde Scheiße baut und ein Gericht das auch noch toll findet.

Was nicht in Geld ausgedrückt werden kann, ist meine psychische Verfassung. Für diese Jahreszeit ungewöhnlich heftige Depressionsschübe, das Gefühl ständigen Drucks, Retraumatisierung in Bezug auf die gleichartigen Ereignisse im Jahr 2002 (mit tatsächlichem Wohnungsverlust), und lähmende Angst vor dem, was nach August passieren wird, wenn das Darlehen verbraucht ist.

Denn eins ist klar: Das Sozialgericht wird sich nicht sonderlich beeilen. Meine Rechtsanwältin wies mich darauf hin, daß von Sozialgerichten generell und bis hoch zum Bundessozialgericht eine Dringlichkeit wegen drohendem Wohnungsverlust frühestens dann gesehen wird, wenn die Räumungsklage zugestellt ist. Frühestens, das heißt, manchmal auch erst dann, wenn schon der Gerichtsvollzieher anklopft. Ab diesem Punkt muß der Vermieter nicht mehr einlenken, sondern kann auf der Räumung bestehen.

Die Sozialrichter würden es auch nicht als unzumutbar ansehen, mal eine Weile ohne Strom, warmes Wasser oder (falls nötig) Heizung zu leben.

Ich möchte solchen Richtern ja mal zur Hausaufgabe machen, nur eine Woche lang alle ihre Sicherungen rauszuziehen. Natürlich, da sie gut verdienen, können sie dann eben einfach außerhalb essen gehen, wenn Kühlschrank und Herd nicht mehr zur Verfügung stehen; diesen Luxus haben Zwangsverarmte nicht. Aber ob sie dann ihre Urteilsbegründungen zu Hause bei Kerzenschein diktieren? BTW, bei Kabelanschluß geht dann auch Telefonie nicht mehr, weil das Kabelmodem Strom braucht.

Auch der Petitionsausschuß des Landes NRW, bei dem ich direkt nach meinem ersten Besuch bei der Rechtsantragsstelle des Sozialgerichts vorgesprochen habe, hat sehr, sehr viel Zeit. Als nach Einreichung aller Unterlagen dann endlich mal eine Bestätigung kam, hieß es darin, das könne jetzt ein paar Monate dauern, und jede Nachfrage oder jede Nachreichung von Unterlagen kann das weiter verzögern. Danke auch, ich glaube, das hätte ich mir sparen können.

Zuletzt kam jetzt ein weiteres Schreiben, daß man die Sache an den Petitionsausschuß des Bundes weitergereicht habe – ohne Begründung für dessen angebliche Zuständigkeit. Denn der Petitionsausschuß NRW sagt ausdrücklich in seiner Broschüre, daß er für Probleme mit kommunalen und Landesbehörden zuständig sei, und das ARGE ist definitiv eine kommunale Behörde. Jetzt darf ich wohl drauf warten, daß die Sache auf Bundesebene endgültig versandet. So nebenbei bedeutet es, daß meine ARGE-Akte an eine weitere Stelle geht, die dann nichts unternimmt, und ich warte nur drauf, daß sie irgendwo auf diesen vielen Reisen dann auch noch verloren gegangen wird. Wäre ja nicht die erste Sozialakte von mir, die bei besonderer Dringlichkeit dieses Schicksal ereilt.

Solidarischer, sozialer Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland – derzeit klingt das für mich wie ein Hohn.

… to be continued …

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16.06.2014

Chaosdorf e.V. - C++-User-Group Treffen im Chaosdorf am Mi, 18.06.14

Am Mi. den 18. Juni trifft sich (wie jeden 3. Mittwoch im Monat) die C++ User-Group NRW und Interessierte zu einem Themenabend zu C++.

Ab 19:30 Uhr beginnt das Treffen im Chaosdorf.

Frosch - Bundestag und Fußball-WM

In einem Beitrag beim Deutschlandfunk vom 12. Juni (Ablenkungsmanöver: Was der Bundestag während der WM alles durchjubelt) heißt es:

„Wir haben jetzt schon Wert darauf gelegt, dass wir möglichst keine Debatten haben, wenn die Deutsche Nationalmannschaft ein Länderspiel hat“, sagt Michael Grosse-Brömer. Das gilt auch für die Haushaltswoche Ende Juni. Da werden am Donnerstag alle Etats etwas knapper besprochen als gewöhnlich. Um Viertel vor fünf soll nämlich Schluss sein. Um sechs spielt Deutschland gegen die USA.

Ich finde das interessant. Denn das heißt ja, daß die Abgeordneten im Bundestag, ohne ihren Arbeitgeber, also den Souverän, zu fragen, sich selbst wegen eines Sportereignisses ihre Arbeitszeiten verkürzen.

Es ist außerdem zu vermuten, daß auch an den anderen Plenartagen, an denen Fußballspiele laufen, mehr Abgeordnete vor Fernsehern als im Plenarsaal sitzen werden. Da gab es ja diese berühmte 57-Sekunden-Abstimmung, in der mal eben Bürgerrechte verkauft wurden – es waren eigentlich nicht einmal genügend Abgeordnete anwesend, um überhaupt eine Abstimmung durchführen zu können, aber man war sich offenbar fraktionsübergreifend darüber einig, daß man trotzdem abstimmen wollte.

Stellt Euch das mal in anderen Arbeitsumgebungen vor:

  • Angestellte in einer Firma sagen, wir machen jetzt einfach mal früher Schluß, bzw. legen keine wichtigen Tätigkeiten in diese Woche, weil ja Fußball läuft und alle abgelenkt sind, ohne den Chef zu fragen.
  • Oder: Eine Firma beschließt, in dieser Woche keine wichtigen Aufträge zu bearbeiten, weil ja Fußball läuft, alle abgelenkt sind und früher Schluß machen wollen.
  • Noch lustiger: In einem Krankenhaus werden mal eben keine wichtigen Operationen angesetzt und die Schichten werden ebenfalls verkürzt, damit alle Fußball gucken können.
  • Im Pflegeheim werden auch die Schichten verkürzt und während der Spiele keine wichtigen Pflegemaßnahmen durchgeführt.

Die Arbeitnehmer, die sowas ohne ihren Chef beschließen, hätten hinterher mindestens mal eine fette Abmahnung in der Personalakte.

Der Unternehmer, der so dermaßen auf die Fußballspiele Rücksicht nimmt, daß er wichtige Aufträge liegenläßt und/oder mit weniger Aufmerksamkeit bearbeitet, der könnte nach der WM seinen Laden zumachen.

Kranke oder pflegebedürftige Menschen würden sich sicher bedanken, wenn sie – ohne deswegen weniger bezahlen zu müssen – (noch) schlechter versorgt würden als sonst schon.

Aber unsere Abgeordneten dürfen bei vollem Gehalt einfach mal so ihre Arbeitszeit verkürzen, weil ja Fußball ist.

Geht’s noch?

Dürfen Erwerbslose eigentlich auch Termine beim ARGE schwänzen mit der Begründung, sie mußten zu der Zeit live ein Fußballspiel sehen? Oder weil ein Fußballspiel, wegen der Zeitverschiebung, bei uns mitten in der Nacht läuft, können sie nicht früh morgens beim Termin erscheinen? Die Sanktion folgte garantiert auf dem Fuße.

Die anderen Schwänzer sind allerdings viele Pressevertreter, für die, wie im DLF-Beitrag erwähnt, ebenfalls jetzt die WM im Vordergrund steht. Es gibt offenbar nichts wichtigeres als eine Fußball-Weltmeisterschaft – oder doch?

Der nächste Plenartag im Bundestag ist am 24. Juni. Auf der Tagesordnung stehen vor allem Haushaltsthemen. Unwichtig und trocken, werden viele denken, aber der Haushalt definiert, welchen Handlungsspielraum jedes Ministerium hat – und was es mit dem Geld, zumindest grob, so anstellen darf. Am gleichen Tag finden vier WM-Spiele statt, sodaß die Aufmerksamkeit von Journalisten und Bevölkerung eher gering sein wird.

Am folgenden Tag, am 25. Juni, ist wieder Plenartag. Die Tagesordnung hat durchaus spannende Punkte: So geht es beispielsweise in TOP III um die „Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA) auf Grundlage der Resolution 2100 (2013) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 25. April 2013“. Auch TOP IV betrifft militärische Einsätze, da geht es um die „Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der “United Nations Interim Force in Lebanon” (UNIFIL) auf Grundlage der Resolution 1701 (2006) vom 11. August 2006 und folgender Resolutionen, zuletzt 2115 (2013) vom 29. August 2013 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen“. Ansonsten stehen weitere Haushaltsberatungen auf der Tagesordnung. Am selben Tag laufen wieder vier WM-Spiele, sodaß wiederum die Aufmerksamkeit von Journalisten und Bevölkerung gegen Null tendieren wird.

Am 26. Juni stehen wieder „nur“ Haushaltsberatungen auf der Tagesordnung – die natürlich „pünktlich“ abgearbeitet sein muß, damit auch alle die vier WM-Spiele dieses Tages live mit ansehen können.

Die Beratung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes hat man immerhin auf den spielfreien Freitag, den 27. Juni, gelegt. Dafür soll an dem Tag auch ohne Fußball bereits um 14:25 Uhr Feierabend sein. (In einer Firma müßte man hier die versäumte Arbeitszeit nachholen.) Vor lauter WM-Berichterstattung wird man aber vermutlich vom Ergebnis dieser Debatte in der Presse nur unter „ferner liefen“ lesen. Schließlich ist Fußball, Fußball ist wichtiger als alles andere, nicht wahr?

Bei den EEG-Beratungen geht es übrigens um Steuerbefreiungen für die großen Stromfresser, die die privaten Haushalte über Strompreiserhöhungen wieder ausgleichen „dürfen“. Nach drei fußballtrunkenen Tagen wird da sicher jeder Journalist ganz genau zuhören und sehr kritisch berichten. (Ähm, ja.)

Weitere Tagesordnung für die Zeit der Halbfinalspiele (28. Juni bis 1. Juli sowie 4. und 5. Juli) und die Finalspiele (8./9. und 12./13. Juli) wurden vom Bundestag noch nicht bekanntgegeben.

Generell frage ich mich, wieso eine private Großveranstaltung Politiker, politisch interessierte Menschen, Journalisten und überhaupt die ganze Bevölkerung dermaßen in Beschlag nehmen kann, daß außenherum nichts mehr wahrgenommen wird. Andere Sportveranstaltungen, auch wenn sie einen Weltmeister-Titel versprechen, werden weder medial noch durch die Politik dermaßen stark hofiert – was ja durchaus in Ordnung ist! Aber (Männer-)Fußball – ja, das ist was „anderes“. Das einzige, was da noch gleichziehen kann, sind die Olympiaden – aber auch wiederum nur die der Nichtbehinderten: Die Olympiade der behinderten Menschen wird kaum beachtet, ein krasses Gegenstück zu der vorher laufenden Olympiade.

Ich verstehe, daß sich Menschen aus ihrem Alltag ablenken lassen wollen, für viele ist er übel genug (was man von Bundestags-Abgeordneten allerdings eher nicht sagen kann). Aber diese völlige Abschaltung aller Wahrnehmung von allem, was nicht Fußball (bzw. Olympia) ist, die kann ich nicht verstehen.

Primär ist hier wohl der Berufsstand der Journalisten angesprochen. Fernsehen, Zeitung, Webseiten, alles ist voller bunter Fähnchen und voller Fußbälle. Wie ein Spieler welcher Mannschaft wann wo ein Tor geschossen hat oder warum ein Schiedsrichter wann wie entschied, wird intensiver diskutiert als die Frage, wie unser Bundeshaushalt zustande kommt und wie die Gelder verplant werden.

Darf ich das krank finden?

Ich denke, es wird Zeit, dieser Veranstaltung den Platz zuzuweisen, der ihr zusteht und ihr die Aufmerksamkeit kräftig zu kürzen. Weg damit von den Titelseiten, ab in die Sportseiten, in die Sportzeitungen, von mir aus in den Boulevard. Außerdem gehört das Thema raus aus der Werbung und aus den Schaufenstern (von Sportgeschäften und -abteilungen vielleicht mal abgesehen), damit wir nicht aggressiv immer und überall nur noch Fähnchen und Fußbälle sehen und alles andere vergessen (sollen).

Die Menschen sollten auch während solcher Veranstaltungen, ohne ständig abgelenkt zu werden, noch in der Lage sein, klar zu denken und in der Realität zu bleiben. Das scheint da nämlich ein Stück weit verloren zu gehen.

In diesem Sinne: Hoffentlich fliegt Deutschland bald raus, damit zumindest ein Teil des medialen Fußball-Terrors mal vorbei ist und wieder über wirklich wichtige Dinge gesprochen und geschrieben wird.

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15.06.2014

Frosch - Im Netz aufgefischt #166

Autismus

Behinderung / Inklusion

Computersicherheit

Datenschutz

Edward Snowden

Ermittlungsbehörden

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Kirchen

LGBTI

MMS und andere Scharlatanereien

Patente

Überwachung

Vorratsdatenspeicherung

Und sonst so?

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09.06.2014

Michael Stehmann - Fellowshiptreffen im Mai 2014 in Düsseldorf

Nach einigen Bekanntmachungen und der inzwischen traditionellen Vorstellungsrunde stellte Udo Spallek auf dem Fellowshiptreffen am 28.05.2014 Tryton vor. Tryton ist eine Freie-Software-Plattform für Geschäftsanwendungen.

Udo, der in Aachen beheimatet ist, ist von Anfang an bei diesem Projekt engagiert und Mitbegründer der Tryton Foundation.

Zunächst erläuterte er, was Tryton ist. Dabei erklärte er u.a., dass Tryton seinen Namen daher habe, dass es in Python geschrieben ist. Tryton wird vom Projekt wie so beschrieben: (Tryton) “Ist ein universelles Drei-Schichten Applikations-Framework unter der GPL-3 Lizenz, ist in Python programmiert und verwendet PostgreSQL als Datenbank. Es bietet Modularität, Skalierbarkeit und Sicherheit und ist die Basis einer kompletten Unternehmenslösung.” Dies beschrieb Udo in seinem Vortrag etwas detaillierter.

Der Vortrag bot aber nicht nur einen Überblick über die Anwendungsplattform, sondern beleuchtete auch die Projektstruktur und Arbeitsweisen und stellte die Tryton Foundation vor.

Den Vortrag ließ sich auch ein Mitstreiter des Kivitendo-Projektes nicht entgehen, der daher innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal von Bonn nach Düsseldorf angereist war.

Udo hat uns freundlicherweise seine Folien zur Verfügung gestellt.

Die an den Vortrag anschließenden Gespräche und Diskussionen dauerten noch bis in den frühen Morgen (der nächste Tag war erfreulicherweise ein Feiertag).

Nächste Treffen:

Am 13. bis 15. Juni 2014 findet im Linuxhotel in Essen das jährliche Treffen des deutschsprachigen Teams der FSFE statt.

Am Samstagabend (14. Juni) wollen wir das Treffen ab 18:00 Uhr für alle interessierten Fellows und Miglieder der Freien-Software-Community öffnen.

Es besteht Gelegenheit, mit den Mitgliedern des deutschsprachigen Teams der FSFE beim Social Event zu diskutieren und sie kennenzulernen.

Herzliche Einladung daher nicht nur, aber vor allem auch an die rheinischen Fellows an diesem Abend ins Linuxhotel. Wir hoffen, bei gutem Wetter den Abend im weiträumigen Park desselben verbringen zu können.

Das nächste Fellowshiptreffen in Düsseldorf findet am 25.06.2014 ab 19:30 Uhr im Chaosdorf, Hüttenstr. 25, 40215 Düsseldorf, statt. Um 20:00 Uhr beginnen wir mit dem “offiziellen” Teil. Wer später kommt, verpasst also was. Vortragende(r) und Thema werden noch bekannt gegeben.

Gäste sind wie immer herzlich willkommen.

08.06.2014

Frosch - Im Netz aufgefischt #165

Armut

Autismus

Behinderung / Inklusion

Computersicherheit

Datenschutz

Edward Snowden

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Jugendschutz

Markenrecht

Netzneutralität

Vorratsdatenspeicherung

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04.06.2014

Frosch - Faschismus

Immer wieder stören sich Leute daran, daß ich insbesondere im Zusammenhang mit dem sogenannten „Sozialamt“ nicht nur den Ausdruck Repressionsamt benutze, sondern es auch faschistisch nenne. Und nicht nur das Amt, sondern die ganze dahinterstehende Gesetzgebung. Ich möchte an dieser Stelle ausführen, warum.

Der Begriff des Faschismus ist in der Wikipedia ausführlich definiert und in seinen verschiedenen Ausprägungen erklärt. Was dort allerdings nicht steht, ist, wie und wo faschistische Strukturen und Denkweisen anfangen. Der Faschismus ist erklärt, aber nicht der Weg dahin.

Wann und wie fängt Faschismus an?

Faschismus fängt meiner Meinung nach unter anderem damit an, daß sich eine Gruppe von Menschen, ein Teil der Gesellschaft, maßgebliche Politiker oder eine Organisation hinstellt, mit dem Finger auf andere zeigt und (wörtlich oder sinngemäß) erklärt: „Die da sind weniger wert als wir. Die da wollen wir hier nicht haben. Die da sollte man …!“

Die da sind weniger wert als wir. Erst die Erklärung, daß andere Menschen einen geringeren „Wert“ haben (wie auch immer dieser definiert sein mag), begründet deren Ausgrenzung und rechtfertigt spätere, weitere Maßnahmen wie Schikanen, Diskriminierung, Entrechtung, Verarmung und letztlich – aktive oder passive – Vernichtung.

Schauen wir mal gut 20 Jahre zurück: Zuerst machten sie es mit den Asylbewerbern. Ihre Sicherheit, ihre Gesundheit und ihre Leben waren (und sind!) „uns“ Deutschen weniger wert als unsere eigene. Deshalb wurde der sogenannte „Asylkompromiß“ eingegangen und das Grundgesetz geändert. Die damalige Regierung Kohl war der Meinung, nur damit könne man das Wahlvolk beruhigen, das, aufgehetzt durch Springerpresse und Nazi-Parteien, auf einmal meinte, die da solle man gefälligst loswerden bzw. die da sollten gar nicht erst herkommen.

Erinnert Ihr Euch? Rechtspopulistische bis rechtsextremistische Parteien warben mit „Das Boot ist voll“ – und die damalige Bundesregierung Kohl sprang voll drauf an.

Zynisch erklärte sie uns:

Weiterhin Schutz für wirklich politisch verfolgte Ausländer bieten, aber Asylmissbrauch verhindern – das war das Ziel der Grundgesetzänderung im Jahr 1993. Nötig geworden war sie aufgrund des sprunghaften Anstiegs der Zahl der Asylbewerber auf knapp 440.000 im Vorjahr.

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 06.12.1992, Asylkompromiss garantiert Schutz für politisch Verfolgte

Die „wirklich politisch Verfolgten“, obwohl doch jeder wußte, daß es auf die wirkliche Verfolgung gar nicht ankam. Und bei Hartz IV? Genau, da hieß es sinngemäß ebenfalls: Sozialleistungen sollen nur die bekommen, die sie wirklich brauchen (unterstellend, daß die meisten sie eben nicht wirklich brauchen und nur „schmarotzen“ wollen).

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) selbst schloß aus den Krawallen in Rostock im August 1992 nicht etwa, daß man sich besser für die Belange von Ausländern und insbesondere verfolgten Menschen einsetzen müsse, sondern erklärte in einem Interview, daß die Änderung des Asylrechts im Grundgesetz ein Teil der Lösung sei (zu sehen fast am Ende dieses Tagesschau-Beitrags vom 25. August 1992 bei Youtube; Vorsicht, Vor- und Nachspann des Einstellers sind deutlich lauter als der Beitrag selbst).

Für mich wirkt das im Nachhinein wie ein Testballon: Was kann man Menschen alles antun, bevor sie sich gegen das Unrecht wehren? Oder, noch besser: Was kann man Menschen antun, damit sie sich eben nicht mehr gegen das Unrecht wehren (können)? Wieviele Asylbewerber haben sich seitdem in den unsäglichen Asylunterkünften umgebracht, aus Verzweiflung, aus Angst vor Abschiebung? Wieviel sind seitdem im Mittelmeer ertrunken? Dürfen sie ja auch ruhig, wir „brauchen“ sie ja nicht, sie kosten uns ja nur unsere guten deutschen Steuergelder.

Es dauerte nicht lange, bis danach die Hetze gegen „Arbeitslose“ losging – von denselben Medien und Politikern befeuert. Was für ein Zufall.

Die Bundeszentrale für politische Bildung brachte am 06.05.2003 einen ausführlichen Artikel über die wahren Hintergründe der „Faulheits“-Debatten: Faule Arbeitslose? Zur Debatte über Arbeitsunwilligkeit und Leistungsmissbrauch:

„Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft“. Mit diesen Worten brach Bundeskanzler Gerhard Schröder im April 2001 eine heftige Debatte über „Faulenzer“, „Drückeberger“, „Scheinarbeitslose“ und „Sozialschmarotzer“ vom Zaun. Aus historischer Sicht kamen die Vorwürfe nicht unerwartet. Rückblickend kann man sogar von einem politischen Automatismus sprechen: Immer wenn Regierungen ein bis zwei Jahre vor der Wahl stehen und die Konjunktur lahmt, wird reflexartig die Alarmglocke „Faulheitsverdacht!“ geläutet – auch wenn es keine objektiven Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Arbeitslosen fauler geworden sind. Ein Blick auf die vergangenen drei Jahrzehnte der Arbeitsmarktpolitik zeigt, dass die Faulheitsdebatte politische Konjunkturen hat.

Ende 1997 stellte Knut Mellenthin bereits fest, daß es eigentlich um Lohndrückerei geht: Arbeitslosen-Halbzeit. (Und genau das ist ja letztendlich auch der Zweck von Hartz IV.)

Siehe auch: Katrin Lehnert: „Arbeit, nein danke?“ [PDF]. Das Bild des Sozialschmarotzers im aktivierenden Sozialstaat. Herbert Utz Verlag, 2009.

Diesmal wurde eine größere Gruppe zu denen da. Am Ende mit derselben Begründung: Die da leben von unseren Steuergeldern! Und genauso wie bei der Hetze gegen Asylbewerber folgte dem ein teils nur angedeutetes, teils offen ausgesprochenes Die sollte man …!

„Die sollte man …“; ist letztendlich eine Forderung an die Regierung, denn im Gegensatz zum Bürger hat sie die Macht, Forderungen durchzusetzen, ohne sich Sanktionen auszusetzen. Und statt dem entgegenzuwirken und klarzumachen, daß Grundrechte für alle gelten, geschah dasselbe wie bei den Asylbewerbern. Die Hartz-Gesetze wurden quasi zur Fortsetzung des Asylkompromisses. Ein bißchen weniger kraß, ein bißchen weniger auffällig – aber mit demselben Ziel: die da entweder für Wirtschaft und Fiskus „nützlich“ zu machen oder eben loszuwerden.

Zwar wurden die Erwerbslosen nicht in Lager gesteckt, dafür wurden sie dermaßen in ihren Grundrechten beschränkt, daß sie „freiwillig“ lieber schlecht bezahlte und zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse eingehen, wenn sie können, als sich vom Amt und von den Massenmedien ständig ihre „Nutzlosigkeit“ vorhalten zu lassen. Millionen von Menschen, die aus welchen Gründen auch immer keine Arbeit mehr bekommen oder gar nicht arbeiten können, sind demnach grundsätzlich „selber schuld“, denn die da, so lernte die Gesellschaft aus der Zeitung, von den Privatsendern und von der Politik, sind einfach zu faul zum Arbeiten und brauchen deshalb keine Grundrechte. Stattdessen sollte man sie …!

Daß durch die Entwicklungen im Computersektor, durch Globalisierung und die sogenannte Entfesselung der Finanzmärkte immer mehr Arbeitsplätze vernichtet wurden, für die es keinen Ersatz mehr gab und gibt, ließen die vermittelnden Medien und Politiker elegant unter den Tisch fallen.

Auf diese Art beginnt Faschismus. Die da sind anders, die da sind faul, dumm, schlecht, unwertes Leben, und deshalb müssen die da auf Grundrechte verzichten und in Armut leben. Und wenn sie sich umbringen, na umso besser, dann kosten sie nichts mehr.

Letzteres sagt natürlich keiner. Das ist nicht politisch erwünscht, es könnte die Leute irritieren. Wenn sich jemand in Hartz IV oder im Asylbewerberheim umbringt, dann wird das überwiegend totgeschwiegen. Es passiert für die Gesellschaft einfach nicht, weil keiner oder zumindest kein relevantes Medium darüber berichtet. Und wenn doch, gibt es ein paar Tage lang Betroffenheit, und danach geht es weiter wie bisher – ohne Folgen für die konkreten Verursacher in den Ämtern, und erst recht ohne Folgen für die Gesetzgebung. Warum auch, so war das doch gedacht, weg mit diesen Überflüssigen, die braucht doch keiner, kosten doch nur unser gutes deutsches Steuergeld.

Das ist der neue deutsche Faschismus, so fängt er an. Er braucht keine Massentransporte in Konzentrationslager. Er braucht auch keine Gaskammern und Verbrennungsöfen. Seine Opfer werden ausgebeutet und/oder schikaniert, bis sie nicht mehr können, um dann in einem grundrechtsfernen, zwangsverarmenden Pseudo-Sozialsystem nur noch so lange vor sich hin zu existieren, bis sie „sozialverträglich frühableben“. Daß Armut die Menschen früher sterben läßt, ist ja nun auch keine neue Erkenntnis.

Aufgrund der Tatsache, daß sich die Einordnung zu den „Überflüssigen“ und „Unerwünschten“ nicht mehr auf Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexuelle Ausrichtung bezieht, sondern darauf, ob und wieviel an Gewinn sie für Firmen und Fiskus erarbeiten können, wäre der korrekte Begriff wohl Wirtschaftsfaschismus.

Und weil dieser sich hier ja „bewährt“ (also: Bankster gerettet und reiche Menschen noch reicher gemacht) hat, arbeiten unsere asozialen Bundesregierungen hart daran, ihn auch in anderen europäischen Ländern, optimalerweise in ganz Europa, einzuführen.

Auf die Lager, in welche die „Überflüssigen“ zusammengetrieben werden, kann man allerdings durchaus warten, sofern die nächsten zwei, drei Bundesregierungen wieder aus asozialen Wirtschaftslobbyisten zusammengesetzt werden. Die letzten Zeitzeugen der früheren deutschen Arbeitslager dürften dann gestorben sein, so daß keiner mehr daran erinnern kann, wie das damals war und wie es endete. Die neuen Lager werden dann natürlich anders heißen, und die Springerpresse wird sie uns als wahren Fortschritt im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit verkaufen. Wie die Einführung aussehen könnte, hatte ich ja schon vor längerer Zeit beschrieben.

Und auch, wenn es leider aus einem das Leistungsschutzrecht befürwortenden Medium ist:

Wenn Grube in Schulen von damals erzählt, dann auch um bewusst zu machen, dass heute noch Minderheiten erniedrigt werden: Ausländer, Behinderte, Hartz-IV-Empfänger. „Denn es fängt immer klein an“, sagt er. So wie damals: Am Anfang wurde geschimpft und gespuckt, am Ende gefoltert und gemordet.

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 20.12.2012, Kindzeit im KZ: Zeit heilt keine Wunden

BTW, ist eigentlich niemandem aufgefallen, daß sich unsere asoziale Bundesregierung (genauso wie die EU) so auffallend still verhalten hatte, als 2011 in Ungarn Zwangsarbeitslager für Roma eingeführt werden sollten? Diese Stille aus dem Bundeskanzleramt und dem Außenministerium war für mich unerträglich laut: Sie stimmten schweigend zu. Warum auch nicht, es könnte hier ja mal nützlich sein, da kann man doch nichts gegen sagen, wenn es andere machen.

Und sie haben wieder geschwiegen, als weiterer Haß auf die da aus Ungarn kam: Fidesz-Hassprediger Zsolt Bayer: Roma sind Tiere. Es geht ja nur gegen solche, die „weniger wert“ sind. Die da.

Gut zwanzig Jahre nach dem unsäglichen „Asylkompromiß“ zeigten uns ausgerechnet die am stärksten ausgegrenzten Die-da‘s, wie Aufbegehren funktioniert. Sie wanderten von Würzburg nach Berlin und zeigten genau da Präsenz, wo sie bislang am stärksten ignoriert wurden: Direkt vor der Nase des Bundestags, fast direkt neben dem Bundeskanzleramt. Und prompt zeigte ihnen der deutsche Staat in Form der Berliner Polizei, daß sie weiterhin als Dreck angesehen werden und beliebig schikaniert werden können. Es sind ja nur die da.

Amtlich angeordneter und durch Gesetze gedeckter Faschismus, durchgesetzt von der deutschen Polizei. Wir sind ja wieder wer.

Fazit: Faschismus fängt an, wenn wir Menschen in wertvollere und weniger wertvolle einteilen und den „weniger wertvollen“ Grundrechte entziehen. Genau das macht das Asylbewerberleistungsgesetz, genau das macht das Zwangsarbeits- und Zwangsverarmungsgesetz namens SGB, genau das machen die Repressionsämter, genau das macht unsere asoziale Bundesregierung.

Wenn wir uns weigern, Faschismus bereits da zu erkennen und zu benennen, wo er anfängt, steuern wir unweigerlich darauf zu, ihn wieder mit all seinen mörderischen Einzelheiten einzuführen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und hinterher will’s dann wieder keiner gewußt haben und keiner gewesen sein.

Ich weigere mich, die Anfänge zu ignorieren. Deshalb nenne ich das faschistisch, was faschistisch ist oder nur im Faschismus enden kann.

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01.06.2014

Frosch - Im Netz aufgefischt #164

Arbeitsmarkt

Autismus

Computersicherheit

Computersicherheit spezial: TrueCrypt

Edward Snowden

Geheimdienste

Gesundheit

Kinder

Open Data

Überwachung / Vorratsdatenspeicherung

Wahlen

WLAN

Ganz zum Schluß

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31.05.2014

Frosch - Harald und die Demokratiesimulation

Diesen Text habe ich von einem Autor aus dem IRC, der ungenannt bleiben möchte.

Guten Tag, liebe Mitleserinnen und Mitleser!

Auch heute möchte ich Sie wieder herzlich in unserer wunderschönen Demokratiesimulation begrüßen.

Die Sonne scheint, die Frösche quaken, es ist ein wunderschöner Tag! In Karlsruhe sitzt Harald Range auf der Terasse und genießt das Wochenende. Er freut sich, wieder eine Woche ohne überbordende Aktivitäten hinter sich gebracht zu haben. Seine Freunde und Gönner auf beiden Seiten des Atlantiks haben ihn sogar gelobt. Das Gespräch mit seinem israelischen Kollegen war von gegenseitigem Vertrauen geprägt.

Harald ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Wenn ihm dieses Jahr nicht ein lukrativer Posten in der Politik oder Wirtschaft angeboten wird, wird er sich gelassen zur Ruhe setzen. Sorgen hat er keine.

Seine Freunde haben Wort gehalten. Über seine Vergangenheit ist nichts bekannt geworden. Die Gegenleistungen hat er geliefert. Er weiß, man wird ihn auch weiterhin in Ruhe lassen, solange er seinen Teil der Vereinbarung einhält. Harald geht es gut.

Die Tatsache, dass ausgerechnend er die Korruptionsbekämpfung zu einem seiner Schwerpunkte machen konnte – und dies sogar öffentlich gut darstellte – lässt ihn lächeln. Auch seine vorbeugenden Maßnahmen gegen Randalierer bei der WM 2006 hatten seinen Ruf sehr gestärkt. Wichtiger war allerdings, dass die massive Randale, die – wie immer – stattfand, in den führenden Medien praktisch nicht erwähnt wurde. Harald hatte seinen Beitrag zum „Sommermärchen“ geliefert.

Er wird auch weiter seinen Beitrag zur Stabilität der Verhältnisse liefern – vermutlich noch ein Jahr, dann setzt er sich in seiner Heimat Celle zur Ruhe. Celle, dies für die Mitleserinnen und Mitleser, ist eine weithin unbekannte Stadt in der norddeutschen Tiefebene. Sie erlangte nur einmal kurzfristige Berühmtheit durch ein Loch in einer Gefängnismauer.

So wird auch dieses schöne Frühlingswochenende vergehen, ohne das unsere Demokratiesimulation ins Wanken gerät. Genießen Sie es, liebe Mitleserinnen und Mitleser, und loggen Sie sich auch das nächste Mal wieder ein, wenn es wieder heißt: „Die Elite herrscht, die Welt ist schön, und das ist auch gut so“.

Auf Wiedersehen.

Fand ich sehr passend. Harald Range hat sich offenbar für die blaue Pille entschieden, was, wie es im Film „The Matrix“ heißt, ihm niemand verübeln kann, bedeutet es doch ein ruhiges Leben.

Besser für die Menschen, die Grundrechte und die Demokratie wär’s natürlich gewesen, er hätte die rote Pille gewählt – wie Edward Snowden. Das ist dann natürlich, sagen wir, nicht so bequem.

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26.05.2014

dictvm - Silent Clutches

Today something weird happened. While riding my Koga, I noticed that all bikes around me where making a barely audible clicking noise while their rear wheels were spinning - which is pretty normal, as far as I know. However, my Koga Myiata never does that. I don't know why I never really thought about this before, but it made me curious, so I took a closer look at the rear hub and there I found it, stamped in golden letters on the hub: My Koga has been equipped with a Shimano Silent Crutch (LX, not the more complex XT-variation) which seem to no longer be produced due to being subject to lots of criticism for not being very durable and being too heavy. Most people seem to especially dislike the silent clutches that Shimano produced.

Shimano Silent Clutch #1

The Koga was bought in 1999 and I am astounded that the hub is still working without showing any signs of it being worn off: It is neither feeling sandy when spinning the wheel nor has it locked down while I'm putting heavy load on it during a ride. During my research however, I found out that it is common practice to apply loads of WD40 to it to have it feel like new and spinning even smoother that it already is. I'll try this during my holiday next week.

Shimano Silent Clutch #2

I'm not sure how I could miss this for so long.

I can't upload any pictures to my Ghost-driven blog with only a tablet, to you'll have to visit G+ for pictures of the clutch.

25.05.2014

Frosch - Im Netz aufgefischt #163

AfD

Autismus

Behinderung/Inklusion

Fatshaming

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Leistungsschutzrecht

Nebeneinkünfte von Abgeordneten

TTIP

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19.05.2014

Frosch - Wahlkampf

Mal ein paar Gedanken zum Thema Wahlkampf, nicht nur den derzeitigen für EU- und Kommunalwahlen, sondern so generell …

Findet Ihr das eigentlich gut, was die Parteien da machen? Da werden teils Riesen-Beträge ausgegeben, um Plakate zu gestalten und aufzuhängen, um Wahlwerbespots zu drehen und von Fernsehsendern und Kinos ausstrahlen zu lassen und Anzeigen in Zeitungen schalten zu lassen. Es werden Flyer erstellt, gedruckt und verteilt, manchmal kommen auch noch typische Werbegeschenke wie Kugelschreiber, Schreibblöcke, Blumen, Lutscher, Luftballons etc. dazu. Aber mal ehrlich: Was hat das alles mit einer politischen Wahl zu tun?

Für mich persönlich: Gar nichts. Das Ganze wirkt auf mich wie eine reine Materialschlacht, bei der es nicht darum geht, den Wähler von den Inhalten der jeweiligen Partei zu überzeugen, sondern ihn eher zu überreden, eine bestimmte Partei oder einen bestimmten Kandidaten zu wählen, weil sie die schönsten Plakate, die buntesten Flyer, die nettesten Werbegeschenke machen.

Von mir aus könnte man das alles weglassen.

Einen guten politischen Wahlkampf stelle ich mir ganz anders vor. Da erwarte ich, daß mir das Parteiprogramm in gut lesbarer Form präsentiert wird (gedruckt und im Internet), und, noch wichtiger, daß ich die Kandidaten, die mich in einem Parlament vertreten wollen, persönlich befragen kann. Ich erwarte, daß die Kandidaten – sowohl Neulinge als auch solche, die sich nach einer Legislaturperiode erneut bewerben, die Hosen runterlassen müssen, und zwar nach Möglichkeit öffentlich.

  • Ich will nicht wissen, wieviele Kugelschreiber einer verteilt, sondern wie er in dem Parlament, für welches er sich bewirbt, abstimmen wird, wenn es um Themen geht, die mich – direkt oder indirekt – betreffen.
  • Ich will nicht wissen, von wievielen Plakaten mich ein Kandidat angrinst, sondern was er für ein Menschenbild vertritt.
  • Ich will nicht in der Innenstadt an einem Infostand Blümchen in die Hand gedrückt bekommen, sondern lieber erfahren, ob der Kandidat auch wirklich für die Belange der Menschen eintritt oder doch lieber Lobbygeschenke einsteckt und dann dementsprechend abstimmt.
Flyer von SPD, Grüne, Linke auf Treppenstufen

Wenn das möglich ist, dann könnt Ihr Euch von mir aus die gesamten Plakate, Werbespots, Kugelschreiber, Blümchen und den größten Teil der Flyer (nämlich die ohne echte Infos) schlicht sparen, und müßt den Leuten auch keine Wahlwerbung in den Hausgang oder in die Briefkästen werfen, von wo aus sie überwiegend sowieso direkt ins Altpapier wandern. Ihr müßt die Städte und Landschaften nicht mit Plakaten verschandeln und diese hinterher dementsprechend auch nicht wieder abhängen.

So ganz nebenbei würde das einiges an Parteispenden insbesondere aus der Wirtschaft unnötig machen, mit welchen die Parteien wiederum generell kein gutes Bild abgeben. Die Parteien hätten dieses Geld schlicht nicht nötig!

Guter Wahlkampf braucht vor allem Information, aber auch Motivation. Die Teilnahme an den Wahlen ist immer wieder erschreckend niedrig. Besonders auffällig ist das in Wahlkreisen, in welchen viele „Abgehängte“ leben. Ich sehe jedesmal ganz viele nicht abgehakte Namen in den Listen der Wahlstuben, selbst dann, wenn ich erst gegen Abend wählen gehe. Da werden ganz viele Menschen überhaupt nicht angesprochen. Diese Menschen müssen da abgeholt werden, wo sie stehen. Wahlplakate sprechen sie nicht mehr an, die gehören zu der ganzen anderen bunten und jegliche Intelligenz verneinenden Werbung, mit denen man so tagtäglich erschlagen wird. Hier ist mehr nötig.

Infostände sind ein guter Anfang, aber die sieht man üblicherweise nur in den piekfeinen Innenstädten, da wo Leute einkaufen gehen. In den Stadtteilen dagegen sehe ich so gar keine mehr, selbst jetzt für die Kommunalwahl. Tja.

Ein sehr gutes Konzept wurde gerade in Heidelberg ausprobiert: Dort veranstaltete der Stadtteilverein Rohrbach ein Speed-Dating mit den Kandidaten für die Kommunalwahl. Statt die Kandidaten von einem Podium herunter reden zu lassen, mußten sie sich den Bürgern direkt in kleinen Runden stellen. Wer hier schlichte Monologe abläßt oder keine Antworten hat, ist vermutlich schnell raus. Natürlich sollten solche Veranstaltungen dann nicht von einer Partei getragen werden, aber ich würde sowas auch hier und generell vor Wahlen begrüßen und erwarten, daß die jeweiligen Kandidaten auch teilnehmen.

Was man dabei erfährt, inclusive des persönlichen Eindrucks, kann kein Wahlplakat ersetzen. Selbst das Wahlprogramm der jeweiligen Partei ist ja nur ein Anhaltspunkt, da die Gewählten hinterher als Mandatsträger nicht daran gebunden sind (von so undemokratischen Dingen wie Fraktionszwang mal abgesehen, aber das lehne ich sowieso ab).

So sollte meiner Meinung nach Wahlkampf laufen. Dann braucht’s auch diese ganzen nervigen Plakate mit ihren teils dümmlichen Sprüchen nicht mehr. (Ja, es gibt auch gute, die ändern aber nichts am Gesamtproblem.)

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18.05.2014

Frosch - Im Netz aufgefischt #162

Autismus

Computersicherheit

Conchita Wurst

Geheimdienste

Journalismus

Polizeigewalt

„Recht auf Vergessen“

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16.05.2014

Frosch - Spammer-Blödheit (Jooble)

Manchmal versuchen Spammer ja, besonders intelligent zu spammen. Also statt in schlechtem Englisch oder sogar gebabelfishtem Deutsch irgendwelche Medikamente, Modeartikel oder Versicherungen zu verkaufen oder Zugangsdaten abzuphishen, tun sie so, als ob sie einen wirklich persönlich ansprechen wollten.

Allerdings tun sie auch wirklich nur so.

Die Jobsuche-Website Jooble meinte heute (Zeitstempel 15:47 Uhr), mir ein Angebot schicken zu müssen, um Werbung auf ihrer Site zu schalten. Wohlgemerkt, mir persönlich, nicht meiner Firma. Das sah so aus:

Guten Tag sehr geehrte Kollegen,

Mein Name ist Olivia Sand, ich vertrete die Jobsuchmaschine Jooble.

Ich würde sehr gern ein Kooperationsangebot für Ihre Webseite: atari-frosch.de unterbreiten – Sie können absolut kostenfrei in Jooble Ihre Werbung platzieren. Würden Sie so nett sein und mir eine zuständige Person für die weiterfolgende Kontaktaufnahme empfehlen.

Im Voraus bedanke ich mich für Ihre Rückantwort.

Darunter noch ein paar Kontaktdaten.

Daß atari-frosch.de keine Firma, sondern rein privat ist, ist der guten Olivia Sand schonmal nicht aufgefallen. Offenbar ging man blind direkt ins Impressum und griff sich dort die Mailadresse ab (also genauso, wie Microsoft vor 1,5 Jahren).

Ich war dann mal so frei, zu antworten:

On 05/16/2014 03:47 PM, Olivia Sand wrote:
> Guten Tag sehr geehrte Kollegen,

Ich bin kein Kollege von Spammern. Geht sterben.

Die Antwort kam prompt und beweist eine unglaubliche Blödheit:

Liebe Mailsender,

vielen herzlichen Dank für Ihre Nachrichten. Ich bin die Woche vom 19.05 bis zum inkl. 26.05 im Urlaub und werde Ihre E-Mail nur ab dem 27.05 bearbeiten und beantworten können. Bitte beachten Sie, dass Ihre E-Mail in der Zwischenzeit nicht weitergeleitet werden.

Mit freuenldlichen Grüße,
Ihre Olivia Sand

Wenn man schon eine automatische Abwesenheitsmail schreibt, sollte man wenigstens die schlimmsten Typos rausnehmen. Und irgendwie wirkt das wie eine automatische Übersetzung: Das „nur“ an dieser Stelle entspricht dem englischen „only“ – das aber in diesem Fall besser als „erst“ übersetzt wird. Wenn es denn ein Mensch übersetzt, der Kontext versteht.

Aber nein, das alles meinte ich natürlich nicht mit der Blödheit. Olivia Sand von Jooble versendet unerwünschte Werbebotschaften so, daß sie direkt danach für eine gute Woche nicht erreichbar ist. DAS nenne ich mal Blödheit im Quadrat.

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13.05.2014

Chaosdorf e.V. - C++-User-Group Treffen im Chaosdorf am Mi, 21.05.14

Am Mi. den 21. Mai trifft sich (wie jeden 3. Mittwoch im Monat) die C++ User-Group NRW und Interessierte zu einem Themenabend zu C++.

Thema diesmal: “Einführung in Expression-Templates”.
- Was sind Expression-Templates
- Was macht man damit
- Eine eigene Bind-Implementierung
- Eine eigene kleine DSL
- Performance-Betrachtungen
- Vielleicht noch ganz kurz ein paar Folien zu Boost.Proto

Ab 19:30 Uhr beginnt das Treffen im Chaosdorf.

11.05.2014

Frosch - Im Netz aufgefischt #161

#BringOurGirlsBack

Computersicherheit

Datenschutz

Depression

Edward Snowden

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Justiz

„Magic Mineral Supplement“ (MMS)

Nazis

Polizeigewalt

Überwachung

Und sonst so?

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Michael Stehmann - Besuch bei der KaaLUG

Der Chronist wurde eingeladen, beim regelmäßigen Treffen der KaaLUG (Kaarster Linux User Group) am 07.05.2014 etwas über Freie Software zu erzählen.

Um ein ansprechendes Programm bieten zu können, nahm der Chronist Verstärkung mit nach Kaarst.

Das Treffen fand in dem Jugendzentrum BEBOP statt.

Als wir eintrafen, hatte die Vorstellungrunde bereits begonnen. Bemerkenswert war die gut durchwachsene Altersstruktur der Teilnehmer. Von der reiferen Jugend bis zu den Senioren waren alle Altersgruppen vertreten.

Nach der Vorstellungsrunde referierte der Chronist über Freie Software. Rainer stellte die FSFE, ihre Geschichte und ihre Aktivitäten vor. Den Abschluß bildete ein Vortrag von Mechtilde über ein konkretes Projekt Freier Software. Das Publikum zeigte sich an allen Vorträgen sehr interessiert.

Nach dem offiziellen Treffen fand eine weitere Aussprache in einer nahegelegenen Kneipe statt. Diese dauerte, bis wir freundlich auf die nahende Schließung derselben hingewiesen wurden.

Bemerkenswert ist noch, dass sich die KaaLUG in einem Dreiwochenrhythmus trifft. In diesem Jahr feiert sie ein Jubiläum. Vielleicht bietet dieses einen Anlass, nochmals Kaarst zu besuchen.

Michael Stehmann - Die CryptoParty-Bewegung

war das Thema des Düsseldorfer Fellowshiptreffens am 30.04.2014.

Aus dem Umstand, dass IT-Sicherheit ohne Freie Software kaum vorstellbar ist, ergibt sich eine Nähe dieser Bewegung zu unseren Aktivitäten und Zielen. Auch unterstützen unsere Fellows die vom Chaosdorf organisierten CryptoParties mit ihrem Einsatz.

Nach der Vorstellungsrunde berichtete Jochim über die Geschichte der CryptoParty-Bewegung, ihre Grundsätze und den idealtypischen Ablauf einer CryptoParty. Es wurden auch typische Probleme bei der Gestaltung einer CryptoParty angesprochen, beispielsweise bei der Wahrung der Anonymität der Teilnehmer trotz “Presseandrangs”. Der praktische Teil seines Vortrages wurde durch Anmerkungen eines örtlichen Coreferenten ergänzt, der die Erfahrungen einbrachte, die bei den hiesigen CryptoParties gewonnen werden konnten.

Nächstes Fellowshiptreffen in Düsseldorf

Udo Spallek stellt auf dem Fellowshiptreffen im Mai Tryton vor. Tryton ist eine Freie-Software-Plattform für Geschäftsanwendungen.

Der Vortrag bietet einen Überblick über die Anwendungsplattform, beleuchtet Projektstruktur und Arbeitsweisen und stellt die Tryton Foundation vor.

Der Vortragende ist von Anfang an beim Projekt engagiert und Mitbegründer der Tryton Foundation.

Das Treffen findet am 28.05.2014 ab 19:30 Uhr im Chaosdorf, Hüttenstr. 25, 40215 Düsseldorf, statt. Um 20:00 Uhr beginnen wir mit dem “offiziellen” Teil. Wer später kommt, verpasst also was.

Gäste sind wie immer herzlich willkommen.

05.05.2014

Frosch - Hyperfokus

Zwei Tweets von @zombiekitty78 von heute bringen eines meiner Probleme auf den Punkt:

Nicht die Kitty @zombiekitty78
Hyperfokusierung auf Reaktivierung des alten Laptops und kein Geld um es wirklich sofort umzusetzen. Maaaaan!

14:21 – 5. Mai 2014

Nicht die Kitty @zombiekitty78
Keine Möglichkeit, das zu machen, wofürich Energie hätte, also unendliche Müdigkeit für den Rest.

14:58 – 5. Mai 2014

Unzählige Male habe ich mir das anhören müssen: „Wenn Du X tun kannst, kannst Du auch Y machen!“ Nein, verdammt, kann ich nicht!

Allerdings hatte ich das bislang – auch nachdem ich bereits von meinem Autismus wußte – nicht so stark auf den Hyperfokus bezogen. Der hatte sich für mich ein ganzes Stück enger definiert, nämlich damit, wie ich mich in einer Aufgabe verlieren und alles um mich herum vergessen kann, wenn mich die Aufgabe anspricht.

Aber offenbar funktioniert dieses Ding „Hyperfokus“ auch andersherum: Es ist nur Energie für etwas bestimmtes vorhanden, die aber nicht für anderes genutzt werden kann. Also in etwa so, als hätte ich jede Menge Dieselkraftstoff zur Verfügung, aber einen leeren Benziner in der Garage. Oder als hätte ich eine Tauchausrüstung, müßte aber auf einen Berg steigen.

Leider habe ich so gar keine Wahl, zu entscheiden, welche Art von Energie gerade zur Verfügung steht. Ich kann mich zwar an ungeliebte Aufgaben langsam, manchmal über Tage bis Wochen hinweg, heranprokrastinieren – die Technik habe ich schon vor vielen Jahren eingesetzt, als ich mir des Problems noch gar nicht bewußt war –, das bedeutet aber, daß ich für diese, sagen wir mal, Zweckprokrastination auch den Freiraum haben muß. Wenn zu viel auf einmal auf mich einprasselt, funktioniert die Technik nicht mehr.

Danke, Kitty, ich hab wieder ein Stückchen mehr verstanden.

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