Willkommen auf Planet Chaosdorf! Wir sammeln hier alle Blogs, die für uns irgendwie interessant sind – meist von Personen oder Organisationen aus unserem Umfeld

23.04.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #313

Bei den Besorgten Bürgern war leider auch wieder einiges los: Besorgte Nachrichten, KW 16/2017.

Autismus

Bombenanschlag in Dortmund

Geheimdienste

Gesundheit

Hartz IV & Co.

Internetsperren

Polizei und Ermittlungsbehörden

Religion

Qualitätsjournalismus

Sexarbeit

Tierquälerei

Und sonst so?

Flattr this!

17.04.2017

Frosch - Chromium und das böse Mausrad

Mit Chromium bin ich eigentlich recht zufrieden. Er ist nicht so träge wie Firefox, und er tut zumindest so, als sei er eine freie Version von Google Chrome (daß er das nicht ist, merkt man unter anderem daran, daß ein neuer Tab unabänderlich die Startseite von Google anzeigt, obwohl als „Homepage“ was anderes eingetragen ist). Ich kann mir einen anständigen Ad-Blocker installieren, JavaScript per Plugin pro Site ein- oder ausschalten und zur besseren Lesbarkeit mancher Seiten (zumindest für mich) gibt's Binnen-I-Be-Gone. Achja, und HTTPS Everywhere läuft auch mit. Chromium ist recht flott und frißt mir auch das RAM nicht weg.

Aber zumindest auf meiner Installation hat Chromium ein Problem, und das seit dem Upgrade auf Jessie: Mitten im Betrieb scheint Chromium immer irgendwann plötzlich einzufrieren. Was ich bisher herausgefunden habe:

  • Es passiert erst seit dem Upgrade von Debian Wheezy auf Debian Jessie.
  • Es passiert mit fluxbox als Window-Manager genauso wie unter icewm.
  • Es ist kein Crash, ergo gibt es keine Fehlermeldung oder Crash-ID. Nur das Neuzeichnen des Fensterinhalts (redraw) geht nicht mehr; in der Prozeßliste sieht alles normal aus.
  • Es passiert immer, wenn ich viel mit dem Mausrad auf einer Website herumscrolle, und meistens mitten im Scroll-Vorgang.
  • Es ist nicht von der gerade geöffneten Website abhängig, passiert also auf beliebigen Websites. Ich dachte ja zuerst, es hinge am Zusammenspiel mit einer WordPress-Installation (letztes Update) bzw. deren Plugins, aber das war's auch nicht gewesen.
  • Es hängt passiert auch mit unterschiedlichen Mäusen (Logitech, Watson).

Den Window-Manager icewm verwende ich ja schon durchgehend seit 20 Jahren. Allerdings hat der nun wohl schon seit längerer Zeit kein echtes Update mehr bekommen und wird immer nur noch gegen die aktuellen libs neu compiliert. Da wäre es denkbar gewesen, daß sich da was nicht mehr verträgt, weil icewm einfach zu alt ist. Um icewm nun also als Fehlerquelle auszuschließen, installierte ich mir fluxbox. xfce4, den ich zuerst im Sinn gehabt hatte, ist leider massiv mit systemd verbandelt, und den habe ich ja #ausgründen von meinen Installationen verbannt. Und kaum hatte ich mich nach ein paar Tagen einigermaßen (und teils grummelnd) an die Veränderungen gewöhnt und mir ein paar Dinge angepaßt, passierte es wieder.

Es, das heißt: Chromium reagiert plötzlich auf gar nichts mehr; die anderen Fenster können noch neu zeichnen. Es genügt aber nicht, Chromium aus dem xterm heraus mit -9 zu killen – normales kill genügt nicht! –, nein, ich muß mich aus dem Window-Manager ausloggen und X11 neu starten. Versuche ich, Chromium ohne kompletten WM-Neustart wieder zu öffnen, geht nur der äußere Fensterrahmen auf, und darinnen passiert – nichts. Die Prozeßliste sagt mir dagegen ganz unschuldig, wat willste denn, der Chromium ist doch da?

Was in fluxbox anders lief als in icewm: Auch das xterm konnte keinen redraw mehr durchführen (XChat und icedove/Thunderbird dagegen waren hier wie auch unter icewm nicht betroffen). Ich hatte dann eben noch einen Restart aus dem Menü heraus versucht, aber es änderte nichts daran, daß ein Neustart von Chromium rein optisch beim Aufbau des äußeren Fensterrahmens endete. Auch da mußte ich komplett aus X11 raus und es neu starten.

Ich kann an dieser Stelle nicht sagen, wie das wäre, wenn ich einen grafischen Login zu X11 hätte; ich starte den immer mit startx, das heißt, wenn ich mich auslogge, falle ich auf die Textkonsole zurück, auf der ich vorher startx aufgerufen hatte.

Erst nach dem X11-Neustart kommt auch Chromium wieder sauber hoch und, da er ja mit kill -9 abgeschossen worden war, fragt er brav, ob er einen Restore durchführen soll. Und dann gehen auch alle Tabs mit ihren vorherigen Inhalten wieder auf und alles ist wieder da. Bis zum nächsten Mal.

Generell scheint dieser Fehler nicht ganz so neu zu sein. So fand ich diese Meldung im Bugtracker von Chromium von Februar 2014: Use of mouse scroll wheel causes hangs. Das kommt mir dann doch sehr bekannt vor. Allerdings half dem Einreicher dann am Schluß ein Update, sodaß von den Entwicklern ein WONTFIX zurückkam. Da war man bei Version 35.0.1883.0.

Meine aktuelle Version ist 57.0.2987.98 Built on 8.7, running on Debian 8.7 (64-bit). Ich meine, seit dem Upgrade auf Jessie hätte ich schon mindestens ein Update auf Chromium bekommen, das den Fehler jedoch nicht behoben hat.

Auf den Chemnitzer Linuxtagen letzten Monat hatte ich den Bug bei mehreren Leuten angesprochen, allein um mal herauszufinden, ob der so allgemein bekannt ist. Ein Mensch hatte mir zur Installation von compton geraten, einem Compositor, mit dem Hinweis, daß icewm sowas nicht hat (fluxbox und xfce4 bringen jeweils einen eigenen mit). Man hatte mir erklärt, daß dieses Stück Software dafür sorgt, daß Anweisungen, die an die CPU gehen, aber eigentlich an die GPU, also den Prozessor der Grafikkarte, gehen sollten, an die GPU quasi umgebogen werden, sodaß sie an der richtigen Stelle und damit schneller ausgeführt werden können. Ich installierte also compton, hatte beim ersten Mal den Eindruck, daß da tatsächlich Dinge schneller liefen, aber dann verflog der Eindruck wieder. Ich vermute, es genügte nicht, das Ding einfach zu installieren, ich hätte da vielleicht auch noch was konfigurieren müssen, denn er wird mir nirgends angezeigt, weder in der Prozeßliste noch in chrome://gpu.

Apropos, unter icewm sieht chrome://gpu bei mir so aus:

Graphics Feature Status

Canvas: Hardware accelerated

Flash: Hardware accelerated

Flash Stage3D: Hardware accelerated

Flash Stage3D Baseline profile: Hardware accelerated

Compositing: Hardware accelerated

Multiple Raster Threads: Disabled

Native GpuMemoryBuffers: Software only. Hardware acceleration disabled

Rasterization: Software only. Hardware acceleration disabled

Video Decode: Software only, hardware acceleration unavailable

Video Encode: Hardware accelerated

VPx Video Decode: Software only, hardware acceleration unavailable

WebGL: Hardware accelerated

WebGL2: Hardware accelerated

Driver Bug Workarounds

adjust_src_dst_region_for_blitframebuffer

clear_uniforms_before_first_program_use

count_all_in_varyings_packing

decode_encode_srgb_for_generatemipmap

disable_framebuffer_cmaa

disable_post_sub_buffers_for_onscreen_surfaces

disable_texture_storage

dont_remove_invariant_for_fragment_input

force_cube_map_positive_x_allocation

init_texture_max_anisotropy

regenerate_struct_names

remove_invariant_and_centroid_for_essl3

scalarize_vec_and_mat_constructor_args

Problems Detected

Accelerated video decode is unavailable on Linux: 137247
Disabled Features: accelerated_video_decode

Clear uniforms before first program use on all platforms: 124764, 349137
Applied Workarounds: clear_uniforms_before_first_program_use

Mesa drivers in Linux handle varyings without static use incorrectly: 333885
Applied Workarounds: count_all_in_varyings_packing

Linux AMD drivers incorrectly return initial value of 1 for TEXTURE_MAX_ANISOTROPY: 348237
Applied Workarounds: init_texture_max_anisotropy

Always rewrite vec/mat constructors to be consistent: 398694
Applied Workarounds: scalarize_vec_and_mat_constructor_args

Linux AMD drivers handle struct scopes incorrectly: 403957
Applied Workarounds: regenerate_struct_names

Linux ATI drivers crash on binding incomplete cube map texture to FBO: 518889
Applied Workarounds: force_cube_map_positive_x_allocation

Linux Mesa drivers crash on glTexSubImage2D() to texture storage bound to FBO: 521904
Applied Workarounds: disable_texture_storage

Limited enabling of Chromium GL_INTEL_framebuffer_CMAA: 535198
Applied Workarounds: disable_framebuffer_cmaa

Disable partial swaps on Mesa drivers (detected with GL_VERSION): 339493
Applied Workarounds: disable_post_sub_buffers_for_onscreen_surfaces

Decode and encode before generateMipmap for srgb format textures on os except macosx: 634519
Applied Workarounds: decode_encode_srgb_for_generatemipmap

adjust src/dst region if blitting pixels outside read framebuffer on Linux AMD: 664740
Applied Workarounds: adjust_src_dst_region_for_blitframebuffer

AMD drivers in Linux require invariant qualifier to match between vertex and fragment shaders: 659326, 639760
Applied Workarounds: dont_remove_invariant_for_fragment_input, remove_invariant_and_centroid_for_essl3

Disable KHR_blend_equation_advanced until cc shaders are updated: 661715

Decode and Encode before generateMipmap for srgb format textures on Linux AMD: 634519
Applied Workarounds: decode_encode_srgb_for_generatemipmap

Accelerated rasterization has been disabled, either via blacklist, about:flags or the command line.
Disabled Features: rasterization

Raster is using a single thread.
Disabled Features: multiple_raster_threads

Native GpuMemoryBuffers have been disabled, either via about:flags or command line.
Disabled Features: native_gpu_memory_buffers

Version Information

Data exported 4/17/2017, 10:49:40 PM
Chrome version Chrome/57.0.2987.98
Operating system Linux 3.16.0-4-amd64
Software rendering list version 12.13
Driver bug list version 9.29
ANGLE commit id unknown hash
2D graphics backend Skia/57 ae9cc5d3588d52f4b371b55845704b25d88cf06d
Command Line Args --flag-switches-begin --google-profile-info --javascript-harmony --flag-switches-end

Driver Information

Initialization time 78
In-process GPU false
Passthrough Command Decoder false
Sandboxed false
GPU0 VENDOR = 0x1002, DEVICE= 0x791e
Optimus false
AMD switchable false
Driver vendor Mesa
Driver version 10.3.2
Driver date  
Pixel shader version 1.20
Vertex shader version 1.20
Max. MSAA samples 6
Machine model name  
Machine model version  
GL_VENDOR X.Org R300 Project
GL_RENDERER Gallium 0.4 on ATI RS690
GL_VERSION 2.1 Mesa 10.3.2
GL_EXTENSIONS GL_ARB_multisample GL_EXT_abgr GL_EXT_bgra GL_EXT_blend_color GL_EXT_blend_minmax GL_EXT_blend_subtract GL_EXT_copy_texture GL_EXT_polygon_offset GL_EXT_subtexture GL_EXT_texture_object GL_EXT_vertex_array GL_EXT_compiled_vertex_array GL_EXT_texture GL_EXT_texture3D GL_IBM_rasterpos_clip GL_ARB_point_parameters GL_EXT_draw_range_elements GL_EXT_packed_pixels GL_EXT_point_parameters GL_EXT_rescale_normal GL_EXT_separate_specular_color GL_EXT_texture_edge_clamp GL_SGIS_generate_mipmap GL_SGIS_texture_border_clamp GL_SGIS_texture_edge_clamp GL_SGIS_texture_lod GL_ARB_multitexture GL_IBM_multimode_draw_arrays GL_IBM_texture_mirrored_repeat GL_ARB_texture_cube_map GL_ARB_texture_env_add GL_ARB_transpose_matrix GL_EXT_blend_func_separate GL_EXT_fog_coord GL_EXT_multi_draw_arrays GL_EXT_secondary_color GL_EXT_texture_env_add GL_EXT_texture_filter_anisotropic GL_EXT_texture_lod_bias GL_INGR_blend_func_separate GL_NV_blend_square GL_NV_light_max_exponent GL_NV_texgen_reflection GL_NV_texture_env_combine4 GL_S3_s3tc GL_SUN_multi_draw_arrays GL_ARB_texture_border_clamp GL_ARB_texture_compression GL_EXT_framebuffer_object GL_EXT_texture_compression_s3tc GL_EXT_texture_env_combine GL_EXT_texture_env_dot3 GL_MESA_window_pos GL_NV_packed_depth_stencil GL_NV_texture_rectangle GL_ARB_depth_texture GL_ARB_occlusion_query GL_ARB_shadow GL_ARB_texture_env_combine GL_ARB_texture_env_crossbar GL_ARB_texture_env_dot3 GL_ARB_texture_mirrored_repeat GL_ARB_window_pos GL_EXT_stencil_two_side GL_EXT_texture_cube_map GL_NV_fog_distance GL_APPLE_packed_pixels GL_APPLE_vertex_array_object GL_ARB_draw_buffers GL_ARB_fragment_program GL_ARB_fragment_shader GL_ARB_shader_objects GL_ARB_vertex_program GL_ARB_vertex_shader GL_ATI_draw_buffers GL_ATI_texture_env_combine3 GL_ATI_texture_float GL_EXT_shadow_funcs GL_EXT_stencil_wrap GL_MESA_pack_invert GL_MESA_ycbcr_texture GL_NV_primitive_restart GL_ARB_fragment_program_shadow GL_ARB_half_float_pixel GL_ARB_occlusion_query2 GL_ARB_point_sprite GL_ARB_shading_language_100 GL_ARB_sync GL_ARB_texture_non_power_of_two GL_ARB_vertex_buffer_object GL_ATI_blend_equation_separate GL_EXT_blend_equation_separate GL_OES_read_format GL_ARB_pixel_buffer_object GL_ARB_texture_float GL_ARB_texture_rectangle GL_ATI_texture_compression_3dc GL_EXT_pixel_buffer_object GL_EXT_texture_compression_dxt1 GL_EXT_texture_mirror_clamp GL_EXT_texture_rectangle GL_EXT_texture_sRGB GL_ARB_framebuffer_object GL_EXT_framebuffer_blit GL_EXT_framebuffer_multisample GL_EXT_packed_depth_stencil GL_ARB_vertex_array_object GL_ATI_separate_stencil GL_ATI_texture_mirror_once GL_EXT_gpu_program_parameters GL_EXT_texture_sRGB_decode GL_OES_EGL_image GL_ARB_copy_buffer GL_ARB_half_float_vertex GL_ARB_instanced_arrays GL_ARB_map_buffer_range GL_ARB_texture_rg GL_ARB_texture_swizzle GL_ARB_vertex_array_bgra GL_EXT_texture_swizzle GL_EXT_vertex_array_bgra GL_NV_conditional_render GL_ARB_ES2_compatibility GL_ARB_debug_output GL_ARB_draw_elements_base_vertex GL_ARB_explicit_attrib_location GL_ARB_fragment_coord_conventions GL_ARB_provoking_vertex GL_ARB_sampler_objects GL_ARB_vertex_type_2_10_10_10_rev GL_EXT_provoking_vertex GL_EXT_texture_snorm GL_MESA_texture_signed_rgba GL_NV_texture_barrier GL_ARB_get_program_binary GL_ARB_robustness GL_ARB_separate_shader_objects GL_ANGLE_texture_compression_dxt3 GL_ANGLE_texture_compression_dxt5 GL_ARB_compressed_texture_pixel_storage GL_ARB_internalformat_query GL_ARB_map_buffer_alignment GL_ARB_texture_storage GL_EXT_framebuffer_multisample_blit_scaled GL_AMD_shader_trinary_minmax GL_ARB_clear_buffer_object GL_ARB_explicit_uniform_location GL_ARB_invalidate_subdata GL_ARB_vertex_attrib_binding GL_KHR_debug GL_ARB_buffer_storage GL_ARB_multi_bind GL_ARB_texture_mirror_clamp_to_edge GL_ARB_vertex_type_10f_11f_11f_rev GL_ARB_texture_barrier
Disabled Extensions GL_KHR_blend_equation_advanced GL_KHR_blend_equation_advanced_coherent
Window system binding vendor SGI
Window system binding version 1.4
Window system binding extensions GLX_ARB_create_context GLX_ARB_create_context_profile GLX_ARB_fbconfig_float GLX_ARB_framebuffer_sRGB GLX_ARB_multisample GLX_EXT_create_context_es2_profile GLX_EXT_framebuffer_sRGB GLX_EXT_import_context GLX_EXT_texture_from_pixmap GLX_EXT_visual_info GLX_EXT_visual_rating GLX_MESA_copy_sub_buffer GLX_OML_swap_method GLX_SGI_swap_control GLX_SGIS_multisample GLX_SGIX_fbconfig GLX_SGIX_pbuffer GLX_SGIX_visual_select_group GLX_INTEL_swap_event
Window manager IceWM 1.3.8 (Linux 3.12.18+/x86_64)
Compositing manager No
Direct rendering Yes
Reset notification strategy 0x8261
GPU process crash count 0
System visual ID 33
RGBA visual ID 105

Compositor Information

Tile Update Mode One-copy
Partial Raster Enabled

GpuMemoryBuffers Status

ATC Software only
ATCIA Software only
DXT1 Software only
DXT5 Software only
ETC1 Software only
R_8 Software only
RG_88 Software only
BGR_565 Software only
RGBA_4444 Software only
RGBX_8888 Software only
RGBA_8888 Software only
BGRX_8888 Software only
BGRA_8888 Software only
YVU_420 Software only
YUV_420_BIPLANAR Software only
UYVY_422 Software only

Log Messages

[14957:14957:0417/223138.093208:ERROR:sandbox_linux.cc(343)] : InitializeSandbox() called with multiple threads in process gpu-process.

Die Karte ist laut lspci:

01:05.0 VGA compatible controller: Advanced Micro Devices, Inc. [AMD/ATI] RS690 [Radeon X1200]

Da fällt mir als erstes ins Auge, daß die GPU-Auskunft von Chromium mir was von einem Mesa-Treiber erzählt. Nun sind Grafikkartentreiber wirklich nicht mein Spezialgebiet, aber Mesa ist meines Wissens nach eine Art Standard-Treiber, der genommen wird, wenn sich nichts Besseres findet. Erste Frage des Unwissenden: Warum findet sich für eine ATI Radeon X1200 bzw. Radeon S690 kein expliziter Treiber?

Ja, ich habe gegoogelt. Und ich könnte das vermutlich noch tage- und wochenlang tun, ohne eine brauchbare Lösung zu finden. Ohne Kenntnisse über Grafikkartentreiber komme ich da wohl nicht wirklich weiter. Zumal ja nicht klar ist, ob das das eigentliche Problem lösen würde.

Dann sehe ich, daß da einiges an Beschleunigungsmöglichkeiten der Karte wohl nicht genutzt wird, was wiederum dem „falschen“ Treiber zuzurechnen sein dürfte. Grafikbeschleunigung, Scrollen im Fenster … da könnte was dran sein. Aber wie gesagt, ich weiß da einfach zu wenig drüber, und wild herumspekulieren bringt mich auch nicht weiter.

Die Fehlermeldung unten am Schluß aus dem syslog kann ich auch nicht interpretieren. Wieder was, wofür man Kenntnisse über Grafikkarten und ihre Treiber haben müßte.

Eine eher radikale Lösung wäre wohl, eine andere Grafikkarte in den PC einzubauen. Ja, ich hätte was Passendes. Aber bevor ich meinen PC zerlege, wüßte ich doch gern, ob sich das Problem auch eleganter lösen läßt.

Jemand 'ne Idee?

Flattr this!

16.04.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #312

Ostern schützt vor Nazis nicht … Besorgte Nachrichten, KW 15/2017. Trotzdem wünsche ich Euch fröhliche Ostereier 🙂

Armut

Autismus

Behinderung / Inklusion

Bombenanschlag in Dortmund

Das darf ja wohl nicht wahr sein!

First Nations / Native Americans

Geld

Gesundheit

Hartz IV & Co.

Impfgegner und Scharlatane

IT-Sicherheit

LGBTIQ

Piratenpartei

Rape Culture

Terrorismus

Tierquälerei

Twitter-Weisheiten

Überwachung

Flattr this!

09.04.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #311

Nachrichten aus dem rechten Spektrum wie üblich bei den Besorgten Bürgern: Besorgte Nachrichten, KW 14/2017.

Armut

Autismus

Behinderung / Inklusion

Datenschutz

Hartz IV & Co.

Impfgegner

Internet

LGBTIQ

Netzwerkdurchsetzungsgesetz

Rape Culture

Rassismus

Tierquälerei

Überwachung

Wissenschaft

Und sonst so?

Flattr this!

02.04.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #310

In eigener Sache: Ja, ich verlinke wieder auf LSR-Medien. Ein großer Link-Boykott wäre wirklich eine gute Sache gewesen, wenn sich genügend Leute beteiligt hätten. Statt dessen linkten nach der Verabschiedung des Gesetzes zum Leistungsschutzrecht alle, auch explizite LSR-Gegner, immer weiter fleißig auf die Medien, die diese Abmahnmaschine direkt oder indirekt (via irgendwelche Verbände, denen sie angehören) unterstützen. Wenn das nur wenige machen, schießen sich diese Wenigen damit selbst ins Abseits, und erreicht wird gar nichts. Und ja, ich darf das Kacke finden. – Medien der Springer-Hetzpresse dagegen bleiben weiterhin außen vor. Hat ja schließlich alles seine Grenzen, nech?

Erst mal noch die Nachschau auf das, was diese Woche wieder mal bei Nazis etc. gelaufen ist: Besorgte Nachrichten, KW 13/2017.

Autismus

Behinderung / Inklusion

Bildung

Datenschutz

Hartz IV & Co.

Impfgegner

IT-Sicherheit

Polizei / Polizeigewalt

Tierquälerei

Und sonst so?

Ganz zum Schluß

Flattr this!

27.03.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #309

Auch diese Woche unvermeidbar: Besorgte Nachrichten, KW 12/2017.

Autismus

Behinderung / Inklusion

Demokratie

Gesundheit

Hartz IV & Co.

Impfgegner

IT-Sicherheit

LGBTIQ

Piratenpartei

Polizei

Qualitätsjournalismus

Rape Culture

Spam

  • 19.03.2017 Unser täglich Spam: Spam-Splitter (via @benedigtg@gnusocial.de)

Terrorismus

Tierquälerei

Verschlüsselung

Und sonst so?

Twitter-Weisheiten

Flattr this!

26.03.2017

Frosch - Piraten: Klausur vs. Klassentreffen

Piraten, wir müssen reden. Über Barrierefreiheit bei Parteitagen.

Parteitags-Armbändchen vom #bpt171

Schon beim Bundesparteitag in Lampertheim haben sich viele über die Versammlungsleitung aufgeregt, weil die ständig gemahnt hat, daß nicht so viel nebenbei geredet werden soll. In Wolfenbüttel war es dann noch schlimmer. Und nun, in Düsseldorf, ist es so schlimm geworden, daß ich auf den zweiten Tag verzichten mußte. Und ich meine nicht die ständigen Beschwerden der Versammlungsleitung!

Ich bin, wie die Leser meines Blogs mitbekommen haben dürften, im Autismus-Spektrum und habe eine Reizfilterschwäche insbesondere im akustischen Bereich. Wenn da links neben mir gequasselt wird, rechts neben mir gequasselt wird, hinter mir gequasselt wird und eine Person an einem Mikrofon einen Antrag zu erklären versucht, dafür oder dagegen argumentiert, dann will mein Gehirn alle vier Gespräche gleichzeitig, unabhängig von der Lautstärke (!), auswerten. Das wurde weiterhin erschwert durch das meist noch lautere (wenn auch von meinem Standort aus nicht mehr verständliche) Gerede im Eingangsbereich der Halle, wo Leute grüppchenweise zusammenstanden und völlig ungeniert die ganze Zeit über quasselten. Mein Gehirn kann das nicht wegfiltern, sondern ist gezwungen, das alles die ganze Zeit über bewußt auszuwerten.

Das ist wie der Versuch, einer Single-Core-CPU mit weniger MHz in derselben Zeit dieselbe Leistung abzuverlangen wie einem QuadCore mit mehr MHz unter Vollast. Irgendwann gibt's eine Überhitzung, und in der Folge geht dat Dingen irjendswann aus. Bei Autisten heißt das dann Overload mit nachfolgendem Shutdown. Das fühlt sich mehr als nur unangenehm an. Und wenn es statt des Shutdowns erstmal ein Meltdown wird, wollt Ihr nicht nebendran stehen. Nicht mal zufällig.

Mein Kopf fühlte sich gestern bereits am Nachmittag an, als hause ein Bienenschwarm darin. Ich hatte ein ständiges Summen in den Ohren. Gegen Abend wuchs sich das zu Kopfschmerzen aus. Daß ich keinen Overload bekam, wunderte mich sogar noch. Aber es hatte mir auch erstmal so gereicht, um abends völlig fertig zu sein. Und das kam nicht von der eigentlichen Aufgabe des Parteitags, über Anträge zu diskutieren und zu entscheiden.

Die einzige längere Unterbrechung davon war nachmittags die Datenschutz-Schulung bei @SirThomasMarc, bei der ich nicht nur einiges lernen konnte, sondern die den unglaublichen Vorteil hatte, daß immer nur ein Mensch gleichzeitig redete. Und das war keineswegs immer nur Thomas, denn es wurden Anmerkungen gemacht und Fragen gestellt, aber nicht so, daß man sich ständig gegenseitig dreinredete. Und es saß auch niemand daneben, der mit einer weiteren Person die ganze Zeit über quasselte.

Zwischendurch war ich dann mal noch draußen auf dem sonnigen Balkon, was mir ein wenig Erholung brachte. Doch auch das hielt sich in Grenzen, denn unten auf dem Parkplatz hatte jemand ein Autoradio aufgedreht, und es dröhnte Hibbelhops oder sowas durch die Gegend.

Aber ich wollte ja eigentlich am Parteitag teilnehmen, um über Anträge zu diskutieren und abzustimmen. Dazu muß man im Plenum sein. Also da, wo Leute meinen, sich lautstark begrüßen zu müssen, über alles mögliche zu plaudern, was oft nichts mit dem Parteitag zu tun hat oder dem Tischnachbarn ständig zu erzählen, was man vom gerade laufenden Antrag hält. Am besten so, daß es mindestens der ganze Tisch mitbekommt.

Leute, das geht so nicht.

Bei Parteitagen sollte klar getrennt werden zwischen Klausur – die Arbeit (ja, Arbeit!) im Plenum – und Klassentreffen, also den „sozialen“ Teil. Ich will Euch den ja gar nicht wegnehmen. Aber ich will ihn nicht im Plenum haben. Und ich glaube, andere wollen das auch nicht. Die Versammlungsleitung, die dem ständigen Durcheinandergeplapper gar nicht ausweichen kann, hat das ja schon häufig und nachdrücklich kundgetan. Aber es hat Euch nicht interessiert.

Barrierefreiheit war bei diesem Bundesparteitag 2017.1 sowieso schon ein Problem. Rollstuhlfahrer können die Heinrich-Heine-Gesamtschule (bzw. das von uns belegte Gebäude davon) nicht ohne Hilfe betreten. Sie können nicht ohne Hilfe durch Orga-Leute den Aufzug zum Saal benutzen, weil das nur mit einem Schlüssel geht, der zentral deponiert ist. Sie können – auch wegen des Aufzugs – nicht ohne Hilfe zu einer barrierefreien Toilette gelangen, die sich nicht im selben Gebäude befindet. Gebärdensprachdolmetscher gab es auch keine mehr. Ebenfalls gab es keine Live-Untertitel mehr.

Das alles könnte man noch mit Geldmangel begründen und mit einem Mangel an Leuten, die entsprechend notwendige Leistungen (Gebärden, Live-Untertitel) freiwillig erbringen wollen.

Aber das ständige Geschwätz im Raum hat mit all dem nichts zu tun. Das würde auch auf einem sonst perfekt barrierefrei organisierten Bundesparteitag nichts zu suchen haben. Denn damit ist er nicht perfekt barrierefrei.

Oder anders: Barrierefreiheit endet nicht bei Rampen, frei zugänglichen und funktionsfähigen Fahrstühlen, rollstuhlgerechten Toiletten, Gebärdensprachdolmetschern, Induktionsschleifen und Live-Untertiteln. Barrierefreiheit braucht auch die Rücksicht aller Teilnehmer einer Veranstaltung.

Barrierefreiheit ist ein Anliegen der Piratenpartei. Ich habe schon oft festgestellt, daß einzelne Piraten sehr wohl auf solche Dinge achten, wie schon letzte Woche in meinem Artikel Warum ich Pirat bin geschildert. Allerdings hatte ich dabei die Parteitage vergessen. Denn im Pulk sind die ganzen Vorsätze von Rücksicht und Barrierefreiheit wohl wieder obsolet.

Durch diese Rücksichtslosigkeit ist mir der zweite Tag des Bundesparteitages 2017.1 verschlossen. Den Overload hatte ich dann heute Nacht gehabt, Stunden später, als Nachwirkung. Das Summen hatte ich noch heute früh um vier in den Ohren. Die Kopfschmerzen waren erst heute Morgen um neun endlich wieder weg. Ein zweiter Tag unter diesen Bedingungen wäre quasi ein „ins offene Messer rennen“ gewesen.


An das spätere „Socialising“ in der Hafenpinte oder sonstwo war für mich übrigens erst recht nicht zu denken, und das nicht wegen des damit verbundenen Schlafmangels. Ich frage mich, warum Ihr das noch braucht, wenn Ihr doch in der Halle schon so viel „Socialising“ treibt, daß andere nicht mehr konzentriert arbeiten können …

Flattr this!

21.03.2017

Frosch - „Mal eben“ rss2email eingerichtet

Eine meiner Quellen für die wöchentliche Linkliste bei den Besorgten Bürgern ist der Polizeiticker beim Presseportal. Das ist leider wahnsinnig viel (locker mal bis zu 500 Meldungen pro Tag), das meiste völlig irrelevant für die Linkliste – viel mit Einbruch, Diebstahl, Raub, Verkehr usw. –, aber leider läßt sich der RSS-Feed nicht weiter sortieren, soweit ich das sehen kann.

Das Aussortieren wird also weiterhin mein Problem bleiben. Es gab aber noch ein anderes Problem. Der RSS-Feed liefert nur die letzten n Nachrichten oder nur die Nachrichten der letzten Stunde oder so; so ganz klar ist mir das nicht. Das heißt, wenn ich meinen PC für die Nacht ausschalte, bekomme ich beim Wiedereinschalten nur die Nachrichten von ca. einer Stunde zurück, aber nicht alles von der ganzen Nacht (und im Hinblick auf meinen Schlafrhythmus vom ganzen Vormittag). Das störte mich jetzt doch ein wenig.

Aber hey, da läuft ein Server für mich, und weil der 24/7 läuft und auch die ganze Zeit mit diesem Internet™ redet, könnte der ja mal Dinge tun. Dachte ich mir so. Also schaute ich mich mal um und fand: rss2email.

Leider ist die Anleitung an zwei Stellen etwas ungenau. So wird nicht gesagt, was man als root und was man besser als einfacher Nutzer ausführt. Und ein Fehler ist auch noch drin. Aber wer Fehlermeldungen lesen kann, ist klar im Vorteil.

Die Installation geschieht natürlich als root; Python ist auf dem Server eh schon vorhanden. Im Gegensatz zur obigen Anleitung installierte ich mit apt-get install. Die weitere Konfiguration nahm ich dann als User vor.

Das Eintragen der Mailadresse klappte noch einwandfrei; ich habe mir dafür, um später im Thunderbird das Filtern zu erleichtern, eine eigene Mailadresse angelegt. Die Anweisung, einen Feed zu adden, funktioniert so wie dort beschrieben jedoch nicht. Der Feed braucht nämlich noch einen Namen. Ich habe es dann schließlich so gemacht:

$ r2e add polizeiticker http://www.presseportal.de/rss/polizei.rss2

$ r2e run --no-send

$ r2e run

Damit wäre es später auch möglich, den Feed wieder abzubestellen, indem man eingibt:

$ r2e delete polizeiticker

Damit ist es aber noch nicht ganz getan. Denn der Reader ist kein Dienst, der im Speicher bleibt, sondern wird nur einmal ausgeführt. Wann und wie oft, muß man noch in der crontab definieren:

$ crontab -e

0,30 * * * * /usr/bin/r2e run

Damit holt das Programm jetzt also alle halbe Stunde rund um die Uhr die Tickermeldungen ab und wirft sie mir ins Postfach, unabhängig davon, wann und wie lange mein PC läuft.

Den RSS-Feed habe ich dann noch aus dem Thunderbird abbestellt. Ich muß das Zeug ja nicht doppelt bekommen. 🙂

Flattr this!

20.03.2017

Frosch - Warum ich Pirat bin

PIRATENPARTEI

Heute wurde ich per Twitter-DM gefragt, wieso ich immer noch Mitglied der Piratenpartei bin, weil aus diesem Umfeld immer wieder öffentlich Bemerkungen gemacht werden, die man doch eher als „unpiratig“ einstufen sollte. Es ging um eine Bemerkung, die ein Pirat auf Twitter gemacht hatte und die – zumindest scheinbar – nicht zu den Grundeinstellungen der Piratenpartei paßt. Ob dem auch wirklich so war, lasse ich mal offen, denn so sicher bin ich mir da nicht; könnte auch ein Mißverständnis gewesen sein. Aber darauf kommt's nicht mal an, denn es gibt ja tatsächlich leider immer mal wieder Piraten, die sich öffentlich auch ganz eindeutig entgegen des Parteiprogramms äußern oder verhalten.

Meine Antwort lautet:

Die Idee. Die Idee, daß das Grundgesetz eine Bedeutung hat, der Mensch im Vordergrund stehen muß (statt des Geldes), daß ein BGE kommen muß. Daß das Urheberrecht reformiert werden muß. Daß es einen fahrscheinfreien ÖPNV braucht. Daß Politik transparent statt korrupt sein muß. Und: Die verdammt gute Arbeit von Piraten, die in Parlamente gewählt wurden, welche diese Ideen tragen.

In eine Partei einzutreten ist einfach. Es gibt kein „wir gucken uns den Menschen erstmal an“ wie in den CCC-Erfakreisen (könnte man vermutlich auch nur in Grenzen verbessern). Einen Querschläger loszuwerden, ist nach dem Parteiengesetz sehr schwer. Trotzdem oder genau deswegen werde ich mir von Querschlägern die Grundidee nicht nehmen lassen. Ich bin Pirat, weil das meine Überzeugungen sind.

Und es sind noch mehr Vorstellungen und Einstellungen, die ich mit der Piratenpartei teile und weswegen ich Mitglied bin und bleibe. Nicht erwähnt hatte ich zum Beispiel die Themen gesellschaftliche Teilhabe, Überwachung und Vorratsdatenspeicherung, Geheimdienste (Kontrolle bzw. Abschaffung), freie Bildung, frei zugängliche, mit Steuergeldern erstellte Daten staatlicher Stellen, Absenkung des Wahlalters, Trennung von Staat und Religion, Umwelt, Energie, Geschlechts- und Familienpolitik incl. „Regenbogen-Familien“, kostenlose Kindergärten und weiteres (Themen und Ziele der Piratenpartei).

In den anderen mehr oder weniger autoritär geprägten Parteien werden eigentlich nur die Aussagen der Vorsitzenden, ein paar Abgeordneter und vielleicht noch des einen oder anderen sonstwie bekannten Menschen öffentlich wahrgenommen. Der Rest geht mehr oder weniger unter (zumindest wie gesagt in der öffentlichen Wahrnehmung). Ich wüßte gern manchmal, wie sich das öffentliche Bild auch dieser Parteien ändern würde, träten viele Mitglieder laut und mit Parteilogo im Avatar auf Twitter, Facebook, Google+ oder in Blogs auf – so wie Piraten das üblicherweise machen, denn wir sind eben nicht so autoritär, sondern bezeichnen uns aus guten Gründen als Mitmach-Partei.

Persönlich haben mir Piraten immer wieder gezeigt, daß sie das Menschenbild, das wir vertreten, auch tatsächlich leben. In kaum einem Umfeld wurde und werde ich als nicht den üblichen Schubladen entsprechender Mensch so selbstverständlich akzeptiert wie im Piraten-Umfeld. In kaum einem anderen Umfeld muß ich so wenig erklären oder werde sogar gestoppt, weil: „hey, ist doch klar“ – bezüglich Dingen, die keineswegs als selbstverständlich anzusehen sind, wie besondere persönliche Bedürfnisse.

Ich hatte bereits bei meinem Eintritt vor sieben Jahren geschrieben:

Um eins gleich klarzustellen: Das heißt, daß ich die Ziele der Piratenpartei unterstütze und es für sinnvoll halte, auch innerhalb der Partei eine Stimme zu haben. Es heißt nicht, daß ich mich von außen für jeden Quer- und Schaumschläger in der Piratenpartei „dumm anmachen” lasse. :-)

Dazu stehe ich weiterhin uneingeschränkt.

Und ich halte es weiterhin uneingeschränkt für dringend notwendig, daß (noch mehr) Piraten in Parlamente gewählt werden, damit die Ideen nicht auf dem Papier bzw. auf den Webservern verrotten, sondern verdammt nochmal umgesetzt werden.

Ich bin Pirat. Klarmachen zum Ändern.

Flattr this!

19.03.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #308

Die häßliche rechte Seite der vergangenen Woche zuerst: Besorgte Nachrichten, KW 11/2017.

Autismus

Flucht & Asyl

Hartz IV & Co.

Impfgegner

Polizei und Ermittlungsbehörden

Rape Culture

Türkei

Wissenschaft

Flattr this!

14.03.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #307

Die „Besorgten Nachrichten“ dauern noch ein bißchen, also gibt es jetzt wenigstens mal meine verspäteten Links.

Ad-Blocker

Atomkraft

Autismus

Behinderung / Inklusion

Genderfoo

Hartz IV & Co.

IT-Sicherheit

Rape Culture

Tierquälerei

Twitter-Weisheiten

Flattr this!

08.03.2017

Frosch - Frauenkampftag neu denken

Heute ist Frauenkampftag, und der steht dieses Jahr unter dem Motto: „Women in the Changing World of Work: Planet 50-50 by 2030“. Also: Bis 2030 sollen Frauen und Männer die Welt – mindestens aber die Arbeits-Welt – halb und halb unter sich aufgeteilt haben. Ähm, und die anderen?

(Wie, welche anderen? – höre ich schon den einen oder anderen Menschen fragen.)

Über den Kampf von Frauen für Gleichberechtigung heißt es auch, es sei ein Kampf der Geschlechter. Wenn wir aber den Kampf um Gleichberechtigung der Geschlechter nur als Kampf zwischen Männern und Frauen sehen, oder besser, als Kampf der Frauen gegen eine männerdominierte bzw. patriarchale Gesellschaft, dann greift dieser Kampf zu kurz.

Ja, es ist richtig, daß zur Zeit der ersten Frauenkampftage, zur Zeit von Clara Zetkin, etwas anderes als Mann oder Frau als Geschlecht [Update 2017-03-08 22:20] in den westlichen bzw. weißen Kulturkreisen [/Update] gar nicht bekannt war. Immerhin ist das jetzt aber schon über 100 Jahre her, und ursprünglich ging es wohl vor allem um das Frauenwahlrecht. Nun sind wir aber 100 Jahre weiter, und das heißt, daß wir aktuellere Erkenntnisse mit einbeziehen sollten.

Das fängt zum Beispiel damit an, daß Transfrauen und -männer vollständig als solche anerkannt werden sollten, und zwar völlig selbstverständlich anerkannt in der gesamten Gesellschaft. Das ist noch lange nicht so. Und da es (auch) um die sogenannte Arbeitswelt geht: Tatsächlich sind Transmenschen übermäßig häufig erwerbslos. Von Anerkennung sind wir also bereits hier sehr weit weg.

Aber selbst das genügt nicht.

Denn wir wissen mittlerweile, daß es eben nicht nur die beiden Geschlechter Mann und Frau gibt, und eigentlich auch, daß die Genitalien bzw. Reproduktionsorgane dafür nicht bestimmend sind. Und jedesmal, wenn ich darüber nachdenke, trauere ich um all die Menschen, die nie sein konnten, was sie waren, weil weder „Frau“ noch „Mann“ für sie paßten und ihnen niemand sagen konnte, daß es da noch mehr gibt – weil es niemand wußte.

Aber jetzt wissen wir es.

OK, das ist etwas ungenau. „Wir“ sollten es wissen, denn wissenschaftlich wurde es spätestens in den 1980ern erkannt. Aber „wir“ wissen es doch wieder nicht, weil die Mehrheitsgesellschaft es offenbar nicht wissen will. Das binäre Modell scheint in der Gesellschaft quasi festgefressen zu sein. Wir hören und lesen schon sehr wenig von Transmenschen, aber rein gar nichts über bi-gender, agender oder genderfluid orientierten Menschen. Wer nicht ins binäre Schema fällt, fällt statt dessen unter den Tisch.

Das könnte/dürfte an mehreren Aspekten liegen:

  • Gewohnheiten. Wir haben es von den Eltern so gelernt, die von unseren Großeltern, diese von ihren Eltern usw.
  • Sprache. Unsere Sprache sieht wie viele andere Sprachen sowohl bei den Personalpronomen als auch bei zum Beispiel Gruppen- und Berufsbezeichnungen nur ein binäres Schema vor, und niemand kam bislang auf die Idee, das mal systematisch zu ändern.
  • Die Weltreligionen, welche auf uraltem Schriftgut basieren, welche natürlich auch noch nichts anderes als Mann und Frau kannten, und auf die sich die Vertreter dieser Religionen immer noch berufen. Sie haben auch Einfluß auf Gesellschaft und Politik (auch wenn letzteres in den sogenannten säkulären Staaten nicht so gern zugegeben wird).
  • Die Tatsache, daß das Festmachen des Geschlechts an den Genitalien bzw. Reproduktionsorganen einfacher erscheint als eine Trennung des einen vom anderen; es vereinfacht scheinbar (!) den Umgang miteinander, weil man meint, bereits mit einem Blick erkennen zu können, welchem Geschlecht das Gegenüber angehört; gleichzeitig wird diese Erkenntnis offenbar irgendwie als wichtig angesehen.

Unsere Vorfahren mögen irgendwann beobachtet haben, daß es zwei Varianten von Körpern gibt: Die einen mit nährenden, größeren Brüsten, Vagina, Gebärfähigkeit und von Natur aus etwas weniger Muskulatur und die anderen mit nicht nährenden, unauffälligen Brüsten, Penis, Zeugungsfähigkeit und von Natur aus etwas mehr Muskulatur. Ihnen mag aufgefallen sein, daß sich die ersteren meistens als „weiblich“ und zweite meistens als „männlich“ empfanden.

In vielen Sprachen (nicht allen!) hat sich diese Beobachtung niedergeschlagen: So gibt es in der deutschen Sprache als Pronomen für die 3. Person singular nur jeweils eines für männliche und eines für weibliche Personen, aber nicht für weitere Geschlechter und auch kein neutrales Pronomen, das alle mit einbeziehen würde („das“ ist dafür eher nicht geeignet, weil sächlich, nicht geschlechtlich bzw. dem Grunde nach nicht auf Menschen bezogen). Letzteres, also ein Personalpronomen, das alle mit einbezieht, könnte hier eine Lösung sein (ich habe dazu schon länger einen Artikel-Skeleton im Draft, mal sehen, wie ich dazu komme, den auszuarbeiten).

Gleiches gilt auch für Berufs- oder Gruppenzugehörigkeits-Bezeichnungen. Wir kennen Polizist und Polizistin, aber was wäre ein Agender-Poliz… – Ihr seht das Problem? Hieran etwas zu ändern finde ich übrigens deutlich sinnvoller als den Versuch, durch großes I, *, _ oder : Frauen sichtbar(er) zu machen. Ich wäre ja eher dafür, Berufs- und ähnliche Bezeichnungen völlig vom Geschlecht unabhängig zu verwenden, statt mit Zeichen mitten im Wort, die schlechter lesbar und auch nicht barrierefrei sind, mühsam zu versuchen, Frauen – und nur Frauen – sichtbarer zu machen. Das Geschlecht soll ja insbesondere für eine berufliche Qualifikation nicht relevant sein, oder?

Und es werden wie gesagt als zusätzliche Gruppe eben wieder nur Frauen angesprochen. Nonbinaries dürfen sich dann wieder „mitgemeint“ fühlen, also genau das, was man Gegnern dieser Schreibweisen vorwirft und gleichzeitig doch wieder selbst praktiziert. Denn „PolizistInnen“ wird dann wieder als „Polizistinnen und Polizisten“ gelesen – und bleibt somit binär.

Also: Ich schlage vor, wir sollten den Frauenkampftag neu denken, und zwar als Tag der geschlechtlichen Gleichberechtigung, um den neuen Erkenntnissen gerecht zu werden.

Es muß sich in der Gesellschaft die Erkenntnis durchsetzen, daß Reproduktionsorgane nicht das Geschlecht bestimmen und es mehr als zwei Geschlechter gibt. Das muß spätestens in der Schule anfangen, besser noch im Kindergarten. Warum?

Wir haben da so einen interessanten Artikel im Grundgesetz, der steht sogar ziemlich weit vorne. Er postuliert als Recht, daß sich alle Menschen frei in ihrer Persönlichkeit entwickeln dürfen. Das funktioniert aber im Bereich der Geschlechter in der Praxis nur, wenn alle so früh wie möglich von allen Entfaltungsvarianten erfahren. Kinder, die lernen, daß es nur (cis) Mann und (cis) Frau gibt und sonst gar nichts, können sich nicht frei entfalten: Sie können nie feststellen, ob sie einem anderen, weiteren Geschlecht angehören. Sie können nie herausfinden, was sie wirklich sind.

Würden wir Schulabgängern sagen, es gäbe nur die Möglichkeit, Arzt, Bäcker oder Fabrikarbeiter zu werden (ich weiß, der Vergleich hinkt, weil sie ja Angehörige anderer Berufe bereits im Alltag gesehen haben) – die meisten würden sich für eine dieser drei Varianten entscheiden, auch wenn sie sich in allen dreien nicht wohlfühlen würden. Das wäre ziemlich schräg, oder? Eine freie Entfaltung wäre so nicht möglich. Gleichzeitig finden „wir“ es aber offenbar in Ordnung, Kindern zu sagen, sie könnten nur männlich oder weiblich sein.

Mir wurde übrigens in der Berufsberatung des Arbeitsamtes in den frühen 1980er Jahren gesagt, ich bräuchte mich gar nicht erst um eine Ausbildung als Fotograf zu bemühen, denn „die Fotografen nehmen keine Mädchen als Lehrlinge“ (war zwar – auch bereits zu dieser Zeit – kackendreist gelogen, aber das kennt man ja von dieser Art von Behörden). Mein zugewiesenes Geschlecht empfand die Berufsberatung als legitimen Grund dafür, meine Entfaltung (weiter) einzuschränken. Man wollte „Mädchen“ zu dieser Zeit offenbar bevorzugt in kaufmännische bzw. Verwaltungsberufe mit niedrigerer Qualifikation bzw. in die Pflege drücken. Das wurde mir jedenfalls als mögliche berufliche Richtungen angegeben.

Ich habe mich mein Leben lang nicht mit der Zuweisung „Mädchen/Frau“ bzw. „weiblich“ wohlgefühlt. Ich mußte 47 Jahre alt werden, um herauszufinden, was ich wirklich bin. Das ist nicht freie Entfaltung der Persönlichkeit, das ist eine Unterdrückung von Persönlichkeit. Ich hätte es gern bereits im Kindergarten erfahren, daß es noch mehr gibt, um mich finden zu können. Denn bereits damals fand ich das Mädchen-Sein für mich irgendwie eigenartig.

Und heute?

Als ich mich vor über einem Jahr outete, haben das die meisten Leute, vor denen ich mich outete, erstmal schlicht ignoriert. Ich wurde bei Treffen erstmal weiterhin dem „Frauen-Anteil“ zugeschlagen. Ich wurde und werde weiterhin als Frau bezeichnet. Und obwohl ich mehrfach darauf hinwies, daß ich den Spitznamen Frosch als Anrede haben möchte, werde ich weiterhin mit meinem Auweis-Namen angesprochen, der eindeutig weiblich konnotiert ist (unter Transmenschen würde man von „deadnaming“ sprechen). Dabei geht es nicht immer um Umgewöhnung; das würde ich zugestehen. Es ist schon nervig genug, daß ich mich bei Ämtern usw. als Frau deklarieren und anreden lassen muß.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es ist nichts falsch daran, eine Frau zu sein. Es ist auch nichts falsch daran, ein Mann zu sein. Aber cis Männer überlegen jetzt mal, wie sie sich fühlen würden, konsequent als Frau bezeichnet zu werden, und cis Frauen überlegen sich an dieser Stelle, wie es sich anfühlen würde, ständig als Mann angesehen zu werden. Mit dem falschen Geschlecht in Verbindung gebracht zu werden, ist eben einfach – falsch. Man fühlt sich nicht ernst genommen.

Wenn wir also echte Geschlechtergerechtigkeit wollen, müssen wir mehr tun, als nur für eine gerechte Beteiligung von Frauen an der Gesellschaft einzutreten: Wir müssen alle Geschlechter mitdenken.

  • Genitalien bzw. Reproduktionsorgane dürfen nicht mehr geschlechtsbestimmend sein. Kinder sollen nicht mehr ab Geburt auf eines der binären Geschlechter festgenagelt werden. Jeder Mensch weiß selbst am besten, welchem Geschlecht er angehört.
  • Es muß auf allen Ebenen eine gesellschaftliche Aufklärung über die bekannten Varianten der Geschlechter und deren Unabhängigkeit von den Reproduktionsorganen sowie über körperliche Variationen (wie Intersexualität) geben. Es muß klar werden, daß alle Geschlechter und körperlichen Variationen ihre Daseinsberechtigung haben und es kein „falsches“ Geschlecht gibt. Das ist natürlich vor allem eine politische Aufgabe, aber auch Medien, insbesondere solche mit großer Reichweite, müssen ihren Teil dazu leisten.
  • Geschlechtsbezeichnungen gehören nicht in Ausweisdokumente jeglicher Art. Auch in Bewerbungen haben sie nichts verloren, sofern es keinen verdammt guten Grund gibt, eine Stelle nur den Angehörigen eines bestimmten Geschlechts oder bestimmter Geschlechter anzubieten. Das gilt natürlich auch für alle weiteren Bereiche des Lebens, in welchem das Geschlecht eines Menschen objektiv keine Rolle spielt.

Denken wir also den 8. März neu. Damit es irgendwann in der Zukunft tatsächlich Geschlechtergerechtigkeit für alle geben kann.

Oder um es mit der Piratenpartei auszudrücken: Klarmachen zum Ändern.

Flattr this!

07.03.2017

Frosch - EOS SAF und der Telefonterror

Im Jahr 2002 haben sich bei mir durch das Verhalten des faschistischen Repressionsamtes (AKA „Sozialamt“) einige Schulden angesammelt. Wie das halt so passiert, wenn eine Behörde, die eigentlich Geld auszahlen sollte, einfach ignoriert, daß der Antragsteller schwer krank und handlungsunfähig ist, und dafür lieber einen Teil der immer wieder eingereichten Unterlagen im 2- bis 3-Wochen-Rhythmus in den Schredder kippt und dann noch dreist lügt.

Eine dieser Forderungen war die der Telekom für meinen damaligen einfachen Analoganschluß in der alten Wohnung. Die Telekom holte sich gleich einen vollstreckbaren Titel (der 30 Jahre lang gilt, während die Straftaten des Repressionsamtes ja nach drei Jahren verjährten, während ich noch handlungsunfähig war). Das Repressionsamt wurde nicht gesamtschuldnerisch mit verklagt, wieso auch, ich bin ja schließlich selbst schuld, wenn ich mir den Luxus eines Telefonanschlusses gönne.

Von Anfang an bekam ich daher immer wieder Briefe von der Anwaltskanzlei Seiler in Heidelberg, der Hauskanzlei der Telekom für Inkasso. Seiler und Coll. nervten mich so lange, bis ich im Juni 2007 deutlich wurde:

Sie erzeugen den Eindruck, als hätte ich mein Fax vom 18. Dezember 2006 in chinesischer Schrift geschrieben – oder als sei es direkt aus Ihrem Faxgerät in den Papierkorb gefallen.

Nochmal, zum Mitmeißeln:

Ich bin zahlungsunfähig. Das wurde auch durch die von Ihnen beantragte Eidesstattliche Versicherung bestätigt. […] Es ist mir nicht einmal gestattet (und das sollte Ihnen als Juristen bekannt sein), von diesem Geld Schulden abzubezahlen.

Sie verstoßen also mit Ihren Drohungen wissentlich und willentlich gegen die Schadens­min­de­rungs­pflicht aus § 254 Abs. 1 BGB. Sollten Sie trotzdem vollstrecken, machen Sie sich mir gegenüber nach § 826 BGB scha­denersatzpflichtig, denn sie bewirken damit nur Nachteile für mich, aber keine Vorteile für Ihre Mandantin.

Des weiteren erwähnte ich, daß ich ja eigentlich meinen zu der Zeit aktuellen Vertrag bei der Telekom kündigen könnte.

Danach war erstmal Ruhe.

2014 kamen neue Briefe, diesmal von der Firma EOS SAF Forderungsmanagement GmbH. (Googlet mal danach, da findet sich nichts positives.) Darin wurde mir ein Ratenzahlungsvertrag angeboten. Die angeblich aufgelaufenen Kosten waren allerdings plötzlich deutlich höher und überstiegen sogar die Höhe der eigentlichen Schuld. Ich ignorierte die Briefe, denn ich weiß, daß ich keinen solchen Ratenvertrag eingehen muß.

Danach kamen diese Briefe so alle paar Monate, manchmal auch öfter. Ich machte sie teilweise schon gar nicht mehr auf, stand ja eh immer dasselbe drin.

Letztes Jahr änderten sie ihre Taktik. Zusätzlich zu den Briefen kamen Anrufe. Viele Anrufe. Auch in diesen Anrufen, sofern ich sie entgegennahm, wurde mir immer wieder ein Ratenzahlungsvertrag „angeboten“. Aufgrund der Intensität würde ich eher sagen: Aufgenötigt. Ich machte klar, daß ich keinen Vertrag eingehen werde. Telefonisch schon gar nicht. Und daß ich keine Anrufe mehr wünsche.

Das hat EOS SAF jedoch nicht gestört.

Interessant übrigens: Das erste, was kommt, wenn man rangeht, ist neben einer kaum verständlichen Meldung (das Nuscheln für diesen Part haben sie wohl extra geübt) die Frage nach persönlichen Daten, angeblich um zu überprüfen, ob sie mit der richtigen Person sprechen. Also: Sie wollen was von mir, nerven mich und meinen, bevor sie mir sagen, warum sie mich nerven, müsse ich erstmal Daten rausrücken. Ja nee is' klar.

Wie man aus der wachsenden Liste sehen kann, versuchen die beiden Callcenter von EOS SAF in Potsdam und Hamburg, wellenweise mindestens einmal am Tag auf mindestens einer von den beiden ihnen bekannten Nummern anzurufen. Als ich auf die 0800-Nummer nicht mehr reagierte, versuchten sie es mit einer Potsdamer Nummer, und seit Anfang dieses Jahres wechselt sich eine ähnliche 0800-Nummer mit einer Hamburger Nummer ab.

Zuerst, also im Sommer letzten Jahres, waren da auch immer Menschen dran gewesen, wenn ich das Gespräch annahm. Seit der Welle in diesem Januar sieht das anders aus:

Die meisten Anrufe, die ich angenommen habe, waren offenbar solche von prediktiven Dialern. Das sind Programme, die automatisch Nummern anwählen und schonmal „gucken“, ob da jemand drangeht. Dabei werden viel mehr Nummern angewählt, als tatsächlich Telefonisten im Call-Center bereitstehen. Geht man dran und es ist gerade kein Telefonplatz frei, dann legt der Dialer einfach wieder auf. Offenbar kann EOS SAF sich das selbst bei Mobilfunknummern leisten – zum einen gehe ich davon aus, daß sie günstige Verträge mit der Telekom haben, zum anderen holen sie sich die Kosten ja sicher mit ihren überzogenen Kostenforderungen wieder rein.

Ein Teil dieser Programme speichert außerdem ab, zu welcher Zeit da ein Mensch (oder auch ein Anrufbeantworter) drangeht. Beim nächsten Durchgang wird diese Nummer dann bevorzugt zu diesen Uhrzeiten angerufen. Ob die Dialer von EOS SAF das machen, weiß ich nicht, aber ich könnte noch auf die Idee kommen, das mal gemäß Bundesdatenschutzgesetz abzufragen. Denn das entspräche ja quasi einer Überwachung, wann ich zu Hause bin (bezogen auf den Festnetzanschluß) bzw. wann ich das Mobiltelefon benutze bzw. höre.

Mitte Januar legte ich mir insbesondere deshalb, weil mein altes Telekom (!) Modula kein CLIP kann, ein anderes Telefon zu. Seitdem sehe ich auch auf dem Festnetzanschluß die eingehenden Nummern und sehe auch, wenn ich einen Anruf verpaßt habe und von welcher Nummer und wann der reinkam.

Interessant ist die Reaktion der Telekom auf Twitter:

Das sieht also so aus, daß die Telekom ihre Forderungen an die EOS SAF verkauft und sich dann einen Dreck drum schert, wie die mit den Daten und den Schuldnern umgehen. Das ist schlimm genug, aber man sollte noch mehr wissen:

Die EOS Gruppe wurde 1974 als Deutscher Inkasso-Dienst (DID) gegründet. Aber:

SAF Forderungsmanagement GmbH, gegründet 1995 unter der Federführung der Deutschen Telekom AG gibt es nicht mehr. Aber nicht zu früh freuen, SAF gehört nun zur EOS. Also bleibt alles beim Alten, oder wird sogar noch schlimmer.

schreibt der Schulden-Killer am 4. April 2013. Also: Die Deutsche Telekom hat die Firma SAF gegründet. Passend dazu findet sich in entsprechenden Verzeichnissen der Hinweis, daß EOS SAF seit 2013 eine neue Gesellschafterliste hat. Leider ist diese nur kostenpflichtig zu bekommen. Falls die jemand zufällig parat haben sollte …

Die Änderung in der Firmenstruktur 2013 paßt zur Änderung des, sagen wir, Eintreibe-Verhaltens ab 2014.

Der EOS-Konzern bekam von SAF den gesamten Datenbestand von Schuldnern. Auch von solchen, die offensichtlich gar keine waren, und gegen diese wurde genauso aggressiv vorgegangen. Beide, Seiler/SAF wie auch EOS SAF, versuchten, auch angebliche Forderungen einzutreiben, die überhaupt nicht existierten:

Nun, darauf, daß die Schuld nur erfunden sei, kann ich mich nicht berufen (abgesehen davon, daß es ja nicht wirklich meine Schuld ist, aber die Telekom ist offensichtlich nicht auf den Gedanken gekommen, das faschistische Repressionsamt gesamtschuldnerisch mit zu verklagen; wenn ein Repressionsamt keinen Bock hat, sind Schulden allein das Problem des Sitzengelassenen).

Was aber bleibt, ist die seit 2014 bekannte Methode des Eintreibens durch Telefonterror.

Achja, seit ein paar Tagen kamen keine Anrufe mehr. Dafür jetzt ein Brief, der mir den gewünschten Ratenzahlungsvertrag quasi einseitig aufpressen will: Ich soll monatlich, ohne daß ich rechtlich dazu verpflichtet bin, 29,10 € abdrücken, ansonsten wolle man mein Konto pfänden. Die Schuld soll angeblich bei 970,19 € liegen, was ganz bestimmt nichts mit den Kosten für die vielen sinnlosen Briefe und den fortgesetzten Telefonterror zu tun hat: Die ursprüngliche „Schuld“ beläuft sich nämlich auf ca. 250,00 bis 300,00 € (monatliche Gebühr von ich meine 24,90 € für 8 oder 9 Monate). Durch überwiegend bekanntermaßen überflüssige Beitreibungsmaßnahmen wurde die ursprüngliche Schuld also mal eben locker verdreifacht.

Das müssen sie wohl auch so machen, weil sie die Schulden für 20 % ihres Wertes von der Telekom aufkaufen; den Rest schreibt die Telekom ab (und senkt damit so nebenbei ihre Steuerlast). Dann setzt EOS SAF übermäßig hohe Gebühren an und bietet den Schuldnern dann „großzügig“ erstmal Zahlungen unterhalb der neu berechneten Gesamtschuld an (die immer noch oberhalb des ursprünglichen Schuldbetrages liegen). Zieht das nicht, gibt's Briefe und Telefonterror, und schließlich offenbar dann doch die Kontopfändung. Bei letzterer sollten sie eigentlich wissen, daß sie Sozialleistungen gar nicht zu pfänden haben, aber das juckt nicht, man kann's ja mal versuchen.

Achja, nicht zu vergessen: Gruß ans faschistische Repressionsamt, noch 15 Jahre nach Euren unsanktionierten Straftaten Unterschlagung und unterlassene Hilfeleistung erzeugt Ihr Nachwirkungen. Könnt Ihr mal wieder ganz doll stolz auf Euch sein.

Flattr this!

05.03.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #306

Zunächst der Hinweis zu den leider unvermeidlichen Besorgte Nachrichten, KW 9/2017 bei den Besorgten Bürgern …

Armut

Autismus

Behinderung / Inklusion

Freie Software

Hartz IV & Co.

Impfgegner

IT-Sicherheit

Polizei

Telefonspam

Terrorismus

Tierquälerei

Türkei

Überwachung

Wissenschaft

Twitter-Weisheiten

Und sonst so?

Flattr this!

26.02.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #305

Die wöchentliche Presseschau über Rechtsextremismus, rechte Parteien, rechte Gewalt und den Kampf dagegen gibt es wie üblich bei den Besorgten Bürgern: Besorgte Nachrichten, KW 8/2017.

Autismus

Behinderung / Inklusion

Datenschutz

Demokratie

Hartz IV & Co.

Homöopathie

IT-Sicherheit

LGBTIQ

Polizeigewalt

Qualitätsjournalismus

Rape Culture

Tierquälerei

Überwachung

Flattr this!

21.02.2017

Frosch - Let’s Encrypt!, nginx und WordPress

Es ist wirklich schade, daß CAcert mit seiner Assurance-Policy es immer noch nicht geschafft hat, in die CA-Listen der großen Browser zu kommen. Ich benutze die Zertifikate von dort immer noch – zum Beispiel in meinem Mailserver, wo nur wenige User mit draufhängen, denen ich noch problemlos einzeln erklären kann, warum ihre Software vielleicht anfangs wegen des Zertifikats meckert. Aber für Websites usw. ist es so halt nicht wirklich brauchbar.

„Wir Nerds“ wissen, wo man das passende Root-Certifikat runterziehen kann, aber der Durchschnittsbenutzer wird das eher nicht wissen. Er sieht nur von seinem Browser den Hinweis, daß da Pöhse Dinge™ passieren könnten, wenn er weitermacht, und wird sich dann eher eine andere Informationsquelle suchen. Daher habe ich mich dann letztendlich doch für LetsEncrypt! entschieden, um allgemein alle Websites auch mit ordentlichem https anbieten zu können.

Allerdings stellte sich heraus, daß das im Zusammenhang mit nginx nicht so einfach ist wie mit apache2, und daß der Certbot, den man sich dafür installieren muß, an ein paar Stellen ein wenig pingelig ist.

Zunächst kann man genauso anfangen, wie das auf Let's Encrypt! Getting Started beschrieben wird. Da hier ein Debian Jessie läuft, konnte ich ganz einfach den Certbot aus den Debian-Quellen heraus installieren. Dabei ist es nicht ganz unwichtig, die Installation tatsächlich so anzustoßen, wie es dort steht. Nach dem Eintrag der Backports-Quelle in die sources.list muß die Installation mit

:~$ apt-get install certbot -t jessie-backports

durchgeführt werden. Läßt man den Teil ab -t weg, meckert apt wegen nicht erfüllbarer Abhängigkeiten. (Nein, mir ist es nicht passiert. Ich hab's nur mitbekommen.)

Der Certbot zieht dann noch ein bißchen Python-Zeugs nach, und dann kann er so benutzt werden, wie dort beschrieben. Allerdings nur bis vor den Punkt, an welchem der Certbot eine Site authentifizieren soll. Hier ist dann, wenn die Site nicht nur eine einfache statische Website ist, noch ein Extra-Schritt nötig, denn der Certbot legt ein Unterverzeichnis namens .well-known in das Document Root der Website und schreibt da eine temporäre Datei rein, die er dann vom Checkbot von Lets Encrypt! überprüfen läßt.

Ist das Verzeichnis standardmäßig für WordPress konfiguriert, dann wird der Checkbot hier auf einen Statuscode 403 (Permission denied) stoßen. Das gleiche könnte auch bei anderen Webanwendungen passieren. Das Problem ist, daß der Verzeichnisname mit einem Punkt anfängt, was ja bekanntermaßen für ein verstecktes Verzeichnis steht.

Deshalb muß in die Konfigurationsdatei für die Site ein zusätzlicher Block Anweisungen eingetragen werden:

Datei: /etc/nginx/sites-available/$vhost (wobei $vhost für die Datei steht, welche die Site mit dem WordPress konfiguriert):

# This location block is for the LetsEncrypt authentication.

location ^~ /.well-known {

   root /srv/$wp-directory;

   autoindex off;

   index index.html;

   try_files $uri $uri/ =404;

}

(Geklaut von rowanthorpe auf Github und etwas modifiziert.) $wp-directory steht für das Verzeichnis mit der WordPress-Installation.

Diese Anweisung darf auch nicht einfach irgendwo hin, sondern muß unbedingt vor den primären Location-Block, der auf / zeigt. Wenn man diesen Block für den Checkbot weiter unten einfügt, geht's nicht. BTDT.

Erst wenn diese Ergänzung eingetragen und service nginx reload (hoffentlich) erfolgreich ausgeführt wurde, kann der Certbot damit beauftragt werden, ein Zertifikat anzufordern:

:~$ certbot certonly --webroot -w /srv/$wp-directory -d $domain

Damit das Zertifikat ab sofort auch genutzt werden kann, müssen wir jetzt ein zweites Mal in die VHost-Konfiguration. Einfach den Server-Teil für http nochmal nach darunter kopieren (falls es da bereits einen https-Teil gibt, besser löschen und die Kopie des http-Teils nehmen, damit es nicht versehentlich zu Differenzen kommt). Nach der öffnenden geschweiften Klammer kommt dann erstmal noch eine Zeile, die den Port festlegt:

listen 443;

Dann wird zusätzlich nach der Zeile include global/restrictions.conf; folgendes eingefügt:

ssl on;

ssl_certificate /etc/letsencrypt/live/$domain/cert.pem;

ssl_certificate_key /etc/letsencrypt/live/$domain/privkey.pem;

ssl_session_timeout 5m;

ssl_protocols SSLv3 TLSv1;

ssl_ciphers ALL:!ADH:!EXPORT56:RC4+RSA:+HIGH:+MEDIUM:+LOW:+SSLv3:+EXP;

ssl_prefer_server_ciphers on;

$domain muß natürlich durch den Domainnamen (nicht Verzeichnisnamen!) ersetzt werden.

Jetzt nochmal ein service nginx reload, und dann gilt der kürzeste Computerwitz aller Zeiten: Müßte laufen 😉


[Update 2017-02-22 16:35]

Die Let's Encrypt! Certs gelten nur 90 Tage. Damit sie weiterlaufen, müssen sie entsprechend regelmäßig erneuert werden. Praktischerweise kann man das einem Cronjob überlassen: einfach als root crontab -e aufrufen und da eintragen:

00 03 * * * /usr/bin/certbot renew --post-hook "service nginx reload"

Die Uhrzeit ist natürlich nur ein Beispiel, aber morgens um drei finde ich 'ne gute Zeit.

Der Certbot überprüft dann alle installierten Zertifikate auf ihre Gültigkeit und erneuert sie bei Bedarf. Der Webserver muß dabei seine Konfiguration nur neu starten, wenn es notwendig ist. Liegen also keine neuen Zertifikate an, dann gibt es auch keinen reload.

[/Update]

Flattr this!

19.02.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #304

Ey, kann das mal so langsam mal aufhören mit diesen Nazis? Mann mann mann … Besorgte Nachrichten, KW 7/2017 *seufz*

Autismus

Behinderung / Inklusion

Bundespräsidentenwahl

Freie Software

Hartz IV & Co.

Homöopathie

Impfgegner

Islam

LGBTIQ

Polizei

Rape Culture

Rente

Tierquälerei

Twitter-Weisheiten

Überwachung

Und sonst so?

Ganz zum Schluß

Und mein Lacher der Woche vom 18. Februar aus dem IRC:

15:42 <ramses> Yep. Scots leitet sich m. W. aus dem Mittelenglischen ab und dürfte so geblieben sein.
15:43 <Atari-Frosch> Ahja. Also Mittelenglisch mit gälischen Einschlägen.
15:44 <Atari-Frosch> Das Verhältnis ist also ähnlich wie Schwizerdütsch zu unserem Hochdeutsch.
15:44 <Atari-Frosch> Da wurde auch eine Lautverschiebung nicht mitgemacht, hat mir XTaran zumindest mal erklärt.
15:45 <ramses> Wahrscgeubkovj
15:45 <ramses> äh, da hab ich ein bisschen zu viele Laute verschoben.

Flattr this!

16.02.2017

Frosch - Patsch!

Man darf Polizisten ja eigentlich nicht schlagen. Aber die Polizei Berlin scheint es gerade darauf anzulegen:

In diesen Tweet …

… ist ein kurzes (7 Sekunden) Video eingebettet, in welchem gezeigt wird, wie ein Berliner Polizeischüler einem Reisenden in einem Bahnhof von hinten einen Aufkleber, ein „Klebchen“, auf die umgehängte Reisetasche klebt. Ein Stück weiter wurden diese Reisenden dann wohl angesprochen, daß ein Taschendieb sie hätte bestehlen können. Das klingt mir sehr nach „gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht“, denn:

Und auch ein anderer Twitterer merkte an, daß das ungesunde Folgen für den Polizisten haben könnte:

Und wir wären im Recht! Denn wenn ich aufgrund eines höchstwahrscheinlich rechtswidrigen Vorgehens gegen mich oder mein Eigentum in meinem Augenwinkel zuschlage, um das rechtswidrige Vorgehen zu stoppen, kann ich nicht erkennen, ob die Person eine Uniform trägt. Und ganz ehrlich, das ist mir in dem Moment auch völlig egal. Wer sich unerlaubt am Eigentum Anderer zu schaffen macht, muß damit rechnen, daß dieser sich zur Wehr setzt. Auch wenn ersterer eine Polizei-Uniform trägt.

Mit der Bewegungsfolge: Abrupt stehenbleiben, Hand zur Faust, Arm ausstrecken und kräftig nach hinten schlagen treffe ich die Person mit recht hoher Wahrscheinlichkeit im Kopf- oder Brustbereich (je nach Körpergröße und -haltung der Person). Nun bin ich nicht kräftig genug, um bei so einem ungezielten Schlag ernsthaften Schaden anzurichten (von einer wegfliegenden und dabei zerbrechenden Brille mitsamt verbeultem Nasenbein vielleicht mal abgesehen). Wenn ein kräftigerer Mensch dasselbe macht, könnte es aber glatt passieren, daß die Damen und Herren Polizeischüler hinterher einen Notarzt brauchen.

Die Polizei Berlin dürfte dann keinerlei Chance haben, mit „Körperverletzung“ oder „Widerstand“ durchzukommen. Wer sich verhält wie ein Taschendieb, muß damit rechnen, genauso „behandelt“ zu werden. Wenn sowas im Rahmen dieser Aktion nicht passiert ist, dann haben die Polizeischüler schlicht Glück gehabt. Trotzdem wurden sie von ihren Ausbildern offensichtlich einer unnötigen Gefahr ausgesetzt. Die Aufklärung über Taschendiebstahl ist es sicher nicht wert, sich von derart überraschten Reisenden verprügeln zu lassen.

Und nur ganz nebenbei stellte Alex richtig fest:

Ob Polizisten es wohl gern sehen würden, wenn ihnen beliebige Leute Aufkleber auf ihre Taschen klebten und sie dann die Klebereste runterkratzen müßten? In der letzten Sekunde des Videos ist zu sehen, daß die Tasche, die da beklebt wird, eine relativ glatte Oberfläche hat, auf der der Aufkleber sicher gut hält. Das heißt, den da runterzukratzen, könnte etwas aufwendiger werden. Aber die Polizei Berlin hat ja sicher genug Geld, um den Aufwand zu bezahlen …

Flattr this!

14.02.2017

Frosch - Webseiten-Renovierung

Gestern habe ich endlich mal meine statische Website und dieses Blog hier „renoviert“. Die nüchtern-weißen Seiten mit den harten grünen und blauen Linien gefielen mir schon länger nicht mehr. Jetzt gefällt es mir wesentlich besser. Wie findet Ihr das neue Design?

Ich baue ja recht selten Webseiten, aber wenn, dann gestalte ich das HTML so, daß ich in den meisten Fällen einer Design-Änderung nur das zentrale CSS anfassen muß. Das hätte diesmal auch fast geklappt, wenn …

… ja, wenn ich dem <img>-Tag, also dem, mit welchem man Bilder einbindet, eine bestimmte CSS-Deklaration hätte mitgeben können. Aber das wollte nicht funktionieren. Und es ging ausgerechnet um das Logo, also eine Datei, die auf wirklich jeder Einzelseite eingebunden wird. Hier beim Blog ist das ja kein Problem, weil das Theme (das Design) zentral liegt, während die Daten bei Aufruf jeweils aus der Datenbank dazugeklebt werden, aber bei der statischen Site war das dann doch etwas aufwendiger, denn ich mußte an der Stelle ein zusätzliches <div> einfügen. In. Jede. Einzelne. HTML-Datei. Ja, meine statische Site ist schon recht umfangreich.

Also bändigte ich mal wieder die Würgeschlange (wie Alex das gerne ausdrückt) und scriptete mir die Umsetzung. Erfahrungsgemäß ist es nämlich die Arbeit einer Woche, Änderungen in alle HTML-Dateien der statischen Website einzupfriemeln. Dann lieber ein Python-Script basteln. Das hatte den Vorteil, daß ich direkt noch weitere systematische Änderungen vornehmen konnte, insbesondere am Seitenfuß. Zudem ersetzte ich einige HTML-Entities durch die entsprechenden UTF8-Zeichen. Das sollte ja heutzutage kein Problem mehr sein.

Es dauerte zwar ein paar Stunden und Testläufe (und die üblichen „wah, bin ich doof!“-Momente durften natürlich auch nicht fehlen), aber schließlich kam das raus, was ich haben wollte. Trotzdem ging ich danach noch stichprobenartig durch die Einzeldateien – man weiß ja nie.

Nachdem das erledigt war, wollte ich dasselbe Design auch fürs Blog haben. Da, so dachte ich mir, müßte es einfacher sein, weil ja, wie gesagt, das HTML durch die PHP-Dateien des Themes jeweils neu erzeugt wird und ich die gewünschten Änderungen daher nur an jeweils einer Stelle machen muß. Auf der anderen Seite arbeitete ich damit quasi im Produktivsystem, denn ich habe hier derzeit lokal kein WordPress installiert, mit dem ich herumspielen könnte.

Im Blog mußte ich, vom jetzt neuen CSS der statischen Website ausgehend, teils margins und paddings (Abstände eines Elements nach innen und außen) noch ein wenig anpassen. Außerdem habe ich im Blog oben ein zusätzliches kleines Menü mit eigenem Aussehen („zur Website | Impressum“), dafür stehen keine Zeitstempel im Fuß. So nebenbei kopierte ich mir die Links zum Weiter- bzw. Zurückblättern (auf den jeweils nächsten bzw. vorherigen Artikel) nochmal nach unten, weil es mich selbst schon öfters gestört hatte, daß die nur über dem Artikelanfang zu finden waren.

Dadurch, daß die Linien wegfielen und die Bereiche jetzt durch unterschiedliche Farben bzw. Farbtöne voneinander abgegrenzt werden, mußte ich auch deren Zusammenspiel in der Breite ein wenig anpassen. Der Contentbereich wurde dadurch minimal schmaler. (Wer sich an die alte Version erinnert: Die Sidebar hing bewußt ein Stückchen in den Content-Bereich, das ist jetzt weg, weil das mit dem neuen Design ein wenig unübersichtlich wurde.)

Als ich fast fertig war, bekam ich von Alex die Rückmeldung, daß sein mobiler Browser das Logo bei den Einzelartikeln zwar laden, aber nicht wie vorgesehen in einem weißen Kreis darstellen, sondern es ganz oben in die linke Ecke setzen würde. Ohne Kreis. Mir war das teilweise auch in meinen Desktop-Browsern aufgefallen, außerdem wurde dann der Kopfbereich insgesamt deutlich „länger“ dargestellt, als er sein sollte. Da hatte ich jedoch schnell festgestellt, daß ich erst nochmal einen expliziten Reload durchführen mußte, damit der Kopfbereich korrekt dargestellt wird. Zu dieser Zeit vermutete ich allerdings noch das Browser-Caching als (alleinige) Ursache.

Inzwischen hatte ich noch die Links zum Weiter- bzw. Zurückblättern oben über dem Artikel gelöscht und ließ sie nur noch unten stehen. Damit löste ich das Problem, daß auf Artikelseiten und auf der Startseite jeweils ein unterschiedlicher Abstand zwischen Content-Bereich und Kopfbereich dargestellt wurde. Das allein hätte noch nicht gestört, wenn dann die Sidebar daneben nicht ein Stück tiefer gehangen hätte als der Content-Bereich. Das sah ein wenig … unprofessionell aus.

Das von Alex gemeldete Problem mit dem verschobenen Logo ohne Kreis auf seinen diversen (!) mobilen Browsern blieb. Dabei vermute ich außerdem, daß ein Teil dieser Browser mein Blog noch nie im Cache gehabt hatte. Also auch nicht die alte Version. (Es sei denn, auf Smartphones teilen sich mehrere installierte Browser einen Cache, und das glaube ich jetzt nicht so wirklich.)

Spät nachts, ich war eigentlich schon so halb im Bett, schaute ich mir das nochmal mit meinem eigenen Smartphone an (Android 5, „hauseigener“ Browser). Und tatsächlich: Das Logo hing auf den Einzelartikel-Seiten links oben am Canvas-Rand, der Kopfbereich war viel höher als vorgesehen, und der weiße Kreis um das Logo fehlte. Auf der Startseite stimmte alles. Außerdem fiel mir auf den Artikelseiten auf, daß die Links zum Weiter- und Zurückblättern oben standen, und zwar nur oben. So, als hätte WordPress hier einen meiner Zwischenstände herausgegeben statt der aktuellen Version. Oder nur das geänderte CSS, aber nicht die entsprechend geänderten HTML-Daten.

Damit wurde mir klar, daß das Problem nicht (nur) an den mobilen Browsern liegen kann, denn mit dem Smartphone-Browser war ich nicht auf den Zwischenständen gewesen, sondern nur vorher auf der alten und jetzt auf der komplett neuen Version. Was ich da aber zu sehen bekam, war definitiv ein Zwischenstand – sonst wären die Links zum Weiterblättern nicht oben gestanden.

Ein expliziter Reload brachte mir dann übrigens die aktuelle Version.

Also nochmal: Mein Smartphone-Browser „kannte“ keinen der Zwischenstände (hatte also keinen davon im Cache), zeigte mir aber trotzdem einen solchen an. Daraus schließe ich, daß WordPress einen Zwischenstand auslieferte, obwohl ich das Theme seitdem noch ein paarmal geändert hatte. Das galt allerdings wiederum nicht für die Blog-Startseite, denn die wurde sofort richtig dargestellt.

Daraus schließe ich wiederum:

  1. WordPress kann vermutlich unterscheiden, ob es einen mobilen oder einen Desktop-Browser bedient. So weit, so gut, und für sich genommen keine schlechte Sache.
  2. WordPress bzw. PHP cached offenbar für mobile und Desktop-Browser unterschiedliche Versionen der Scripte (und die Teile des Themes sind ja PHP-Scripte) und liefert unter Umständen entsprechend unterschiedliche Versionen aus.
  3. Dabei achtet der Cache für die Bedienung mobiler Browser offenbar nicht so sehr darauf, ob sich an den Originalen was geändert hat, (eventuell) insbesondere dann, wenn es relativ schnell mehrfach hintereinander Änderungen gibt, was dazu führen kann, daß veraltete Versionen ausgeliefert werden.

Man könnte noch vermuten, daß die Browser noch das alte HTML im Cache hatten und das mit dem neuen CSS zusammen darstellen wollten. Dem widerspricht allerdings, daß ein Teil der mobilen Browser die Seiten eben nicht vorher im Cache gehabt hatten. Also, gar nicht, in gar keiner Variante.

Zugegeben, das sind mehr so Spekulationen. Ich kenne das Innenleben von WordPress nicht gut genug, um wirklich zu wissen, was da ablief. Aber so richtig in Ordnung ist das für mich nicht. Auch die mobilen Browser müßten sofort die geänderten Versionen bekommen, und zwar sowohl in HTML (also aus PHP heraus) als auch vom CSS her.

Aber für mich ergibt sich die Erkenntnis: Wenn man in WordPress ein Theme ändert, muß man beim Testen mit mobilen Browsern wohl besonders aufpassen und lieber mindestens einmal explizit auf Reload gehen, bevor man dem glaubt, was man zu sehen bekommt. Denn sonst testet man sich zu Tode, wenn alte Versionen angezeigt bzw. alte und neue Daten gemixt werden.

Flattr this!

13.02.2017

Chaosdorf e.V. - x86 Assembly-Workshop am 20.02.2017 ab 18:00

(English version below)

Assemblersprache ist eine der grundlegendsten Arten, einen Computer zu programmieren. Heutzutage werden zwar kaum noch ganze Projekte in Assembler geschrieben, bei hochoptimierten Anwendungen, der Betriebssystementwicklung und insbesondere im Bereich des Reverse Engineering ist sie aber nach wie vor vertreten.

Ziel des Workshops ist, die grundlegende Architektur von Intel/x86 kennenzulernen und einige der häufigsten Assembler-Anweisungen zu verstehen.

Der Workshop findet statt am Montag, 20.02.2017 ab 18:00 und wird auf Englisch gehalten. Bei Interesse bitten wir um Anmeldung im Wiki (ein Account ist dazu nicht erforderlich). Die Teilnahme ist selbstverständlich kostenfrei.


Assembly is one of the most low-level programming languages available. While entire projectcs coded in assembly are rare to come by these days, it’s still relevant for highly optimized code, operating system development and reverse engineering.

In this workshop, we’ll look into the low level Intel/x86 architecture and talk about the x86 Assembly language. At the end of the day, each participant should understand the most common assembly instructions.

If you are interested, please register in our Wiki (an account is not required). The workshop will take place on Monday, Feb 20th, starting at 18:00.

12.02.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #303

Wehrhahn-Anschlag, NSU, rechte Parteien, rechte Gewalt, Hakenkreuze, aber auch klare Kante zu „#keinfußbreit“ bei den Besorgten Bürgern in den Besorgten Nachrichten, KW 6/2017 (ja, das Datum scheint nicht zu passen; ich hatte den Artikel versehentlich schon am 6. veröffentlicht und dann wieder in die Entwürfe zurückgestellt, dabei hat WordPress das Datum der ersten Veröffentlichung beibehalten. Egal.)

Autismus

Beschneidung

Demokratie

Edward Snowden

Hartz IV & Co.

https://twitter.com/IngeHannemann/status/829016808615243776

Heimkinder

IT-Sicherheit

Panama-Papers

Polizei

Überwachung / VDS

USA

Und sonst so?

Ganz zum Schluß

https://twitter.com/forschungstorte/status/828961888885157889

Flattr this!

08.02.2017

Frosch - Nächtlicher Brillen-Hack

Das Folgende ist nicht von mir, sondern wurde gerade in einem IRC-Channel berichtet. Ich darf zitieren, aber nicht den Urheber nennen 😉

Gegeben waren eine Brille, bei der ein Brillenglas rausgefallen war, der dazugehörige brillentragende (und diese auch wirklich benötigende) Mensch, der derzeit zu erkältet ist, um morgen einfach mal zum Optiker zu gehen, und eine Weinflasche.

<xxx> Fällt mir das Brillenglas raus.
<xxx> Lässt sich nicht mehr reinklemmen.
<xxx> Warum?!?!
<xxx> Ohne Brille super zu sehen
  * xxx tippg grad mehr oder weniger blid.
<xxx> Is die Schraube am Gelenk raus.
<xxx> Wie krieg ich die wieder rein ohne Birlle?!
<xxx> UND QLLEW WERKZEUG SCHON IM bÜRO. sUPER!
<xxx> Lupe auch schon im Büro. Wird immer besser.
<xxx> Ha! Bin ja doch nen Hacker! 🙂
<xxx> Nun soll man sowas ja dokumentieren!
<xxx> Gegeben sei folgende Situation: Dir fällt das Brillenglas raus, weil sich die Gelenkschraube ausreichend gelockert hat. Sie ist aber noch nicht weg.
<xxx> Du kannst es mehr fühlen, als das Du es siehst.
<xxx> Gehe wie folgt vor:
<xxx> 1. Keine Panik
<xxx> 2. Mal kurz und kräftig erbärmlich fluchen, gerne auch im IRC-Channel Deines geringsten Misstrauens.
<xxx> 3. Mehr Licht!
<xxx> 4. Noch mehr Licht!
<xxx> 5. Wiederhole 3 - 4, bis Du den Schlitz der Schraube erkennen kannst.
<xxx> Davon ausgehend, dass Du eine Weinflasche mit Schraubverschluss im Haus hast, entferne selbigen Verschluss.
<xxx> Der untere Teil ist dünn genug, um ihn schmerzfrei passend biegen zu können, aber stabil genug eine solche Schraube bis zu einem gewissen Drehmoment zu drehen.
<xxx> 7. Drehe die Schraube rein.
<xxx> 8. Stelle fest, dass Du die Schraube schon so weit angezogen hast, dass das Brillenglas nicht mehr reingeht.
<xxx> 9. Drehe die Schraube wieder ein wenig raus.
<xxx> 10. Wiederhole 9. bis 8. nicht mehr zutrifft.
<xxx> 11. Setze das Brillenglas ein.
<xxx> 12. Drehe die Schraube fest, bis der Weinverschluss aufgibt.
<xxx> 13. Setze die Brille auf und freue Dich Deines Lebens. Ne geöffnete Flasche steht - hei, wie praktisch! - direkt daneben.
<xxx> So.
<xxx> Das muss für heute reichen. Prost!

Also, falls mal jemandem das Brillenglas rausfallen sollte und kein passender Schraubendreher parat ist … 😉

Flattr this!

06.02.2017

Frosch - Die Würde des Menschen

Svenja Eck schrieb gestern auf Twitter: Eine Bamf-Entscheiderin im Interview mit dem @neon_mag. Ich lass das Mal so stehen. #Asyl

Dazu ein Foto mit einem Textauszug:

INGA ZEMPEL: „Ich denke nicht, dass ich über das Schicksal von jemandem entscheide. Schicksal ist ein krasser Begriff. Ich entscheide über einen Asylantrag. Natürlich ist der in dem Moment entscheidend für das weitere Leben des Antragstellers. Ich bin aber nur eine Sachbearbeiterin. Asylbewerber haben das Recht, gegen meine Entscheidung vorzugehen.“

Der Widerspruch in sich scheint ihr schonmal nicht aufzufallen: Sie entscheidet angeblich nicht über das Schicksal eines Menschen, aber ihre Entscheidung ist gleichzeitig eine über das weitere Leben des Antragstellers.

Das ist die gleiche Denke wie bei Mitarbeitern der ARGEn; das hatte ich ja schonmal in meinem Artikel Entmenschlichung von vor einem Jahr mit einem Tweet von @carridwen dargelegt, in welchem sie eine Jobcenter-Mitarbeiterin zitierte: „Man lernt das mit der Zeit, Anträge abzulehnen. Sind ja nur Zettel, da sitzen keine Menschen vor Ihnen.“

[Update 2017-02-06 18:05]

[/Update]

Schlimm genug, daß in den Repressionsämtern Leute sitzen, die so denken. Noch schlimmer, daß genauso getrimmte Leute über oft traumatisierte Menschen entscheiden dürfen, die alles hinter sich gelassen haben, weil sie keine andere Chance hatten.

DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR. SIE ZU SCHÜTZEN UND ZU ACHTEN IST VERPFLICHTUNG ALLER STAATLICHEN GEWALT.

Das gilt natürlich genauso für jeden „kleinen“ Angestellten beim BAMF, bei einem ARGE, bei der Arbeitsagentur und bei allen anderen Behörden, welche Ausprägungen dessen sind, was das Grundgesetz einen Sozialstaat nennt.

Anstatt sich nun auf diesen höchsten Grundsatz unseres Staates zu berufen, schonen diese Angestellten ihr Gewissen – mit dem persönlichen Nutzen, den eigenen Arsch im Warmen zu haben – damit, daß sie den Menschen einfach gar nicht mehr sehen (wollen). Es ist nur Papier, oder ein Stapel davon; eine Akte; ein Fall. Was hinter der Papierkante passiert, ist nicht mehr relevant, betrifft sie nicht, dafür sind sie nicht verantwortlich.

Aber VERDAMMT NOCHMAL, um genau sowas, nämlich die Entmenschlichung von Individuen oder Gruppen zu verhindern, wurde Art. 1 des Grundgesetzes geschrieben! Aus der Erfahrung heraus, daß eine solche Entmenschlichung eines der Anfangsszenarien ist, die uns schon einmal in den Faschismus gebracht haben, und die ich deshalb ebenfalls bereits als faschistisch bezeichne.

Wenn das im regulären Betrieb (von Teilen) der Verwaltung keine Bedeutung mehr hat und ein solches menschenverachtendes Verhalten vom Gesetzgeber auch noch gefördert wird: Ist das Grundgesetz dann noch mehr wert als eine Rolle Klopapier?

Denn wenn das Grundgesetz innerhalb seines Einflußbereichs auch nur für einen einzigen Menschen (als eigentlich „Berechtigtem“) keine Bedeutung mehr hat, dann hat es für niemanden mehr eine Bedeutung, denn dann können sowohl Regierung und Parlamente als auch jeder einzelne Angestellte des Staates oder eines Bundeslandes beliebig darüber entscheiden, wer als nächstes herauszufallen hat.

Wehret den Anfängen, sagte unsere Elterngeneration. Es hat längst schon wieder begonnen.

Die größten Verbrechen der Menschheit kamen nicht deshalb zustande, weil einzelne Menschen die Befehle gaben, sondern weil so viele Menschen gedanken- und gewissenlos gehorchten. Und ja, oft auch aus Bequemlichkeit. „Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!“ (Günter Eich) – mit persönlicher Bequemlichkeit landen wir wieder in der Vergangenheit, die viele doch so gern lieber vergessen würden. Und mit der Menschenwürde fängt es an.

Flattr this!

05.02.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #302

Besorgte Nachrichten, KW 5/2017 bei den Besorgten Bürgern haben diesmal unter anderem und neben dem üblichen rechten Zeugs, das keiner will, eine Presseschau zum sogenannten Wehrhahn-Anschlag hier in Düsseldorf, nachdem am 1. Februar überraschend ein Beschuldigter festgenommen wurde – nach über 16 Jahren. Und jetzt wird drüber gestritten, ob er in ein Netzwerk eingebunden oder ein „verwirrter Waffennarr“ gewesen sein soll.

Autismus

Behinderung / Inklusion

Datenschutz

Demokratie

Hartz IV & Co.

IT-Sicherheit

LGBTIQ

Polizei

Schule

Tierquälerei

Überwachung

Zensur

Ganz zum Schluß

Flattr this!

01.02.2017

Frosch - Autofahrer-Frechheit

Biene (München) berichtete vorhin auf GNUsocial von einem Vorfall, der mir mal wieder den Mund offen stehen ließ. Ich zitiere das hier ohne Links, denn auf GNUsocial bleiben Einträge nicht ewig stehen, sondern werden nach einiger Zeit aus der Datenbank gelöscht, so daß die Links danach ins Leere gehen.

Ha! Heute habe ich gegen einen Autofahrer gewonnen, der mir auf dem Radweg (!!!) entgegen kam \o/. Ich war schonmal in ner ähnlichen Situation, da wär ich beinahe verprügelt worden.

Daß Autofahrer auf Radwegen parken, ist ja leider nichts Neues. Auf dem Gehsteig hab ich hier in Düsseldorf an der Kreuzung Helmholtz-/Hüttenstraße auch schon einen herumfahren sehen – und mußte mich dumm anmachen lassen, als ich den Fahrer bat, auf die Fahrbahn zu fahren. Aber Bienes Erlebnis schlägt echt alles:

Hehe, nö, ich habe passiven Widerstand geleistet. Ich bin einfach auf dem Radweg stehen geblieben, wo er lang wollte, hab mich beschimpfen lassen und ihm gesagt, daß er hier nix zu suchen hat. Er meinte ich soll weggehen, da sagte ich nö. Dann sagte er, dann bleiben wir eben hier stehen, und ich sagte ja, und hab mir erstmal eine Zigarette angezündet. Dann ist er rückwärts doch auf die Staße gefahren, schimpfenderweise. Ich kann schon stur sein, und im Zweifelsfall hab ich mehr Zeit.

Der kam aus einer Ausfahrt und dem war es zu blöd zu warten, bis ihn jemand einfädeln lässt, der wollte wohl über den ganzen Block auf dem Geh_/Radweg zur nächsten Straße fahren, wo es leichter geht. Da müssten Rentnerinnen und Kinderwägen ihm auswichen, das war mir echt ne Nummer zu frech.

Sie hatte wohl kein Handy dabei, sonst hätte sie direkt die Polizei rufen können – aber nach meiner Erfahrung wäre die viel zu spät gekommen, ist ja nix Dringendes, wenn ein Autofahrer Platz beansprucht, auf den er kein Recht hat.

Ich schrieb dazu:

Boah ey 🙁 Aber das kommt bei der ganzen Autogeilheit der Städte und ihrer Ordnungsbehörden raus – Autofahrer meinen, sie hätten schon qua Karre das Recht, alles zu tun, was ihnen das Leben bequemer macht. 🙁

Biene antwortete:

Ja, das ist für die total selbstverständlich. Wenn ich denen auf der Straße mit dem Rad entgegenkommen würde, da wär aber was los. Wahrscheinlich würden die mich zwangseinweisen.

Ich ergänzte dann noch:

Wegen auf der Straße mit dem Rad – ich hatte schon mehrfach auch „laut“ überlegt, was passieren würde, wenn ich mein Fahrrad einfach mal neben einem Radwegparker quer auf die Fahrbahn stellen würde. Während der Doofparker maximal ein „Knöllchen“ bekäme, würde ich vermutlich in Handschellen abgeschleppt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr …

Das kennt man in München offenbar auch:

ja. Und es gibt voll nette Leute, die dringend zum Termin müssen, und auf dem Radweg parken, weil sie einfach keinen Parkplatz finden, und voll normale Leute, die nur schnell beim Pizzaservice reingehen, und so lange auf dem Radweg parken...das ist schon ein strukturelleres Problem als nur ein paar Arschlöcher. Die regelmäßig 7 illegal parkenden Autos auf dem Gehweg vor der Stadtbibliothek sind bestimmt voll nette Mütter und Väter mit voll netten Kindern, die nur schnell ein paar Bücher holen....

@hoergen meinte dazu:

@einebiene auch voll nette Mütter und voll nette Väter mit voll netten Kindern, die "eben nur mal schnell ..." sind Arschlöcher. Regeln gelten nun mal für alle, auch für sonst "voll nette". Und wenn sich diese "voll netten" entscheiden sich arschlochmäßig zu verhalten und meinen Regeln brechen zu müssen, worauf sich alle anderen verlassen, dann sind es eben benamte Arschlöcher. Rote Ampel? Ach, gilt nicht für mich. Zack Tote. Ich empfinde eine Gemeinschaft als solche, die sich gegenseitig achtet und die gemeinsamen Regeln beachtet. Da ist die, hier viel zu oft gebrauchte Bezeichnung, noch sehr milde ausgedrückt.

Biene erklärte:

Solche Gedanken habe ich auch regelmäßig, aber mein Fahrrad ist viel zu teuer, als daß ich riskieren könnte, daß es umgefahren wird.

Und:

Also ich fahre nicht mehr an solchen Situationen vorbei, ohne was zu sagen oder zu machen. Ich hab die Nase total gestrichen voll.

Tja, hier heißt es dann schulterzuckend vom Ordnungsamt, man habe einfach kein Personal, um sich um die Doofparker zu kümmern. Also, offiziell. Stattdessen stellen sich Polizei und Ordnungsamt auch gern mal selbst mit dazu.

Wie es heute auf dem Fürstenplatz aussieht? Na, zugeparkt, natürlich. Und ich bin die doofe Meckertante. Wahlweise auch mal Blockwart.

Nun kann man ja fast drauf warten, daß Autofahrer hier auch den „Trick“ mit „wir fahren halt mal auf dem Gehsteig/Radweg entlang, bis das Einfädeln einfacher ist“ kommen. Immerhin haben sie ja bereits gelernt, daß sie hier quasi alles dürfen. Danke auch, Ordnungsamt und Polizei Düsseldorf.

Flattr this!

30.01.2017

Frosch - Vorhaben für 2017

Na sowas: Ich war noch nicht einmal dazu gekommen, den geplanten Artikel über meine Vorhaben für 2017 zu schreiben – da ist schon fast der Januar rum. Aaaaber jetzt.

Damit verbunden ist auch ein Rückblick darauf, was aus meinen Vorhaben für 2016 geworden ist, denn daraus ergibt sich teilweise, was dieses Jahr (immer noch, wieder, weiterhin) ansteht.

  1. Das erste Vorhaben für 2016, den alten Server abzuräumen, habe ich noch nicht vollständig umgesetzt. Das heißt, ich zahle weiterhin die zusätzlichen 29 € im Monat. Immerhin sind mittlerweile die meisten Dienste auf den „neuen“ (so superneu ist er ja nicht mehr) Server umgezogen. Auch Mail funktioniert – seit Anfang Juli. Aber es fehlen vor allem noch zwei Websites und der IRC-Bouncer. Die stehen damit automatisch auf meiner ToDo für dieses Jahr.
  2. Bei Nerd4U war ich auch nicht weitergekommen, aber das hing ja auch mit all dem anderen Schei* zusammen, der 2016 so passierte. Da hängt es davon ab, wie es dieses Jahr läuft.
  3. Was die Sensorreinigung meiner Canon EOS 350D angeht, hatte ich mir Reinigungsmaterial gekauft und auch angewandt. Aber es steht zu befürchten, daß der Sensor gar nicht mehr gereinigt werden kann; die Batzen verschieben sich zwar, verschwinden aber nicht mehr. Es ist also fast unmöglich, mit dieser Kamera noch Fotos zu produzieren, die verkaufsfähig sind. 🙁 Von einer neuen kann ich ja nur träumen … – und die Sache mit den Fotoreisen kann ich damit auch erstmal vergessen.
  4. Generell habe ich in den letzten Monaten kaum noch fotografiert, was mir schon so ein bißchen fehlt. Aber ich war nicht viel unterwegs, was auch einer Infektion zu „verdanken“ ist – seit November schleppe ich eine Luftröhrengeschichte mit mir rum, die erfahrungsgemäß erst wirklich abklingen wird, wenn es wieder wärmer wird.
  5. Das Vorhaben, an Schulen zu gehen und dort über Autismus zu referieren, habe ich ganz verworfen. Das überlasse ich dann doch mal anderen, die auch besser vor Menschen reden können.
  6. Abgenommen habe ich auch nicht, dazu brauche ich wirklich mehr Freiraum. Im Moment ist es eher so, daß alles, was mit Essen zu tun hat, für mich eher ein Störfaktor ist. Das Vorhaben, Gewicht zu verlieren, steht aber durchaus noch im Raum.
  7. Im Sommer neu dazugekommen ist das Vorhaben, umzuziehen. Da bleibe ich dran. Ich will weiterhin nach Mecklenburg-Vorpommern, an die oder in die Nähe der Ostsee, und primär habe ich Greifswald im Auge – einfach, weil ich da schonmal war und es mir außerordentlich gut gefallen hatte.
  8. Damit im Zusammenhang steht auch, bald wieder Zeug auf eBay zu verkaufen. Das mußte ich ja im November erstmal einstellen, weil es mir sehr schlecht ging. Ich hoffe, daß ich damit bald wieder anfangen kann.

Kein Vorhaben, aber eine Feststellung: Ich habe seit Monaten keine Depressionen mehr verspürt, wenn auch durchaus Burnout-Schübe, und die waren teils schon recht heftig. Aber eben ohne eigentliche Depressionssymptome. Auf die würde ich gern auch weiterhin verzichten, aber als Vorhaben kann man das schlecht bezeichnen, denn das kann ich ja nun wirklich nicht beeinflussen.

Meine Rechtsstreitigkeiten gegen ARGE und faschistisches Repressionsamt laufen noch, werden aber wohl zusammengelegt und hoffentlich bald entschieden werden. Dann ist es vermutlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich das ARGE – das dann mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zuständig sein wird – sich neue Methoden zu meiner Existenzvernichtung ausdenken wird. Oder sie bleiben einfach bei den alten, die haben sich ja schonmal bewährt …

Schaumermal.

Flattr this!

Frosch - Sprengt die Vorurteile!

Via Twitter wurde ich darauf aufmerksam, daß die Betreiberin von Wheelies Bloggeblubber zu einer Blogparade: Sprengt die Vorurteile! aufgerufen hat. Es heißt dort:

Was sind für euch Vorurteile? Wurdet ihr damit schon selbst konfrontiert? Wenn ja, wie geht ihr damit um?

Wurde ich schon mit Vorurteilen konfrontiert? You bet. Wie ich damit jeweils umgehen kann, hängt von der Situation ab. Von denjenigen, welche die Vorurteile äußern und davon, wie und in welcher Form sie geäußert werden. Und natürlich davon, ob mich das Vorhandensein bzw. die Äußerung von Vorurteilen direkt in Schwierigkeiten bringt.

Zunächst: Es geht in diesem Artikel ausschließlich um negative Vorurteile. Positive Vorurteile haben zwar unter Umständen auch negative Wirkungen, aber um die soll es hier nicht gehen.

Was sind für mich Vorurteile? Ich nehme das wörtlich (wie sich das für Autisten gehört ;-)): Ein Vor-Urteil ist eine Einschätzung, die über einen Menschen oder eine Sache getroffen wird, bevor man sich richtig damit befaßt hat. Oft auch, weil man sich damit eigentlich gar nicht befassen will. Damit fließt das Vorurteil auch ein in (zukünftige) Handlungen, Tun oder Unterlassen, im Umgang mit dem Menschen oder der Sache.

Es heißt, Vorurteile hätten ihre Wurzeln in einer Zeit, in der die Vorfahren der Menschen – gerade weil sie im Vergleich mit einigen Tierarten nicht sonderlich wehrhaft waren – in Sekundenschnelle entscheiden mußten, ob etwas, was sie nicht kennen, eine Gefahr darstellen könnte oder nicht, also ob man sich etwas näher ansehen könnte (neugierig sind wir ja auch), oder ob man besser gleich davor wegläuft oder sich versteckt.

Setzt man das als gegeben voraus, dann ist die Sache allerdings schon so ein bißchen aus den Fugen geraten. Heute geht es meist nicht mehr um potentiell tödliche Gefahren. Stattdessen scheint ein Teil der Menschheit der Meinung zu sein, daß jeder Mensch, der irgendwie anders lebt, sich nicht gemäß den eigenen Vorstellungen verhält oder der auch nur anders aussieht (Hautfarbe, Kleidung usw.), eine Gefahr für die eigene Lebensweise darstellt und ganz bestimmt viel mehr von dem, was man kriminelle Energie nennt, hat als man selbst (man selbst hat natürlich gar keine, versteht sich von selbst). Die Eskalation besteht dann darin, diese Menschen zu beschimpfen, zu bedrohen, anzugreifen und zu verjagen. Oder auch mal umzubringen.

Aber es gibt auch eine andere Ebene von Vorurteilen und ihren Wirkungen. Teils im persönlichen Umfeld (Familienmitglieder, Nachbarn), noch mehr aber bei Personen und Organisationen, mit denen man halt so zu tun hat wie Behörden, Ärzten, Politikern. Da scheint sich die Ansicht durchgesetzt zu haben, daß alle sich einheitlich zu verhalten und in einem gewissen Maß zu funktionieren hätten, wobei eine – vermutete oder tatsächliche – Mehrheit bestimmt, wie diese Einheitlichkeit und dieses Funktions-Maß auszusehen haben. „Funktionieren“ meint dabei vor allem die Fähigkeiten, sich grundsätzlich und dauerhaft um bestimmte Alltagsanforderungen kümmern und die eigene Arbeitsleistung gegen Geld verkaufen zu können. Paßt jemand nicht in dieses Anforderungsschema, dann fragen schon viele gar nicht mehr danach, warum.

Wenn es einen „sichtbaren“ Grund gibt, zum Beispiel eine Körperbehinderung, dann wird es vielleicht noch als normal angesehen, bestimmte Dinge nicht tun zu können; ist der Grund aber nicht „sichtbar“ in Form eines Hilfsmittels (Blindenstock, Rollstuhl, Hörgerät etc.), dann hört man oft teils recht aggressiv vorgetragene Vorurteile:

  • „Die will ja bloß nicht, die ist zu faul.“
  • „Die will sich bloß wichtig machen, die sucht Beachtung.“
  • „Die nimmt denen die Beachtung bzw. Leistungen weg, die sie wirklich bräuchten.“
  • „Die müßte nur mal $whatever machen, und weil sie das ablehnt, will sie wohl gar nicht, daß es ihr besser geht.“
  • „Die jammert aus Prinzip, der fehlt eigentlich gar nix.“

Ja, alles schon gehört/gelesen. Teils direkt an mich gerichtet, teils an andere oder an die Gruppen, denen ich (ohne mir das rausgesucht zu haben) angehöre, aber auch an Menschen mit anderen Einschränkungen.

Die Vorurteile und ihre mehr oder weniger häufige Äußerung an sich sind schon schlimm genug. Sie gehen grundsätzlich von einem negativen Menschenbild aus und unterstellen, daß es einen echten Mangel an erwünschten Eigenschaften und Fähigkeiten grundsätzlich nicht gibt, sondern daß es immer um eine Willensentscheidung gehe. Daß ich immer eine Wahl und nur die falsche Entscheidung getroffen hätte.

Du bist nicht wie wir, deshalb bist Du falsch!

Im Fall von Menschen mit dunkler Hautfarbe, nicht-christlicher Religionsangehörigkeit oder mit einfach nur zum Beispiel einem „fremden“ Kleidungsstil heißt das für einen Teil der Gesellschaft: „Die müssen weg!“ Und manche setzen das dann sehr gezielt um – und dann nennen wir es plötzlich Rechtsextremismus, weil die gesellschaftlichen Vorurteile von einem Teil der Leute so ernst genommen werden, daß sie daraus Handlungsanweisungen für sich ableiten. Diese Art von Vorurteilen nennt man auch strukturelle Vorurteile: strukturellen Rassismus, Antiislamismus, Antisemitismus, Haß gegen Menschen „unüblicher“ (was „üblich“ ist, bestimmt die scheinbare Mehrheit) sexueller Ausrichtung, gegen Transmenschen usw.

Im Fall von Menschen mit „unsichtbaren“ Einschränkungen wie zum Beispiel Depressionen oder Autismus dagegen heißt es: „Die müssen einfach nur die richtige Wahl treffen!“ Oder auch mal dazu gezwungen werden, sich „normal“ zu verhalten. Ansonsten … tja, ansonsten darf man sie halt weiterhin mindestens ungestraft beleidigen. Oder bevormunden, je nach Situation („Sie nehmen die Hilfen an, die wir bestimmen, ansonsten kann’s ja nicht so schlimm sein!“ – und da ist auch schon wieder ein Vorurteil drin). Oder auch mal ihre Existenz vernichten, das geht nämlich auch, ohne jemanden mit einer Waffe anzugreifen oder sein Haus anzuzünden.

Anstelle vieler Erfahrungen beschränke ich mich mal auf eine Variante, die mir immer wieder begegnet ist und mir sicher auch weiterhin begegnen wird: „Wenn Sie X können, dann können Sie auch Y!“ Das kommt häufig von Psychiatern, Behördenangestellten, und sogar Richter haben sich schon derartig geäußert. Es kam aber auch schon hier in Blogkommentaren; das ist eine der Sorte Kommentare, die ich mittlerweile schon gar nicht mehr freischalte.

Nein. Einfach nein.

Ich habe den Vergleich schonmal wo gebracht: Es nützt Dir nichts, ein Auto zu besitzen, wenn der Tank leer ist und Du für den Benziner nur Dieselkraftstoff kaufen kannst, weil es (derzeit) einfach kein Benzin gibt oder es so teuer ist, daß Du es nicht bezahlen kannst. Du kannst den Diesel schon einfüllen, aber dann beschwer Dich nicht, wenn der Motor hinterher kaputt ist.

Damit will ich zum Ausdruck bringen, daß unterschiedliche Tätigkeiten, auch wenn sie äußerlich ähnlich erscheinen, für mich unterschiedliche „Energieformen“ oder Ressourcen benötigen. Ich kenne dafür leider keinen akzeptierten Ausdruck, deshalb kann ich es nur beschreiben. Diese Art von Ressourcenproblem kennen offenbar viele Leute nicht oder nicht in diesem Maße, daher gehen sie davon aus, daß andere sie auch nicht haben können.

Ja, ich kann Blogartikel schreiben. Und ich würde gern mehr schreiben, aber oft fehlt mir dafür der richtige „Treibstoff“. Generell gilt: Ich suche mir Zeitpunkt und Thema selbst raus, niemand schreibt mir das vor. Wenn ich auf ein Thema einen Fokus bekomme und die Kapazitäten habe, kann ich dafür Artikel produzieren, sonst eben nicht.

Und ja, ich kann (mittlerweile wieder) arbeiten, wenn auch mit zeitlichen Schwankungen. Aber die Bedingungen, die Arbeitgeber stellen, kann ich nicht erfüllen und umgekehrt wird sich in einer Zeit, in welcher Arbeitnehmer meist sowieso nur Wegwerfware sind, wohl kaum einer meinen speziellen Erfordernissen anpassen. Deshalb ja auch die Selbständigkeit, die das ARGE so gern wieder kaputtmachen würde.

Beim ARGE braucht man halt nur eine Art von Menschen: Die, welche sich in billige Zeitarbeit pressen lassen. Alle anderen werden nicht als Gruppe gesehen, die Unterstützung und/oder einfach nur Zeit braucht, sondern als überflüssige Kostenfaktoren, die man loswerden muß. Je länger sie erwerbslos sind, umso dringlicher. Vorurteile sind da sehr hilfreich, dann braucht man nämlich nicht mehr darüber nachzudenken, ob es vielleicht irgendwie doch nicht in Ordnung sein könnte, jemandem wissentlich und willentlich die Existenzgrundlage wegzunehmen.

Ähja. Wir waren bei dem Vorurteil „Wenn Sie X können, können Sie auch Y!“. Nein. Ich brauche den Fokus, dessen Ausrichtung ich teils gar nicht, teils nur begrenzt bestimmen kann. Eine Motivation. Nein, mich immer wieder auf den Punkt „wenn Sie nicht gehorchen, lassen wir Sie verrecken“ zurückzubringen, ist keine Motivation, das ist eine extreme Demotivation. Das ist der Diesel, der meinen „Benzin-Motor“ nur immer weiter zerstören wird.

„Wir brauchen Hilfe bei $computerproblem“ ist für mich dagegen sehr motivierend. Denn nicht nur kann ich mich (mir und anderen) beweisen und dabei anderen was Gutes tun, ich lerne vor allem auch was Neues dabei – und das wiederum bringt mich weiter. Das habe ich gerade mal wieder außerordentlich deutlich gemerkt, als ein Kunde, der mit unserer Firma Nerd4U einen Wartungsvertrag hat, mit einem Serverproblem ankam. Daß meine Hauptaktivitäten überwiegend nach dem üblichen Büroschluß abliefen, störte dabei niemanden.

Ich arbeitete fünf Tage lang daran, das Problem einzukreisen, weil das keins von der Sorte war, bei der man in den Logfiles nachschaut, dort eine Meldung findet und dann sagt, OK, da muß ich was nachkonfigurieren, dann läuft das wieder. Stattdessen machte ich Messungen und schrieb ein Python-Script, um übersichtlich zu sehen, was wann passiert.

Und auf der anderen Seite blieb wochenlang Papier für eine Behörde liegen. Meine Anwältin und das Sozialgericht drängelten schon.

Die Menschen, die es sich einfach machen, und das sind leider nicht wenige, sehen darin eine dermaßen große Diskrepanz, daß sie mir erklären wollen, ich würde meine Schwierigkeiten nur vortäuschen. Wenn sie das nur so „sehen“, ohne zu hinterfragen, ist das schlimm genug. Aber ich fürchte, daraus werden manche Leute, die mehr oder weniger über meine Existenz bestimmen dürfen, schließen, daß ich auf die Papiere wohl einfach keinen Bock hatte und sie deshalb liegen ließ. Daß ich SCHULD bin. Schuldig, zu sein, was ich bin. Daß ich eine willentliche Entscheidung getroffen hätte, wo es keine Wahl gibt. Und daß es keine Entschuldigung dafür gibt, nicht genauso zu funktionieren wie sie selbst.

Wie gehe ich nun damit um?

Gerade bei diesem Vorurteil, wer X könne, müsse auch Y können, ist der Umgang schwer. Ich komme mir vor wie eine Platte mit Sprung, was in den Augen der Verurteilenden wiederum den Eindruck von Sturheit erweckt. Von mir wird erwartet, daß ich diese „Sturheit“ einfach ablege und „endlich“ die „richtigen Entscheidungen“ treffe.

Nochmal: Das Vorurteil allein ist schlimm genug. Es ist erniedrigend, zu erfahren – vor allem: immer wieder zu erfahren –, daß man irgendwie „falsch“ ist aufgrund einer Tatsache, die man nicht ändern kann. Damit kann man eigentlich gar nicht umgehen, wenn die Vor-Verurteilenden nicht zuhören wollen. Sofern technisch möglich, kann man den Vor-Verurteilenden aus dem Weg gehen.

Das Vorurteil allein ist schlimm genug, aber oft bleibt es nicht dabei. Aus Vorurteilen ziehen Leute für sich Handlungsanweisungen. Und es ist ziemlich egal, ob das Rassisten sind, die dunkelhäutige Menschen bedrohen, oder ARGE-Angestellte, die die Existenz von Erwerbslosen bedrohen. Das eine ist gesetzlich geächtet, das andere erwünscht.

Nein, wirklich beantworten kann ich diese Frage des Umgangs mit Vorurteilen nicht. Nur so viel: Gegen weiße Klowände zu reden ist extrem anstrengend und raubt eine Menge Kapazitäten, die ich eigentlich in bessere Dinge stecken könnte.

Ein Anfang wäre es, Kinder nicht mit Vorurteilen zu impfen. Mir wurden als Kind Vorurteile gegen „Ausländer“ (damals vor allem Türken und Italiener) eingeimpft. Daß ich sie wieder abgelegt habe, habe ich der Science-Fiction-Serie „Perry Rhodan“ zu verdanken:

In kosmischen Zeitmaßstäben gesehen, währt das Leben eines Menschen eine Millisekunde, und selbst die Dauer der gesamten menschlichen Existenz beträgt unter diesen Aspekten nicht mehr als einige Augenblicke. So ist es kein Wunder, daß die Ereignisse in unserem Universum einem menschlichen Beobachter chaotisch und sinnlos erscheinen müssen. Mit ihren begrenzten Sinnen, die ihnen nur einen winzigen Ausblick auf die Wirklichkeit erlauben, versuchen die Menschen kosmische Zusammemhänge zu begreifen und zu überschauen. Dieser ohnmächtige und vielleicht gerade deshalb bewunderungswürdige Versuch wird von den Menschen Wissenschaft und Forschung genannt. Gefangen auf seinem kleinen Planeten, den er in seinem Zwiespalt von Emotion und Ratio zu vernichten droht, ringt der Mensch um Erkentnisse, die ihn letztlich nur vor immer neue und größere Rätsel stellen.

Das schrieb der viel zu früh verstorbene Perry-Rhodan-Autor William Voltz 1978 in das Vorwort des ersten Silberbandes, der überarbeiteten Version der Hefte in Buchform. Und da wurde mir erstmals sehr bewußt, wie dumm es ist, Unterschiede aufgrund Nationalität oder Hautfarbe zu machen. Denn ein Betrachter von außen würde nur Menschen sehen.

Ich wünschte mir, wir könnten das auch tun.

Flattr this!

29.01.2017

Frosch - Verwirrspiel mit Handbremse

Nachdem avidemux unter Jessie es offenbar im Gegensatz zur Version unter Wheezy nicht mehr gebacken kriegt, DVD-Dateien (.VOB und so) zum Rippen einzulesen, sondern jetzt auf einmal Index-Dateien auf das Ausgangsmedium schreiben will, was bei einer DVD naturgemäß nicht funktionieren kann, und mir auch keine Möglichkeit gibt, einen Pfad für Arbeitsdaten zu definieren, suchte ich nach einer Alternative:

:~# apt-cache search dvd rip

[…]

handbrake – Versatile DVD ripper and video transcoder

handbrake-cli – Versatile DVD ripper and video transcoder (command line)

handbrake-gtk – Versatile DVD ripper and video transcoder (GTK GUI)

[…]

OK, das sieht gut aus. Also:

:~# apt-get install handbrake-gtk

Reading package lists… Done

Building dependency tree

Reading state information… Done

The following extra packages will be installed:

  geoclue-2.0 libjavascriptcoregtk-3.0-0 libjim0.75 libmbim-glib4 libmbim-proxy libmm-glib0 libnl-3-200 libnl-genl-3-200 libqmi-glib1 libqmi-proxy libsecret-1-0 libsecret-common libwebkitgtk-3.0-0 libwebkitgtk-3.0-common modemmanager usb-modeswitch usb-modeswitch-data wpasupplicant

Suggested packages:

  comgt wvdial wpagui libengine-pkcs11-openssl

The following NEW packages will be installed:

  geoclue-2.0 handbrake-gtk libjavascriptcoregtk-3.0-0 libjim0.75 libmbim-glib4 libmbim-proxy libmm-glib0 libnl-3-200 libnl-genl-3-200 libqmi-glib1 libqmi-proxy libsecret-1-0 libsecret-common libwebkitgtk-3.0-0 libwebkitgtk-3.0-common modemmanager usb-modeswitch usb-modeswitch-data wpasupplicant

0 upgraded, 19 newly installed, 0 to remove and 0 not upgraded.

Need to get 18.6 MB/21.2 MB of archives.

After this operation, 74.2 MB of additional disk space will be used.

Do you want to continue? [Y/n]

Äh, was? Was will ein DVD-Ripper mit einem Proxy, einem Modem-Manager, einem USB-Modeswitcher und dem WPA-Supplicant (für WLAN)???

Ich hab dann erstmal mal abgebrochen.

apt-get hatte mir vorher bereits erklärt, daß das Paket handbrake (also ohne -cli oder -gtk) bereits installiert sei. Aufrufen kann ich aber nix, und ins Menü von icewm hat es sich auch nicht eingetragen.

Bei Debian-Packages werden mir ganz andere Abhängigkeiten angezeigt, nämlich logische: handbrake.

Gleiches gilt für deb.multimedia.org, die eigentliche Paketquelle für das GTK-Paket von handbrake: handbrake-gtk (@vinzv@gnusocial.de fand die Seite in „unstable“, darauf suchte ich dort mal in „stable“, und siehe da, da gibt es das auch, und auch da sehen die Abhängigkeiten sinnvoll aus).

Meine Eintragung in der sources.list:

deb http://www.deb-multimedia.org jessie main

Das ist eigentlich recht eindeutig.

Gefunden habe ich auf meinem System das hier:

:~# dpkg -l | grep -i handbrake

ii handbrake 1:0.10.1-dmo3+1 all Versatile DVD ripper and video transcoder

ii handbrake-cli 1:0.10.1-dmo3+1 amd64 Versatile DVD ripper and video transcoder (command line)

An der Konsole konnte ich handbrake allerdings nicht aufrufen, aber eine nähere Suche in den üblichen Pfaden brachte dafür die Begründung: die Datei heißt /usr/bin/HandBrakeCLI. Der erste Buchstabe groß – wer rechnet denn damit?

Das hilft mir aber nicht viel, ich bräuchte das Programm schon mit grafischer Oberfläche, sonst arbeite ich da quasi im Blindflug; vor allem, weil ich nicht die komplette DVD rippen will, sondern nur Teile davon.

Fragen wir das System mal anders:

:~# apt-cache policy handbrake-gtk

handbrake-gtk:

  Installed: (none)

  Candidate: 1:0.10.1-dmo3+1

  Version table:

     1:0.10.1-dmo3+1 0

     500 http://www.deb-multimedia.org/ jessie/main amd64 Packages

Die einzige Quelle für das Paket ist also deb-multimedia.org.

Gestern Abend brach ich das dann erstmal ab, weil wegen viel müde und so. Nun habe ich nochmal weitergegraben und kluge Leute befragt. Und der Axel Beckert war es wieder, der die richtige Lösung wußte – nach etwas Suchen und Nachfragen.

Er meinte zunächst, ich solle die Installation mit dem Zusatzparameter –no-install-recommends versuchen, guckte dann aber genauer hin und machte die Quelle als Problem aus: „Wenn Du deb-multimedia.org benutzt, wird Dir kein Debianer wirklich helfen können. Das Zeug ist erfahrungsgemäß von grottiger Qualität, was die Paketierung betrifft.“

Und dann wurde klar, warum die offiziellen Debian-Quellen das Paket handbrake-gtk nicht kennen: Rename handbrake-gtk to handbrake. Deb-Multimedia hat diese Umbenennung offensichtlich nicht mitgemacht. Kein Wunder, daß es allein als Quelle auftaucht.

Axel bat mich dann um den kompletten Output von apt-cache policy (ohne Paketname), und empfahl daraufhin eine Änderung der Prioritäten. Denn ich will ja nicht ganz auf Deb-Multimedia verzichten, die haben schon ein paar Sachen, die Debian nicht anbieten will. Nachdem er den dann hatte, empfahl er mir, folgendes in eine Datei nach /etc/apt/preferences.d/ zu schreiben:

Package: *

Pin: release o=Debian

Pin-Priority: 990

Schließlich bekam ich dann noch die Anleitung für ein direktes Downgrade:

:~$ apt-get install handbrake=0.9.9+svn6422+dfsg1-2 handbrake-cli=0.9.9+svn6422+dfsg1-2

Jetzt steht das Programm zwar weiterhin nicht in meinem icewm-Menü – dafür, sich da einzutragen, ist es sich offenbar generell zu fein –, aber ich konnte es an der Konsole aufrufen, und zwar als – Tadaa! –: handbrake-gtk. Damit habe ich jetzt die offizielle Debian-Version, und kann mich damit dann mal auseinandersetzen. Ob es dann wirklich tut, was ich will, ist ja nochmal ’ne andere Frage.

Fazit und was ich gelernt habe

  1. Das Paket handbrake-gtk aus Deb-Multimedia kann man zumindest derzeit nicht installieren, weil es im Gegensatz zu der Beschreibung auf der Website Abhängigkeiten behauptet, die eher zu einem Netzwerk-Tool passen würden.
  2. Außerdem wurde auf Deb-Multimedia eine Umbenennung des Pakets nicht mitgemacht, was zu Verwirrung führen kann.
  3. Die Paketversion in Debian Jessie hat zwar eine etwas niedrigere Versionsnummer, läßt sich aber anstandslos installieren, und die Abhängigkeiten entsprechen auch der Beschreibung.
  4. deb-multimedia.org sollte man generell nur nachrangig als Paketquelle verwenden, auch wenn da vielleicht etwas neuere Versionsnummern liegen, weil das Packaging dort gelegentlich ein bißchen sehr kaputt ist.
  5. Axel Beckert hat zusammen mit Frank Hofmann ein Buch über Debian-Paketmanagement geschrieben, das ich mir wohl mal reinziehen sollte.
  6. Und, so ganz nebenbei: paste.debian.net mag es überhaupt nicht, wenn der angegebene Benutzername nicht den Vorgaben entspricht (maximal 10 Zeichen, nur Buchstaben) und veröffentlicht den Paste dann nicht nur nicht, sondern löscht das Eingabefeld wieder, was etwas nervig ist.

Flattr this!

Frosch - Im Netz aufgefischt #301

Viel AfD, aber auch viel Aufarbeitung zum Gedenktag am 27. Januar gibt es neben weiteren Nachrichten von und über Nazis und ihre Opfer bei den Besorgten Bürgern: Besorgte Nachrichten, KW 4/2017.

„Alternative Fakten“

Armut

Autismus

Behinderung / Inklusion

Hartz IV & Co.

Impfgegner

LGBTIQ

Obdachlosigkeit

Polizei

Racial Profiling

Tierquälerei

Trau schau wem

Twitter-Weisheiten

Überwachung

Flattr this!

27.01.2017

Frosch - Trojaner-Mail mit persönlichen Daten

Da habe ich ja heute Nachmittag nicht schlecht gestaunt: Ich bekam eine Mail von „Beauftragter Rechtsanwalt von Pay Online24 GmbH“ mit einer @paypal-Mailadresse als Absender und dem Betreff „Rechnung noch offen 26.01.2017 Nr. 79129578“. Im Text der Mail wurde ich mit vollem Namen angesprochen, außerdem wurden meine Postadresse und meine Festnetz-Telefonnummer genannt. Gesendet wurde das an meine @bilkinfo-Adresse, die ich bis vor einiger Zeit im Impressum meiner Website stehen hatte; die Kombination aus Post-, Mailadresse und Telefonnummer könnte aber auch aus einer Firmen-Datenbank abgegriffen worden sein.

Im Anhang der Mail befand sich das Sahnehäubchen: Eine ZIP-Datei.

Der vollständige Text:

Sehr geehrte/r Sabine Becker,

zu unserem Bedauern mussten wir feststellen, dass unsere Erinnerung Nr. 791295786 bisher erfolglos blieb. Nun bieten wir Ihnen damit letztmalig die Chance, den ausstehenden Betrag unseren Mandanten Pay Online24 GmbH zu decken.

Aufgrund des bestehenden Zahlungsausstands sind Sie verpflichtet außerdem, die durch unsere Beauftragung entstandene Kosten von 92,93 Euro zu bezahlen. Bei Fragen oder Unklarheiten erwarten wir eine Kontaktaufnahme innerhalb von 48 Stunden. Um weitete Kosten zu vermeiden, bitten wir Sie den ausstehenden Betrag auf unser Bankkonto zu überweisen. Berücksichtigt wurden alle Buchungseingänge bis zum 26.01.2017.

*Verbindliche Personalien:*

*Sabine Becker
Helmholtzstraße 53
40215 Düsseldorf

Tel. 02113368730*

Wir erwarten die vollständige Zahlung bis spätestens 30.01.2017 auf unser Bankkonto. Können wird bis zum genannten Termin keine Zahlung einsehen, sehen wir uns gezwungen Ihre Forderung an ein Gericht abzugeben. Sämtliche damit verbundenen Zusatzkosten werden Sie tragen müssen.

*Eine vollständige Kostenaufstellung NR791295786, der Sie alle Buchungen entnehmen können, ist beigelegt.
*
Mit besten Grüßen

Beauftragter Rechtsanwalt Benjamin Trautsun

(Ja, die Sternchen standen so da drin.)

Das beste Deutsch ist das ja nicht, aber beim ersten Überfliegen kann man leicht übersehen, daß die Sätze teilweise etwas seltsam aufgebaut sind. Kleine Rechtschreibfehler sind ebenfalls enthalten.

Als erstes befaßte ich mich allerdings mit der angehängten ZIP-Datei. Diese Datei mit dem Namen 26.01.2017 Sabine Becker.zip (388.110 Bytes) speicherte ich auf die Platte und schickte unzip drüber. Das entpackte daraus eine Datei namens Sabine Becker Rechnung 26.01.2017.zip (389.522 Bytes). Also ein ZIP im ZIP? Na gut, dann eben nochmal ein unzip über die neue Datei, und siehe da, heraus kam Sabine Becker 26.01.2017.com (759.808 Bytes).

Zunächst schickte ich die erste Datei, also den Anhang, wie er angekommen war, auf Virustotal. Ergebnis: 31 von 56 Scannern erkannten einen Virus. Dabei tauchen Namen auf wie „Win32/TrojanDownloader.Nymaim.BA“ oder „BehavesLike.Gamarue.fc“.

Moment mal, Gamarue? Der Name kam mir bekannt vor. Und ich hatte den tatsächlich schonmal erwähnt, und zwar 2012 im Artikel (K)eine Einladung von Facebook:

Also: Gamarue.I ist eine Schadsoftware, die sich über externe Laufwerke verbreitet [die von einem PC zum anderen umgestöpselt werden] – und, wie wir gerade gelernt haben, auch über Spam-Mails. Das Programm kommuniziert mit einem Server, um die Infektion mitzuteilen, und ist in der Lage, weitere Dateien herunterzuladen. Hübsch, ne? Einmal eingenistet, kann er sich weitere Programmteile nachladen und dann auf dem infizierten Computer machen, was er bzw. sein Programmierer will.

Das würde dann auch mit der Bezeichnung „TrojanDownloader“, die einige Scanner ausspuckten, übereinstimmen. Vielleicht ist es nicht der ursprüngliche Gamarue.I, aber zumindest könnte das Verhalten dasselbe sein.

So richtig peinlich bei der Überprüfung durch Virustotal ist, daß gängige Virenscanner wie Avira, F-Prot, Malwarebytes, Panda und Symantec die Datei für sauber halten.

Zusätzlich ließ ich Virustotal aber auch die ausgepackte Datei überprüfen. bzw. wollte: Die war nämlich schon bekannt, und zwar seit 24.01., also seit drei Tagen. Es änderten sich immer nur die Dateinamen des Anhangs – klar, da steht ja jeweils der volle Name des Empfängers mit drin. Das Verhältnis war diesmal 37/56, also 37 von 56 Scannern konnten zumindest erkennen, daß mit der Datei was nicht stimmt. Weiterhin außen vor: Avira, F-Prot, Malwarebytes und Panda (Symantec hat diesmal zumindest erkannt, daß da was drin sein muß).

Aus dieser zweiten Überprüfung geht dann auch hervor, daß es sich hier um eine auf Windows ausführbare 32-bit-Datei handelt. Die ausführbare Datei selbst könnte also schon älter sein. Interessant ist auch, daß diese Datei angeblich bereits am 03.11.2000 compiliert worden sein soll; da kann aber auch das Systemdatum des compilierenden Rechners verstellt gewesen sein. Gamarue.I, der echte, ist wohl erst seit Mai 2012 bekannt.

Nach der Datei selbst geht es als nächstes an den Mailheader. Die relevante Received-Zeile aus dem Header lautet:

Received: from 99.ip-92-222-219.eu ([92.222.219.99] 
  helo=vps86938.ovh.net) by mail.dasr.de with esmtps
  (TLS1.0:DHE_RSA_AES_256_CBC_SHA1:32) (Exim 4.76)
  (envelope-from ) id 1cWwmN-0004Xz-9j
  for frosch@bilkinfo.de; Fri, 27 Jan 2017 03:00:47 +0000

Das Ding kam (zumindest bei mir) von einem virtuellen Server bei OVH. Da brauche ich gar nicht erst hinzuschreiben, da wird erfahrungsgemäß nichts passieren. Allerdings paßt das schon so ein bißchen zu der Beobachtung, daß derzeit wieder einmal viele OVH-Hosts Kommentarspam verschicken. Vor allem mein Bahnblog ist davon massiv betroffen. Die Spams kommen aus allen mir bekannten OVH-IP-Ranges. Ich kann nur vermuten, daß da (mal wieder?) serienweise Hosts aufgemacht worden sind und jetzt für, sagen wir, unterschiedliche Aktivitäten mißbraucht werden. Bis OVH das bereinigt, kann erfahrungsgemäß Monate dauern. Mindestens.

Aber auch der Mailtext hat noch eine kleine Überraschung parat: Da wird ja ein nicht ganz so gewöhnlicher Name genannt, nämlich „Benjamin Trautsun“. Googlet man nach „Trautsun“, landet man schnell bei Spam-Info und dort auf einem Artikel vom Juni 2013: Neuer Spam-Betrug droht mit Anwälten. Der Name Trautsun – mit verschiedenen Vornamen – wird mehrfach in den Kommentaren zu diesem Artikel erwähnt. Die Texte ähneln inhaltlich dem, den ich bekommen habe, auch wenn der angebliche „Klient“ ein anderer ist.

Auch in diesem Artikel wird auf einen gefährlichen Anhang hingewiesen:

Noch schlimmer wird der E-Mail-Betrug aber durch den angehängten .zip-Ordner, der einen gefährlichen Trojaner enthält. Zwar ist nicht genau klar, wie der Schädling arbeitet; trotzdem sollte der Anhang auf keinen Fall geöffnet werden.

Leider wird auf den Anhang nicht genauer eingegangen, vermutlich haben sie ihn gar nicht näher untersucht. Es wäre schon interessant gewesen, ob das auch ein Gamarue-Verwandter war, der da vor 3,5 Jahren mit derselben Masche herumging.

Während die meisten wohl als Anrede „Sehr geehrter Kunde“ oder ähnliches in der Spam-Mail stehen hatten, berichtet eine Dietlinde davon, namentlich angesprochen worden zu sein, und das bereits Ende Juni 2013. Im Januar 2014 gab es nochmal einen mit namentlicher Anrede, ebenso im März 2016. Die Mehrzahl kommt aber offenbar ohne die persönlichen Daten daher.

Allerdings finde ich es schon erstaunlich, daß ich mit deutlich mehr Mailadressen als bei Otto-Normaluser bisher noch nie so eine Mail bekam, und auch jetzt ist nur eine meiner Adressen betroffen. Auch ohne persönliche Daten hatte ich bislang, soweit ich mich erinnern kann, keine E-Mail bekommen, die in genau diesem Stil (oder so wie auf Spam-Info zitiert) geschrieben worden war. Dabei fange ich mir doch sonst so ziemlich jeden Müll ein 😉

Lange Rede kurzer Sinn: Selbst wenn persönliche Daten von Euch in einer Mail erwähnt werden, ist das mittlerweile kein eindeutiges Zeichen für Vertrauenswürdigkeit, auch wenn das früher mal so war. Ein ZIP im Anhang ist fast immer böse™, und Ihr solltet Euch mindestens 100%ig sicher sein, daß dieser Anhang sauber ist, bevor (!) Ihr ihn aufmacht. Anhänge automatisch entpacken und/oder ausführen sollte man sowieso nicht! Auch wenn es umständlicher ist, die Datei erst zu exportieren, dann zu entpacken und zu gucken, ob das drin ist, was man erwartet. Oder zumindest keine ausführbare Datei. (Makroviren sind dann noch ein anderes Thema, aber die sind in diesem Fall nicht involviert.)

Flattr this!

25.01.2017

Frosch - Von Wheezy zu Jessie mit etwas „VooDoo“

Gestern Abend habe ich es endlich mal geschafft, meinen Hauptrechner seerose von Wheezy auf Jessie zu ziehen. Also wie üblich alle Quellen geändert, dann apt-get update und apt-get upgrade und schließlich alle zurückgehaltenen Pakete nachinstalliert bzw., wenn das nicht sinnvoll erschien, gelöscht. Zum Schluß kam dann der neue Kernel und Reboot.

Damit könnte die Geschichte zu Ende sein, wenn – ja, wenn danach nicht ein paar komische Dinge passiert wären. Denn obwohl das Upgrade von Wheezy auf Jessie schon vor einiger Zeit auf meinem Notebook ganz problemlos durchlief und danach auch alles funktionierte, war die gleiche Prozedur auf dem Hauptrechner nicht ganz so folgenlos.

Zunächst mal war mir im Laufe der apt-get install-Orgie wohl doch so ein bißchen systemd-Zeug mit reingerutscht, das ich ja eigentlich gar nicht haben wollte. Und das, obwohl ich vorher bereits per Pinning bestimmt hatte, daß ich das nicht will, indem ich in /etc/apt/preferences.d eine kleine Datei anlegte mit folgendem Inhalt:

Package: systemd-sysv

Pin: release o=Debian

Pin-Priority: -1

– so wie es Axel Beckert in seinem Vortrag Debian ohne systemd beschrieb und wie das auf dem Notebook auch funktioniert hatte.

Im Laufe der apt-get install-Orgie hatte ich allerdings das Paket sysvinit nachinstalliert, wo ich sysvinit-core hätte nehmen sollen. Ersteres zieht systemd automatisch nach.

Nach dem Reboot und dem Konsolen-Login fiel mir dann auch als erstes auf, daß sich ein Prozeß namens systemd-login beschwerte. Auf Nachfrage im IRC fanden Axel und ich schließlich heraus, daß ich aus irgendwelchen Gründen das Paket packagekit installiert hatte, das wiederum systemd-shim nachzog. Also:

# apt-get remove packagekit

# apt-get remove systemd-shim

Letzteres wollte colord, gnome-settings-daemon, gvfs, gvfs-backends, gvfs-daemons, libpam-systemd, policykit-1, systemd-shim und udisks2 wegräumen, was es auch durfte. Trotzdem hatte ich danach keinerlei Seltsamkeiten oder gar Abstürze. Mir war nur aufgefallen, daß icedove (Thunderbird) weiterhin Links mit konsequenter Boshaftigkeit im iceweasel (Firefox) aufmachen will statt im Chromium, der immerhin als Standard-Browser definiert ist. Aber ich war dann auch nicht mehr lange auf und fuhr das System bald runter.

Heute nun wartete das aktualisierte System mit weiteren Überraschungen auf. Zunächst kam alles ganz normal hoch. Aber nach einer guten halben Stunde verschwanden von jetzt auf eben im icewm alle Fenstertitel, alle Beschriftungen in den Fenster-Tabs unten in der Startleiste, alle Texte im Startmenü, und auch die Popups bei Netz- und CPU-Last sowie der Uhrzeit strahlten mich in leerem Gelb ohne Inhalte an. Die Icons waren überall stehengeblieben, es fehlten nur die Texte. Mechtildes Idee, mal das icewm-Theme zu wechseln, war zwar ohne die Menütexte erst etwas schwierig, brachte mir aber schließlich die Texte zurück. Und sie blieben auch da, als ich wieder auf mein übliches Theme zurückwechselte. Allerdings wurde mit der ersten Umschaltung die Reihenfolge der Fenstertabs unten in der Startleiste neu gewürfelt.

Bislang blieb das Phänomen ein Einzelfall; seitdem ist es nicht mehr aufgetreten.

Aber damit mir nicht langweilig wird, konnte ich vorhin plötzlich mitten im Betrieb nicht mehr zwischen Chromium-Tabs umschalten. Ich war ja eigentlich sehr froh gewesen, daß ich endlich wieder Chromium nutzen kann; in Wheezy war der ja zuletzt völlig kaputt gewesen, und ich mußte den trägen iceweasel/Firefox benutzen, um ins Web zu können. Und jetzt wollte Chromium schon wieder nicht mehr.

Als er auch nach mehrfachem Herumprobieren gar nicht mehr reagierte und sich auch nicht schließen ließ, schoß ich ihn von der Konsole aus mit einem herzlichen kill ab. Dann wollte ich ihn wieder öffnen. Aber bis auf den Fensterrahmen kam nichts. Scheinbar zumindest. Denn in der Prozeßliste war er da, auch mit mehreren Prozessen, woraus ich schließe, daß er die Tabs eigentlich offen hatte. Nur wußte die grafische Oberfläche nichts davon. Mehrere Versuche, ihn neu zu starten, endeten wie zuvor mit dem Fensterrahmen und der Notwendigkeit eines Kill.

Dann kam Alex auf die Idee, ich solle es doch mal von der Konsole aus probieren. Aber das Ergebnis war dasselbe: Fensterrahmen, Prozesse vorhanden, aber keine Anzeige. Dazu kam noch das hier auf die Konsole:

[9905:9905:0125/201504:ERROR:sandbox_linux.cc(343)] InitializeSandbox() called with multiple threads in process gpu-process.

[9868:9868:0125/201526:ERROR:CONSOLE(73)] „Uncaught SecurityError: Failed to read the ‚localStorage‘ property from ‚Window‘: Access is denied for this document.“, source: chrome-extension://odjhifogjcknibkahlpidmdajjpkkcfn/blockStart.js (73)

[9868:9868:0125/201526:ERROR:CONSOLE(228)] „Uncaught TypeError: Cannot read property ‚globalAllowAll‘ of undefined“, source: chrome-extension://odjhifogjcknibkahlpidmdajjpkkcfn/blockStart.js (228)

Schließlich beendete ich alle Programme auf der grafischen Oberfläche, loggte mich aus, startete X neu und öffnete die Programme wieder. Chromium ging ganz unschuldig auf und meinte, er sei nicht normal beendet worden, ob er die alten Fenster wieder öffnen solle …?

Ich frag mich ja jetzt, wieviel Voodoo noch in Jessie eingebaut worden ist, aber eigentlich würd ich dann gern wieder normal weiterarbeiten. 😉

[Update 2017-01-27 16:30]

Chromium friert auch weiterhin gelegentlich ein, und auch weiterhin muß X komplett beendet und neu gestartet werden, damit Chromium wieder normal starten kann. Allein gestern war das dreimal der Fall. – Immerhin schien das Verschwinden der Texte im Fenstertitel, in den Menüs usw. von icewm ein Einzelfall gewesen zu sein.

Irgendwann gestern fiel mir dann auch auf, daß evince (PDF-Reader) schlicht verschwunden war. Ich installierte dann erstmal XPDF, um überhaupt wieder einen PDF-Reader zu haben. Warum evince deinstalliert worden war, ist unklar, denn er ist weiterhin in der Paketliste. Da muß ich mal sehen, ob ich jetzt bei XPDF bleibe oder wieder zu evince wechseln will, denn eigentlich war ich mit dem ganz zufrieden gewesen.

Gestern Abend mußte ich aber doch etwas im System verändern. Der Mediaplayer totem wurde nicht nur optisch stark verändert, sondern schaffte es auch nicht, eine normale DVD abzuspielen. Er fand sie, las das DVD-Menü und zeigte es an, ich konnte die Sprachoptionen einstellen, aber bereits die Auswahl der Serienfolgen brachte eine Fehlermeldung: Angeblich konnte er nicht weiterlesen. Der Witz dabei: Die DVD lag schon ein paar Tage da drin, und die ersten beiden Folgen von der DVD hatte ich vor dem Upgrade bereits angesehen – mit totem.

Vor einigen Jahren hatte ich VLC deinstalliert und dafür totem installiert – weil VLC in Debian in Sachen Codecs so dermaßen verkrüppelt worden war, daß sich nicht einmal mehr DVDs abspielen ließen. Tja, jetzt bin ich wieder beim VLC, denn der kann jetzt, was totem nicht mehr kann.

Man darf also noch gespannt sein, welche weiteren Programme, die ich nicht so oft nutze, nun auch nicht mehr funktionieren …

[/Update]

[Update 2017-01-30 19:09]

So. Das Einfrieren des Chromium war offenbar das Ergebnis eines eigenartigen Nicht-Zusammenspiels mit einem Plugin von WordPress. Im Blog der Besorgten Bürger war JetPack installiert. Das ist so eine Art Funktions-Sammelsurium. Und mir war nach ein paar Tagen aufgefallen, daß Chromium immer dann einfror, wenn ich dort im Blog Links erfaßte und dafür im Editor rauf- oder runterscrollen mußte. Seit das Plugin deinstalliert ist, ist mir Chromium nicht mehr eingefroren. Das hatte also offenbar nur indirekt was mit dem Upgrade auf Jessie zu tun. Erkenntnis: JetPack in WordPress 4.7.x und Chromium 55 mögen sich nicht.

Dagegen läßt icewm auch weiterhin gelegentlich Fenstertitel etc. verschwinden. Gestern Abend verschwanden nur die Fenstertexte bei einem Spiel, im Moment bin ich hier aber auch mal wieder komplett ohne Fenstertitel und Menü-Texte. Wenn ich dann auf ein anderes icewm-Theme umschalte, sind zwar die Texte wieder da, dafür würfelt mir icewm dann halt die Reihenfolge der Fenster in der Leiste unten wieder durcheinander. Da dieser Effekt unter Wheezy (und auch davor) nie auftrat, ist das anscheinend ein neuer Bug. Da muß ich wohl eine Bugmeldung schreiben.

Uhranzeige 19:20:08 mit abgeschnittener oberer Hälfte bei den Nullen

Achja, auch icewm: In der Uhrzeit-Anzeige der Menüleiste werden alle Nullen in der oberen Hälfte abgeschnitten bzw. nicht angezeigt. Man sieht nur die unteren drei Digital-Elemente.

Und schließlich: Thunderbird (icedove) klappt immer noch gelegentlich einfach so zu, wie in Wheezy auch schon, aber das wußte ich bereits, denn der Bug geht offenbar bis nach testing und unstable rein.

[/Update]

Flattr this!

22.01.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #300

Wie „Bernd“ Höcke provoziert, wie das Verbotsverfahren gegen die NPD scheiterte, wie das beim ENF-Kongreß in Koblenz lief, wie Gerichte sonst so entschieden, wer wieder alles rechte Gewalt abbekam usw. findet sich wie üblich bei den Besorgten Bürgern: Besorgte Nachrichten, KW 3/2017.

Autismus

Chelsea Manning

Hartz IV & Co.

LGBTIQ

Obdachlosigkeit

Racial Profiling

Waffenhandel

Flattr this!

15.01.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #299

Hachja, erstmal das leider übliche … Besorgte Nachrichten, KW 2/2017

Arbeit

Armut

Autismus

Datenschutz

Flucht & Asyl

Hartz IV & Co.

LGBTIQ

  • 12.01.2017 It Me, Zoë: A Gender (via @UnburntWitch / @forschungstorte)

Obdachlosigkeit

Polizei

Qualitätsjournalismus

  • 09.01.2017 BILDblog: Mutti (via @BILDblog)

Racial Profiling

Sexualität

Tierquälerei

Twitter-Weisheiten

Überwachung

Wissenschaft

  • 18.11.2011 Science Blogs/Astrodicticum simplex: Wie man Meteoriten findet
  • 18.10.2016 Snopes: Climate Clips: A newspaper clipping from 1912 that anticipates the global warming potential of burning coal is authentic and consistent with the history of climate science. (via @AgBioWorld / @kiwonka)

Flattr this!

08.01.2017

Frosch - Im Netz aufgefischt #298

Auch im neuen Jahr gibt es leider wieder Besorgte Nachrichten

Arbeit

Behinderung / Inklusion

Breitscheidplatz

Datenschutz / Datensammler

Hartz IV & Co.

LGBTIQ

Obdachlosigkeit

Racial Profiling

Flattr this!

01.01.2017

Frosch - Jahresrückblick 2016

Auf Twitter überlegten einige Leute, ob man nicht ein T-Shirt „I survived 2016“ drucken sollte (sucht mal nach „survived 2016 t-shirt“, da kommt einiges – und es gibt sogar schon Angebote). Doch, das trifft es.

2016, das war das Jahr, in welchem besonders viele Prominente starben – Muhammad Ali, Prince, Leonard Cohen, Umberto Eco, Hans-Dietrich Genscher, Götz George, Greg Lake, Peter Lustig, Elie Wiesel, Carrie Fisher – um nur einige zu nennen. Schon deshalb scheint so ein T-Shirt angemessen. Und in meinem privaten Umfeld hätte Alex Schestag dieses T-Shirt ganz besonders verdient. Buchstäblich. Und meine Situation ist ja auch immer noch prekär. Aber der Reihe nach:

Anfang Januar installierte ich fail2ban auf diesem Server und lernte, dafür Jails und Filter zu bauen. Ja, mit RegExp. Primärer Grund war, daß nginx aggressive Angriffswellen auf die xmlrpc.php von WordPress noch schlechter abkann als apache2. Daher sollen die direkt in der Firewall landen, sobald sie gesichtet werden.

Außerdem mußte ich mal wieder einen Antrag auf Prozeßkostenhilfe schreiben, weil das faschistische Repressionsamt in die zweite Instanz wollte und ich wohl oder übel mitmußte. Weiterhin half ich am 4. Januar bei der Inventur in der hiesigen FSFE-Geschäftsstelle. Dabei wechselten wir sozusagen fliegend von LibreOffice Calc zu gnumeric, weil Calc meinte, die Tabellen ein wenig durcheinander und kaputt machen zu dürfen.

Und Alex sponsorte mir am 6. die beiden Server zum dritten Mal am Stück, weil ich immer noch ohne Geld war …

Am 9. Januar hatte ich einen dieser Tage, an denen man am besten gar nichts anfaßt (aus dem IRC):

Jan 09 16:09:29 <Atari-Frosch> Ich grade so: Wieso habe ich einen Ordner „Sprachregelungen“ unter meinem Mailpostfach? … Er heißt „Servermeldungen“. Boah, bin ich durch :-/
Jan 09 17:22:57 <Atari-Frosch> Bei mir hat da vorhin schon wieder die Verpeilung stattgefunden. Stellte fest, es wird zu dunkel, und erwische mich noch im letzten Moment dabei, wie ich als Folge versuche, den Monitor auszuschalten. OK, ist auch ein Schalter … also irgendwie ist in meinem Gehirn grade einiges falsch verdrahtet.

Um auszudrücken, wie ich mich von den Repressionsämtern behandelt fühle, rippte ich am 14. Januar ein kurzes Stück aus einer Pretender-Folge:

Einen Tag später kam überraschenderweise Geld. Das faschistische Repressionsamt hatte sich trotz des eingelegten Rechtsmittels zur Auszahlung entschieden, allerdings nicht für den vollen Betrag. Die knapp 900 €, die ich bekam, sollten möglicherweise den November 2015 abdecken. Gegenwärtigkeitsprinzip – äh, nee, ist ja nicht so relevant, nech? Die Gerichtsentscheidung der ersten Instanz, die diese Auszahlung befahl, war übrigens vom 21.12.2015.

Ansonsten machte sich bei mir generell ein Gefühl der Entfremdung breit, trotz dieser einzelnen Auszahlung. Die Zukunftslosigkeit, die ständige Existenzbedrohung blieb erstmal noch. Es durfte mir ja nicht zu einfach gemacht werden. Oder so.

Fotos vom Januar 2016:

Auch im Februar hatte ich nur einen einzigen Blogartikel geschrieben (von den wöchentlichen Linklisten mal abgesehen): Entmenschlichung. Will man Menschen loswerden bis hin zur Vernichtung, muß man ihnen erst einmal die Menschlichkeit nehmen. So einfach.

Am 19./20. Februar war der 1. Bundesparteitag 2016 der Piratenpartei in Lampertheim. Das war ein bißchen doof, weil Lampertheim zwar einen Bahnhof hat, dieser aber nicht barrierefrei ist und sich außerdem bezogen auf die Veranstaltungshalle quasi am anderen Ende von Lampertheim befand. – Alex und ich wollten da zusammen hin; ich hatte mich bei meiner Mutter in Mannheim zum Schlafen „eingebucht“, und er hatte sich ein Hotelzimmer am Mannheimer Hauptbahnhof genommen. Plan war gewesen, daß wir an beiden Tagen jeweils morgens zu dritt, mit @LeichtmatroseBW zusammen, mit einem Taxi vom Mannheimer Hauptbahnhof zur Halle fahren und abends wieder zurück.

Alex war erst wenige Tage vorher aus Stuttgart zurückgekommen, wo er wegen eines Beinbruchs, den er sich dort in einem Hotel zugezogen hatte, im Krankenhaus gelegen war. Am zweiten Tag des Parteitags schrieb er mir morgens eine SMS, daß die Wunde wieder aufgegangen sei und er nicht mit uns mitfahren würde; stattdessen ließ er sich einen Notarzt ins Hotel rufen. Der verfrachtete ihn dann schließlich ins Mannheimer Theresienkrankenhaus, wo er einen Tag später operiert wurde. Und weitere zwei Tage später kam ein Dekubitus dazu. Trotzdem ahnten wir zu der Zeit noch nicht, was das für ihn für eine Odyssee werden würde …

Am 24. Februar erhob meine Anwältin mal wieder Klage zum Sozialgericht Düsseldorf nach Vorliegen der Wohnungskündigung, in der Hoffnung, damit die Wohnung zu retten.

Fotos vom Februar 2016: Äh, ja, ein halbes Dutzend vom Parteitag, mit dem HTC Desire gemacht. Die hatte ich aber offenbar nicht auf Google Photo publiziert, warum auch immer. – Ich glaube, weil ich eigentlich ursprünglich über den Parteitag bloggen und die Bilder dort einbinden wollte, woraus aber nichts wurde, weil wegen Frosch zu kaputt.

Am 2. März kam endlich die Nachzahlung aller bis dahin nicht ausgezahlten Leistungen seit Dezember 2015, und ich konnte meinen Mietvertrag retten.

Anfang März schrieb Fusselchen (@endhaltestelle_) einen offenen Brief an MONITOR mit der Aufforderung, zu recherchieren, wie die Aktion Mensch dazu kommt, eine menschenverachtende „Therapie“ für (oder besser: gegen) Autisten mit einer Viertelmillion Euro zu fördern: Offener Brief an MONITOR: #noABA. Leider kam darauf wohl nie eine Antwort. Offenbar waren/sind dem WDR Autisten nicht so wichtig.

Mitte März war der Dekubitus vom Vormonat bei Alex lebensbedrohlich geworden, und dann erst kam man im Theresienkrankenhaus auf die Idee, ihn in ein Krankenhaus zu verlegen, in welchem man sich damit besser auskennt. Er kam nach Heidelberg und kämpfte zwei Wochen lang buchstäblich um sein Leben.

Vom 18. – 20. März war ich wieder bei den Chemnitzer Linux-Tagen (ohne Blogartikel) – immerhin konnte ich das jetzt wieder bezahlen, sonst hätte ich abspringen müssen. Das ist nämlich immer eine recht angenehme Veranstaltung für mich, weil da nicht so wahnsinnig viele Menschen sind und es eigentlich recht ruhig zugeht. Aufregung gab es trotzdem: Unser Miet-Bus hatte in Chemnitz am Morgen des ersten Veranstaltungstages plötzlich eine kaputte Batterie und wollte nicht mehr starten. Nur nach Starthilfe durch zwei Pkw-Fahrer sprang der Motor an. Die Fahrerin gab sich wirklich eine Menge Mühe, um – am Wochenende – eine Ersatzbatterie zu bekommen, aber erfolglos: Die Vertragswerkstatt dort hatte keine auf Lager gehabt. Also mußte sie die ganze Zeit über und vor allem für die Heimfahrt ziemlich tricksen, damit der Bus einfach nicht ausging, zumindest dann, wenn keine Starthelfer greifbar waren.

Nett war auch der freundliche ältere Herr, der am zweiten Morgen im Hotel bei mir am Frühstückstisch saß (daß er am Morgen zuvor bereits bei den Starthelfern für den Bus gewesen war, hatte ich erst hinterher auf den Fotos gesehen; er war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgefallen). Erst als er den Frühstücksraum verlassen hatte – um wiederum Starthilfe zu geben – erfuhr ich, daß es sich dabei um Jon ‚Maddog‘ Hall handelte. 🙂

Fotos vom März 2016:

Die FSFE beschloß Anfang April, ihr Düsseldorfer Büro zu schließen und ihren dortigen langjährigen, dienstältesten Mitarbeiter rauszuwerfen. Angeblich, weil das Büro ja nicht mehr viel zu tun hätte. Nunja, das passiert, wenn man vorher aus welchen Gründen auch immer alle Aufgaben aufs Berliner Büro verlegt, selbst die, welche dort nicht sinnvoll erledigt werden können. Eine Gruppe von Fellows, zu der ich gehöre, beriet daraufhin, wie wir hier in Sachen Freie Software weitermachen wollen – ohne die FSFE. Ich „kündigte“ auch die Aufgabe der Listenmoderation für die Rheinland-Liste zu Ende Juni (und ärgerte mich später darüber, daß ich nicht früher hingeschmissen, sondern noch so viel Zeit dazwischen gesetzt hatte).

Ab April häuften sich bei mir die Burnout-Schübe: Ausgebrannt. Immerhin versuchte ich dann endlich mal meinen Mailserver auf dem neuen Server zum Arbeiten zu bringen. Das war nämlich gar nicht so einfach, denn der Postfix auf dem neuen wollte die Config-Datei des alten nicht einfach schlucken, sondern erklärte mir, daß er die nicht lesen könne und daher nicht starten wolle. Was er daran nicht lesen konnte, verriet er mir nicht; das Logfile schwieg. – Daß dann doch noch nicht alles wieder funktionierte, merkte ich erst später …

Mitte des Monats regte ich mich dann mal gepflegt über Leute auf, die meinen, daß jemand ohne offizielle Diagnose sich nicht Autist nennen dürfe. Als ob der Autismus erst „echt“ sei, wenn man eine Diagnose nachweisen kann.

Außerdem bekam ich am 17. April eine git-Schulung „verpaßt“ und richtete mir am Tag darauf GitWeb auf nginx ein. Das war dann auch der Beginn einer unglaublichen Woche – zum ersten Mal seit Jahren völlig ohne Depressions- oder Burnout-Symptome. Leider eben nur eine Woche.

Am 30. April fand die Gründungsversammlung des Vereins Freie Software Freunde statt, als Konsequenz aus dem unmöglichen Verhalten der FSFE ihrem langjährigen Mitarbeiter und der Fellowship im Rheinland gegenüber. Ein Teil der Mitglieder sieht den neuen Verein als Ergänzung zur FSFE und strebt durchaus eine Zusammenarbeit an. Ich gebe aber zu, daß ich von einer Zusammenarbeit mit einer Organisation, deren Geschäftsführung sich dermaßen übel benommen hat und von der aus wir auch belogen wurden, überhaupt nichts halte. Das erste Projekt des neuen Vereins – „Free Your Model Train“ – hätte ein Projekt der FSFE werden können. Tja, Pech.

Fotos vom April 2016:

Anfang Mai ließ ich mir dann doch mal von byte aus dem Chaosdorf bei meinen Postfix-Verknotungen helfen. Danach lief er dann endlich. Also, fast. Auch das merkte ich wiederum erst später. – Auch am nginx schraubte ich noch an der Konfiguration; der Umzug dieses Blogs, den ich geplant hatte, klappte allerdings noch nicht. Das kam dann am 11./12. Mai, und ja, „grant all privileges on datenbank to user statt grant all privileges on datenbank.* to user“ macht einen Unterschied … *hüstel*

Zwischendurch besuchte ich die Demo von „Düsseldorf stellt sich quer“ am 8. Mai. Danach rantete ich über die Wehrhahnlinie, durch die für die Einwohner von Bilk und Friedrichstadt viele Verbindungen umständlicher, länger und teurer geworden waren.

Weil ich ja wieder „reich“ war, leistete ich mir denn auch mal einen neuen Kopfhörer, denn mein schöner Sennheiser-Funkkopfhörer wollte nicht mehr: Kurz getestet: Sirius Pro HXP 1000. Außerdem wollte ich mir ein neues Telefon kaufen, kaufte mir leider das Falsche und machte (keine) Faxen.

Außerdem kaufte ich mir im Mai ein neues Smartphone, ein Doogee X5 pro, denn das HTC Desire kann man aufgrund seiner geringen RAM-Menge praktisch nicht mehr als „Smart“-Phone benutzen, sondern nur noch als Telefon mit MP3-Player. Als das neue Gerät kam, dachte ich erst, es sei „dead on arrival“, denn beim Einschalten tat sich einfach gar nichts. Ich wollte es umtauschen, was recht umständlich erschien, weil ich es dafür nach China schicken sollte (geliefert worden war aus einem deutschen Lager). Als ich das zweite Gerät bekam und dieses dasselbe Verhalten zeigte, stellte ich nur zufällig fest, daß auf die Kontakte des Akkus ein fast unsichtbarer Klebestreifen geklebt worden war. Zum Glück war man beim Lieferanten kulant, und da das erste X5 pro ja offenbar nicht kaputt war, durfte ich es dann ins deutsche Lager zurückschicken. Zum Glück sieht man so einem Paket nicht an, wenn der Absender vor Scham rot anläuft 😉

Fotos vom Mai 2016:

Ende Mai und Anfang Juni versuchte es die Firma EOS Inkasso bei mir mit Telefonterror wegen einer Altschuld aus 2002, also einer der Schulden, die durch die massenhafte Unterschlagung von Unterlagen und die unterlassene Hilfeleistung des faschistischen Repressionsamtes zustande gekommen waren. Die Anrufe hörten schlagartig auf, nachdem ich einer der Anruferinnen gesagt hatte, daß ich das publizieren würde. Mögen sie wohl nicht so.

Anfang des Monats hatte ich außerdem mal einfach meine Wunschliste für mögliche Geburtstagsgeschenke auf Twitter und G+ geschickt, mit erstaunlichen Reaktionen: Leute schenkten mir tatsächlich was. 😉 Ich bloggte darüber unter Geschenke und Entscheidungen. Die Entscheidung, Nerd4U aufzulösen, die dort genannt ist, haben wir dann allerdings doch nicht umgesetzt, da wir später im Jahr neue Kunden dazugewinnen konnten. Was aber bleibt, ist die Entscheidung, aus Düsseldorf weg und an die Ostsee zu ziehen. Nur ist das finanziell halt immer noch weit weg.

Mitte Juni wurde Alex dann endlich aus dem Krankenhaus entlassen, und wir dachten, jetzt geht’s bergauf. Soviel zur Theorie.

Im April war meine Mutter von Mannheim nach Verden/Aller umgezogen, und so ging mein Besuch zu ihrem Geburtstag diesmal nicht nach Baden-Württemberg, sondern nach Niedersachsen.

Fotos vom Juni 2016:

Anfang Juli konnte ich dann endlich alle verbliebenen Probleme mit dem Mailserver lösen: Mailrouting mit Knoten. Daß da noch ein Problem auf dem alten Server bestand, hatte ich erst gar nicht mitbekommen. Zwei Tage später mußte ich gleich nochmal einen Knoten lösen, diesmal betraf es mein OpenVPN, das ich auf den neuen Server ziehen wollte. Ist schon nicht so einfach, wenn man solche Dienste nur alle Jubeljahre mal einrichten muß.

Außerdem begann ich Anfang Juli, im Auftrag eines Freundes alte Hardware und Software auf eBay zu versteigern, teils mit beachtlichen Erfolgen. Bei „alt“ reden wir hier von einem Zeitraum von 1992 bis etwa 1997 bei der Hardware, und die Software war teils noch älter. Ich hätte vorher nicht gedacht, daß es Leute gibt, die sich dafür nicht nur interessieren, sondern das Zeug auch tatsächlich noch einsetzen.

Derweil häuften sich auf Alex‘ Server die Ausfälle des Apachen, und ich fing an, mir Gedanken zu machen, was man daran ändern könnte – zumindest, bis er dazu kommt, einen anderen Webserver einzusetzen und für sämtliche Webs, die er da liegen hat (sind doch einige), die entsprechenden Config-Dateien zu bauen.

Über eine Meldung im Polizeiticker mußte ich dann doch nochmal meckern. Dort wurde nämlich über eine Studie der TU Kaiserslautern berichtet und erklärt, daß man verhindern wolle, daß Flüchtlinge die mentale Einstellung von Langzeitarbeitslosen übernähmen. Da mußte ich doch mal nachhaken; die Antwort war zwar schnell, aber leider unbefriedigend.

Gegen Monatsende hatte ich eine am Monatsanfang angefragte Erlaubnis eines amerikanischen Wissenschaftlers vorliegen, zwei seiner Blogeinträge ins Deutsche übersetzen und diese publizieren zu dürfen. Diese beiden Beiträge zum Thema Depressionen und Ängste fand ich sehr bemerkenswert, decken sie sich doch mit meiner seit Jahren geäußerten Vermutung, wir seien größtenteils nur deshalb depressiv, weil wir nicht sein dürfen, was wir sind. Gregg Henriques, Ph. D., beschreibt Depression als Symptom und eben nicht als Krankheit (von Ausnahmefällen abgesehen).

Schließlich rantete ich noch über ein neues halbherziges Gesetz der asozialen Bundesregierung, diesmal zur Leiharbeit. Es darf ja für die, die eh schon wenig haben und die prekär leben müssen, auf gar keinen Fall zu Verbesserungen kommen, nech?

Fotos vom Juli 2016:

Und trotzdem gibt es sie, diese winzigen Verbesserungen, obwohl sie in diesem Fall wohl eher der Tatsache geschuldet sind, daß man bei den ARGEn einfach nicht genug Personal hat, um uns Erwerbslosen in allen Lebensbereichen nachzuschnüffeln. Zum 1. August traten die „Rechtsvereinfachungen“ genannten Rechtsverschärfungen in Sachen Hartz IV in Kraft. Die brachten diesen einzigen winzigen Vorteil mit, den ich ab Anfang August dann auch sofort ausnutzte: Einnahmen, die weder aus Erwerbsarbeit stammen noch so hoch sind, daß das Finanzamt aufmerksam wird, werden nicht mehr angerechnet. Da ich mit den Verkäufen für einen Freund bemerkt hatte, wie gut alte Hardware auf eBay läuft, fing ich an, mein eigenes Hardware-Lager mal auszuräumen und das, was ich verzichtbar fand, anzubieten. Die Einnahmen daraus waren durchaus bemerkenswert.

Während meine ersten Auktionen schon liefen, fuhr ich auf Einladung von Alex mit ihm zusammen für ein paar Tage ins Saarland. Wir hatten dort eine Eintrittskarte zu einem Open-Air-Konzert von Chris de Burgh. Eingebucht hatten wir uns in einem netten Familienhotel in Mettlach, denn Losheim am See, unser eigentliches Ziel, hat keine Bahn-Anbindung, und ein weiterer Ort, der theoretisch in Frage kam, hat keinen barrierefreien Bahnhof – Mettlach schon. Das Hotel Mettlacher Hof dort ist übrigens durchaus empfehlenswert, hat ein barrierefreies Zimmer und Freifunk.

Nach meiner Rückkehr ärgerte ich mich allerdings ein wenig, weil die CD, die ich mir dort beim Konzert gekauft hatte, „Hands of Man“, kaputt war. Die eingeschweißte CD wies direkt nach dem Auspacken einen seltsamen schwarzen Fleck auf, und zwar noch im Datenbereich kurz vor dem inneren Loch. Dieser Fleck verhinderte jegliches Abspielen. Ich versuchte es mit zwei verschiedenen Programmen; die schafften es zwar jeweils, die ID der CD abzugreifen und damit von der FreeDB die Titel etc. zu holen, aber weiter kamen sie nicht. Und ich glaube, es ist kein Zufall, daß das CD-Rom-Laufwerk sich danach und seitdem nicht mehr sauber öffnen läßt, wenn ein Datenträger drinliegt. Eine entsprechende Beschwerde an die Firma hinter der Verkaufswebsite cdeb.net, Finally Fan Fair Ltd., wurde ignoriert, genauso wie eine Erinnerung an die Beschwerde. Aber daß diese Firma nicht sauber arbeitet, hatte ich ja schon 2007 erfahren müssen; damals schrieb ich „nicht die feine englische Art“.

Um Monatsmitte kündigten sich plötzlich neue Kunden für Nerd4U an, und wir warfen unseren Auflösungsbeschluß wieder um – obwohl weiterhin zu erwarten ist, daß das ARGE mir deshalb massiv zusetzen wird, sobald es wieder zahlungspflichtig ist.

Gegen Monatsende fand der zweite Piraten-Bundesparteitag 2016 in Wolfenbüttel statt, und da ich einen privaten Schlafplatz bekommen hatte, fuhr ich hin. Dort war ich mal mutig und bewarb mich für das Amt eines der Kassenprüfer. Zu meiner Überraschung wurde ich tatsächlich gewählt.

Fotos vom August 2016:

Den September eröffnete ich damit, daß ich mich über neue Gehässigkeiten der Bundes-Arbeitslosenverwaltung aufregen mußte. Es ging darum, daß Erwerbslose, die ihre Hilfsbedürfigkeit angeblich selbst herbeigeführt haben, bis zu drei Jahre bezogene Leistungen zurückbezahlen sollten. Da hätte mich doch mal sehr interessiert, ob und wie die BA gegen ARGEn vorgehen will, die ihre zynisch Kunden genannten Opfer aktiv und auf gesundheits- bis existenzgefährdende Weise am Arbeiten hindern. Ja, natürlich gar nicht. – Einen Tag später ergänzte ich das noch durch meinen Artikel über diese ekelhafte Behördengläubigkeit sowohl in der Gesellschaft als auch bei anderen Behörden. Behörden machen ja niiiie was falsch, und schon gar nicht absichtlich, nech? *kotz*

Danach schaffte ich es, mir meine Tastatur zu, ähm, bewässern, sodaß ich für ein paar Tage auf eine andere zurückgreifen mußte. Aber so eine gute IBM-Totschlag-Tastatur geht davon natürlich nicht dauerhaft kaputt; sie lieferte nur, bis alles wieder getrocknet war, teils die falschen Tasten-Codes, was im laufenden Betrieb dann doch etwas störte.

Außerdem hatte ich ja beschlossen, umziehen und mir dafür Geld zurücklegen zu wollen. Um das sinnvoll tun zu können, wollte ich mir ein einfaches Sparbuch zulegen. Mein Girokonto ist ja bei der GLS, und wenn ich Geld abheben möchte, ist der nächste Geldautomat der bei einer Volksbank. Also fragte ich dort nach, ob ich da ein Sparbuch haben kann. Die Antwort war etwas, ähm, irritierend: Nein, das ginge nur, wenn ich dort auch mein Girokonto führen lassen würde, weil man alles aus einer Hand liefern wolle. Ähm. Für mich wäre es natürlich sinnvoll, den Schalter zur Einzahlung auf (oder für Abhebungen von) Beträgen quasi direkt neben dem Bankautomaten zu haben, um das Bargeld dann nicht durch die Gegend fahren zu müssen, aber mein Girokonto wollte ich jetzt doch nicht nochmal umziehen. Dann eben nicht.

Dann ging es nach Berlin! Die Piratenpartei NRW hatte dazu aufgerufen, nach Berlin zu fahren und die Berliner Piraten im Wahlkampf zu unterstützen. Außerdem fand dort die 10-Jahres-Feier der Piratenpartei statt. Wenn NRW-Piraten dort hinfahren und helfen, hieß es, würden die Reisekosten vom Landesverband NRW bezahlt. Nun, wenn das Geld zurückkommen würde, war das ja kein Problem, das aus meinen bisher angesammelten Reserven für den Umzug vorzuschießen. Somit fuhr ich am 8. September nach Berlin, half bei zwei Wahlkampfständen und fuhr am 12. wieder nach Hause. Übernachten konnte ich privat. Auch Alex kam nach Berlin, wenn auch teils aus anderen Gründen, und so trafen wir uns nach dem Aufenthalt im Saarland im Vormonat schon wieder.

Mitte September kam Alex jedoch wieder ins Krankenhaus. Wir ahnten noch nicht, daß er da bis übers Jahresende hinaus bleiben würde …

Und dann knallten mir die Nachwirkungen der Berlin-Reise voll rein. Überforderung galore. Trotzdem verkaufte ich erstmal weiter auf eBay und schaffte es irgendwie, die Artikel immer spätestens zwei Werktage nach Bezahlung auf den Weg zu schicken. Dabei stieß ich dann noch auf eine interessante Post-Logik, als ich Verpackungsmaterial nachkaufen mußte.

Fotos vom September 2016:

Als ich die „From my window“-Fotos vom September hochladen wollte, schmierte mir Chromium ab. Komplett und reproduzierbar. Seitdem habe ich bei Google Photo keine Fotos mehr hochgeladen, auch wenn ich mittlerweile, weil Chromium in Debian Wheezy völlig kaputt gemacht wurde, auf iceweasel wechselte, mit dem das funktioniert. Ich will ja immer noch auf MediaGoblin gehen und selbst hosten, aber da sind wir schon bei den Vorhaben für 2017; die kommen später in einem eigenen Artikel dran.

Im Oktober ging ich dann endlich mal an das Problem „Brillen“. Lese- und Fernbrille brauchten ein Update, und – ja, das kostete mich dann doch einiges von meinen Reserven, und zunächst klappte es auch nur so halb; das stellte sich dann im November heraus. Im IRC hatte ich geschrieben: „Ich habe gerade 244,00 € für neue Brillengläser ausgegeben. Mit Entspiegelung und – seit langem mal wieder – Tönung. Und da ist schon Rabatt drin, sozusagen zahle drei, bekomme vier.“

Außerdem mußte ich mich nochmal mit meinem Kopfhörer befassen, weil mir da ein unangenehmes Hubschrauber-Flattern aufgefallen war, wenn ich die Lautstärke nicht übermäßig hoch drehte.

Auch die Verräterpartei SPD mußte mal ordentlich eins draufkriegen. Leider hat Frau MdB Hiller-Ohm darauf nicht reagiert, als ich über ihren zynischen Tweet mit dem „Paradies auf Erden“ einen Realitätsabgleich lieferte. Angeblich antwortet sie ja auf jeden Tweet, der an sie gerichtet ist; der Blogartikel hatte halt nicht nur 140 Zeichen, tut mir ja (nicht) leid.

Im Rahmen meines Kassenprüfer-Amtes wurde ich für den 20./21. Oktober nochmals nach Berlin gerufen. Also fuhr ich am 19. nach Berlin, arbeitete dort mit den anderen beiden Kassenprüfern zusammen zwei Tage an einer internen Aufgabe und fuhr am 22. Oktober wieder zurück.

Am 24. Oktober wurde die von Alex „gespendete“ Domain freie-software.org für den Verein der Freien Software-Freunde ins DNS eingetragen.

Gegen Monatsende sinnierte ich über mögliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Arten von Kriminalität und der politisch gewollten Zwangsverarmung.

Ende Oktober war der apache2 auf Alex‘ Server ein paarmal einfach weg. Ich vermutete, daß sich das alte Watchdog-Script (in bash) verstolperte und den Apachen dann nicht mehr neu starten konnte. Ich intensivierte meine Überlegungen dahingehend, wie man den Apachen mit einem erweiterten Script zur Raison rufen konnte – denn da Alex wieder im Krankenhaus lag, konnte er sich erstmal nicht darum kümmern.

Über den ganzen Oktober hatte ich schließlich noch Hardware, aber mittlerweile auch Bücher, Schallplatten, CDs und ein paar Kleidungsstücke auf eBay versteigert.

Der November begann mit einem Burnout-Schub, viel heftiger, als in den vorausgegangenen Monaten. Ich hatte ursprünglich zur OpenRheinRuhr einen Vortrag eingereicht, den aber dann zurückgezogen, weil abzusehen war, daß ich es nicht mal zur Veranstaltung schaffen würde. Und dann schaffte ich es doch und hielt am 6. November den – von meiner Seite aus nicht wirklich vorbereiteten – Vortrag über den Editor joe zusammen mit Sven Guckes, der mich ursprünglich auch dazu überredet hatte, diesen Vortrag einzureichen. Auf derselben Veranstaltung hat der Verein Freie Software Freunde dann auch zum ersten Mal das Projekt „Free Your Model Train“ vorgeführt und war auf großes Interesse gestoßen. Klar, Modelleisenbahnen ziehen immer 🙂

Einen Tag später war ich wieder bei meiner Optikerin gewesen, um meine Brillen abzuholen, und berichtete darüber im IRC: „Hab nur die Gläser für die Nahbrille bekommen, und die erlauben mir jetzt nur noch Scharfblick im Abstand 20 – 30 cm. Zu wenig. Monitor rangezogen, aber dann ist er bei 18″ … sagen wir, unübersichtlich. – Die Gläser für die Fernbrille waren zu klein gemacht worden und müssen nochmal gemacht werden (ich dachte bisher, die machen das selber, aber offenbar geben sie das Schleifen in Auftrag). Wenn ich die abhole, werd ich nochmal über die Nahbrille reden müssen …“

Aufgrund des akuten Burnouts hörte ich dann erstmal mit den Verkäufen auf eBay auf. Ich konnte nicht mehr garantieren, die Artikel nach der Bezahlung schnell genug zu versenden. Derweil fragte ich mich, wo die Grenze ist zwischen ARGE-Mitarbeitern und KZ-Wächtern und wie weit ARGE-Mitarbeiter menschenverachtenden Gesetzen gehorchen, bevor sie endlich mal merken, welche Verbrechen sie begehen.

Mittlerweile verschlechterte sich Alex Zustand dramatisch:

Und danach ging es erst richtig los:

Kurz nach Monatsmitte gab es ein sehr eigenartiges (und offenbar für einige Kunden eher nachteiliges) Systemupdate in Blau, also bei blau.de mit etwas seltsamem Ablauf. Am selben Tag entblödete sich die CSU nicht, ganz offiziell Hartz-IV-Bezieher zu beleidigen. Man könnte das als Wahlkampf-Getöse abtun, aber darin hat Menschenverachtung nunmal nichts verloren. Oder anders: Ist das noch ’ne Partei oder kann das weg?

Am 17. November fuhr ich, als es mir etwas besser ging, nach Heidelberg, um Alex endlich mal im Krankenhaus zu besuchen. Übernachten konnte ich bei seiner Mutter. Die beiden folgenden Tage verbrachte ich also bei ihm im Krankenhaus, und am zweiten Tag versuchten wir, zusammen an meinem Notebook das bisherige Script in bash zu erweitern, um seinen Webserver zu bändigen. Das erwies sich allerdings als recht umständlich, auch weil mein Thinkpad R61 ja ziemlich groß und schwer ist.

Am dritten Tag jedoch, am 20. November, entschied ich mich morgens dafür, den Besuch, der bis 22. geplant war, vorzeitig abzubrechen, weil ich ein „Kratzen im Hals“ hatte. Also fuhr ich wieder nach Hause. Möglicherweise hatte ich mir bei den Fahrten ins Krankenhaus und zurück in der S-Bahn oder an den Bahnhöfen was eingefangen.

Ein paar Tage später stellte sich das Kratzen, aus dem schnell ein Husten wurde, als vermutliche Luftröhrenentzündung heraus, zumindest vom „Fühl“ her. Beim Arzt war ich nicht gewesen, aber das Problem hatte ich in den letzten paar Wintern (außer letztes Jahr, aber da war der Winter ja sehr mild gewesen) ja schon mehrfach gehabt.

Dann gab es mal wieder eine Portion Verpeilung: verpeilte Klänge mit einer überflüssigen Neuanschaffung (zum Glück nicht sehr teuer) und einem Happy End.

Am 21. November begann ich mit der Portierung des Scripts für die Apache-Überwachung nach Python. Was wir in bash gebastelt hatten, funktionierte nicht, und mein Hauptproblem war einfach, daß ich bash nicht gut genug beherrsche.

Ende November fiel derweil in Heidelberg die Entscheidung, daß sich Alex das rechte Bein amputieren lassen muß. Man hätte es vielleicht nochmal „gesund“ pflegen können, aber es wäre immer wieder zu Infektionen gekommen, immer häufiger und immer gefährlichere. Die Bakterien ließen sich einfach nicht mehr bekämpfen. Amputationstermin: 29.11.

Anfang Dezember kam nochmal ein massiver Burnout-Schub. Trotzdem schaffte ich es irgendwie und in mehreren Anläufen, zu loggen, was iptables wegwirft.

Der Burnout ging schließlich so weit, daß ich eine Woche später mal ein paar Tage lang von Twitter wegblieb, um etwas mehr Ruhe zu bekommen. Das hatte sich tatsächlich gelohnt. Ich konnte nach der Unterbrechung durch den Burnout-Schub an meinem Python-Script weiterschrauben. Am 14. Dezember installierte es Alex dann zum ersten Mal auf seinem Produktiv-Server, denn leider kann man das nicht testen, wenn der (lokale) Apache eigentlich gar nix zu tun hat. Trotzdem brauchte es noch einige Testläufe, bis der Apache-Workaround in Python zuverlässig lief (zur Zeit des Blogartikels vom 15. Dezember tat er das noch nicht). Nach mehreren Anläufen und einigen zusätzlichen Erweiterungen lief dann erstmals die Version 0.3.2d sauber und fehlerfrei. Die aktuelle Version 0.3.6b (Stand: 29.12.2016) hat dann nochmal Erweiterungen, Verbesserungen und insbesondere ein besseres Logging bekommen und ist auf Funktionsfähigkeit im Produktivbetrieb getestet. Da bin ich dann doch so ein bißchen stolz drauf. 🙂

Nach dem Anschlag am Breitscheidplatz in Berlin habe ich mich dann noch darüber ausgelassen, was ich davon halte, daß Polizisten Weihnachtsmärkte oder generell Veranstaltungen mit Maschinenpistolen schützen sollten (nämlich nicht viel).

Weihnachten, die Congress-Tage und Silvester verbrachte ich dann mit sehr viel Ruhe, etwas Programmierung, ein paar Vorträgen vom 33c3 (per Stream) und ein bißchen besserem Essen als sonst.

Ja, das war dann so im großen und ganzen mein persönlicher Jahresrückblick. Für welche Themen aus Politik usw. ich mich interessiert hatte, ist aus den „Im Netz aufgefischt“-Artikeln herauszulesen, das wollte ich hier jetzt nicht auch nochmal aufdröseln.

Flattr this!

Frosch - Im Netz aufgefischt #297

Die letzten Reste Rechtsextremismus etc. vom alten Jahr finden sich bei den Besorgten Bürgern: Besorgte Nachrichten, KW 52/2016. Euch ein gutes Neues und vor allem Gesundheit.

Arbeit

Armut

Autismus

Breitscheidplatz

Chaos Computer Club

Deutsche Bahn

Donald Trump

Gesellschaftspolitik

Hartz IV & Co.

IT-Sicherheit

Kölner Polizei an Silvester

Pressefreiheit

Überwachung

Und sonst so?

Flattr this!

28.12.2016

OpenRheinRuhr - Industriekultur im Hintergrund

CC-BY-SA 3.0 by Raimond Spekking

Unsere Plakate -so einfach sie sind- haben immer einen interessanten Hintergrund. Wer genau hinschaut, erkennt Motive der Industriekultur - schließlich befinden wir uns im Ruhrgebiet, der Region der Industriekultur schlechthin. Und auch unser Veranstaltungsort passt ja genau in diese Reihe.

Und was seht ihr 2017?

Das alte Schiffshebewerk in Henrichenburg

Um vom Dortmund-Ems-Kanal aus den Dortmunder Hafen erreichen zu können, mussten die Schiffe eine Höhe von 14 Metern überwinden. Dies wäre zu Zeiten des Baus des Dortmund-Ems-Kanals über mehrere Schleusen möglich gewesen. In Henrichenburg aber fiel die Entscheidung zu Gunsten eines viel spektakuläreren Bauwerks: Dem Schiffshebewerk. Dabei wird ein Schiff nicht wie in einer Schleuse über eine Anpassung des Wasserspiegels gehoben oder gesenkt, sondern es fährt in einen Trog und wird wie in einem Aufzug befördert.

Das alte Schiffshebewerk ist eingebettet in den "Schleusenpark Waltrop" und kann als Teil des Westfälischen Landesmuseums für Industriekultur besichtigt werden.

Flattr this!

25.12.2016

Frosch - Im Netz aufgefischt #296

So, der Server, auf dem die Besorgten Bürger gehostet werden, ist wieder stabil! Ich bin da auch so’n bißchen stolz drauf, weil der dortige apache2 nämlich durch mein Workaround-Script auf Trab gehalten wird, das jetzt in der Version 0.3.2d endlich fehlerfrei läuft. Der Link dort im Artikel geht sogar schon zur erweiterten Version 0.3.5.

Ja, und ohne Euch die Weihnachtsstimmung trüben zu wollen: Es gibt sie halt auch noch, die Besorgten Nachrichten KW 51/2016, da muß man wohl durch …

Was ich sonst noch so las:

Autismus

Behinderung / Inklusion

Breitscheidplatz

Depression

Hartz IV & Co.

Jacob Appelbaum

Kinder

Terror

Twitter-Weisheiten

Überwachung

Flattr this!

24.12.2016

OpenRheinRuhr - Frohe Weihnachten von der ORRga der OpenRheinRuhr

Und wieder ist eine OpenRheinRuhr vorbei und schon fast wie selbstverständlich kündigt sich das Weihnachtsfest an.

Für die ORRga der OpenRheinRuhr bedeutet das Weihnachtsfest das kurze Ausruhen vor der Organisation der OpenRheinRuhr 2017.

Wir wünschen allen Besuchern, Ausstellern, Vortragenden, Sponsoren, Helfern und allen anderen - die wir hier nicht aufzählen - ein frohes, ruhiges und besinnliches Weihnachstfest und freuen uns auf ein Wiedersehen auf der OpenRheinRuhr 2017.

Flattr this!

21.12.2016

Frosch - Maschinenpistolen

Nach dem vorgestrigen mutmaßlichen Anschlag am Berliner Breitscheidplatz, wo ein Sattelschlepper mit 40 Tonnen in einen Weihnachtsmarkt gelenkt worden war und (nach derzeitigem Stand) 12 Menschen getötet und über 50 verletzt hatte, schien gestern ungefähr jede fünfte Meldung im Polizeiticker das Thema „Sicherheit unseres lokalen Weihnachtsmarktes“ zu sein. Insbesondere wurde in einem Teil dieser Meldungen berichtet, daß die Polizisten, welche die Märkte bewachen, jetzt teilweise mit Maschinenpistolen ausgerüstet seien. Daraufhin fragte ich meine Follower auf Twitter: Fühlt Ihr Euch sicherer, wenn Polizisten mit offen getragenen Maschinenpistolen rumlaufen?

Dieselbe Frage stellte ich auch auf Google Plus, und das Ergebnis ist noch deutlicher:

Fühlt Ihr Euch sicherer, wenn Polizisten mit offen getragenen Maschinenpistolen rumlaufen? – Antworten: Ja 0 %, Nein 100 %

Auf Twitter antworteten 16 Personen binnen 24 Stunden, davon sagte nur eine einzige Person = 6 % Ja, sie fühlt sich sicherer, und 15 Personen = 94 % antworteten, nein, sie fühlten sich nicht sicherer.

Auf Google Plus antworteten 38 Personen, und hier antwortete gar keiner mit Ja, also alle mit Nein. Ein Kommentator bemängelte, daß ich keine Enthaltungsmöglichkeit angeboten hatte. Ja, mein Fehler.

Es wäre vielleicht sogar noch sinnvoll gewesen, explizit danach zu fragen, ob sich Leute unsicherer fühlen, denn darauf hatte ich es eigentlich abgesehen gehabt. OK, ich mach ja nicht ständig Umfragen, also verzeiht mir bitte die Nachlässigkeiten 😉

Mir war ja von vornherein klar, daß diese beiden Umfragen Statistikern nicht mal ein müdes Lächeln abringen werden. Trotzdem finde ich die Klarheit der Ergebnisse beeindruckend: Kaum jemand fühlt sich sicherer, wenn Polizisten mit Maschinenpistolen herumlaufen.

Gefragt hatte ich, weil es mir genauso geht (zur Klarstellung: Ich habe in beiden Abstimmungen nicht mitgestimmt). Mehr noch: Ich fühle mich in der Gegenwart von – insbesondere, aber nicht nur offen getragenen – Schußwaffen generell sehr unwohl, ich werde unruhig und würde am liebsten weglaufen. Dabei kommt es absolut nicht darauf an, wer die Waffe trägt und mit welcher Intention.

Eine meiner ältesten Erinnerungen dürfte dazu beigetragen haben: Ich muß wohl jünger als oder maximal 5 Jahre gewesen sein, als mein Vater Besuch von einem Bekannten bekam. Der war Polizist und kam nach dem Dienst, aber noch in Uniform und mit Dienstwaffe zu uns. Mein Vater blaffte ihn noch vor der Wohnungstüre an, daß hier ein kleines Kind rumläuft und er daher die Schußwaffe nicht in seiner Wohnung dulden werde. Der Bekannte zog daraufhin ab, und ich meine, daß er sich danach nie mehr hat sehen lassen.

Verstärkt wurde bei mir diese Abneigung gegen Schußwaffen durch – nicht lachen – eine Fernsehserie, die ich gerade derzeit wieder von DVD schaue: MacGyver. Die Folge, welche erklärt, warum sich MacGyver strikt weigert, mit Schußwaffen zu schießen oder auch nur damit zu drohen, brachte den Produzenten damals offenbar massive Kritik der National Rifle Association (NRA), dem US-amerikanischen Waffenbesitzer-Verein, ein. Aus gutem Grund: In dieser Folge spielen der junge MacGyver und drei Freunde mit einer geladenen Pistole und schießen zunächst auf Gegenstände. Als einer der Jungen auf einen Vogel zielt, schlägt ihm MacGyver die Waffe aus der Hand, die schlägt ungesichert auf dem Boden auf und es löst sich ein Schuß. Die Kugel verletzt einen der anderen Jungen tödlich.

Wikipedia sagt dazu:

Zu den ausführenden Produzenten gehörte von Serienbeginn an Stephen Downing, der vor seiner Arbeit für die Serie 20 Jahre lang Polizist in Los Angeles war. Er nutzte die Serie, um angesichts der in den USA immens hohen Zahl von Todesfällen durch Handfeuerwaffen gegen deren Benutzung einzutreten. Dazu dienten ihm die Episoden Blutsbrüder (Staffel 4), in der sich MacGyver an den schusswaffenbedingten Tod eines seiner Kindheitsfreunde erinnert, und Eine Waffe mit Vergangenheit (Staffel 6). In der zweitgenannten Episode geht es um einen Revolver, der – ähnlich wie im Mordfall Robert F. Kennedy – vor 20 Jahren einen Senator getötet hat und der, wie in den USA üblich, danach durch eine Polizeiauktion wieder in Umlauf gelangte.

(Quelle: MacGyver, Abschnitt „Produktion“; letzte Änderung der gesamten Seite: 20. November 2016 um 23:48 Uhr)

Bei keiner anderen Waffenart habe ich (ohne damit bedroht zu werden) solche Fluchttendenzen: Ein Polizeiknüppel macht mir keine Angst. Ein Messer ebenfalls nicht. Denn das sind generell Nahkampfwaffen, auch wenn man damit natürlich auch hinterrücks angegriffen werden kann.

Interessant ist ein anderer Kommentar in meiner Umfrage auf Google Plus:

+Ingo Heinscher Selbst ohne den Polizisten irgendwas zu unterstellen: Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Unfall mit diesen Waffen gibt, ist höher, als mit einer Faustfeuerwaffe.

Ganz unabhängig davon:

Dr. Patrick Breyer (PIRATEN) sagt ganz richtig:

Natürlich. Denn was hilft es, auf den Fahrer oder in die Reifen eines schweren LKWs zu schießen, wenn der LKW in voller Fahrt ist und dann erst recht nicht mehr kontrolliert oder gebremst werden kann, nicht mal mehr vom Fahrer selbst? Dann werden wohl kaum weniger Menschen verletzt werden, oder? Wie lange dauert es, bis ein LKW zum Stehen kommt, wenn der Fahrer ihn nicht mehr kontrollieren kann, entweder weil er verletzt/getötet wurde oder weil das Fahrzeug wegen des/der zerschossenen Reifen(s) nicht mehr kontrollierbar ist?

Eben.

Der Fahndungsaufruf nach dem derzeitigen Tatverdächtigen ist übrigens beim Bundeskriminalamt zu finden: Fahndungsaufruf Amri, Anis.

Flattr this!