Willkommen auf Planet Chaosdorf! Wir sammeln hier alle Blogs, die für uns irgendwie interessant sind – meist von Personen oder Organisationen aus unserem Umfeld

30.08.2015

Frosch - Auf der Flucht

Blogger für Flüchtlinge

Ein Blogartikel für #BloggerfuerFluechtlinge

Ich bin Kind eines Flüchtlingskindes. Als „der Russe“ kam, floh die Mutter meiner Mutter mit ihren drei Kleinkindern aus Landeshut in Oberschlesien. Sie konnten nur so viel mitnehmen, wie sie tragen konnte – zusätzlich zu den beiden jüngeren Kindern. Ihr Mann, mein Großvater, war als Soldat eingezogen worden und in Rußland im Krieg. Er mußte noch nach Kriegsende als Kriegsgefangener dort bleiben. Gelandet ist meine Großmutter dann in Oberfranken auf einem Bauernhof, wo sie eher mürrisch als freundlich aufgenommen wurde.

Wenn die Flüchtlingskinder dort im Dorf zum Bäcker kamen, rief der Bäcker seiner Frau zu, sie möge das Brot mit den meisten Löchern raussuchen. Und auch sonst war man den Flüchtlingen zunächst nicht sonderlich zugetan, und es dauerte lange Jahre, bis sie dazugehörten.

Der Vater meines Vaters floh mit seiner Familie aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone in den Westen, bevor die Mauer hochgezogen wurde. Auch sie landeten in Oberfranken. Das Haus in Perleberg, das mein Großvater besaß, mußten sie zurücklassen bzw. es wurde von der DDR eingesackt. Nach dem Tod meines Großvaters – davor wußte ich nichts davon – habe ich es einmal gesehen: Leer, völlig heruntergekommen, einsturzgefährdet und mit einem Riesen-Loch im Dach. Mittlerweile wurde es abgerissen.

Diese Fluchtgeschichten eines Teils meiner Familie sind nun mehrere Jahrzehnte her, und es ist nicht einfach, heute noch Details über die Flucht sowie das Schicksal anderer Verwandter herauszufinden.

Wie es in deutschen Flüchtlingslagern zuging, kann man aber heute zum Beispiel aus einer Rede von Erich Kästner von 1950 erfahren:

Ich habe Flüchtlingsbaracken gesehen, worin Familien dutzendweise nebeneinander hausten, aßen und schliefen. Die einzelnen Wohnquadrate schamhaft durch an Stricken aufgehängte Pferdedecken abzugrenzen wurde verboten. Die Decken seien nicht als Komfort geliefert worden, sondern für die Bettstellen. Glaubt man, daß die Halbwüchsigen und Kinder aus diesen Baracken durch Aktfotos sittlich noch zu gefährden sind?

(Rede gegen das Gesetz zu jugendgefährdenden Schriften)

12 bis 14 Millionen Menschen wurden allein von 1945 bis 1950 aus Mittel- und Osteuropa vertrieben und landeten in den vier deutschen Teilgebieten sowie in Österreich. Dazu

kamen vor allem ab Ende der 1950er-Jahre über vier Millionen deutsche oder deutschstämmige Aussiedler.

(Quelle: Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945 – 1950), Stand: 24. August 2015 um 06:37 Uhr)

Trotz der Menge versuchte man offenbar, die vertriebenen und geflohenen Menschen irgendwie aufzunehmen:

1944/45 kamen 12 bis 14 Millionen Ost- und Sudetendeutsche nach Westdeutschland, in die Sowjetische Besatzungszone und in das „befreite“ Österreich. In der Nachkriegszeit flohen viele noch einmal – aus der sowjetischen in die amerikanische Besatzungszone und die britische Besatzungszone. Die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik standen vor einer unlösbar scheinenden Herausforderung. Durch die Bevölkerungsverschiebungen verdoppelten einige Länder und DDR-Bezirke wie Mecklenburg ihre Einwohnerzahl. In vormals konfessionell homogenen Regionen mit starken eigenen Traditionen – zum Beispiel Oberbayern und die Lüneburger Heide – lebten nun große Bevölkerungsgruppen mit anderem Lebensstil und fremder Konfession. Mit Espelkamp, Waldkraiburg, Traunreut, Geretsried, Trappenkamp, Neugablonz und anderen entstanden reine Flüchtlingsgemeinden.

(Quelle: ebenda)

Die Integration gestaltete sich allerdings schwierig bzw. wurde durch Ablehnung auf seiten der Alteingesessenen erschwert:

Es kam weder im Westen noch im Osten Deutschlands zu einer reibungslosen, schmerzfreien und harmonischen Integration der Flüchtlinge. Bei der Ankunft im „Westen“ waren sie teils mit Verachtung konfrontiert. Flüchtlinge wurden wegen des rollenden „r“ in der Aussprache oft einfach als Polacken beschimpft. Für die furchtbaren Erlebnisse der Flüchtlinge wie Misshandlungen und Vergewaltigungen interessierte sich niemand. Die Probleme der Integration waren kein Thema in beiden Teilen Deutschlands.

(Quelle: ebenda).

[Update 2015-08-30 17:52] Immerhin waren sie offenbar als Arbeitskräfte hoch erwünscht: Ungarn-Flüchtlinge – Die Alten kommen später, Der Spiegel vom 05.12.1956, danke an @HollyGoMadly für den Hinweis.

Was auffällt, ist, daß zu dieser Zeit offenbar niemand auf die Idee kam, die Notunterkünfte der damaligen Flüchtlinge anzuzünden. [/Update]

Aber auch heute wird geflüchtet. Menschen fliehen vor Krieg und Zerstörung, vor Menschenrechtsverletzungen oder einfach vor lebensbedrohlicher Armut. Und so ganz unschuldig sind wir im politischen Westen daran ja nicht.

Genügen wenige Jahrzehnte, um die Erinnerung so radikal auszulöschen? Oder wurde bis heute nichts daraus gelernt?

Heutige Asylunterkünfte sehen kaum anders aus als in der Beschreibung von Erich Kästner vor 65 Jahren. Mehr noch, es scheint heute wesentlich schlimmer zu sein als damals. Und: Wir rechnen heute nicht mit 12 bis 14 Millionen Menschen binnen fünf Jahren (also 2,4 bis 2,8 Millionen pro Jahr), sondern mit 800.000 bis einer Million für dieses Jahr.

Weiterhin haben wir heute keine Nachkriegs-Situation, in der wir selbst schauen müßten, wo wir bleiben, viele Häuser zerstört oder zumindest unbewohnbar waren, Menschen hungerten und Krankheiten wesentlich schwerer einzudämmen waren. Mehr noch, es ist ja nicht so, daß wir ansonsten auch von alleine immer mehr würden: Deutschland ist ein Auswanderungsland! Und auch die Geburtenraten helfen nicht, die Differenz auszugleichen, ganz im Gegenteil.

Also: Wir verursachen zumindest teilweise die Fluchtgründe für die Menschen, die da zu uns kommen, und zum anderen sind wir auf sie angewiesen.

Damit will ich nicht sagen, wir müßten die Fluchtursachen aufrecht erhalten, damit wir genug Einwohner in Deutschland bleiben. Sinnvoller wäre es natürlich, die Fluchtursachen zu bekämpfen. Menschen würden immer noch kommen; aber nicht über lebensgefährliche Fluchtwege, sondern ganz normal mit Flugzeug und Visum und ohne Schleppern (umgerechnet) tausende von Euro in den Rachen zu werfen.

Trotzdem müssen wir seit Wochen lesen, wie Flüchtlinge in Berlin vor einer Aufnahmestelle tagelang in der prallen Sommersonne campieren müssen, ohne auch nur genügend Trinkwasser, geschweige denn eine Schlafstelle zu bekommen. Wir müssen lesen, daß immer häufiger geplante, seit neuestem sogar bereits bewohnte Unterkünfte angezündet werden und vereinzelt bis auf die Grundmauern herunterbrennen. Wir erfahren, daß ein Mob in Heidenau in Sachsen direkt die Polizei angreift, die eine geplante Flüchtlingsunterkunft schützen will. Und schließlich erfahren wir, daß diese Unterkünfte sich nicht wesentlich von denen unterscheiden, die Erich Kästner 1950 beschrieb, mit zu wenig Personal und keinerlei Privatsphäre. In den sozialen Medien, besonders auf Facebook, hetzen Deutsche, die sicher nie geflohene Menschen kennengelernt haben, und lassen jeden Respekt vor der Menschenwürde missen.

Ich weiß nicht, wie’s Euch geht … ich habe nicht viel zu geben, da ich seit 15 Jahren zwangsverarmt bin, durch einen Staat, der weder fremden noch einheimischen Menschen etwas gönnt, die – zumindest scheinbar – nicht wirtschaftlich verwertbar sind. Überstanden habe ich das nur, weil Menschen solidarisch waren. Wie könnte ich mich abwenden? Wie könnte ich dann jemals wieder in einen Spiegel sehen?

#BloggerfuerFluechtlinge sammelt Geldspenden, ursprünglich für #Moabithilft, mittlerweile für bundesweite Initiativen. Geld zu spenden kommt für mich derzeit nicht in Frage, denn der Satz von Hartz IV sieht Solidarität nicht vor.

Aber wenn ich noch intakte Kleidungsstücke finde, die mir nicht mehr passen, werde ich diese in eine Flüchtlingsunterkunft spenden. Und demnächst werde ich, wenn alles klappt, einmal pro Woche ein Internetcafé für Flüchtlinge leiten. Darauf bin ich schon gespannt.

Denn: Wissen wir, ob wir, unsere Kinder oder Kindeskinder, eines Tages nicht selbst auf der Flucht sein und auf Solidarität angewiesen sein werden?

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Frosch - Im Netz aufgefischt #228

Wie in den letzten drei Wochen habe ich auch diesmal alle Hinweise auf Artikel aus den Bereichen Flucht/Asyl sowie Rechtsextremismus in die „Besorgten Nachrichten“ des Besorgte-Bürger-Blogs verschoben. Dort findet sich aufgrund der Ereignisse dieser Woche auch der wesentlich größere Teil der Links.

Armut

Autismus

Behinderung / Inklusion

Behörden-IT

Computer

Demokratie

Edward Snowden

Geheimdienste

Gesundheit

Hartz IV & Co.

Korruption

Kulturen

#Landesverrat

LGBTIQ

#Neuland

Polizei

Sexarbeit

Tianjin

Überwachung / Vorratsdatenspeicherung

Und sonst so?

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27.08.2015

OpenRheinRuhr - OpenRheinRuhr bei der FrOSCon am Stand von foss.events

2015-08-27Es ist nicht so lang her, als die Teilnehmer auf der Jahreshauptversammlung der OpenRheinRuhr die Idee hatten, dass man auf Veranstaltungen noch mehr Werbung für andere, gleichartige, Veranstaltungen machen müsste.

Aus der Idee wurde schnell ein Konzept und das Konzept trägt heute den Namen foss.events. Den ersten Einsatz hatten wir auf den Chemnitzer Linuxtagen gefolgt von den Grazer Linuxtagen auf denen jeweils eine Gruppe OpenRheinRuhr’ler Werbung für Events gemacht haben.

Auf der diesjährigen FrOSCon sind wir dann entgültig als foss.events aufgetreten und haben sehr schnell sehr viele positive Kontakte knüpfen und Informationen über andere, bisher nicht gelistete Veranstaltungen sammeln können. Dabei waren die Besucher froh auch mehr über andere Veranstaltungen aus unserem reichhaltigen Erfahrungsschatz mitnehmen zu können.

Wir werden auch in Zukunft versuchen auf allen Veranstaltungen, die wir selber besuchen, eine Möglichkeit zu finden die Informationen zu foss.events und die dort gelisteten Veranstaltungen zu präsentieren.

Zunächst möchten wir allen Veranstaltungen Danken, die uns bisher aufgenommen haben und uns den Start ermöglicht haten. Wir freuen uns auf eine weitere, gute und reibunglose Zusammenarbeitet.

Das Team der foss.events

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25.08.2015

OpenRheinRuhr - NetKnights ist Silber Sponsor

NetKnights GmbHDie NetKnights GmbH ist ein unabhängiges IT-Security-Unternehmen und Anbieter von Dienstleistungen und Produkten aus den Bereichen starke Authentisierung, Identitätsmanagement und Verschlüsselung.

Wir freuen uns über die Unterstützung und hoffen, dass noch viele Sponsoren den Weg zur OpenRheinRuhr finden um die Veranstaltung auch zukünftig durchführen zu können. Informationen über das Sponsoring sind auf der Website der OpenRheinRuhr zu finden.

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23.08.2015

Frosch - Im Netz aufgefischt #227

Die Themenbereiche Flüchtlinge, Antisemitismus, Nazis und „Besorgte Bürger“ sind wieder im Blog Besorgte Bürger zu finden: Besorgte Nachrichten KW 34/2015.

Armut

Autismus

Bedingungsloses Grundeinkommen

Behinderung / Inklusion

Demokratie

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

LGBTIQ

Psychiatrie

Scharlatanerie

Sexarbeit

Tianjin

Überwachung

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20.08.2015

Frosch - Aktion Mensch und ABA

Wir sind Autismus!

Die Aktion Mensch gibt sich gerade alle Mühe, zu zeigen, daß sie sich für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen eigentlich gar nicht so sehr interessiert. Zumindest in bezug auf Autismus entwickelt sie sich eher in die Richtung: „Wir fördern das, was am lautesten schreit, und die, die die besten Rhetoriker haben.“

Auf diese Weise ist Aktion Mensch offensichtlich auf die Vertriebler einer „Autismus-Therapie“ hereingefallen, die eine Dressur, ähm, „Therapie“ im Stil der Applied Behavior Analysis oder kurz ABA anbieten. Und weil die Krankenkassen diese Therapie nicht bezahlen, graben sie halt mal Aktion Mensch an, weil Aktion Mensch Fördertöpfe für sowas hat. Das Problem dabei ist, daß Aktion Mensch offenbar nicht wirklich wissen will, was sie da fördern.

Was ist ABA?

Bei der Applied Behavior Analysis geht es, schlicht gesprochen, darum, einem autistischen Menschen, bevorzugt noch sehr kleinen Kindern, ein unerwünschtes Verhalten „auszutreiben“ und ihm stattdessen erwünschtes Verhalten aufzuzwingen. Man könnte es auch als Klickertraining für Menschen bezeichnen.

Das Ergebnis sind dann Menschen, die nie gelernt, haben, Nein zu sagen oder überhaupt Entscheidungen zu treffen. Sie „funktionieren“ wunschgemäß, aber sie haben Freiheit nie gelernt. Außerdem sind sie nicht wehrhaft und somit besonders hilflos bei jeglicher Art von Übergriffen, auch sexueller Art.

So schreibt Aleksander Knauerhase in Wenn Festhalten als ABArtig empfunden wird:

Das alleine ist schon traurig, unerträglich für mich wird es jedoch, wenn man diesen abgesprochenen Lerneffekt durch schon roboterhaftes oder programmiertes Verhalten ersetzt. „Schau mich an!“ ist einer der noch am häufigsten Befehle die während eines ABA Trainings ausgesprochen wird. Das passiert solange, bis das Kind diesen Befehl auch ausführt. Gerade durch das Umlenken der Aufmerksamkeit und das gezielte fixieren auf die Anweisung wird hier ein Automatismus erzeugt. Das Kind wird nicht zum Elternteil schauen weil es das möchte, sondern weil es sich entweder eine Belohnung erwartet oder einfach nur weiß: Ich werde solange damit konfrontiert bis ich es tue. Also macht man es eben. Warum ein autistisches Kind unter Umständen Probleme hat anderen Menschen in die Augen zu schauen wird bei dieser Therapieform gänzlich außer Acht gelassen. Was zählt ist einzig, dass das Kind funktioniert. Je schneller und deutlicher umso besser. Natürlich ist das eine sehr effektive Methode um ein gesellschaftskonformes Verhalten zu erreichen. Eltern sehen schnell vermeintliche Erfolge und damit auch einen Ausweg aus der für sie unerträglichen Situation Autismus. Wenn man jedoch die Bedürfnisse von autistischen Menschen übergeht und nicht versteht warum sie sich so verhalten wie sie es eben tun wird man nur eines erhalten: Einen Menschen der in der Gesellschaft zwar funktioniert, aber ansonsten innerlich wahrscheinlich schon längst ge- und zerbrochen ist.

Also, eigentlich nicht das, was man sich unter einer Therapie vorstellt. Denn eine Therapie sollte den Zweck haben, daß sich der Therapierte hinterher besser fühlt, und nicht primär, daß er besser handhabbar ist und besser „funktioniert“.

Was hat Aktion Mensch damit zu tun?

Aktion Mensch sieht das wohl anders. Nachdem Aleksander erfahren hatte, daß Aktion Mensch eine dem ABA nachempfundene „Therapie“ mit einer doch recht erklecklichen Summe fördert, bot er dort auch als Inklusionsbotschafter an, über die Therapie zu informieren und darüber, warum Autisten die gar nicht so toll finden.

Ich habe daraufhin der Aktion Mensch angeboten das ich vor Ort, also in Bonn bei der Aktion Mensch, gerne über ABA aufkläre und informiere. Ich wollte damit die Grundlage dafür schaffen, dass in Zukunft bei der Förderung wesentlich genauer hingeschaut wird. Und natürlich auch klar kommunizieren: ABA ist für Autisten nicht tragbar. Hintergrund ist meine Einstellung: Nur wer informiert ist kann auch richtige Entscheidungen treffen. Und sich hinterher nicht darauf ausruhen nicht gewusst zu haben das etwas schädlich ist. Die Aktion Mensch ging auf mein Angebot ein, sie stimmten einem Treffen zu. Und dann fing es an kompliziert zu werden…..

schreibt er in Ich kann eigentlich nur verlieren.

Nun wurde die erwähnte Therapie nicht ABA genannt, das wäre ja zu einfach durchschaubar gewesen. Stattdessen heißt das Projekt jetzt „Bremer Eltern Training“ (BET). Die Idee dahinter ist dieselbe, die Grundlagen sind dieselben, es wird sich auf denselben Wissenschaftler berufen – kurz, BET ist ABA in neuem Gewand.

Statt sich jetzt einfach mal anzuhören, was Aleksander als Inklusionsbotschafter zu sagen hat, lud Aktion Mensch ihn zu einer Präsentation des BET-Anbieters ein.

Um das mal verständlicher zu machen: Der Anbieter der Therapie darf sich ausführlich lang und breit mit Hilfe seiner rhetorisch geschulten Leute präsentieren, und der Herr Inklusionsbotschafter darf dann auch mal ein bißchen was dazu sagen. Vielleicht. Mehr noch: Man hoffte, ihn dann überzeugen zu können. So, als ob er nicht gute Gründe hätte, das Prinzip dahinter, nämlich die Dressur von Menschen, generell abzulehnen.

Was dann dabei herauskam, schildert er in Nicht über uns ohne uns. Oder doch lieber nicht? Die Einlassungen der BET/ABA-Befürworter sind dabei schon schlimm genug. Den Vogel schießt allerdings die Mitarbeiterin von Aktion Mensch mit ihrem Kommentar ab:

Wir beteiligen uns nicht an der Diskussion, ob die ABA-Therapie richtig ist oder falsch.

Und genau das, Aktion Mensch, ist Euer Problem. Solange Ihr Therapien fördert, die ihr nicht verstanden habt und die ihr gar nicht verstehen wollt, und solange Ihr lieber lautstarken Lobbyisten zuhört, denen es vor allem ums Geld geht, statt Autisten, seid Ihr mal SOWAS von untendurch! Ihr seid somit ein Teil des Problems, nicht Teil der Lösung.

[Update 2015-08-20 18:30] Bei fotobus ist Aktion Mensch auch untendurch: Ihr seid bei mir durch, Aktion Mensch! [/Update]

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18.08.2015

Frosch - Wo ist die Hoffnung?

(Ja, das wird wieder so ein #mimimi-Artikel. Wen das nervt, einfach weglesen und weitermachen.)

Atari-Frosch @AtariFrosch
Gibt es einen Ort, an dem ich mich mit dem einbringen kann, was ich kann, statt ständig genötigt zu werden, um die Existenz zu kämpfen?

14:19 – 18. Aug. 2015

Atari-Frosch @AtariFrosch
Gibt es so einen Ort, wo nicht die Normalität, sondern die Individualität zählt? Where is the hope?

14:19 – 18. Aug. 2015

Ich bin – mal wieder – so dermaßen müde.

Was allein in diesem Land alles falsch läuft, habe ich ja schon ein Stück weit aufgedröselt. Die Folgen davon bekommt man selten mit; Medien berichten nicht darüber, mal hier und da eine Statistik, ja, aber wer liest schon Berichte über Statistiken …

Wo ist die Hoffnung?

Als „empathielose“ Autistin dürfte mich das nach dem allgemeinen Bild von unserer Art ja eigentlich gar nicht berühren, nicht wahr? Tut es aber, auch wenn es mich persönlich nicht betrifft, und ich gewinne immer öfter den Eindruck, daß es mich sogar mehr und stärker berührt als neurotypische Menschen, die mit ihren Filterfähigkeiten einfach alles wegdrücken, was sie irritieren könnte. Ich bin ja zum Beispiel kein Flüchtling.

Oder vielleicht doch?

Ich würde manchmal gern flüchten. Flüchten aus einer Stadt, deren Repressionsämter mir jetzt schon 15 Jahre meines Lebens gestohlen haben und die keinerlei Anstalten machen, an diesem Verhalten etwas zu verändern oder gar, sich dafür zu entschuldigen. Die mich zwischen sich hin- und herschubsen, wie sie gerade Lust haben, und sich regelmäßig neue Schikanen ausdenken, damit Menschen wie ich auch ja nicht zur Ruhe kommen können. Die davon ausgehen, daß ich „wie jeder“ sein müßte, also autoritätshörig und gehorsam, extrovertiert, neurotypisch – eben „normal“.

Flüchten vielleicht sogar aus einem Land, das mir aufgrund von Krankheit und Andersartigkeit und deshalb wiederum Armut die Grundrechte aberkennt, per einfacher Gesetzgebung, die es „Sozialgesetzbuch“ nennt und das doch besser „Zwangsarbeits- und Zwangsverarmungsgesetz“ heißen sollte.

Aber wohin? Wo ist die Hoffnung?

Gibt es in diesem Land oder sonstwo ein Fleckchen, wo Menschen Menschen sein dürfen? Wo nicht Geld das allererste Kriterium für alles ist? Wo die Begriffe Menschenwürde, Grund- und Menschenrechte, Gerechtigkeit, Inklusion und Freiheit keinen hohlen Klang bekommen, sobald sie jemand ausspricht, und nicht zu Hohn und Spott führen, wenn man sie einfordert? Wo es selbstverständlich ist, daß jeder eine gesicherte Existenz hat, weil er nur dann auch etwas zur Gesellschaft beitragen kann?

Ich sehe keinen solchen Ort, nirgends auf der Welt. Wo ist die Hoffnung?

Zur Zeit sehe ich nur, daß ich auch die nächsten 15 Jahre, so ich sie denn überlebe, immer wieder nur um meine Existenz und ein bißchen restliche Würde werde kämpfen müssen. Aber ich kann nicht mehr, ich habe keine Kraft mehr dafür.

Frau Katzenblum @Frau_Katzenblum
Könnten wir bitte damit anfangen, es ernst zu nehmen, wenn jemand sagt, dass er nicht mehr kann?

15:55 – 11. Aug. 2015

Aber schon klar, es geht hier ja nur um so eine faule Sozialschmarotzerin, die rumheult, weil ihr nicht alles hinten und vorne reingeschoben wird. Die kann gerne aufgeben, kostet ja sonst nur unsere Steuergelder. Wenn sie weg ist, umso besser.

Wo ist die Hoffnung?

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16.08.2015

Frosch - Im Netz aufgefischt #226

Die Nachrichten aus den Bereichen Asylpolitik, Flüchtlinge, Asylunterkünfte, „besorgte Bürger“, Nazis, rechte Gewalt usw. findet Ihr hier: Besorgte Nachrichten KW 33/2015.

Autismus

  • 11.08.2015 TED ideas: Susan Cain On Why It’s OK To Eat Alone (via @Felicea; nicht explizit zu Autismus, aber ihre Beschreibung der Introvertiertheit hat für mich viel von Asperger, und ihre Schlußfolgerungen passen für mich ins Bild. Das verlinkte Video des TED-Talks von 2012 ist ebenfalls sehr sehenswert.)

Bedingungsloses Grundeinkommen

Chelsea Manning

Computersicherheit

Datenschutz

Demokratie

Geheimdienste

Gesundheit

Hackerkultur

Hartz IV & Co.

Impfgegner

Journalismus

#landesverrat

LGBTIQ

NSA-Untersuchungsausschuß

Pressefreiheit

Sexarbeit

Tianjin

Vorratsdatenspeicherung

Wissenschaft

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13.08.2015

OpenRheinRuhr - PING-Stiftung ist Platin Sponsor

PING-StiftungDie gemeinnützige PING-Stiftung fördert Bildung und Wissenschaft sowie die Weiterbildung älterer Menschen im Umgang mit dem Internet.

Neben dem Platin-Sponsoring der OpenRheinRuhr hat die PING-Stiftung in diesem Jahr im Rahmen des Deutschlandstipendium zwei Stipendien über die gesamte Regelstudienzeit des Studiengangs Informatik (Bachelor) an der TU Dortmund ausgelobt.
Die Stipendien befinden sich aktuell noch in der Vergabephase, Bewerbungen für das Wintersemester 2015/2016 sind an die TU Dortmund zu richten.

Weitere Projekte befinden sich in der Planungsphase, geplant sind unter Anderem

  • Auslobung eines Sonderpreises für Technologie und Internet der Gründerinitiative start2grow
  • Vergabe weiterer Stipendien über die Regelstudienzeit des Studiengangs Informatik (Master)
  • Förderung von Kleinprojekten im Umfeld der Open Source Software und Open Education Szene

Wir freuen uns über die Unterstützung und hoffen, dass noch viele Sponsoren den Weg zur OpenRheinRuhr finden um die Veranstaltung auch zukünftig durchführen zu können. Informationen über das Sponsoring sind auf der Website der OpenRheinRuhr zu finden.

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Frosch - Twitter-DMs verschlüsseln

Twitter hat gerade bekanntgegeben, daß seit gestern bei den Accounts sukzessive die 140-Zeichen-Grenze bei DMs (Direktnachrichten) fallen soll. Mein erster Gedanke war ja: Oh, schön, dann erfahren sie noch mehr über ihre Nutzer. Aber dann wurde mir auch klar: Das Wegfallen der Grenze bringt gerade dahingehend einen Vorteil.

@AlexSchestag und ich probierten deshalb gestern Abend ein wenig herum, und voilà: Heraus kamen GnuPG-verschlüsselte DMs. Zugegeben, es ist ein wenig umständlich, aber es geht.

Möchte man eine verschlüsselte DM an jemanden schicken, braucht man natürlich dessen öffentlichen Schlüssel. Den kann man sich, falls er noch nicht im lokalen Schlüsselbund vorhanden ist, von Keyservern holen, und zwar mit

 

:~$ gpg –fetch-keys $URIs KeyID/Mailadresse

 

wobei $URIs durch die Adresse mindestens eines Keyservers (zum Beispiel pool.sks-keyservers.net, pgp.cs.uu.nl, pgp.mit.edu) ersetzt werden muß. Und natürlich muß man angeben, für welche Mailadresse oder zu welcher Key-ID man den Schlüssel haben will.

Im Editor schreibt man dann erstmal seine Nachricht und speichert sie – zum Beispiel als dm.txt – ab. Der nächste Schritt ist die Verschlüsselung:

 

:~$ gpg -e -a -r user@mailadress.se dm.txt

 

Die Parameter stehen für

  • -e – encrypt
  • -a – ASCII armored, sonst kommt Binärzeug raus
  • -r – mit dem öffentlichen Schlüssel dieser Mailadresse soll verschlüsselt werden.

Ohne den Parameter -r wird die User-ID abgefragt. „user@mailadres.se“ ist hier natürlich nur ein Platzhalter, da gehört die richtige Mailadresse des Empfängers hin.

Das Ergebnis ist eine neue Datei namens dm.txt.asc. Diese kann man jetzt im Editor öffnen und dann per Copy & Paste in das Nachrichtenfeld der DM einwerfen.

Der Empfänger macht das ganze jetzt umgekehrt: Inhalt der DM in einen Editor pasten, Datei abspeichern, und dann entschlüsseln mit

 

:~$ gpg -d dm.txt

 

Und dann kann die DM gelesen werden.

Der nächste Schritt wäre jetzt, daß die Twitter-Apps diese Funktion integrieren. Browser-Plugins, die das automatisieren, wären auch nett. :-)

Auf anderen Plattformen geht das natürlich genauso, solange zumindest private Nachrichten keine zu knappe Zeichengrenze haben. Und man kann solcherlei verschlüsselte Nachrichten natürlich nur jeweils mit genau einer Person teilen, nicht mit mehreren; in diesem Fall müßte man für jeden Empfänger separat verschlüsseln und die Nachrichten einzeln versenden.

Achja, natürlich kann man, wenn man schon Mailadresse und öffentlichen Schlüssel einer Person hat, auch eine „richtige“ E-Mail schreiben. Situationsbedingt ist es aber vielleicht gelegentlich praktischer, diesen anderen Weg zu gehen.

Und noch ein achja: Das funktioniert natürlich auch bei E-Mails an sich, wenn das heißgeliebte Mailprogramm keine PGP-basierte Verschlüsselung kennt oder wenn man Mails nur über ein Webinterface verschickt und empfängt.

Und noch ein letztes: Die Konsolenaufrufe sollten – ohne daß ich das jetzt getestet habe – genauso unter Mac OS X und Windows funktionieren.

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09.08.2015

Frosch - Im Netz aufgefischt #225

Abzocke

Asyl

Die Nachrichten zum Thema Asyl sammle ich ab sofort mit @AlexSchestag zusammen auf Besorgte Bürger in den „besorgten Nachrichten“.

Atombomben

Autismus

Behinderung / Inklusion

Computersicherheit

Datenschutz

Demokratie

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

#landesverrat

LGBTIQ

Nazis & Rassismus

Die Nachrichten zum Thema Nazis & Rassismus sammle ich ab sofort mit @AlexSchestag zusammen auf Besorgte Bürger in den „besorgten Nachrichten“.

Nebeneinkünfte von Parlamentariern

NSU

Die Nachrichten zum Thema NSU sammle ich ab sofort mit @AlexSchestag zusammen auf Besorgte Bürger in den „besorgten Nachrichten“.

Pressefreiheit

Überwachung

Vorratsdatenspeicherung

Wissenschaft

Und sonst so?

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05.08.2015

Michael Stehmann - “Clickworking, was ist das?”

war der Titel des Vortrages, den Torsten Sommer, MdL, beim Fellowshiptreffen in Düsseldorf am 29.07.2015 hielt.

Sein spezielles Interesse am Thema ergab sich aus seiner Mitgliedschaft u.a. im Landtagsausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales, aus seiner vormaligen Betriebsratstätigkeit und aus seiner Bewandertheit in der Informationstechnik.

Nachdem der Chronist kurz vom ECM15 berichtet hatte, folgte die Vorstellungsrunde.

Danach stellte der Referent zunächst in wissenschaftlicher Gründlichkeit kurz die Evolution menschlicher Arbeit dar, deren vorläufiger Endpunkt beispielsweise Clickworking ist.

Der Begriff Clickworker wurde von der NASA (der US-Behörde mit den zwei “A”) anlässlich eines Projektes im Jahr 2000 erfunden, bei dem eine große Schar wissenschaftlicher Laien im Internet Fotoaufnahmen der Marsoberfläche auswertete. Eine solche Freiwilligentätigkeit wäre zwar sicherlich ein interessantes Phänomen, aber eher am Rande für jemanden, der sich mit der Zukunft der Arbeit beschäftigt, denn gerade die Astronomie ist traditionell ein Bespiel für die fruchtbare, wissenschaftliche Betätigung von Laien.

Inzwischen jedoch arbeiten Clickworker “freiberuflich” für Unternehmen. Es gibt auch Portale, die der Referent uns zeigte, die entsprechende Aufträge vermitteln.

Dabei ist die Bewertung dieses Modells ambivalent, wie der Referent ausführte. Einerseits bietet es eine Chance zur Erwerbstätigkeit für Menschen, die einer meist leicht zu erlernenden Tätigkeit in freier Zeitgestaltung von zuhause aus nachgehen möchten. Andererseits kann man sich dem Eindruck nicht verschließen, dass diese Beschäftigung meist recht prekär ist. Solange eine solche Tätigkeit neben einer anderen Berufstätigkeit ausgeübt wird, mag sie ein willkommenes Zubrot sein; aber wenn sie die einzige Erwerbsquelle darstellt, kann man sich der Notwendigkeit sozialen Schutzes dieser Clickworker kaum verschließen.

Allerdings stellt sich eine Regulierung wegen der Übernationalität des Internets als schwierig dar.

Torsten Sommer hat freundlicherweise den Inhalt seiner Folien in einem Format, welches einem Offenen Standard entspricht, zur Verfügung gestellt.

In der Diskussion wurde zunächst die Frage erörtert, wo der geeignete Ort für eine Regulierung sei. Man kam schnell zu dem Schluss, dass eine Regulierung beim auftraggebenden Unternehmen anzusetzen hat und möglichst aufgrund internationaler, allerdings noch zu schaffender Standards erfolgen sollte.

Die Diskussion wurde dann allgemeiner. Torsten berichtete von der Bedeutung des Freifunkes für Flüchtlinge und über die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung seiner Heimatstadt Dortmund.

Da er im Landtag auch Mitglied in der neu konstituierten Verfassungsänderungskommission ist, erörterte er mit uns auch Fragen des Verhältnisses der plebiszitären Gesetzgebung zur parlamentarischen.

In diesem Zusammenhang wies er auch auf die Regelungen zur Begrenzung der Gültigkeitsdauer und zur Evaluierung von Gesetzen hin. Der Chronist schlug vor, dass die Evaluation von Gesetzes nur auf der Grundlage von Open Data erfolgen sollte. Dies würde die entsprechenden Stellungnahmen und Gutachten für jedermann nachvollziehbar und damit kritisierbar machen.

Es folgte also dem interessanten Vortrag noch eine lange Diskussion, die nur dadurch endete, dass die meisten zwecks Schlaf die Heimreise antreten mussten.

Das nächste reguläre Fellowshiptreffen in Düsseldorf findet am 26.08.2015 ab 19:30 Uhr im Chaosdorf, Hüttenstr. 25, 40215 Düsseldorf, statt.

Werner Koch wird bei uns “probehalber” einen Vortrag halten, den er danach vor hochkarätigen Experten halten wird. Der Titel ist: “Sicher verschlüsseln mit GnuPG”. Manche werden sich fragen: Hatten wir das nicht vor Kurzem schon einmal? Mit demselben Referenten? Werner hat mir aber erklärt, dass der Schwerpunkt seines Vortrages nicht auf dem sicheren Verschlüsseln von Emails liegt, sondern behandeln wird, was man mit GnuPG noch so alles sinnvoll “anstellen” kann. Also auch für die, für die Emailverschlüsselung ein alltäglicher Vorgang ist, verspricht es ein interessanter Vortrag zu werden.

Um 20:00 Uhr beginnen wir mit dem „offiziellen“ Teil. Wer später kommt, verpasst also was.

Gäste sind bei diesem Treffen wie immer herzlich willkommen.

OpenRheinRuhr - Entwurf für den ORR-Schal ist fertig

Birgit Hücking hatte Euch ja gebeten, darüber abzustimmen, was sie in diesem Jahr für die Verlosung auf dem Social Event stricken soll.

Sie hat gehofft und gezittert, aber leider vergebens: Sie strickt nämlich nicht gerne Schals – und genau der Schal hat bei der Abstimmung gewonnen!

„Schals stricken ist langweilig. Ein ewiges Hin und Her …“. Aber damit eben keine Langeweile aufkommt, hat sie ein Muster entworfen, das ein bisschen fordert. Und so soll das gute Stück am Ende in etwa aussehen:

Schal-Vorderseite Schal-Rueckseite

 

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02.08.2015

Frosch - Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in dem Menschen frühestens dann zählen, wenn das, was sie tun, Geld bringt.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, das Erwerbslosigkeit und Armut als selbst verschuldete Makel ansieht und die Betroffenen „Sozialschmarotzer“ nennt.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem jeder, der sich auf die Grundrechte beruft, verächtlich gemacht wird.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, das einem Polizeihund pro Tag mehr Essensgeld zugesteht als einem Sozialleistungsbezieher.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, das Zwangsverarmung und den Entzug der Menschenrechte auch anderen Ländern aufzwingt.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem knapp 350.000 Haushalten pro Jahr der Strom abgestellt wird, weil sie ihn bei rasant steigenden Preisen nicht mehr bezahlen können – und in welchem der Stromanteil im Sozialleistungs-Regelsatz rund 30 % unterhalb der realen Kosten liegt.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem Menschen mit „unsichtbaren“ Krankheiten oder Behinderungen nicht ernst genommen, sondern als faul und unwillig eingestuft werden – teilweise sogar von Ärzten.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, das in Inklusionsmaßnahmen nur einen überflüssigen Kostenfaktor sieht und meint, Behinderte würden damit bevorzugt.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem Menschen mit anderer Hautfarbe oder Kultur, besonders, wenn sie aus ihrer Heimat flüchten mußten, mit Gewalt bedroht und ihre Wohnungen und Unterkünfte angezündet werden.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, das lieber auf die „Schleuser“ schimpft und meint, wer als Flüchtling im Mittelmeer ersäuft, sei selbst schuld.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem die Wahrscheinlichkeit, an einem multiresistenten Keim in einem Krankenhaus zu sterben, fast doppelt so hoch ist wie die, bei einem Unfall im Straßenverkehr zu sterben.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem Pflegepersonal in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen so schlecht verdient und so überlastet ist, daß es streikt – und in welchem dieser Streik systematisch ignoriert wird.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem es von der wirtschaftlichen Situation abhängt, ob man eine gute Gesundheitsversorgung bekommt, und wie schnell.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, dessen Einwohner sich von Boulevard-Medien verblöden lassen, statt ihren Verstand zu gebrauchen, und in welchem Vorurteile höher gewertet werden als Fakten.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in dem sich die überwiegende Mehrheit der Menschen von eigenen und fremden Geheimdiensten umfangreich und widerspruchslos überwachen läßt.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, das unbedingt eine Vorratsdatenspeicherung einführen will, obwohl schon diverse höchste Gerichte und juristische Fachleute erkannt haben, daß diese weder verhältnismäßig noch nützlich ist.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem Medien, die versuchen, investigativ zu arbeiten und politische Transparenz herzustellen, öffentlich niedergemacht (Abgeordnetenwatch) oder sogar mit Ermittlungen wegen Landesverrats überzogen werden (Netzpolitik.org).

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem umgekehrt Journalisten lieber Pressemeldungen abschreiben, anstatt zu recherchieren.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem Amts- und Mandatsträger, die nachgewiesenermaßen korrupt sind und/oder gelogen haben, weder zurücktreten müssen noch rausgeworfen werden.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem Abgeordnete, die mehr Zeit damit verbringen, anderweitig viel Geld zu verdienen, als im Parlament zu arbeiten, ihr Mandat nicht verlieren oder sogar wiedergewählt werden.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem der größte Teil der Berufspolitiker in Parlamenten und Regierungen überhaupt kein Wissen mehr davon haben, wie Durchschnittsmenschen in ihrem Land leben.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem Solidarität auf allen Ebenen systematisch zerschlagen wird.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem seit 2007 die Suizidrate wieder steigt – und dann auch noch teilweise auf die „dummen und rücksichtslosen Selbstmörder“ geschimpft wird, statt nach Ursachen zu fragen.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem homosexuelle Menschen nicht „richtig“ heiraten dürfen.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem Transmenschen massiv diskriminiert werden, sowohl von der Gesellschaft als auch vom Staat.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem Bildung von der wirtschaftlichen Situation des Einzelnen abhängt, statt jedem gleichermaßen offen zu stehen.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, in welchem die Schulen auseinanderfallen und Eltern selbst Hand anlegen müssen, während für überflüssige Prestige-Projekte eine Menge Geld locker gemacht wird.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, das ohne mit der Wimper zu zucken Kriegsgerät an andere Länder liefert, obwohl diese bekanntermaßen Menschenrechtsverletzungen – auch mit Hilfe dieses Kriegsgeräts – begehen.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland, das lieber seine Bahn, seine Krankenhäuser und andere öffentliche Dienstleister privatisiert, statt einzusehen, daß diese Dienstleistungen öffentliche Aufgaben sind und bleiben müssen und gerade nicht dafür herhalten dürfen, Gewinne zu erwirtschaften.

Ich will das nicht!

Ein Deutschland … in welchem ich bestimmt noch einige Punkte vergessen habe, die genauso unfaßbar, falsch, asozial oder faschistisch sind.

Und schließlich: Ein Deutschland, das solche Politiker in seine Regierung wählt, die genau diese Ansichten stützen und entsprechende Gesetze machen, auch wenn diese später immer wieder vom Bundesverfassungsgericht gekippt werden. Und eine Regierung, die dieses höchste Gericht deswegen am liebsten abschaffen würde.

Ich will das nicht!

Die Reihenfolge der Aufzählung ist so halb zufällig und stellt keine Wertung einzelner Punkte gegenüber den anderen dar.

Ich frag mich jetzt nur eins:

  • Wollt Ihr denn das?
  • Wenn ja, warum seid Ihr so asozial?
  • Wenn nein, warum passiert praktisch nichts dagegen?

(Und jetzt kommt mir keiner mit Auswandern. Das ist keine Lösung.)

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14.07.2015

Frosch - Offener Umgang mit dem Anderssein

Man kann’s nicht richtig und niemandem recht machen. Versteckt man Probleme, die von einer (unsichtbaren) Behinderung oder Krankheit herrühren, und es knallt irgendwann, heißt es: „Warum hast Du nichts gesagt?“ Zeigt man sie jedoch offen, bietet man sofort Angriffsfläche:

Atari-Frosch @AtariFrosch
@KatrinaR47 „nicht wundern was kommt wenn Du offen damit umgehst“ = „Du bist ein Opfer, darf jeder draufhauen“. Kenn ich von #NotJustSad.

16:52 – 18. Jan. 2015

Das denken sich wohl auch Menschen, die hier gelegentlich versuchen, ihre abwertenden, ableistischen, menschenverachtenden, hetzerischen Kommentare abzukippen, manchmal in Frageform. In Form solcher Fragen, die sich direkt selbst beantworten und eine andere als die unterstellte Antwort gar nicht zulassen.

Ich gebe solche Kommentare nicht frei, weil sie erfahrungsgemäß weitere gleichartige Kommentare nach sich ziehen, nach dem Motto, es ist ja eigentlich schon alles gesagt worden, aber halt noch nicht von jedem.

Außerdem sehe ich es generell nicht ein, anderen Leuten auf meinem eigenen Server ein Forum dafür zu bieten, mich zu diffamieren und substanzlos und auf BILD-Niveau anzugreifen.

Das heißt aber nicht, daß ich diese Kommentare nicht zur Kenntnis nehme.

So wollte eine Nina am 12. Juni dieses Jahres unter Eingemauert (ein Lebenszeichen) unter anderem kommentieren:

Und natürlich sehen Sie sich als den Ausnahmefall der Ausnahmefälle, denn IHRE SCHRECKLICHE „Depression“ lässt sich auf keinen Fall behandeln… Sie sind nichts als ein Sozialschmarotzer.

Frau Nina hat meine Erfahrungen nicht gemacht und sich auch gar nicht dafür interessiert, aber natürlich weiß sie besser als ich um die Ursachen und die Behandelbarkeit meiner Depressionen. Diese wiederum schreibt sie in Anführungszeichen, andeutend, daß ich mir diese Krankheit offenbar sowieso nur einbilde.

Ähnlich argumentiert Manu-1978 eine Woche später auf Zwangsverrentungsversuch des ARGE (Teilzitat):

Wenn ich sowas lese, schlackern mir nur die Ohren. Echt. Erstmal Autismus ist noch nicht mal diagnostiziert worden. Wie wäre es mal mit einer richtigen Diagnostik darauf, bevor man sich auf so eine Diagnose stürzt. Wahrscheinlich ist es nur eine Alibidiagnose für so eine Dummheit.

[…]

Ich würde mich mal an deiner Stelle auf paranoide Persönlichkeitsstörung untersuchen lassen, anstatt auf Autismus. Ich vergaß, Ärzte und Therapeuten sind ja alle böse. Manche Leute wollen gar nicht sich helfen lassen sondern lieber in ihren Sumpf sich weitersuhlen.

Dieser Kommentar ist übrigens besonders pikant: Manu-1978 ist nämlich geburtsblind. Ob sie ohne eine entsprechende ärztliche Diagnose wohl sehen könnte? Ob sie es akzeptieren würde, daß Ärzte eine offensichtliche Krankheit oder Behinderung einfach nicht erkennen wollen? Und ob sie sich dann ohne Gegenwehr vorhalten lassen würde, sie würde sich nur dumm anstellen?

Zur Klarstellung: Für die Depression habe ich seit fast von Anfang an immer wieder bestätigte Diagnosen. Für den Autismus nicht; ein Dutzend Psychiater hat ihn nicht erkannt, vor allem wegen Inkompetenz und extremem Schubladendenken. Daß Autisten eine Hochrisikogruppe für Depressionen sind (je nach Statistik 60 – 80 %, davon 50 % chronisch; Bevölkerungsschnitt: 10 – 20 %, davon 1/3 chronisch), sollte auch keine ganz so neue Erkenntnis sein.

Autismus wie Depressionen fragen allerdings nicht danach, ob sie offiziell diagnostiziert worden sind. Sie sind unverschämterweise einfach trotzdem da.

Uschi Obermaja @FrauMaja
Die Diffamierung von ‚kranken Menschen‘ macht mich traurig. 1. trifft das zu viele Freunde. 2. Who the fuck ist denn bitte normal?

21:00 – 30. März 2015

„Normal“ ist das, was die BILD dazu erklärt – das ist jedenfalls so mein Eindruck. Dazu kommt die Sichtbarkeit: Autismus und Depressionen sind unsichtbar, das heißt, es gibt kein äußerliches Merkmal, das zeigt: Diese Person ist Autist oder diese Person hat Depressionen.

Dazu mal eine Frage: Wie reagieren solche Menschen eigentlich auf eine Rollstuhlfahrerin, die sich, so als Beispiel, im Supermarkt abmüht, an ein Produkt auf einem hohen Regal zu kommen? Die Lähmung, die sie hat, sieht man nicht. Man sieht nur ein Hilfsmittel – den Rollstuhl – und geht davon aus, daß sie dieses auch wirklich benötigt. Trotzdem kommt (zum Glück!) keiner auf die Idee, daß sie ja nur zu faul sei, aufzustehen. (Rollstuhlfahrer dürfen sich dafür mit anderen Dingen herumschlagen, zum Beispiel mit einer falsch verstandenen Hilfsbereitschaft.)

Und käme jemand auf die Idee, einem Diabetiker zu sagen, er müsse sich nur genug anstrengen, dann ginge es auch ohne die Insulinspritzen? Nein?

Für Autismus, Depressionen wie auch AD(H)S und andere Einschränkungen gibt es im allgemeinen keine sichtbaren Hilfsmittel. Sind wir deshalb weniger eingeschränkt? Dürfen wir deshalb keine Probleme haben? (Nicht daß jemand wild darauf wäre …)

Oh, eins hab ich noch vergessen: Fatshaming. Mein Übergewicht kann ich ja nun nicht verstecken, selbst wenn ich es wollte. Damit ist es natürlich hervorragend dazu geeignet, die Hetze zu unterstreichen: Hurra, noch ein Anderssein, auf das man eindreschen kann! Woher das kommt und warum das so ist, spielt wieder keine Rolle. Auch frühere Kommentatoren rieben es mir schon unter die Nase, so dieser Klaus-Bärbel (Troll mit ständig wechselnden Namen und Mailadressen):

Abgesehen von den Studien gebühren ist Alg II eigentlich ein gute Sache, wer nix tut braucht kein Urlaub, wenn ich sie sehe auf Ihren Bildern würde ihnen weniger Essen nicht weh tun.

(mehr von diesem speziellen Kommentator hier: Schlichtes Weltbild eines Trolls)

Eine Marina wollte mir gestern unter REWE: Preiserhöhung x 3 erklären:

Klar, lass dir nur alles liefern.
Auf Staatskosten natürlich.
Und genau auf diese Kosten frisst du dir den Wanst voll, dabei hast du schon Proportionen, dass es für zwei reichen würde!

Und heute meinte dieselbe Dame dann noch:

Madame kann nicht kochen, Madame kann auch nicht einkaufen.
Alles viel zu anstrengend!
Madame kann nur das tun, was ihr Spaß macht, dafür reicht die Energie!

Dazu fiel mir direkt dieser Tweet hier ein:

Tad @AnonymerSchwabe
Was für manche einfach scheint, ist für wieder andere eine Hürde.

Trotz besseren Wissens ….

Man schämt sich ….

Es schmerzt ….

15:43 – 24. Feb. 2015

Im selben Kommentar forderte Marina dann noch:

Veröffentlichen Sie doch mal meine Kommentare, wäre interessant, was die
Allgemeinheit so dazu zu sagen hat!

Die Meinung der BILD-lesenden, lautstarken, angeblichen Allgemeinheit, liebe Frau Marina, ist mir seit langem bekannt. Sie lautet, daß jeder, der aus welchem Grund auch immer kein Geld erwirtschaftet, natürlich faul ist und daß man mit DENEN DA!!! Dinge tun sollte, die mit Grundrechten nichts mehr zu tun haben. Das brauchen wir hier nicht noch dutzende Male wiederzukäuen, weil es dadurch nämlich nicht richtiger wird.

Daß mit diesem DIE DA!!! eine Form von Faschismus anfängt, habe ich ja schon früher beschrieben.

Ich habe dazu mal eine Frage: Was würden Nina, Marina und die anderen denn tun, wenn sie – aus welchen Gründen auch immer – auf einmal nicht mehr arbeiten könnten oder eben einfach keine (bezahlte) Arbeit mehr bekämen und dann, nach dem Aufbrauchen fast aller Ersparnisse, auf Staatskosten leben müßten? Sich aufhängen? Oder dann doch so langsam, wenn auch sehr spät, mal umdenken?

Das kann schneller gehen als gedacht. Ein Unfall, eine schwere Krankheit, ein behindertes Kind oder ein Pflegefall in der Familie – und dann? Ich habe manchmal den Eindruck, daß zumindest ein Teil der so privilegierten, gesunden Geldverdiener hinter all diesen Diffamierungen nur die Angst versteckt, selbst plötzlich unter den angeblich Überflüssigen und Wertlosen zu sein. Solidarität wäre also die sinnvollere Reaktion, würden sie nur mal drüber nachdenken – aber Vorurteile sind halt einfacher.

All das ist in unserer Gesellschaft das Ergebnis eines offenen Umgangs mit dem Anderssein – spätestens dann, wenn dieses Anderssein, dieses Herausfallen aus einer definierten Norm, dazu führt, daß jemand zeitweise oder ständig auf Sozialleistungen angewiesen ist: Diffamierung, Diskriminierung, Beleidigung, die da.

Schließlich ist ja schon bereits die Erwerbslosigkeit selbst, unabhängig von Krankheiten oder Behinderungen, ein unerwünschtes Anderssein, das offenbar einen Teil der nicht davon betroffenen Menschen dazu bringt, hemmungslos zu hetzen, immer mit dem geäußerten oder zu vermutenden Hintergedanken: ICH bin ja wertvoll! ICH arbeite und verdiene MEIN Geld selbst! ICH zahle Steuern!

Und wenn sich dann jemand das Leben nimmt, heißt es: „Oh, der hat nichts gesagt, hätte er doch mal!“ – Ja. Hättet Ihr mal zugehört, wenn es jemand versucht hat. Und hättet Ihr dann die Klappe gehalten und Euren Verstand bemüht, statt mit Vorurteilen herumzuätzen und alles noch viel schlimmer zu machen.

Christoph Butterwegge erklärte im Der Freitag vom 18. Februar 2015, daß das Ausgrenzen von Anders-Seienden und die (IMHO faschistische) Unterteilung von Menschen in „nützliche“ und „überflüssige“ nicht neu ist, aber mit dem Hartz-IV-System neu und systematisch etabliert wurde: Ein enormer Schub im Massenbewusstsein.

Es genügt also mittlerweile schon die Tatsache, in Hartz IV gelandet zu sein, dann braucht niemand mehr nach Gründen zu fragen. Die Tatsache allein berechtigt dann automatisch jeden nicht davon betroffenen Menschen dazu, beliebig auf die Betroffenen einzudreschen. Kommen dann noch (und dann auch noch unsichtbare!) Behinderungen und/oder Krankheiten dazu, wird die Dresche nur umso ätzender: Stinkfaul, selber schuld, Dich sollte man …!

Und wer dann auch noch offen mit Erwerbslosigkeit, Armut, Krankheit und Behinderung umgeht, wird direkt als Sündenbock gesehen und massiv persönlich angegangen. Wie kann ich es auch wagen, meine Erlebnisse und meine Gedanken dazu zu veröffentlichen, wenn ich doch schon bewiesenermaßen überflüssig und wertlos bin? Wie kann ich es unter diesen Umständen wagen, überhaupt noch eine Meinung zu haben und diese auch noch zu äußern?

Ulf Hundeiker @ulf_der_freak
Sich angreifbar zu machen gibt niemandem automatisch das Recht, anzugreifen.

19:50 – 5. Sep. 2014

So einfach ist das.

PS: Ich habe andere Eigenschaften von Menschen, die ebenfalls für Diffamierungen und Diskriminierung herangezogen werden, bewußt herausgelassen, weil das hier eh schon sehr lang zu werden drohte. Transmenschen, Homosexuelle, Migranten, Flüchtlinge und weitere kennen das aber mit Sicherheit auch; das Prinzip der Ausgrenzung und/oder der Wertlos-Erklärung, teils um sich selbst zu erhöhen, ist dasselbe.

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12.07.2015

Michael Stehmann - Das Fellowshiptreffen im Juni

in Düsseldorf fand am 24.06.2015 im Chaosdorf statt. Den Referenten begleiteten einiger seiner Parteifreunde aus dem Landtag, sodass etwa zwanzig Teilnehmer ihm zuhörten und diskutierten. Zu diesen gehörten auch ein Düsseldorfer Ratsherr und ein Mitglied einer Bezirksvertretung.

Zunächst gab es eine Vorstellungsrunde.

Der Vortrag von Patrick Schiffer hatte das Thema “Julia Reda und die Reform des Urheberrechts in Europa”.

Julia Reda, gebürtig im Rheinland, ist eine deutsche Politikerin, die seit 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments ist. Dort hat sie sich bereits einen Namen gemacht. Anfang November 2014 bestimmte der Rechtsausschuss des Europaparlaments Reda zur Berichterstatterin für die Evaluation der Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie von 2001, der sogenannten „InfoSoc-Richtlinie“. Der Inhalt ihres Berichtes war Gegenstand des Vortrages.

Stark diskutiert unter dem Aspekt der Notwendigkeit des Copylefts (auch in Form des “share alike” bei Creative-Commons-Lizenzen”) gerade auch bei Freier Software war die Frage, ob auch bei Computerprogrammen, die nach deutschem Recht Sprachwerke sind, ohne Weiteres sogenannte transformative Nutzungen im Sinne eines Rechtes auf Remix ermöglicht werden sollen. Nachdem dem Referenten die Tragweite dieses Problems vor Augen geführt worden war, versprach er, diese Bedenken auch in Brüssel zu Gehör und Julia Reda unseren Standpunkt nahe zu bringen.

Der Referent hat freundlicherweise die Folien seines Vortrags zur Verfügung gestellt.

Dann folgte ein Workshop zum Thema “Open Data in Düsseldorf: eine Herausforderung”.

Viele Kommunen haben bereits die Vorteile von OpenData und Bürgerpartizipation erkannt, wie z.B. Moers, Köln und Bonn. Die Landeshauptstadt startet zwar jetzt eine Offensive für Startups, besitzt ein Konsortium “Digitale Stadt” und gibt sich auch sonst gerne modern, hinkt aber in Sachen Open Data und Freies WLAN schon länger hinterher.

Diskutiert wurde, nachdem der aktuelle Stand der Dinge in Düsseldorf auch unter Mitwirkung des erschienenen Ratsherrn dargelegt worden war, was getan werden kann, um Open Data auch in unserer Landeshauptstadt voranzubringen. Dabei konnten auch die Referenten aus dem Landtag ihre Erfahrungen einbringen.

Als Fazit kann man vielleicht ziehen, dass es langsam auch in Düsseldorf vorangeht. Private Initiative erscheint jedoch notwendig.

Die Themen des Abends umspannten also die europäische und die kommunale Ebene. Wie man beispielsweise an der Diskussion über die Panoramafreiheit sieht, beeinflussen uns europäische Entscheidungen ebenso, wie die Tätigkeit oder Untätigkeit einer Kommunalverwaltung.

Es war also einmal wieder ein interessanter Abend.

Das nächste reguläre Fellowshiptreffen in Düsseldorf findet am 29.07.2015 ab 19:30 Uhr wieder im Chaosdorf, Hüttenstr. 25, 40215 Düsseldorf, statt.

Das Thema des Abends wird noch mitgeteilt.

Um 20:00 Uhr beginnen wir mit dem „offiziellen“ Teil. Wer später kommt, verpasst also was.

Gäste sind bei diesem Treffen wie immer herzlich willkommen.

Michael Stehmann - “Netzneutralität – die US-Debatte, die FCC-Entscheidung und die Lage in Europa und Deutschland”

war das Thema eines “Fachpolitischen Frühstücks” am Morgen des 23.06.2015 in der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei. Zu diesem war auch die FSFE von der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen Frau Dr.Angelica Schwall-Düren eingeladen worden. Da unser Präsident leider verhindert war, ging ich hin.

Schon vor dem offiziellen Beginn konnte ich ein paar meiner Visitenkarten an die Eintreffenden überreichen und Kontakt vor allem auch zu Landtagsabgeordneten der SPD knüpfen. Außer diesen war auch der grüne Abgeordnete Matthi Bolte erschienen. Mit Genugtuung nahm ich auch zur Kenntnis, dass mich einige der Ministerialbeamten kannten.

Der Frühstückstisch war dann üppig gedenkt. Im Saal saßen wir unter den Porträts der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und konnten die Aussicht auf Düsseldorf genießen.

Mich hatte man an die rechte Seite der Ministerin platziert. Diese erwähnte in ihren einführenden Worten auch Wikipedia und Openstreetmap.

Den Hauptvortrag hielt Frau Prof. Dr. Barbara van Schewick, die auf der linken Seite der Ministerin saß. Diese ist eine deutsche Informatikerin und Rechtswissenschaftlerin, die an der Stanford Law School in den USA eine Professur für Internetrecht innehat. Ihr wissenschaftliches Interesse gilt vor allem Fragen der Netzneutralität.

Die Federal Communications Commission hat – auch beraten durch Frau Prof. van Schewick – hinsichtlich der Netzneutralität sinnvolle Regeln eingeführt. Diese wurden durch die Referentin erläutert, die auch die bemerkenswerte Beteiligung der Bevölkerung der Vereinigten Staaten im Vorfeld der Regulierung erwähnte. Selbst der Inhaber eines Bäckerladens hatte sich an die Kommission gewandt und die Bedeutung der Netzneutralität für sein Geschäft deutlich gemacht.

In der Diskussion stellte sich schnell heraus, dass Gefahren für die in Deutschland, vor allem auch in NRW einigermaßen befriedigt geregelten Netzneutralität von der Europäischen Kommission ausgehen. Diskutiert wurde, wie ihnen zu begegnen sei. Auf der EU-Ebene verhandeln derzeit Parlament, Rat und Kommission über Netzneutralität. Eine Aufklärung der europäischen Bevölkerung über die Sinnhaftigkeit der Netzneutralität, die jedoch nicht allein von den politischen Parteien geleistet werden kann, erscheint, so lehrt es jedenfalls das us-amerikanische Beispiel, wichtig.

Den anwesenden NGOs wurde eine stärkere Vernetzung empfohlen. Nun – Thomas Lohninger aus Wien von der Initiative für Netzfreiheit kannte, wie ich in Erfahrung bringen konnte, unsere dortige Fellowshipgruppe.

Es war insgesamt ein interessanter Vormittag in der Staatskanzlei, bei welchem neue Bekanntschaften gemacht und bestehende aufgefrischt werden konnten.

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05.07.2015

Frosch - Im Netz aufgefischt #220

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30.06.2015

Frosch - Die Parallelwelt

Schon seit der Antike diskutieren Menschen über die Möglichkeit von Parallelwelten, also Welten, die eigentlich mal identisch mit der uns bekannten waren, sich dann aber durch eine einzige Entscheidung anders entwickelt haben. Seit Wochen geht mir die Möglichkeit einer solchen Parallelwelt durch den Kopf, einer, bei der eine bestimmte Sache anders gelaufen ist.

Irgendwann in der Geschichte der Menschheit kam wohl jemand auf die seltsame Idee, daß er seine Güter, sein Können oder Wissen nur dann hergeben wollte, wenn er von dem, der etwas von ihm wünschte, etwas dafür bekam, was er als gleichwertig erachtete. Und offenbar gab es dann auch genügend dumme Leute, die das so akzeptierten. Denn unsere Vorfahren waren noch in der Steinzeit absolut darauf angewiesen, daß jeder sein Können, Wissen und das, was er produzierte, allen in der Gruppe zur Verfügung stellte, damit die gesamte Gruppe überleben konnte und alles hatte, was sie brauchte.

Die Forderung nach einem direkten Tausch brachte natürlich bald die Notwendigkeit für ein Zahlungsmittel mit sich, denn dieser direkte Tausch erwies sich vermutlich schnell als unpraktisch: Wenn ich etwas brauche, was ein anderer produziert, der jedoch etwas benötigt, was ich nicht habe, laufe ich mir die Hacken wund, um eine Tauschkette aufzubauen, in der dann jeder Beteiligte das bekommt, was er haben will. Also braucht es eine Art vermittelnde Ware, die den Wert der anderen Waren bestimmt.

Die ersten dieser vermittelnden Waren dürften wohl Getreide und Rinder gewesen sein (genannt ab 17.000 v. Chr.). Diese haben allerdings den Vorteil, daß sie nachwachsen: Habe ich zehn Rinder und gebe eins dafür her, um Futter für die anderen neun zu bekommen, dann habe ich nach einem Jahr mindestens wieder zehn Rinder, vielleicht sogar mehr – vorausgesetzt natürlich, ich achte drauf, daß ich Männlein und Weiblein habe. Gebe ich Getreide für etwas anderes her, muß ich nur genug behalten, um wieder neu aussäen zu können, und habe spätestens im nächsten Jahr wieder genug Getreide.

Anatolischer Obsidian, bekannt seit mindestens 12.000 v. Chr., wurde etwa um 9.000 v. Chr. zu einem der ersten anerkannten allgemeinen Zahlungsmittel. (Quelle: Wikipedia: History of money, last modified on 26 May 2015, at 11:07).

Die ersten Münzen wurden dann etwa um 1000 v. Chr. geprägt, und zwar in China. Sie waren aus Kupfer und hatten die Form von kleinen Messern und Spaten. Davor waren in einigen Gegenden auch Muscheln als Zahlungsmittel akzeptiert gewesen. (Quelle: ebd.)

Heute sagt man uns, daß Geld unbedingt nötig sei, um von lokal bis weltweit jeglichen Austausch von Waren und Dienstleistungen zu ermöglichen. Tatsächlich müssen viele Menschen auf der Welt feststellen, daß die Notwendigkeit von Geld es ihnen gerade nicht möglich macht, ihre Waren und Dienstleistungen zu denen zu bringen, die sie benötigen (weil diese nicht über das nötige Geld verfügen). Andererseits können sie notwendige oder gewünschte Waren oder Dienstleistungen nicht einkaufen, weil sie auch selbst nicht das dafür verlangte Geld besitzen. Denn im Gegensatz zu den frühen Zahlungsmitteln Getreide oder Rinder wachsen Scheine und Münzen nicht nach; ich muß immer wieder etwas geben, um sie zu beschaffen.

Das System „Direkttausch mit Geld“ funktioniert damit nicht für alle. Genau genommen funktioniert es sogar für viele Menschen nicht: Kinder sind beispielsweise darauf angewiesen, daß sie von Erwachsenen Geld bzw. von deren Geld gekaufte Waren bekommen, um zu überleben. Menschen mit Einschränkungen sind genauso wie Menschen, deren Arbeitskraft einfach nicht benötigt wird, nicht in der Lage, sich das Geld zu beschaffen, das sie brauchen, um sich zu versorgen.

Lösungsvorschläge für das Problem gibt es viele: Höhere Steuern für Reiche, mehr staatliches Geld für Arme, Bedingungsloses Grundeinkommen und weitere – aber alle gehen davon aus, daß das Prinzip „Direkttausch mit Geld“ notwendig ist und erhalten werden muß.

Provokative Frage: Warum eigentlich?

Nehmen wir mal eine andere Erde an. Eine, in der es diesen Menschen, der für das, was er zu bieten hatte, eine direkte Gegenleistung wollte, einfach nicht gab. Oder zumindest keine anderen, die ihn damit ernst nahmen.

  • Wieviele Kriege wegen materieller Streitigkeiten hätten nicht stattgefunden?
  • Wie hätten sich neu entdeckte Kontinente und Länder wie Amerika entwickeln können?
  • Wieviele Streitigkeiten unter Individuen, Straftaten incl. Morde, Gerichtsverfahren usw. hätten nicht stattgefunden?
  • Wieviele Menschen hätten keine Zeit im Gefängnis zubringen müssen? Hätten wir überhaupt Gefängnisse?
  • Wie viel früher wären bestimmte Erfindungen und Entdeckungen gemacht worden, wenn Menschen die nötige Freiheit gehabt hätten?
  • Wieviele Menschen wären nicht verhungert, oft schon im Kindesalter?
  • Wieviele Menschen wären nicht an heilbaren Krankheiten gestorben?
  • Wie sähen unsere Bildungsmöglichkeiten sowohl für Kinder als auch für Erwachsene aus?
  • Gäbe es Korruption?
  • Gäbe es Gier?
  • Wieviele Menschen müßten nicht flüchten?
  • Hätten wir überhaupt Ländergrenzen?
  • Hätten wir Inklusion für Menschen mit Behinderungen oder sonstigen Beeinträchtigungen?
  • Wieviel Papier würde nicht für schwachsinnige Werbeprospekte ohne Informationsgehalt verschwendet werden? Und: Gäbe es Spam?
  • Wieviel mehr Menschen würden nicht verunglücken, weil sie nicht zu einem Termin hetzen müßten?
  • Wieviele Menschen würden nicht krank werden, weil sie entweder gar keine oder zuviel Arbeit haben?
  • … Und was für Machtstrukturen hätten wir?

Vermutlich denken jetzt viele das gleiche wie in der Argumentation um das Bedingungslose Grundeinkommen: Ja, wer macht denn dann die notwendige Arbeit?

Die Antworten sind im Prinzip auch dieselben: Diejenigen, die sich dazu berufen fühlen. Überzeuge Menschen davon, daß etwas wichtig ist, und es werden sich welche finden, die die nötigen Arbeiten erledigen. Funktioniert nicht, sagt Ihr?

Ja seltsam, wie kommt es dann, daß bei Community-Veranstaltungen wie dem CCC-Congress jedes Jahr eine Menge Helfer („Engel“) alle notwendigen Arbeiten erledigen, damit der Congress rund läuft? Ganz freiwillig, und ohne daß man jemanden drängen muß? Im Gegenteil: Die Schichtpläne, in die sich die Helfer eintragen können, sind üblicherweise schon vor Beginn des ersten Veranstaltungstages gut gefüllt. Und das sind nicht alles nur angenehme Arbeiten. Warum? Weil diese Helfer wissen, daß ohne die Mithilfe Vieler der Congress gar nicht stattfinden könnte.

Anders ausgedrückt:

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Antoine de Saint-Exupery in „Die Stadt in der Wüste“ / „Citadelle“.

Und damit ergäbe sich ein weiterer Punkt: Was, wenn Menschen das tun können, was sie richtig und sinnvoll finden, statt zu für sie sinnlosen Tätigkeiten gezwungen zu werden, nur damit wenigstens das Allernötigste bezahlt werden kann?

Eine solche Welt fände ich lebenswert.

Vielleicht bin ich ja tatsächlich auf dem falschen Planeten gelandet …

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Frosch - Illinois verbietet Kerri Rivera, MMS anzubieten

NBC 5 Chicago berichtete am 24. Juni, daß die Generalstaatsanwältin von Illinois der bekannten Quacksalberin Kerri Rivera eine „assurance of voluntary compliance“, also quasi eine „freiwillige Selbstverpflichtung“, aufgedrückt hat. In dieser verpflichtet sich Kerri Rivera, im Staat Illinois MMS bzw. Chlordioxid nicht mehr als Medikament gegen Autismus zu bewerben, zu verkaufen oder in Seminaren oder auf Konferenzen sowie ihren Websites anzupreisen. Wenn sie sich nicht daran hält, wird das als Verstoß gegen das dortige Verbraucherschutzgesetz gewertet und kann entsprechend sanktioniert werden.

Nachfolgend meine Übersetzung der Selbstverpflichtung; Original (PDF, leider rein grafisch): Rivera, Fully Executed AVC.

Staat von Illinois
Landkreis von Cook

In der Sache der Kerri Rivera
Ermittlung # 2015-HCL-241

Freiwillige Selbstverpflichtung

Das VOLK DES STAATES ILLINOIS, [vertreten] durch LISA MADIGAN, Generalstaatsanwältin, und Kerri Rivera persönlich, schließen diese freiwillige Selbstverpflichtung (künftig „AVC“ genannt) gemäß dem Consumer Fraud and Deceptive Business Practices Act (etwa: Gesetz gegen Verbraucherbetrug und irreführende Geschäftspraktiken), 815 ILCS 505/1 ff. (künftig „Verbraucherschutzgesetz“ genannt).

I. LEGITIMATION

  1. Das VOLK DES STAATES ILLINOIS, [vertreten] durch LISA MADIGAN, Generalstaatsanwältin von Illinois, haben die Autorität, diesen Vertrag zu schließen und zu akzeptieren, gemäß Abschnitt 6.1 des Verbraucherschutzgesetzes.

II. PARTEIEN

  1. LISA MADIGAN ist derzeit die gewählte Generalstaatsanwältin von Illinois und hat somit die Berechtigung, das Verbraucherschutzgesetz durchzusetzen.
  2. Kerri Rivera ist eine Person, die den Gebrauch von Chlordioxid als Behandlung für Autismus bewirbt (künftig Verantwortliche genannt).
  3. [Die] Verantwortliche trägt vor und präsentiert auf Seminaren/Konferenzen und betreibt Websites, auf welchen sie die Benutzung von Chlordioxid als Behandlung für Autismus bewirbt.

III. DEFINITIONEN

  1. Von dem abgesehen, was hier bereits dargelegt wurde, und solange keine andere Begriffsbedeutung im Kontext erkennbar ist, gelten die Begriffe in diesem AVC entsprechend dem Verbraucherschutzgesetz, Nr. 815 ILCS 505/1 ff.

IV. ANWENDBARKEIT

  1. Die Bestimmungen in diesem AVC sind anwendbar auf die Verantwortliche, ihre Niederlassungen, Vertreter, Angestellten, alle Personen und Einrichtungen, die mit ihr assoziiert, angegliedert oder verbunden sind sowie alle nachfolgenden Firmen oder Geschäftseinrichtungen.

V. RELEVANTE GESETZLICHE UND REGULATORISCHE BESTIMMUNGEN

  1. Abschnitt 2 des Verbraucherschutzgesetzes lautet folgendermaßen:

    Unfaire Methoden des Wettbewerbs und unfaire oder irreführende Aktionen oder Praktiken, inclusive, aber nicht beschränkt auf, die Nutzung von jeglicher Art von Täuschung, Betrug, falsche Behauptungen, falsche Versprechungen, mißverständliche Darstellung oder Verschleierung, Unterdrückung oder Nichterwähnung von Tatsachen, mit der Intention, daß andere ihnen auf der Basis dieser verschleiernden, unterdrückten oder nicht erwähnten Tatsachen vertrauen, oder die Benutzung oder der Einsatz jeglicher Handelspraktiken, die in Abschnitt 2 des „Einheitlichen Gesetzes zu irreführenden Handelspraktiken“ vom 5. August 1965, werden hiermit für ungesetzlich erkärt, unabhängig davon, ob eine Person tatsächlich in die Irre geführt, betrogen oder geschädigt wurde. Bei der Auslegung dieses Abschnittes sollen die Interpretationen der Federal Trade Commission (Handelskommission des Bundes) und der Handelsgerichte bezüglich Abschnitt 5 (a) des Federal Trade Commission Act (Handelsgesetz des Bundes) berücksichtigt werden.

815 ILCS 505/2.

VI. VORWÜRFE UND FAKTEN

Die Generalstaatsanwältin macht den Vorwurf, daß

  1. die Verantwortliche Websites inclusive cdautism.org betreibt und bei Seminaren/Konferenzen vorträgt bezüglich der Verwendung von Chlordioxid bei der Behandlung von Autismus.
  2. die Verantwortliche auf ihren Websites gegen eine Gebühr Beratungen zur Verwendung von Chlordioxid zur Behandlung von Autismus anbietet.
  3. die Verantwortliche durch das Angebot dieser Dienstleistungen sich im „Handel“ oder „Gewerbe“ entsprechend der Begriffe, wie sie in Abschnitt 1 des Verbraucherschutzgesetzes definiert sind, betätigte.
  4. die Verantwortliche auf ihren Websites und in ihren Präsentationen unbewiesene medizinische Behauptungen bezüglich der Verwendung von Chlordioxid bei der Behandlung von Autismus aufstellt.
  5. die Verantwortliche in Wahrheit und Tatsachen kompetente und zuverlässige wissenschaftliche Beweise, welche ihre Behauptung, mit Chlordioxid könne man Autismus behandeln, vermissen läßt.
  6. die Durchführung der Bewerbung unbewiesener Gesundheits- und medizinischer Behauptungen bezüglich der Verwendung von Chlordioxid in der Behandlung von Autismus durch die Verantwortliche eine Verletzung von Abschnitt 2 des Verbraucherschutzgesetzes darstellt.

VII. VEREINBARUNG, VON UNGESETZLICHEN PRAKTIKEN ABZULASSEN

  1. HIERMIT WIRD ZUGESTIMMT, daß die Verantwortliche, ihre Niederlassungen, Vertreter, Angestellten und alle Personen, die mit ihr assoziiert, angegliedert oder verbunden sind, sich ab dem Datum dieses AVC an die Abschnitt 2 des Verbraucherschutzgesetzes, 815 ILCS 505/2, hält.
  2. ES WIRD DES WEITEREN ZUGESTIMMT, daß die Verantwortliche in Seminaren/Konferenzen im Staat Illinois keine Produkte mehr bewirbt oder verkauft, die sich auf die Verwendung von Chlordioxid oder ähnliche Substanzen zur Behandlung von Autismus beziehen.

VIII. AUSFÜHRUNG DER VEREINBARUNG

  1. Die Parteien sind sich einig, daß dieser AVC nicht als Zustimmung oder Sanktion durch den Staat von Illinois oder die Generalstaatsanwältin von Illinois zu den Geschäftspraktiken der Verantwortlichen gedeutet werden kann. Die Parteien sind weiterhin darüber einig, daß jegliches Versagen des Staates Illinois oder der Generalstaatsanwältin von Illinois dahingehend, Maßnahmen zu ergreifen, wenn sie Informationen gemäß dieses AVC erhalten, nicht als Zustimmung oder Sanktion zu jeglicher Art von Darstellung dieser Informationen, Handlungen oder Praktiken, auf welche diese Informationen hindeuten, gedeutet werden können. Die Parteien stimmen weiterhin zu, daß dieser AVC zwischen der Generalstaatsanwaltschaft und der Verantwortlichen eingegangen wird, um die Situation zu lösen, daß diese AVC keine anderen Ämter oder Vertretungen des Staates Illinois bindet; und daß dieser AVC nicht dahingehend gedeutet werden kann oder darf, um irgendeine andere Handlung, sei sie zivil, ermittlungs- oder verwaltungstechnisch, zu lösen oder auszuschließen, die bei einer anderen Behörde oder Vertretung des Staates Illinois anhängig ist oder nachträglich vorgebracht wird.
  2. Dieser AVC wird abgeschlossen mit dem Wissen, daß die Vorwürfe von Fakten und davon betroffene Gesetze Vorwürfe von Verletzungen des Verbraucherschutzgesetzes darstellen.

IX. Salvatorische Klausel

  1. Wenn ein Abschnitt, eine Bestimmung oder ein Teil dieses AVC aus irgendwelchen Gründen als ungültig, nicht durchsetzbar oder für nichtig erkannt wird, soll dieser Abschnitt vom Rest abgetrennt werden und nicht die Gültigkeit oder Durchsetzbarkeit der verbleibenden Anteile beeinflussen.

X. [VERTRAGS-]VERLETZUNGEN

  1. Die Parteien sind sich darüber einig, daß gemäß Verbraucherschutzgesetz jeglicher Beweis einer Verletzung einer der Vorgaben dieser AVC als Anscheinsbeweis einer Verletzung des Verbraucherschutzgesetzes bei jeglichem späteren Vorgehen der Generalstaatsanwaltschaft des Staates Illinois gegen die Verantwortliche angesehen wird. Es herrscht weiterhin Einigkeit darüber, daß die Generalstaatsanwaltschaft üblicherweise das Recht hat, angemessene Maßnahmen zu beantragen, um diese Vereinbarung durchzusetzen.

XI. INKRAFTTRETEN

  1. Dieser AVC tritt nach Unterzeichnung durch die Parteien sofort in Kraft.

XII. Autorisierung

  1. Die unterzeichnenden Vertreter für jede Partei bestätigt, daß sie/er von der Partei, die sie/er repräsentiert, vollumfänglich autorisiert ist, um in die Bedingungen dieses AVC einzutreten und die Partei, die sie/er vertritt, rechtlich an diesen AVC zu binden.

DAS VOLK DES STAATES ILLINOIS,
[vertreten] durch LISA MADIGAN,
GENERALSTAATSANWÄLTIN VON ILLINOIS

DURCH: [Unterschrift] RAYMOND THRELKELD
Leiter des Gesundheitsamtes

VERANTWORTLICHE
KERRI RIVERA
DURCH: [Unterschrift] KERRI RIVERA
DURCH: [Unterschrift] STEVE PERNICK
Rechtsanwalt für Kerri Rivera

LISA MADIGAN
Generalstaatsanwältin von Illinois

Raymond Threlkeld, Leiter
des Gesundheitsamtes

Judith M. Parker. AAG
Gesundheitsamt
100 West Randolph Street, 12. Etage
Chicago, Illinois 60601
312-814-3717

[Update 2015-06-30 14:48] Einige einfache Korrekturen am übersetzten Text durchgeführt. [/Update]

Und jetzt das ganze nochmal zusammengefaßt und allgemein verständlich:

  1. Die Generalstaatsanwältin von Illinois stellt fest, daß Frau Rivera mit Chlordioxid ein Mittel zur Behandlung von Autismus anbietet, für dessen Wirkung sie keinerlei Beweise erbringen kann. Frau Rivera preist diese Chemikalie auf Seminaren, Konferenzen und verschiedenen Websites an. Außerdem offeriert sie auch kostenpflichtige Beratungen zu Chlordioxid als Mittel gegen Autismus.
  2. Die Generalstaatsanwältin stellt fest, daß Frau Rivera damit gegen das Verbraucherschutzgesetz des Staates Illinois verstößt.
  3. Frau Rivera verpflichtet sich dazu, sich an das Verbraucherschutzgesetz des Staates Illinois zu halten. Das bedeutet, daß sie ab Unterzeichnung der Selbstverpflichtung Chlordioxid als Mittel zur Behandlung von Autismus in Illinois nicht mehr anbieten, auf Seminaren, Konferenzen oder Websites präsentieren und natürlich auch nicht verkaufen wird.
  4. Hält sich Frau Rivera nicht an diese Verpflichtung und die Generalstaatsanwaltschaft von Illinois erfährt davon, dann wird das wie ein direkter Verstoß gegen das Verbraucherschutzgesetz von Illinois gewertet und kann entsprechend geahndet werden.

Das ist doch mal ein guter Anfang. Dem Artikel von NBC 5, State Takes Action Against „Miracle Treatment“ For Children, nach wurde diese Selbstverpflichtung wohl Ende Mai unterzeichnet. (Das Video in dem Artikel läuft bei mir nicht, nur der Werbeblock davor kann angesehen werden; möglicherweise ist hier Geoblocking im Einsatz.)

Etwa zu dieser Zeit fiel auf, daß die Websites von Frau Rivera plötzlich allesamt nicht mehr zugänglich waren. So ein Zufall.

Das Verkaufsverbot gilt jetzt allerdings erst einmal nur im US-amerikanischen Bundesstaat Illinois. Frau Rivera wohnt mittlerweile in Mexico, also gar nicht mehr im Bereich der Jurisdiktion der USA oder einer ihrer Bundesstaaten. Ihr stehen also theoretisch noch alle anderen US-amerikanischen Bundesstaaten für ihre Präsentationen offen. Ob der Bundesstaatsanwalt der USA ihr eine ähnliche Selbstverpflichtung aufdrücken kann bzw. ob es auf der Ebene überhaupt passende Gesetze gibt, kann ich nicht beurteilen; wünschenswert wäre es. Alternativ könnte der Bundesanwalt natürlich auch direkt mit den Ermittlungen anfangen.

Nicht davon betroffen dürfte der MMS-Papst Jim Humble mit seiner „Church of Genesis II“ sein. Findige Rechtsanwälte können ermittelnde Staatsanwälte und Richter möglicherweise davon überzeugen, daß er mit Frau Rivera nicht im Sinne der Selbstverpflichtung in Verbindung steht. Das heißt, der primäre Verdiener an der ganzen Sache bleibt dadurch vermutlich noch (?) unbehelligt. Es wird Zeit, auch die Wurzel dieses Übels auszureißen.

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28.06.2015

Frosch - Im Netz aufgefischt #219

Asyl

Bedingungsloses Grundeinkommen

Bundestags-IT

Computersicherheit

Depression

Ehe für alle

Ermittlungsbehörden

„Fachkräftemangel“

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Informationsfreiheit

Kunstaktion „Die Toten kommen“

Nazis

Panoramafreiheit

SPD und Vorratsdatenspeicherung

Überwachung

Verschwörungstheoretiker

Vorratsdatenspeicherung

Warlords

Wissenschaft

Und sonst so?

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22.06.2015

Michael Stehmann - Besuch beim Treffen der deutschsprachigen Community von TDF/LibreOffice

Freie Software lebt von Zusammenarbeit. Zusammenarbeit erfordert gegenseitigen Respekt und Vertrauen. Respekt und Vertrauen fallen leichter, wenn man sich persönlich kennt und diese Bekanntschaft pflegt.

Die deutschsprachige Community von TDF und LibreOffice veranstaltete vom 19. bis 21. Juni 2015 ein Strategie- und Projektwochenende im Linuxhotel in Essen.

Hierzu lud Florian Effenberger auch Menschen aus der deutsprachigen Community von Apache OpenOffice ein, darunter auch Mechtilde und mich.

Gerne haben wir diese freundliche Einladung angenommen und uns sehr darauf gefreut, alte Freunde wiederzusehen und Menschen “im richtigen Leben” kennenzulernen, die wir vorher nur vom Namen her kannten. Allerdings hattenen wir am Samstag schon anderes vor, sodass wir nur am Freitagabend und am Sonntag am Treffen teilnehmen konnten.

Am Freitagabend wurde gegrillt und wir hatten die Gelegenheit, nicht nur Grüße auszurichten, sondern auch alte Freunde zu begrüßen und neue Menschen kennenzulernen.

Wir erkundigten uns auch, wie es anderen Bekannten so geht. Es war ein gelungener, angenehmer Abend mit zwangloser Unterhaltung. Irgendwelchen Vorbehalten begegneten wir in keiner Weise.

Einer der Menschen, die wir erstmalig “im richtigen Leben” trafen, war Robert Großkopf, der auf der deutschsprachigen Users-Mailingliste von Apache OpenOffice die Fragen der Anwender vor allem zu Base beantworet. Interessant war es ferner, Martin Bayer einmal persönlich zu erleben.

Am Sonntagmorgen gab es nach dem Frühstück nur eine kurze, das Wochenende reflektierende Session. Danach galt es schon wieder, Abschied zu nehmen.

Es gab also viele Gespräche im kleineren oder größeren Kreis, und es herrschte eine gute Stimmung. Es war fast wieder so, wie an den früheren QA-Wochenenden am gleichen Ort vor dem Fork. Wir sind zuversichtlich, dass dies nicht die letzte Einladung an uns gewesen ist und freuen uns schon auf ein erneutes Wiedersehen.

Die vergangene gemeinsame Arbeit erscheint mir noch immer eine gute Basis für eine zukünfige Zusammenarbeit zu sein, zumal es gerade in der deutschsprachigen Community eine gar nicht einmal so kleine Anzahl von Menschen gibt, die zu beiden Projekten beitragen.

Auch erwies es sich als den Geist der Begegnung und des Umgangs miteinander prägend, dass wir mit einigen Teilnehmern eine gemeinsame Basis im Fellowship der Free Software Foundation Europe haben. Mit allen Teilnehmern verband uns aber das Anliegen, zum Fortschritt Freier Software beizutragen.

Michael Stehmann - Außerordentliches Fellowshiptreffen am 17.06.2015

Jonas Öberg, Mitgründer und aktueller Geschäftsführer der Free Software Foundation Europe, besuchte wieder einmal Düsseldorf. Aus diesem Anlass fand am 17.06.2015 ein außerordentliches Fellowshiptreffen im Restaurant “El Greco” statt.

Die letzten Treffen des Fellowship mit Jonas in Düsseldorf, die schon einige Zeit her sind, sind allen Teilnehmern in guter Erinnerung geblieben. Es versprach daher wieder ein sehr interessanter Abend zu
werden. Leider sahen das wohl nicht viele Fellows so; jedenfalls kamen nur wenige.

Weiterer “Ehrengast” des Abends war Matija Šuklje, Koorninator der FSFE in Slowenien und von FSFE Legal – der Freedom Task Force.

Zu uns gesellten sich Mitglieder des Chaosdorfes, die die immobiliare Zukunft des Hackspaces planen. Sie informierten Jonas über den diesbezüglichen Stand der Dinge. Jonas ventilierte mit ihnen Möglichkeiten der zukünftigen Zusammenarbeit.

Nachdem wir uns mit dem wieder guten und reichlichen Essen des “El Greco” gestärkt hatten, wurde dann ein Fass mit leckeren Dröppkes disloziert, das Zapfbesteck installiert und sodann das leckere Altbier distribuiert.

Matija hatte Bierproben aus seiner Heimat mitgebracht und machte die Teilnehmer, darunter den geschmacksicheren “Braumeister” des Chaosdorfes, zu Betatestern der verschiedenen Biere, die exklusiv zur Erprobung neuer Hopfensorten gebraut und abgefüllt worden waren. Manche waren wirklich geschmackvoll und süffig, manche eher gewöhnungsbedürftig. Aber das festzustellen, ist ja der Sinn eines solchen Tests.

Die Gespräche waren sehr intensiv, aber auch höchst unterhaltsam. Lediglich die Pflichten des nächsten (oder neuen) Tages bewegten die Teilnehmer zur Ab- und Heimkehr.

Auch dieses Treffen wird allen, die teilnahmen, wieder in guter Erinnerung bleiben. Schade, dass nicht mehr Menschen diesem interessanten Treffen beiwohnten; die Fernbleibenden haben etwas verpasst.

Frosch - REWE: Preiserhöhung x 3

REWE – jeden Tag ein bißchen besser? Eher regelmäßig ein bißchen teurer. Manchmal sogar ein bißchen viel teurer. Hier habe ich ein schönes Beispiel für eine Preiserhöhung bei einem Produkt, die gleich auf drei Ebenen stattfand.

Das Produkt: REWE Beste Wahl Penne Spinat Gorgonzola (Tiefkühlware). Noch vor etwa vier Wochen kostete die Packung 1,45 €, nun auf einmal wird sie für 1,89 € angeboten. Der erste erkennbare Unterschied: Eine dünne Plastikfolie, die das Erhitzen im Mikrowellenherd erleichtern soll – vorher stand in der Beschreibung, daß man den Pappdeckel abziehen und dann wieder lose drauflegen sollte. Bei der neuen Verpackung steckt die eigentliche Schale (immer noch aus überzogener Pappe) in einer Pappverpackung und hat dann eben diese dünne Folie mit drauf. Aber die Verpackung ist nur eine der Änderungen.

Schaut man nämlich genauer hin, dann stellt man schnell fest: Das Produkt wurde nicht nur einfach teurer. Irgendwie hatte ich auch direkt den Eindruck, daß weniger drin ist. Und tatsächlich: In der neueren Packung sind nur noch 350 g Nudeln mit Käse, während ich auf der alten Packung die Mengenangabe 400 g finde. Somit ist es bereits an zwei Stellen teurer geworden.

Die Preisdifferenz beträgt bereits an dieser Stelle fast 49 %! Denn wenn nur das Gewicht reduziert worden wäre, läge der neue Preis bei 1,27 €. Da der neue Preis nun aber 1,89 € beträgt, kauft man jetzt weniger Produkt für einen höheren Preis, es liegt also bereits eine doppelte Preiserhöhung vor. Die geänderte Verpackung und das bißchen Folie können eine solche Preissteigerung nicht erklären.

Nun könnte man meinen, es seien vielleicht jetzt bessere Zutaten verwendet worden. Schauen wir mal:

Alt (400 g, 1,45 €):

Wasser, Hartweizengrieß, Vollmilch, Spinat 12,5 %, Rapsöl, Gorgonzola 3,4 %, Sahne, Weizenmehl, Edelpilzkäse (Blauschimmelkäse) 2,0 %, Kräuter, Speisesalz, Stärke, Gewürze.

Neu (350 g, 1,89 €):

Wasser, Hartweizengrieß, Vollmilch, Gorgonzola 12 %, Spinat 11,4 %, Rapsöl, Sahne, Emmentaler, Stärke, Speisesalz, Weizenmehl, Weizenstärke, Dextrose, Gewürze, Pastinaken.

Daß die Anteile nicht in Gewicht, sondern in Prozent angegeben werden, macht’s einfach: Es ist jetzt weniger Spinat drin, und statt des teuren Edelpilzkäses wurde der Anteil am Gorgozola deutlich erhöht und ein bißchen Emmentaler dazugegeben. Außerdem kommen noch Dextrose (also Traubenzucker) und Weizenstärke sowie eine nicht spürbare Menge an Pastinaken dazu. Hier ist also der dritte Teil der Preiserhöhung versteckt, der sich allerdings natürlich nicht berechnen läßt.

Die alte Portion hat laut Packungsaufschrift 2.845 kJ, die neue 2.687 kJ. Würde sich die Kalorienzahl entsprechend des Gewichts reduzieren, dürfte die 350-g-Packung aber nur 2.489 kJ haben.

Also, nochmal zusammengefaßt: Das Gewicht wurde reduziert, der Preis erhöht und die Zutaten verbilligt, so daß sich eine Preiserhöhung von mindestens 50 % ergibt. Und schließlich hat das ganze auch noch mehr Kalorien als vorher.

REWE – jeden Tag ein bißchen besser? Ähm, nein, jedenfalls so nicht.

[Update 2015-06-26 16:30] REWE reagierte heute auf diesen Artikel. Leider verbieten sie die Veröffentlichung der E-Mail – ist sie ihnen etwa peinlich? Denn sie gehen nicht darauf ein, warum das Produkt jetzt mindestens 50 % teurer ist und dafür weniger Inhalt hat. Stattdessen erklären sie, was ich schon weiß: Daß jetzt mehr Gorgonzola drin ist, weil das ja ein „wertgebender Bestandteil“ sei. Danke auch. Ich würde gern lieber weiterhin davon satt werden können.

Außer auf die Preiserhöhung wird auch nicht darauf eingegangen, warum der ebenfalls „wertgebende Bestandteil“ Spinat reduziert wurde, oder warum da jetzt unbedingt Traubenzucker mit drin sein muß. Zufrieden bin ich mit der Antwort nicht.

Und warum man es in der Abteilung Qualitätssicherung nicht schafft, direkt öffentlich auf einen Blogartikel zu antworten, muß ich bestimmt auch nicht verstehen. [/Update]

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21.06.2015

Frosch - Im Netz aufgefischt #218

Arbeit

Autismus

Behinderung / Inklusion

Bundestags-IT

Computersicherheit

Datenschutz

Edward Snowden

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Justiz

Kinder

LGBTIQ

Markenrecht(smißbrauch)

#Neuland

Polizeigewalt

Rassismus

Sexarbeit

SPD und die Vorratsdatenspeicherung

Störerhaftung

Tor

Wissenschaft

Und sonst so?

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18.06.2015

Frosch - „Hast Du nichts besseres zu tun?“

Der Artikel Hier, bitte, meine Problemliste von Margarete Stokowski in der heutigen Online-TAZ erinnerte mich daran, daß ich das Thema auch schon seit einer Weile auf meiner Blog-ToDo habe. „Hast Du keine anderen Probleme?“ oder „Hast Du nichts besseres zu tun?“ sind solche Nicht-Argumente, die ich auch immer mal wieder zu hören oder zu lesen bekomme.

Nicht-Argument deshalb, weil diese beiden eher rhetorischen Fragen überwiegend – und nicht nur gegenüber Feministen – dazu eingesetzt werden, das Thema, für das sich jemand interessiert, zu marginalisieren. Das insbesondere zu dem Zweck, sich nicht inhaltlich damit auseinandersetzen zu müssen, aber auch, um generell das Gegenüber zu diskreditieren.

„Hast Du nichts besseres zu tun?“ heißt übersetzt: Was Du da machst, finde ich uninteressant, langweilig oder sinnlos, und daher sollst Du Dich damit auch nicht auseinandersetzen und Deine Zeit nicht damit verplempern. Statt dessen sollst Du Dich gefälligst mit etwas befassen oder sollst etwas tun, was ich interessant und sinnvoll finde.

Wer diese Frage stellt, meint also, dem anderen erklären zu dürfen, was er zu tun hat und was nicht.

Bei „Hast Du/haben wir keine anderen Probleme?“ gilt im Prinzip dasselbe. Deine Probleme oder die Dinge, die Du als Problem ansiehst, sind uninteressant, langweilig und eigentlich auch gar keine richtigen Probleme. Ich finde andere Dinge wichtiger, und daher hast Du die auch wichtiger zu finden und Dich damit zu befassen!!!1!

Und dann sind da noch die Schlechtmacher. Die kritisieren – meist substanz- und argumentationslos – jegliche Aktionen anderer. Aber auch, wenn jemand nicht (für sie sichtbar) aktiv ist, wird kritisiert, nämlich, daß eben nichts getan wird. Bei denen frage ich mich dann manchmal, ob sie nichts besseres zu tun haben …

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17.06.2015

OpenRheinRuhr - Linux-Schmie.de ist Bronze und Techniksponsor

linux-schmie_de_ci_800Die Linux-Schmie.de ist seit den Anfängen in 2009 ein Sponsor der OpenRheinRuhr. Wie in den letzten Jahren unterstützt die Linux-Schmie.de die OpenRheinRuhr als Bronze und Techniksponsor.

Wir freuen uns über die Unterstützung und hoffen, dass noch viele Sponsoren den Weg zur OpenRheinRuhr finden um die Veranstaltung auch zukünftig durchführen zu können. Informationen über das Sponsoring sind auf der Website der OpenRheinRuhr zu finden.

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16.06.2015

Chaosdorf e.V. - C++-User-Group Treffen im Chaosdorf am Mi, 17.06.2015

Am Mi. den 17. Juni trifft sich (wie jeden 3. Mittwoch im Monat) die C++ User-Group NRW und Interessierte zu einem Themenabend zu C++.

Thema: Grafikprogrammierung mit Cinder (framerate-unabhängige Berechnungen, OpenGL-Transformationsmatrizen, Texturen usw.).

Ab 19:30 Uhr beginnt das Treffen im Chaosdorf.

15.06.2015

Frosch - Backup auf VHS?

Mir flog da gerade ein Gedanke durch den Kopf. Grundsätzlich hatten den offenbar schon andere, aber eine tatsächliche Umsetzung habe ich in einer ersten Google-Suche nicht gefunden.

Im verlinkten Forums-Thread hat einer ermittelt, daß auf 160 Minuten einer VHS-Cassette etwa 2,7 GB an Daten passen würden. Das klingt ja nicht sooo schlecht. Wenn die Bänder die Daten zuverlässig für, sagen wir, ein paar Jahre halten, kann man da schon einiges drauf unterbringen. Primär ginge es mir aber erstmal um „because we can“.

Die Frage ist auch nicht so sehr, ob das billig wäre oder welche anderen Möglichkeiten es noch gibt. Billig wäre es mittlerweile tatsächlich. Wieviele Leute wollen seit Jahren ihre VHS-Cassetten verschenken und werfen sie schließlich weg, weil sich kein Abnehmer mehr findet?

Der Datentransfer wäre natürlich sehr langsam, aber das ist bei Bandlaufwerken ja generell und prinzipbedingt normal. Für ein Backup von beispielsweise Dokumenten, Foto- oder Musikdateien spielt das aber keine so große Rolle.

Ich habe selbst noch über 150 VHS-Cassetten im Schrank stehen. Die wenigen Filme darauf, die wirklich nicht mehr woanders und in besserer Qualität zu bekommen sind, kann ich digitalisieren. Den Rest beschaffe ich mir sowieso nach und nach auf DVD – und so nebenbei unsynchronisiert, was ich (soweit englisch gesprochen wird) sowieso bevorzuge.

Die Kapazitäten meiner VHS-Cassetten sind 120, 180, 240 und 300 Minuten, wobei ich früher bevorzugt solche mit 240 Minuten Laufzeit gekauft habe. Wenn die Berechnung des Forumsteilnehmers stimmt, ergibt diese Umrechnungstabelle (Faktor: 0,016875 GB pro Minute):

Minuten Kapazität (GB)
120 2,0250
180 3,0375
240 4,0500
300 5,0625

Gebrauchte Videorecorder gibt es bei eBay gelegentlich schon für unter 10,00 €, und vielleicht hat ja der eine oder die andere noch einen zu Hause, der dort im Schrank verstaubt.

Ich vermute, daß man die Elektronik entweder erweitern oder sogar komplett ersetzen müßte. Ein Ein-Platinen-Computer wie ein Raspberry Pi oder ein Arduino sollten die Steuerung der Mechanik übernehmen können. Gleichzeitig könnten sie die Verbindung in ein normales LAN herstellen.

Was sich vermutlich nicht vorab testen läßt, ist die Zuverlässigkeit. Wenn ein Film auf VHS mal ein paar kleine Fehler hat, fällt das vermutlich gar nicht weiter auf. Bei Daten muß das Medium wesentlich exakter sein: Ein gekipptes Bit kann eine ganze Datei unbrauchbar machen, erst recht, wenn sie vorher verschlüsselt wurde.

Hat das schonmal jemand probiert? Oder kennt einen, der einen kennt? Ich würde das wirklich gern mal ausprobieren.

[Update 2015-06-15 16:32] Ich habe eben zwei Links erhalten:

[/Update]

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14.06.2015

Frosch - Im Netz aufgefischt #217

Asyl

Autismus & Co.

Behinderung / Inklusion

Bundesregierung

Bundestags-IT

Computersicherheit

Demokratie

Freie Software

Geheimdienste

Gesundheit

Hartz IV & Co.

Informationsfreiheit

IT-Sicherheitsgesetz

Justiz

Kinder

Polizeigewalt

Qualitätsjournalismus

Scharlatanerie

Überwachung

Vorratsdatenspeicherung

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12.06.2015

Frosch - Zwangsverrentungsversuch des ARGE

Nach dem Existenzvernichtungsversuch im letzten Jahr hatte mir der Fallmanager noch im letzten Termin erzählt, ich solle jetzt erstmal Ruhe haben. Aber natürlich stimmt das nicht; schließlich ist man mich ja nicht wie geplant losgeworden, sondern hat mich immer noch am Hals. Also müssen neue Schikanen her.

Ich sollte ja eigentlich Ende letzten Monats eine erneute Einladung zu einer weiteren Untersuchung auf Erwerbsfähigkeit bekommen. Die kam nicht. In der Woche, in der ich in Mannheim war, landeten stattdessen gleich drei Briefe des ARGE in meinem Briefkasten, eine Einladung zum Fallmanager und zwei Briefe von der Leistungsabteilung. Der Tenor war bei allen dreien derselbe: Ich solle doch bitte einen Rentenantrag stellen, weil ich nicht erwerbsfähig sei.

Bereits vorab schrieb ich dem Fallmanager eine E-Mail (doch, das geht tatsächlich), um gleich mal zu klären, daß ich nicht beabsichtige, mich in die Rente abschieben zu lassen:

Atari-Frosch @AtariFrosch
Ich habe es geschafft, die sinngemäße Frage „habt Ihr den Arsch offen“ so ans ARGE zu mailen, daß das Wort Arsch nicht drin vorkommt.

13:31 – 5. Juni 2015

Auf mich hatten diese Aufforderungen wie ein Schlag in die Magengrube gewirkt. Ich hatte ja schon irgendwie geahnt, daß da noch was nachkommt. Und trotzdem …

Entsprechend fiel meine Mail aus:

To: $Fallmanager
Cc: Leistungsabteilung

Ähm, Leute … das meinen Sie jetzt nicht ernst, oder?

In gleich drei Briefen von Ende Mai werde ich aufgefordert, Rente zu beantragen, mit der Begründung, ich sei nicht arbeitsfähig.

Hallo?

Ich wurde auf UMZUGSFÄHIGKEIT hin untersucht. Zusage von Herrn $Fallmanager war, ich solle noch auf Arbeitsfähigkeit hin untersucht werden, warum auch immer. Statt des angekündigten neuen Untersuchungstermins kommt jetzt auf einmal ein erneuter Versuch, mich loszuwerden?

Haben die vier Monate ohne Geld im letzten Jahr nicht gereicht, um mich zu erledigen? Och, was ein Pech. Oder anders: Wie dumm, daß sich die depressionskranke Frau immer noch nicht umgebracht hat. Jetzt haben wir die wieder am Hals. Also müssen neue Tricks her, nicht wahr?

Und haben Sie, Herr $Fallmanager, mich nicht vielleicht doch angelogen, als Sie behaupteten, es ginge bei der Untersuchung um meine Umzugsfähigkeit? War das von vornherein das Ziel gewesen, mich in die Rente abschieben zu können?

Und jetzt hätte ich gern mal eine Erklärung, was Umzugsfähigkeit mit Arbeitsfähigkeit zu tun hat.

Selbstverständlich werde ich keinen Rentenantrag stellen, um mich dann vom Faschistischen Repressionsamt AKA „Sozialamt“ endgültig erledigen zu lassen – und meine Firma Nerd4U gleich mit. Denn meine Rente reicht nicht einmal für die Miete, ich wäre zusätzlich auf Leistungen nach SGB XII angewiesen.

Machen Sie nur weiter mit Ihren Schikanen und Verfassungsbrüchen. Mein Blog wartet schon. Offenbar stehen noch nicht genügend Mitarbeiter des ARGE – Amt für Repression, Grundrechtsentzug und Existenzvernichtung – namentlich drin.

Und ich warte auf eine Erklärung.

Ja, ich war sauer. Ich bin es immer noch.

Der Termin beim Fallmanager war heute Vormittag. Natürlich, immer schön konsequent vormittags, wie gehabt, weil ja schon länger bekannt ist, daß ich ein Spätmensch und vormittags oft gar nicht zu gebrauchen bin. Außerdem ist es dann schwerer, Begleitung zu bekommen.

Da ich bereits auf 180 war, dachte ich, ich geh mal besser nicht alleine.

Atari-Frosch @AtariFrosch
Könnte mich jemand nächsten Freitag um 10:45 Uhr zum ARGE Düsseldorf-Mitte begleiten, damit ich nicht den Fallmanager erwürge?

13:05 – 5. Juni 2015

Meine Begleitung wurde dann @ActivaCDE, Fachanwältin für Sozialrecht. Sie durfte dem Fallmanager erstmal die Rechtslage erklären. Der behauptete nämlich: „So einen Fall wie Sie hatte ich noch nicht!“ Aber auch ansonsten schien er auf den Termin (wie üblich), nicht sonderlich gut vorbereitet, mußte anfangs erstmal zwei Gutachten kopieren, die er dann auch erstmal las. Davon, vor dem Empfang eines Erwerbslosen, der ja immerhin „Kunde“ genannt wird, mal wenigstens einen Blick in die aktuellen Unterlagen zu werfen, hält man dort wohl nichts.

(Und warum man zum doppelten Kopieren von etwa 6 Seiten über mehr als 10 Minuten lang braucht und in zwei Räume gehen muß, muß ich wohl auch nicht wissen. Das aber nur so nebenbei.)

Statt mich nochmals zur Untersuchung vorzuladen, hatte man es sich einfacher gemacht und bei der untersuchenden Ärztin nochmal nachgefragt. Die meinte, es ginge auch ohne Termin, und behauptete, ich sei aufgrund einer „seelischen Störung“, an deren Verbesserung ich „krankheitsbedingt“ auch nicht mitarbeiten würde, nicht erwerbsfähig.

Dieses Mini-Gutachten (da steht echt nicht viel mehr drin, dieses sogenannte Gutachten belegt gerade mal eine A4-Seite) zeigt mir mal wieder, daß es mit der Kompetenz von Ärzten in Bezug auf Autismus in Deutschland verdammt arm aussieht. Ich hatte der Ärztin lang und breit erzählt, daß genau diese Inkompetenz von Ärzten und Therapeuten mir eine Behandlung unmöglich macht. Wer Depressionen behandelt, weiß nichts von Autismus, und unterstellt, weil die Therapien bei mir nicht funktionieren und die Medikamente nicht anschlagen, daß ich wohl selbst schuld sein müsse. Das habe ich alles schon durch, und ich gebe mir das einfach nicht nochmal. Denn letztendlich kommt dabei keine Hilfe raus, sondern nur noch mehr Druck, Ärger und Streß.

Nun hätte nach der Gesetzlage der Fallmanager wohl die Möglichkeit, selbst darüber zu entscheiden, ob er von mir fordert, einen Rentenantrag zu stellen oder nicht. Die hausinternen Anweisungen sehen jedoch anderes vor: In roter Schrift wird da hervorgehoben (er zeigte es mir direkt auf dem Computerbildschirm), daß ohne Wenn und Aber ein Rentenantrag zu fordern sei. Mehr noch, daß er eine Eingliederungsvereinbarung (EGV) mit mir machen müsse (!), die – dann sanktionsbewehrt – von mir diesen Rentenantrag fordert.

Allerdings, und darüber klärte ihn dann meine Begleitung auf, gibt es noch eine andere Möglichkeit. Wenn ich mich weigere, den Rentenantrag zu stellen, kann das der Fallmanager tun (§ 5 Abs. 3 SGB II). Das ist wohl für so „uneinsichtige“ Menschen wie mich gedacht. In diesem Fall wird die Rentenversicherung natürlich ein eigenes Gutachten haben wollen (das durchaus wiederum auf Aktenlage erstellt werden kann, denn richtige Begutachtungen sind teuer). Meine Begleitung meinte nur, man glaube gar nicht, wie gesund manche Menschen plötzlich sind, wenn die Rentenversicherung sie untersucht. Denn natürlich hat auch die Rentenversicherung kein Interesse daran, mich bezahlen zu müssen.

Und dann gibt es da noch den § 44 a SGB II. Demnach könnte mich das ARGE einfach ans andere Repressionsamt abdrücken, die dürften allerdings widersprechen. Letztendlich würde ich auch auf diesem Wege bei einem Gutachter der Rentenversicherung landen.

Der Fallmanager brauchte die Erklärungen bestimmt dreimal, bis er sie verstanden hatte. Er war so sehr darauf bedacht, seine Dienstanweisungen einzuhalten, daß er nach meinem Eindruck zuerst gar nicht richtig zuhörte. Ich blieb auf dem Standpunkt, daß ich keinen Rentenantrag stellen werde. Theoretisch hätte er jetzt die Möglichkeit gehabt zu sagen, OK, dann machen wir so weiter. In der Praxis dagegen waren ihm die Dienstanweisungen so viel wichtiger, daß er selbst dann noch darauf bestand, mir die EGV per Verwaltungsakt reinzudrücken, als meine Begleiterin ihm klarmachte, daß wir dagegen umgehend Widerspruch einlegen werden.

Das ganze erscheint insbesondere deshalb so absurd, weil ich ja nicht einfach nur „arbeitsuchend“, sondern Aufstocker bin. Derzeit 100 % Aufstocker, aber eben Aufstocker. Und ganz unabhängig davon, ob ich einen Mini-Job habe oder selbständig bin, heißt das, daß eine Arbeitsfähigkeit gegeben sein muß, sonst ginge das ja nicht. Da kann eine Ärztin, die mich nur einmal gesehen hat, gerne alles mögliche behaupten.

Ergebnis ist jetzt: Ich hole mir am Montag beim Amtsgericht mal wieder einen Rechtshilfeschein (und diesmal können sie mich nicht einfach wegschicken), und beauftrage dann die Rechtsanwältin, den ganzen sinnlosen Mist abzuwickeln. Die Unsicherheit daraus, die mir so viel Energie raubt, bleibt bei mir, die kann ich nicht outsourcen.

Da kann man sich natürlich eine schöne Self-Fulfilling Prophecy draus basteln: Einfach so viel Druck ausüben, bis mir die Puste ausgeht und ich wirklich wieder gar nichts mehr machen kann, dann erledigt sich die Sache auch von selbst.

Ja, ich bin immer noch auf 180.

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09.06.2015

Michael Stehmann - Vortrag vor Piraten

Am 06.06.2015 trafen sich 115 kommunalpolitisch aktive Mensch beim 3. Kommunalvernetzungstreffen (KVT) der Piraten in Essen im Unperfekthaus. Eingeladen hierzu hatte die nordrhein-westfälische Landtagsfraktion der Piraten. Der für die Organisation der Veranstaltung verantwortliche Landtagsabgeordnete Torsten Sommer hatte mich eingeladen, einen Vortrag zum Thema “Offene Dokumentenstandards” zu halten.

Wir erschienen pünktlich in der Essener Innenstadt und setzten uns, nachdem wir das “Unperfekthaus-Bändchen” erhalten hatten, in den Saal, in dem die Veranstaltung eröffnet werden sollte. Zur Eröffnung gab es eine Einführung durch den Piraten-Fraktionsvorsitzenden im Landtag Dr. Joachim Paul. Auch dieser erschien vorzeitig und erkärte uns, er habe das FSFE-T-Shirt (orange-schwarz), welches er seinerzeit auf dem Sommerfest am FSFE-Stand erworben habe, dabei. Meiner Bitte, es anzuziehen, kam er bereitwillig nach und hielt seine Einführung in “unserem” T-Shirt.

Torsten Sommer sprach zum Thema „Doppelpass“. Ferner wurden die Vorträge, Workshops und das Rahmenprogramm vorgestellt. Dann war im größten Saal, in dem auch die Eröffnung stattfand, mein Vortrag dran. Mechtilde verzog sich währenddessen zum ganztägigen Workshop “Verschlüsselte Kommunikation in allen Bereichen”, um Menschen bei der Einrichtung von Thunderbird und Enigmail zu helfen.

Mein Vortrag fand eine zahlenmäßig zufriedenstellende, sehr interessierte Zuhörerschaft. Die Folien des Vortrages unter dem Titel “Vorzüge Offener Standards – die Anwendersicht” habe ich für Interessierte veröffentlicht. Ich bin im Vortrag besonders auf Dokumentenstandards eingegangen und habe den Teilnehmern die content.xml aus einer entpackten odt-Datei gezeigt.

Im Anschluss an den Vortrag habe ich mit den interessierten Teilnehmern noch über zielführende Strategien einer Migration gesprochen und versucht, Erfolgskriterien und Fallstricke aufzuzeigen. Dass eine behutsame, schrittweise, alle Beteiligte einbeziehende Vorgehensweise einem “Hau-Ruck-Versuch” top-down vorzuziehen ist, war danach wohl Konsens.

Danach besuchte ich einen Workshop der Abgeordneten Monika Pieper und des mir von meinen Open-Data-Aktivitäten bekannten Fraktionsmitarbeiters Matthias Bock zum Thema OER und IT in Schulen.

Zwischendurch gab es leckeres Essen. Der Aufenthalt im Unperfekthaus ist immer sehr wohltuend und angenehm. Die Atmosphäre ist freundlich und anregend. Das Wlan ist professionell eingerichtet und ermöglicht wohl überall einen ungehinderten Zugriff auf das Internet. Dies ist bei Piraten wichtig, denn auch dieses Event fand seinen Widerhall “live” in diversen sozialen Netzen.

Zum Schluss hörte ich noch den Vortrag von Christian Nähle und Till Schäfer zum Thema DO-FOSS. Interessant war, dass diese im Wesentlichen dieselben “Knackpunkte” bei einer Migration identifizierten – wenn auch besser formuliert -, die ich schon am Morgen versucht hatte, meinen Hörern nahezubringen.

In den Pausen und im Anschluss an den “offiziellen” Teil gab es gute und reichliche Gelegenheiten, Bekanntschaften aufzufrischen und neue interessante Menschen kennenzulernen. Am Abend – geraume Zeit nach dem Ende des “offiziellen” Programms – fuhren wir dann einigermaßen erschöpft auch von den schönen Erlebnissen und Eindrücken wieder heim. Einige Teilnehmer dieser gelungenen Veranstaltung werden wir wohl bald wiedersehen.

08.06.2015

Frosch - Odyssee eines Postpakets

Ich hatte in meinen Berichten vom #nospiritofhealth nebenbei erwähnt, daß der Akku in meinem Smartphone, obwohl er relativ neu ist, einen solchen aktiven Tag nicht durchsteht, selbst dann nicht, wenn ich versuche, sparsam zu sein. Daraufhin hat mir Markus Kleinbölting via Google+ freundlicherweise eine PowerBank angeboten, also einen größeren Akku, um kleinere Akkus unterwegs aufzuladen. Dieses Gerät wollte er mir als Paket schicken, mit DHL.

Wenn Postpakete über ihre Reisen bloggen könnten … dieses hier ist jedenfalls auf einer sehr eigenartigen Reise.

Beginn der Reise: 30. April 2015 in Bremen.

DHL-Paketverfolgung:

Do, 30.04.2015 11:48 Uhr   Die Sendung wurde vom Absender in der Filiale eingeliefert.
Do, 30.04.2015 20:10 Uhr Bremen Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum bearbeitet.
Fr, 01.05.2015 02:05 Uhr Krefeld Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.
Mi, 06.05.2015 10:02 Uhr Düsseldorf Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen.
Mi, 06.05.2015 16:34 Uhr Der Empfänger ist unbekannt.

Bis hierhin ist das korrekt (wobei ich mich frage, warum das Paket von Krefeld nach Düsseldorf fünf Tage brauchte, während es von Bremen nach Krefeld binnen eines Tages transportiert wurde). Der Absender hatte zwar meine Adresse aus dem Impressum hier gezogen, aber weil ich auf Google+ unter meinem Mädchennamen auftrete, diesen genommen. Der steht weder am Klingelschild noch am Briefkasten.

Do, 07.05.2015 16:25 Uhr   Rücksendung eingeleitet
Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum bearbeitet.
Fr, 08.05.2015 03:58 Uhr Bremen Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.
Fr, 08.05.2015 09:48 Uhr Die Sendung wurde fehlgeleitet und konnte nicht zugestellt werden.
Die Sendung wird umadressiert und an den Empfänger weitergeleitet

Der Absender hatte DHL die korrigierte Anschrift mitgeteilt. Es konnte also nochmal losgehen. Und damit fing der eigentliche Spaß an:

Fr, 08.05.2015 20:38 Uhr Bremen Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum bearbeitet.
Sa, 09.05.2015 02:19 Uhr Krefeld Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.
Di, 12.05.2015 10:00 Uhr Düsseldorf Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen.

Wieder dauert der Weg vom Krefelder Paketzentrum zum Düsseldorfer Paketfahrzeug mehrere Tage, aber immerhin diesmal „nur“ drei und nicht fünf wie beim ersten Mal. Aber das nur so nebenbei.

Genau am 12. Mai erinnerte ich mich daran, daß ich ja noch ein Paket erwarte, und fragte nachmittags beim Absender nach. Das war etwa um 15:20 Uhr gewesen. Ich war also um diese Zeit zu Hause.

Die DHL-Sendungsverfolgung wurde da gerade um eine neue Zeile ergänzt:

Di, 12.05.2015 15:11 Uhr Der Empfänger ist unbekannt.

Ähm, wat? Meine Klingel ist gut lesbar beschriftet, und der Name stimmt ja jetzt. Oder sollte.

Der Absender hakte nach. Am selben Tag kam aber keine Antwort mehr.

DHL-Sendungsverfolgung:

Mi, 13.05.2015 17:14 Uhr Krefeld Die Sendung wurde im Paketzentrum bearbeitet.

Am 19. Mai fragte ich nochmal nach, weil sich noch nichts getan hatte und auch weiterhin nichts angekommen war. Der Absender meinte, er habe auch noch keine richtige Rückmeldung bekommen. Die korrigierte Adresse habe er zweimal übermittelt, auf sein Ticket aber nur eine Standard-Antwort erhalten. Am selben Tag rief er bei DHL an, offenbar ohne Ergebnis.

Die DHL-Sendungsverfolgung erhielt am nächsten Tag einen sehr interessanten neuen Eintrag:

Mi, 20.05.2015 21:46 Uhr

Ja, der sieht wirklich so aus.

Am 22. Mai 2015 teilte mir der Absender auf Google+ mit:

„Es wird immer absurder.

Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihre E-Mail erst heute beantworte.

Die Sendung wurde eingelagert.

Ich bitte Sie den anliegenden Nachforschungsauftrag auszufüllen und die folgenden Nachweise und Informationen mitzuliefern:

• Sendungsinhalte oder vermisste Gegenstände und die Höhe Ihrer Ersatzforderung
• eine Kopie Ihrer ursprünglichen Rechnung an den Empfänger oder einen anderen Nachweis über den Wert des Inhaltes der Sendung
• eine Kopie Ihrer Versandunterlagen zu o. g. Sendung (Einlieferbeleg/Einliefernachweis, der vom Abholfahrer, Zusteller quittiert wurde bzw. Quittungsbeleg der Filiale)

Da arbeiten scheinbar nur doofe Menschen.“

Ich merkte an: „Wenn die Sendung eingelagert wurde, müssen sie doch wissen, wo? Dann braucht’s keinen Nachforschungsauftrag, sondern jemanden, der seinen Arsch da hinbewegt und das Paket bei demjenigen in das Auto wirft, der hier Pakete ausliefert. m(“

Einige Zeit später am selben Tag, nach einem Telefonat mit DHL, teilte er mit: Er habe erst 15 Minuten in einer Warteschleife verbracht und dann mit einem Mensch gesprochen, der nicht zuhörte und stattdessen wohl auch noch unverschämt wurde (Details habe ich keine). Der Absender wurde aufgefordert, einen aufwendigen Nachforschungsauftrag anzuleiern, um herauszufinden, was mit dem Paket passiert ist und wo es sich befindet.

Zwischenstand 8. Juni 2015: Das Paket ist nicht da, DHL hat nicht mehr geantwortet, die Sendungsverfolgung ist immer noch auf dem Stand vom 20. Mai bzw. eigentlich vom 13. Mai. To be contintued …

Oh, übrigens sind wir damit offenbar nicht alleine. Felix Schwenzel kann auch lustige Dinge berichten: der marktführer.

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07.06.2015

Frosch - Im Netz aufgefischt #216

Autismus

Bedingungsloses Grundeinkommen

Computersicherheit

Depression & Co.

Ermittlungsbehörden

Freihandelsabkommen

Geheimdienste

Hartz IV & Co.

Jugendmedienschutz-Staatsvertrag

Justiz

LGBTI & Co.

Nazis

Qualitätsjournalismus

Scharlatanerie

Verschlüsselung

Vorratsdatenspeicherung

Wahlen

Und sonst so?

Ganz zum Schluß

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04.06.2015

Chaosdorf e.V. - Pythonfoo – Wie geht es weiter?

Das Pythonfoo hat sich seit seiner Entstehung 2011 sehr stark weiter entwickelt, ebenso wie das Chaosdorf an sich. Es kamen immer mehr neue Leute hinzu und immer mehr Pythoncode wurde geschrieben. Doch da einige regelmäßige Teilnehmer andere Verpflichtungen beachten müssen und außerdem lange Anfahrtwege zu bewältigen haben, mussten wir, die Leute hinter dem Pythonfoo, uns überlegen, wie wir weiterhin Leuten Python vermitteln können. Wir sind dabei zu folgender Policy gekommen:

Am ersten und zweiten Donnerstag im Monat spezialisiert sich das Pythonfoo auf Anfänger, die mit dem Programmieren anfangen oder sich in Python einarbeiten wollen. Fortgeschrittene sind ebenfalls willkommen, allerdings werden im Allgemeinen am dritten, vierten und eventuell fünften jedes Monats fortgeschrittenere Themen und komplexere Projekte behandelt. Zu diesen Terminen werden auch längere Vorträge in unregelmäßiger Abfolge erfolgen. Das soll nicht heißen, dass es in den ersten zwei Wochen jedes Monats keine Vorträge geben wird, die Vorträge werden sich einfach einen anderen Publikum mit einem anderen Kenntnisstand widmen. Wir haben zusammen ein Programm erstellt und uns überlegt, wie wir den Einstieg in die Pythonprogrammierung möglichst interessant gestalten können. Dieses Programm sieht sowohl Vorträge als auch gemeinsames Coden vor.

Wir hoffen diese Policy sorgt dafür, dass Beginner sich nicht überfordert fühlen und Fortgeschrittene weiterhin eine Plattform zum gegenseitigen Austausch haben.

Für weitere Informationen verweisen wir auf die Wiki-Seite vom Pythonfoo, auf der die aktuellen Änderungen eingetragen worden sind.

Wir freuen uns über jeden Besuch bei unserem Pythonfoo, ganz egal welchen Kenntnisstand die Besucher haben.

OpenRheinRuhr - Call for Participation 2015 läuft noch bis zum 15.10.2015

Helfer bei der OpenRheinRuhrDie OpenRheinRuhr, Fachkongress und Messe zu freier Software und Netzpolitik, startet den Call for Participation für die sechste OpenRheinRuhr, die am 7. und 8. November im Rheinischen Industrie Museum Oberhausen stattfindet. Gesucht werden Referenten, Aussteller, Sponsoren und Helfer.

Den kompletten Post mit allen weiteren Informationen findet Ihr im OpenRheinRuhr startet Call for Participation 2015.

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